{"id":12884,"date":"2026-08-31T08:59:35","date_gmt":"2026-08-31T08:59:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12884"},"modified":"2026-08-31T09:06:08","modified_gmt":"2026-08-31T09:06:08","slug":"geborgenheit-inmitten-der-schmelzenden-gletschermassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=12884","title":{"rendered":"Geborgenheit inmitten der schmelzenden Gletschermassen"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12885\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Brandenburger Haus (3277m)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Brandenburger Haus ist in meiner Wahrnehmung in vieler Hinsicht die extremste Schutzh\u00fctte in den Ostalpen. Es gibt keinen Zustieg, der nicht \u00fcber einen Gletscher ginge. Wer hierher aus dem \u00d6tztal, dem Kaunertal oder aus dem Langtauferertal kommt, \u00fcber den Kesselwandferner oder den schier endlos weiten Gepatschferner, braucht komplette Gletscherausr\u00fcstung und entsprechende Erfahrung damit. In diesem Sommer besonders, in dem die Spalten zwar alle (alle?) offen sind, aber das Eis daf\u00fcr blank und die Spalten an Zahl unvergleichlich zugenommen haben. Mein subjektiver Vergleich bezieht sich auf den Juli 2023, als ich zuletzt hier war.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Brandenburger Haus wird in manchen Beschreibungen zu Recht als \u201eGletscherschloss\u201c bezeichnet. Wenn das denkmalgesch\u00fctzte Haus ein \u201eSchloss\u201c ist, dann gibt es darin auch eine K\u00f6nigin. Das ist die neue junge H\u00fcttenp\u00e4chterin Teresa. Die Leidenschaft f\u00fcr die Berge spricht aus ihren Augen. Als Bergretterin bringt sie auch mehr als alpine Erfahrung mit sich. Da braucht es tats\u00e4chlich eine F\u00fclle an F\u00e4higkeiten, damit es Wasser gibt \u2013 sie zeigt uns den neuen Hochbeh\u00e4lter, der mit Wasser aus einem Toteisfeld oberhalb der H\u00fctte gespeist wird, damit es Essen f\u00fcr die G\u00e4ste gibt \u2013 es schmeckt hervorragend, damit die Zufuhr mit Hubschrauberfl\u00fcgen funktioniert, damit die Photovoltaik-Anlage gen\u00fcgend Strom zur Verf\u00fcgung stellt, damit das \u00f6kologische Toiletten-Anlage-System seine Arbeit leistet, damit sie ein unterst\u00fctzendes und motiviertes Team um sich hat &nbsp;und vor allem auch, damit man sich dort geborgen f\u00fchlt, wo vor der H\u00fctte kein Gras w\u00e4chst, sondern die gr\u00f6\u00dften Gletscherfl\u00e4chen \u00d6sterreichs sich ausbreiten. Der Gipfel der Wei\u00dfseespitze ist in sechs Kilometer Entfernung von der H\u00fctte. Dazwischen nur Eisfl\u00e4che und gef\u00fchlt Tausende Spalten. Es g\u00e4be auch einen \u00dcbergang hinunter \u00fcber die Vernaglw\u00e4nde und hin\u00fcber zur Wei\u00dfkugel. Die Bedingungen sind inzwischen anders. Man hat selbst das Kreuz von der Wei\u00dfkugel vor kurzem abgetragen, weil das Fundament des Sockels sich lockerte. Die Zustiege zur Wei\u00dfkugl, dem dritth\u00f6chsten Berg \u00d6sterreichs, sind gef\u00e4hrlich geworden. Steinschlag oder schwer \u00fcberwindbare Spalten. Die Wei\u00dfkugl wirkt auch gar nicht mehr wei\u00df \u2013 und es ist nicht nur der Saharastaub, der sich in den letzten Tagen \u00fcber die Gletscher legte. Vom Hausgipfel, der Dahmannspitze \u2013 sie l\u00e4sst sich schnell von der H\u00fctte aus \u00fcber Blockwerk und einen Steig erreichen \u2013 sieht man unten die Rauhekopfh\u00fctte auf einem l\u00e4ngst aperen br\u00e4unlich-r\u00f6tlich-grauem Mor\u00e4nenr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Beschreibung auf der Website des Brandenburger Hauses trifft genau mein Empfinden: \u201eEs ist kein Ort f\u00fcr Eile. Kein Ort f\u00fcr Komfortdenken. Diese H\u00fctte ist ein Platz, der Respekt einfordert \u2013 gegen\u00fcber dem Berg, den Bedingungen und den Menschen, die diesen St\u00fctzpunkt unter extremen Umst\u00e4nden m\u00f6glich gemacht haben.\u201c Das hochgelegene Eisschloss erz\u00e4hlt auch noch von einer anderen Geschichte, die wenig r\u00fchmlich ist. Die nationalsozialistisch gesinnte Sektion Mark Brandenburg, von der J\u00fcdinnen und Juden ausdr\u00fccklich ausgeschlossen waren, wollte zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einem k\u00fchnen Bauwerk am Scheidepunkt zwischen Gepatsch- und Kesselwandferner ihrem heroischen Eroberergeist einen markanten Ausdruck verleihen. Das ist tats\u00e4chlich gelungen. Auf einem soliden Grundstockwerk wurden noch weitere drei Stockwerke aus Stein gemauert. Granitsteine gibt es oberhalb der H\u00fctte ja genug. Am Eingang der H\u00fctte erinnert eine Tafel an die Geschichte und zieht daraus Lehren f\u00fcr die Jetztzeit: Zwischen dem Edelwei\u00df-Logo des AV und einem Davidstern steht: \u201eGegen Intoleranz und Hass uns Bergsteigern zur Mahnung \u2026 uns ist es eine St\u00e4tte der Freundschaft und Begegnung f\u00fcr alle Bergsteiger, unabh\u00e4ngig von Nationalit\u00e4t, Religion oder Hautfarbe \u2026\u201c Meine Gedanken gehen in jene Gegenden im Osten Deutschlands, aus denen die Mitglieder des Vereins Mark Brandenburg kamen. Landtagswahlkampf ist dort. Die AfD mit ihren rechtsextremen Inhalten der Fremdenfeindlichkeit ist im Aufwind aber auch das BSW operiert mit populistisch antisemitischen Wahlt\u00f6nen. Am Gipfel der Dahmannspitze wehen die tibetischen Fahnen, die von einer Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern und von einer Verbindung zwischen den Menschen und der Erde erz\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fluchtkogel und Spaltenlabyrinth<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Freund sucht sich gekonnt einen Weg durch das Spaltenlabyrinth des Kesselwandferners. \u201ePasst auf die L\u00f6cher auf \u2026\u201c, meinte Teresa mit einem gewissen Understatement. Nach der Randspalte ziehen wir uns die Eisen aus. Inzwischen ist es m\u00f6glich geworden, ohne die Ber\u00fchrung von Gletscherfeldern problemlos am Felsen und Grat entlang \u00fcber einen Bogen bis auf die Spitze zu steigen. Das ist zwar weniger edel, entspricht mir aber besser. Vom urspr\u00fcnglicen Plan, \u00fcber das Guslarjoch und den Guslarferner hinunter zur Vernagth\u00fctte zu steigen, lassen wir ab. Es w\u00e4re sehr steinschlaggef\u00e4hrdet, meinte Teresa, und wir sind dankbar f\u00fcr diesen Hinweis. Es bedeutet allerdings, noch einmal sich einen Weg im Zickzack zwischen den Spalten des Kesselwandferners zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Umweg \u00fcber die Vernagth\u00fctte nach Vent<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir entscheiden spontan: Sollen wir den Steig nehmen, der \u00fcber die Guslarspitzen zur Vernagth\u00fctte (2750 m) f\u00fchrt oder jenen, der in einem weiten Bogen knapp oberhalb vom Hochjoch-Hospitz s\u00fcdlich um die Guslarspitzen f\u00fchrt? Wir w\u00e4hlen letzteren, der sich dann als wesentlich l\u00e4nger entpuppt, daf\u00fcr eine wunderbare Wanderung in leichtem Auf- und Ab und hochalpinem Ambiente weit oberhalb des Rofnertales bietet mit einem nochmals kr\u00e4ftigen Gegenanstieg hinauf zu H\u00fctte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vernagth\u00fctte spielt in einer anderen Liga als das Brandenburger Haus. Es liegt fast lieblich in einem Almgel\u00e4nde. Das Eis des Guslarferners und des Vernagtferners hat sich weit in die Becken Richtung Gipfel- und Grate zur\u00fcckgezogen. Weit unterhalb ist der Vernagtbach mit tosendem Schmelzwasser gef\u00fcllt. Beim Blick auf die B\u00e4che denke ich unweigerlich auch an die Sturzflut in Nepal vor einigen Tagen. Andrea Fischer hat als Glaziologin die Botschaft klar formuliert. Solche Ereignisse k\u00f6nnten sich in kleinerem Ma\u00dfstab auch in den Alpen abspielen. In diesem Jahr, in dem laut Berechnungen die Eisfl\u00e4che um bis zu zehn Prozent zur\u00fcckgeht und der Permafrost allerorten aufbricht, sind Vermurungen und Sturzfluten auch bei uns m\u00f6glich. Der Klimawandel ist l\u00e4ngst angekommen: allerdings nicht im Bewusstsein jener, die rechtspopulistischer Propaganda auf den Leim gehen oder halbherzige Klimaschutzziele zu verantworten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vernagth\u00fctte kann mit einer Materialseilbahn versorgt werden. So einfacher ist das als die Versorgung auf dem Brandenburger Haus. Weniger extrem. Viel weniger exponiert. Das bringt auch mehr H\u00fctteng\u00e4ste. Auch an diesem Tag. Auf die Kasspatzln m\u00fcssen wir kaum warten. In den Fensterb\u00e4nken und vor der H\u00fctte sind T\u00f6pfe mit bl\u00fchenden Blumen. Beim Abstieg nach Vent kommen uns noch einige Menschen entgegen. Man braucht keine Gletscherausr\u00fcstung, um zu dieser H\u00fctte zu kommen. Nun merke ich die Schwere von Pickel, Steigeisen und Seil auf meinem R\u00fccken und beginne langsamer gelenkschonend zu gehen. In diesem Sp\u00e4tsommer-Fr\u00fchherbst-Licht sind die Farben intensiv. Tiefblau der Himmel mit knallwei\u00dfen Wolken, tiefbraun-orange die H\u00e4nge hinauf zum Ramolkogel oberhalb von Vent, tiefgr\u00fcn die Wiesen bei den Rofanh\u00f6fen. Nur im Tal unten in S\u00f6lden m\u00f6chte ich dann die Augen vor dem Massen-Event-Tourismus und dem Blechwurm schlie\u00dfen. Dabei war ich selbst vor neun Jahren noch jemand, der beim \u00d6tztal-Radmarathon mitfuhr. \u201eTempora mutantur, nos et mutamur in illis.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/brandb-t-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Brandenburger Haus (3277m) Das Brandenburger Haus ist in meiner Wahrnehmung in vieler Hinsicht die extremste Schutzh\u00fctte in den Ostalpen. Es gibt keinen Zustieg, der nicht \u00fcber einen Gletscher ginge. Wer hierher aus dem \u00d6tztal, dem Kaunertal oder aus dem Langtauferertal kommt, \u00fcber den Kesselwandferner oder den schier endlos weiten Gepatschferner, braucht komplette Gletscherausr\u00fcstung und entsprechende&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":12885,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,1800,181],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12884"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12884"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12888,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12884\/revisions\/12888"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/12885"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}