{"id":1873,"date":"2015-06-13T14:22:10","date_gmt":"2015-06-13T14:22:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1873"},"modified":"2022-08-22T07:40:03","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:03","slug":"kirche-im-kritischen-widerspruch-zu-militaerischer-gewalt-oder-im-dienst-der-legitimation-von-militaer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1873","title":{"rendered":"Kirche im kritischen Widerspruch zu milit\u00e4rischer Gewalt  oder im Dienst der Legitimation von Milit\u00e4r?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zur Weihe des neuen Milit\u00e4rbischofs in \u00d6sterreich &#8211; Verh\u00e4ngnisvolle Aff\u00e4re wird fortgesetzt<\/strong><\/p>\n<p>Am Donnerstag, 11. Juni 2015, wurde Werner Freistetter als Nachfolger von Christian Werner zum Milit\u00e4rbischof geweiht. Seine Ernennung war zwei Monte zuvor, am 12. April 2015, bekannt gemacht worden. Seit diesem Datum gab es kaum Berichte \u00fcber dieses nicht unbedeutsame Ereignis. Selbst friedensbewegte Menschen innerhalb der Kirche schien die Ernennung des neuen Milit\u00e4rbischofs und seine Weihe nicht zu bek\u00fcmmern. In den Medien wurde vielmehr \u00fcber die gleichzeitig erfolgte Ernennung des neuen steirischen Oberhirten Krautwaschl berichtet, der mit einem erfrischend unkonventionellen und leutseligen Stil seine Amtszeit begann.<\/p>\n<p>Aus friedenspolitischer Sicht ist zu w\u00fcnschen, dass im Zusammenhang mit der Weihe eines\u00a0 neuen Milit\u00e4rbischofs ein Diskurs gef\u00fchrt w\u00fcrde.\u00a0 In diesem Beitrag, den ich anl\u00e4sslich der Ernennung geschrieben habe, m\u00f6chte ich aus pazifistischer Perspektive auf die kritischen Aspekte eingehen, wie Milit\u00e4rseelsorge in \u00d6sterreich institutionalisiert ist. Es geht nicht um eine Kritik an der Person des neuen Milit\u00e4rbischofs, sondern dieser Institution.<\/p>\n<p>Christian Werner hatte bereits Ende Oktober 2013 aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden bei Papst Franziskus seinen R\u00fccktritt eingereicht. Werner Freistetter, sein jetziger Nachfolger, war als Milit\u00e4rgeneralvikar auch zugleich Generalmajor im \u00d6sterreichischen Bundesheer und bekleidete damit eine der rangh\u00f6chsten milit\u00e4rischen Positionen.<\/p>\n<p>Pazifistische Organisationen und Menschen aus dem Bereich der Friedensbewegung sind der real-existierenden Milit\u00e4rseelsorge immer schon kritisch gegen\u00fcber gestanden. Auch in der katholischen Kirche hofften viele, dass eine neuerliche Ernennung eines eigenen Milit\u00e4rbischofs in \u00d6sterreich nicht mehr erfolgt und die Seelsorge f\u00fcr Bedienstete des Bundesheeres und deren Familien bzw. f\u00fcr Rekruten ohne ein eigenes Milit\u00e4rordinariat geschieht. Die Internationale der Kriegsdienstgegner\/innen kritisiert die Milit\u00e4rseelsorge seit 1957. Der Internationale Vers\u00f6hnungsbund hat in dieser Frage bei seinem 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4umstreffen im Sommer 2014 in Konstanz dazu beraten und unterst\u00fctzt die \u201e\u00d6kumenische Initiative zur Abschaffung der Milit\u00e4rseelsorge\u201c.<\/p>\n<p>Kirchliche Gremien und Kirchenvertreter, zahlreiche kirchliche Dokumente und Erkl\u00e4rungen haben in den vergangenen Jahren appelliert, jegliche religi\u00f6se Legitimierung von Kriegen zu unterlassen. Im Namen des christlichen Glaubens darf kein Krieg mehr gef\u00fchrt werden. Religion und Krieg sind der gr\u00f6\u00dfte Widerspruch. Angesichts der Tatsache, dass so viele Kriege unter religi\u00f6sen Etikettierungen stattfinden, braucht es die unmissverst\u00e4ndlichen Zeichen und Signale: Kein Krieg, keine Legitimation zum Kriegf\u00fchren, keine Kriegsvorbereitungen im Namen des Christentums.<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fcnde w\u00fcrden daf\u00fcr sprechen, dass in \u00d6sterreich das eigenst\u00e4ndige Milit\u00e4rbistum wieder in ein Ordinariat umgestaltet wird, wie dies beispielsweise in Deutschland gemacht wurde oder auch in \u00d6sterreich bis 1986 \u00fcblich war. In diesem Fall w\u00fcrde das Ordinariat von einem anderen Di\u00f6zesanbischof zus\u00e4tzlich geleitet werden.<\/p>\n<p><strong>Pazifistische Anf\u00e4nge des Christentums und Abkehr vom urchristlichen Gewaltverzicht <\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte des Christentums begann mit einer klaren Position, dass Frieden durch Gewaltverzicht, durch aktive Schritte der Entfeindung und durch Vers\u00f6hnung geschaffen werden kann. Das z\u00e4hlt zum Kern der jesuanischen Botschaft und des Lebens Jesu, von der Wiege im Stall zu Betlehem bis zu seinem Tod am Kreuz. Diese pazifistische Sto\u00dfrichtung blieb in der fr\u00fchen Kirche bis zur Konstantinischen Wende unwidersprochen. Mit dem ersten \u201echristlichen\u201c Kaiser \u00e4nderte sich die offizielle Linie im Christentum: Indem es zur Staatsreligion wurde, war es nun m\u00f6glich, Christ und Soldat zugleich zu sein. Die Kirche selbst wurde \u00fcber viele Jahrhunderte zu einer kriegf\u00fchrenden Macht und immer wieder haben Bisch\u00f6fe und P\u00e4pste Kriegsgeschehen unterst\u00fctzt \u2013 von den Eroberungsfeldz\u00fcgen Kaiser Karls zu den Kreuzz\u00fcgen, \u00fcber die Conquista und den Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg, selbst in den beiden Weltkriegen wurde von den Kanzeln f\u00fcr eine Kriegsbeteiligung geredet, wurden Waffen gesegnet und dem Schlachten ein kirchlicher Segen gegeben. Erzbischof Kardinal Joseph Frings aus K\u00f6ln (1887-1978) war einer der ersten, der die Wiederaufr\u00fcstung Deutschlands forderte, womit auch die Basis f\u00fcr die deutsche R\u00fcstungsindustrie gelegt wurde, die heute zu den drittgr\u00f6\u00dften der Welt z\u00e4hlt. Im Afghanistan-Krieg (2001) und im Libyen-Krieg waren Kirchenvertreter segnend dabei. Das unmissverst\u00e4ndliche Nein zu Krieg und milit\u00e4rischer Gewalt wurde missachtet.<\/p>\n<p>Diese Geschichte sollte eine Mahnung sein, dass sich die Kirchen nie wieder vor den Karren der Milit\u00e4rs spannen lassen, sondern im Gegenteil im jesuanischen Auftrag Sand im Getriebe der Milit\u00e4r- und T\u00f6tungsmaschinerien sind. Mit Blick auf die Kriegsgebiete dieser Welt braucht es die Signale, dass ein \u201eGotteskriegertum\u201c im Widerspruch zu dem religi\u00f6sen Grundethos jeder Religion z\u00e4hlt. Wenn ein Priester als Offizier und in der Uniform einer Armee auftritt, die etwa im Kampf gegen islamistische Kr\u00e4fte ist, wird es aus dem Blickfeld dieser \u201ebek\u00e4mpften\u201c Richtung erscheinen, als sei das Christentum im Kampf gegen den Islam. Diese Karte wird allzu oft von Terroristen bem\u00fcht.<\/p>\n<p>Die Kernbotschaft der Bibel lautet, dass Gewalt nicht durch Gewalt zu besiegen ist. Gott erweist sich in der j\u00fcdisch-christlichen Geschichte als der, der stets den Frieden will, der nur durch Vergebung und Vers\u00f6hnung geschaffen werden kann. Gott verbietet in der Abrahamsgeschichte jedes Menschenopfer. Die Propheten des Alten Bundes sind aufgestanden gegen die Pl\u00e4ne der K\u00f6nige, sich auf milit\u00e4rische Macht zu verlassen. Die Sehnsucht nach dem Messias war eine Sehnsucht nach einem Frieden zwischen allen V\u00f6lkern. Jesus predigte: \u201eWer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.\u201c In der Mitte seiner Botschaft stand der Auftrag, die Feinde zu lieben, Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten. Seine Nachfolger sendet er waffenlos \u201ewie Schafe unter die W\u00f6lfe\u201c \u2013 nicht jedoch, damit sie von den W\u00f6lfen gefressen werden, sondern damit die W\u00f6lfe zu ihren Freunden werden.<\/p>\n<p><strong>Geschichte und Struktur der Milit\u00e4rseelsorge in \u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Struktur der katholischen Milit\u00e4rseelsorge in \u00d6sterreich geht zum einen auf das Konkordat von 1933 und zum anderen auf die Neuregelung aus dem Jahr 1989 (Spirituale militum curae) zur\u00fcck. 1989 wurde das bestehende Milit\u00e4rvikariat in Milit\u00e4rordinariat umbenannt. In dieser Apostolischen Konstitution wurde das Milit\u00e4rordinariat den anderen Di\u00f6zesen juristisch gleichgestellt, wodurch dem Milit\u00e4rbischof s\u00e4mtliche Rechte und Pflichten eines Di\u00f6zesanbischofs zukommen. Er geh\u00f6rt von Rechts wegen der \u00d6sterreichischen Bischofskonferenz an. In seine personale Jurisdiktion fallen alle Pr\u00e4senzdiener und Soldaten auf Dauer ihres Milit\u00e4rdienstes, aber auch Familienangeh\u00f6rige von Soldaten. Zugleich bleiben Katholiken auch in der Jurisdiktion ihrer Heimatdi\u00f6zesen. Die Abh\u00e4ngigkeit zum Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung ist in vielen Bereichen sichtbar. So ist der Milit\u00e4rgeneralvikar dem Ministerium \u201ein allen nicht ausschlie\u00dflich sein geistliches Amt betreffenden Angelegenheiten gegen\u00fcber weisungsgebunden.\u201c Vom Rang her ist er zugleich Generalmajor. Dies ist eine der h\u00f6chsten Stellungen im Milit\u00e4r. Auch die Milit\u00e4rdekanatsgeistlichen werden nach vorherigem Einvernehmen mit dem Bundesministerium f\u00fcr Landesverteidigung durch den Milit\u00e4rordinarius bestellt. Ebenso werden die Milit\u00e4rgeistlichen staatlich ernannt. Die Besoldung erfolgt nach staatlichen Vorgaben.<\/p>\n<p><strong>Glaubw\u00fcrdigkeit steht auf dem Spiel<\/strong><\/p>\n<p>Zu Recht ist in der \u00f6ffentlichen Debatte die Kirche stets pr\u00e4sent, wenn sie an den Endpunkten menschlichen Lebens f\u00fcr den Lebensschutz eintritt. Dieses \u201eDu wirst nicht t\u00f6ten\u201c-Gebot wird konsequent in der Frage der Abtreibung oder der aktiven Sterbehilfe als kritisches Korrektiv in die Gesellschaft eingebracht. Wenn es aber um die Frage milit\u00e4rischer Ausbildung und der Legitimation milit\u00e4rischer Einrichtungen geht, dann scheint das T\u00f6tungsverbot nicht mehr so ganz zuzutreffen. Signale in diese Richtung gibt es zuhauf.<\/p>\n<p>Menschen, die ohnehin der Kirche kritisch oder ablehnend gegen\u00fcber stehen, f\u00fchlen sich durch die Verquickung von Milit\u00e4r\/Staat und Kirche in der real-existierenden Gestalt der Milit\u00e4rseelsorge entweder in ihrer Kritik best\u00e4tigt oder sie adjustieren der Kirche Doppelmoral. In den letzten Jahren war es immer wieder deutlich, wo sich nicht unwichtige Repr\u00e4sentanten der Milit\u00e4rseelsorge positionierten: So etwa lie\u00df sich symbolisch bedeutsam FP\u00d6-Obmann Heinz-Christian Strache von Milit\u00e4rseelsorger Siegfried Lochner in der St.-Georgs-Kirche \u2013 der Bischofskirche der Milit\u00e4rdi\u00f6zese \u2013 im Jahr 2009 firmen. Es war derselbe Firmspender, der zwei Jahre davor einen \u201eKult\u201c um den Kriegsdienstverweigerer Franz J\u00e4gerst\u00e4tter kritisierte und ihn in einer von Andreas M\u00f6lzer herausgegebenen Zeitung (Zur Zeit) als ein \u201ebedauernswertes Opfer seines irrenden Gewissens\u201c bezeichnet hatte.<\/p>\n<p><strong>Historisch belastetes Erbe<\/strong><\/p>\n<p>Mit Blick auf das, was sich vor mehr als 81 Jahren in \u00d6sterreich abspielte, mit Blick auf die Ausl\u00f6schung des Parlaments und die Errichtung des St\u00e4ndestaates unter dem Segen der katholischen Kirche, mit Blick auf die Absegnung des Austrofaschismus durch die katholische Kirche in \u00d6sterreich und mit Zustimmung des Vatikans, m\u00fcsste es gerade in diesem Land so viel Vorsicht geben gegen\u00fcber allem, was wie eine Verschmelzung von Kirche und Staat-Milit\u00e4r aussieht. Engelbert Dollfu\u00df verk\u00fcndete seinen Plan zur Abschaffung der Parteien am 12. September 1933 beim Katholikentag.<\/p>\n<p><strong>Trennung Kirche \u2013 Staat als Notwendigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Jesus von Nazaret ist aufgrund seines Widerspruchs zum r\u00f6mischen Staat am Kreuz gestorben. Gekreuzigt wurde im r\u00f6mischen Reich derjenige, der als Gefahr f\u00fcr den r\u00f6mischen Staat und seine Truppen galt. In dieser Tradition stehen die vielen M\u00e4rtyrer bis hin zu Franz J\u00e4gerst\u00e4tter. Eine Kirche, die sich vor den Karren der Milit\u00e4rs spannen l\u00e4sst, steht dieser Linie diametral gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Milit\u00e4rseelsorge stammt aus einer Zeit, in der Thron und Altar eng miteinander verbunden waren. Auch heute noch sind Staat und Milit\u00e4r stets miteinander verflochten. Im demokratiepolitisch besten Fall ist das Milit\u00e4r im Dienst eines Staates, im negativen Fall bestimmt Milit\u00e4r einen Staat. F\u00fcr das Verh\u00e4ltnis von Kirche-Staat bedeutet dies: Eine Kirche, die sich nicht vom Milit\u00e4r abgrenzt, wird letztlich keine \u201efreie Kirche\u201c in einem Staat sein.<\/p>\n<p><strong>Pastorale Dienste bei den Soldaten statt Sorge um das Milit\u00e4r<\/strong><\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rdi\u00f6zese ist die einzige Di\u00f6zese, die nach einem kategorialen Prinzip organisiert ist. Laut eigener Statistik w\u00fcrde sie 100.000 Bundesheerangeh\u00f6rige f\u00fcr sich verbuchen k\u00f6nnen. Allerdings muss gefragt werden, ob nicht ein Gro\u00dfteil dieser Angeh\u00f6rigen \u2013 sofern sie \u00fcberhaupt eine Kirchenbindung haben \u2013 nicht ohnehin besser in die Gemeindestruktur ihrer Heimatpfarren eingebunden ist. Auch Rekruten k\u00f6nnen beispielsweise nur bedingt zur Milit\u00e4rdi\u00f6zese gez\u00e4hlt werden, da sie \u2013 sofern kirchlich gebunden \u2013 weiterhin in ihren Heimatpfarreien aktiv sein werden. Wenn beispielsweise im Bereich der Milit\u00e4rdi\u00f6zese pro Jahr an die 50 Taufen durchgef\u00fchrt werden, so ist dies ein Zeichen, dass es wohl schwer zu rechtfertigen ist, wenn f\u00fcr eine so kleine Anzahl von Gl\u00e4ubigen ein Apparat von einem Bischof und drei Bischofsvikaren, Generalvikaren etc. vorhanden ist. Hier dr\u00e4ngt sich der Verdacht auf, dass es nicht nur um Pastoral geht, sondern um andere Interessen, n\u00e4mlich dem milit\u00e4rischen Apparat eine besondere kirchliche Aufmerksamkeit zu schenken bzw. aus der Sicht des Milit\u00e4rs das eigene Image mit einem kirchlichen Segen aufzupolieren.<\/p>\n<p>Wie in \u00d6sterreich vor 1986 und in fast allen Staaten dieser Welt k\u00f6nnte die Seelsorge f\u00fcr Bundesheerangeh\u00f6rige und ihre Familien \u2013 sofern sie nicht ohnehin im Rahmen der Gemeindepastoral geschieht \u2013 als Aufgabengebiet einem Di\u00f6zesanbischof zugef\u00fcgt werden, so wie Bischof Manfred Bischof f\u00fcr die Caritas zust\u00e4ndig ist oder der Bischof von Burgenland als Jugendbischof fungiert.<\/p>\n<p>Wie der Terminus \u201eMilit\u00e4rbischof\u201c oder \u201eMilit\u00e4rseelsorge\u201c schon definiert, geht es um die Sorge f\u00fcr \u201edas Milit\u00e4r\u201c als staatliches System. Es ist per definitionem kein \u201eSoldatenbischof\u201c und keine \u201eSoldatenseelsorge\u201c oder eine katholische Seelsorge f\u00fcr Angeh\u00f6rige des Milit\u00e4rs, wie Bef\u00fcrworter der geltenden Regelung der heimischen Milit\u00e4rdi\u00f6zese behaupten. Mag sein, dass dies auch tats\u00e4chlich gewollt ist, die Pastoral f\u00fcr jene Menschen, die im Bundesheer arbeiten oder dort zwangsverpflichtet dienen m\u00fcssen. Allerdings zeigen die vergangenen Jahre, wie sehr es den Verantwortlichen der Milit\u00e4rdi\u00f6zese immer wieder darum ging, die Interessen des Systems Milit\u00e4r zu verteidigen bzw. wie sehr es dem milit\u00e4rischen Establishment gelingt, die Kirche f\u00fcr sich zu vereinnahmen. Die Einrichtungen der Milit\u00e4rseelsorge werden damit vom Milit\u00e4rbischof angefangen bis zum Milit\u00e4rkaplan zur Werbung f\u00fcr das System Milit\u00e4r und damit wird die Kirche zur Legitimation f\u00fcr eine bestimmte Form gewaltsamer Konfliktl\u00f6sung instrumentalisiert.<\/p>\n<p><strong>Eigenst\u00e4ndiges Milit\u00e4rordinariat als St\u00fctze f\u00fcr das Milit\u00e4r<\/strong><\/p>\n<p>Wer sich die Predigten von Milit\u00e4rgeistlichen im Rahmen von Angelobungen anh\u00f6rt, merkt, worauf die reale \u201eMilit\u00e4rseelsorge\u201c zielt. Der soldatische Dienst soll als religi\u00f6se Pflichterf\u00fcllung wahrgenommen werden. Da wird die Unterordnung als Befolgung des vierten Gebotes stilisiert und selbst die Opferbereitschaft mit Blick auf den Opfertod Jesu angepriesen. Junge M\u00e4nner, die als Wehrpflichtige ihren Dienst beginnen, unmittelbar bevor sie den Eid auf die Republik \u00d6sterreich leisten, mit der Waffe in der Hand \u00d6sterreich zu verteidigen, sollen so f\u00fcr ihren Dienst noch in einem religi\u00f6sen Sinne gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Bedenklich ist die Tatsache, dass Seelsorger im Bereich des Bundesheeres in Uniform, im Rang von Offizieren und im Sold des Bundesheeres auftreten. Dies l\u00e4sst eine notwendige Distanz zum milit\u00e4rischen System vermissen. Damit wird eine Identifikation mit dem milit\u00e4rischen System ausgedr\u00fcckt und gelebt. Wehrpflichtige Rekruten begegnen ihren Seelsorgern im Milit\u00e4r als rangh\u00f6here Vorgesetzte in der milit\u00e4rischen Befehlshierarchie. Ein Vertrauensverh\u00e4ltnis l\u00e4sst sich so wohl nicht herstellen.<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r erweist sich daf\u00fcr gegen\u00fcber dem Milit\u00e4rordinariat durchaus spendabel, wie beispielsweise die Finanzierung des Instituts \u201eReligion und Frieden\u201c zeigt, dessen Leitung Generalvikar Major Freistetter innehat.<\/p>\n<p><strong>Eine Kirche im Dienste der Gewaltaus\u00fcbung<\/strong><\/p>\n<p>Jede Ausbildung zum Milit\u00e4rdienst schlie\u00dft das Faktum ein, im Ernstfall andere Menschen zu verletzen oder zu t\u00f6ten. Daf\u00fcr werden Soldaten ausgebildet. Wenn Priester nun in soldatische Uniformen schl\u00fcpfen, wenn der Talar mit einer Camouflage-Uniform ausgetauscht wird, wenn milit\u00e4rische R\u00e4nge \u00fcbernommen werden und milit\u00e4rischer Sold bezogen wird, dann signalisiert die Kirche, dass sie mit dieser Form der Konfliktbew\u00e4ltigung einverstanden ist.<\/p>\n<p>Jedes Milit\u00e4r ist eine Institution, in der es gilt, im Ernstfall mit Waffengewalt andere Menschen zu t\u00f6ten und Kriege zu f\u00fchren. Das Milit\u00e4r ist ein Instrument des Staates, das auf Befehl- und Gehorsamsstruktur aufbaut. Ein Seelsorger in Uniform wird Teil dieses Systems und verliert seine kritische Distanz. Der Milit\u00e4rgeistliche erf\u00fcllt oftmals die Funktion, das Heer einsatzbereit zu halten. In Kriegszeiten stellt dies eine besondere Problematik dar.<\/p>\n<p><strong>Die Vision: Eine Kirche des Gewaltverzichts<\/strong><\/p>\n<p>Besonders junge Menschen m\u00f6chten die Kirchen als authentische Orte erfahren, wo unverstellt die Botschaft Jesu gelebt wird. Die Kritik, dass sich selbst kirchliche Vertreter nicht an die jesuanischen Vorgaben halten w\u00fcrden, wird letztlich dazu f\u00fchren, dass sich noch mehr entt\u00e4uscht von der Kirche abwenden.<\/p>\n<p>Die Kirchen k\u00f6nnten hingegen f\u00fcr Wege der Zivilen Konfliktintervention und des nichtmilit\u00e4rischen Friedensaufbaus eintreten. Eine andere Milit\u00e4rseelsorge \u2013 verstanden als Dienst an den Soldaten \u2013 br\u00e4uchte jedenfalls eine kritische Distanz zum milit\u00e4rischen Establishment und kann nicht von Seelsorgern ausge\u00fcbt werden, die vom Milit\u00e4r bezahlt werden und mit milit\u00e4rischen R\u00e4ngen ausgestattet wurden. Jeder Rekrut lernt beispielsweise gleich bei der milit\u00e4rischen Grundausbildung, dass ein Milit\u00e4r-Seelsorger in einem ihm weit h\u00f6her stehenden Rang ist, dem er letztlich Gehorsam schuldet. Was es br\u00e4uchte, w\u00e4ren Seelsorger f\u00fcr Pr\u00e4senzdiener, mit denen sie auf einer vertrauensvollen Basis ihre oftmaligen Gewissenszweifel und pers\u00f6nlichen Probleme austauschen k\u00f6nnten, die gerade w\u00e4hrend dieser belastenden Zeit auftauchen. Solche Gespr\u00e4che k\u00f6nnten freilich auch in kirchlichen R\u00e4umen au\u00dferhalb der Kaserne angeboten werden.<br \/>\nKlaus Heidegger, 13. Juni 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Weihe des neuen Milit\u00e4rbischofs in \u00d6sterreich &#8211; Verh\u00e4ngnisvolle Aff\u00e4re wird fortgesetzt Am Donnerstag, 11. Juni 2015, wurde Werner Freistetter als Nachfolger von Christian Werner zum Milit\u00e4rbischof geweiht. Seine Ernennung war zwei Monte zuvor, am 12. 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