{"id":1918,"date":"2015-07-17T06:41:51","date_gmt":"2015-07-17T06:41:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1918"},"modified":"2022-08-22T07:40:03","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:03","slug":"kommunion-fuer-geschieden-wiederverheiratete-verweigern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1918","title":{"rendered":"Kommunion f\u00fcr Geschieden-Wiederverheiratete verweigern?"},"content":{"rendered":"<p>Pfarrer Johannes Laichner nennt in seinem Leserbrief in der Kirchenzeitung \u201eSonntag\u201c (16.7.2015) keine Argumente, die f\u00fcr die Nichtzulassung von Geschieden-Wiederverheirateten zur Kommunion spricht. Im Hintergrund seines Leserbriefes steht der Justament-Standpunkt, der anscheinend auf der Lehre der Kirche, den Aussagen des Papstes und der Bibel beruhen w\u00fcrde: Keine Kommunion f\u00fcr Geschieden-Wiederverheiratete.<br \/>\nIch frage mich zun\u00e4chst, was ich tun w\u00fcrde, w\u00e4re ich ein geschieden-wiederverheiratetes Pfarrmitglied im Seelsorgeraum Inntal, in Karres, Karr\u00f6sten, Roppen oder Mils, vier Pfarrgemeinden, in denen Pfarrer Laichner wirkt. W\u00fcrde ich ebendort zur Kommunion gehen wollen, w\u00fcrde mir der Pfarrer das gewandelte Brot verweigern, w\u00e4re ich sozusagen \u201eex-kommuniziert\u201c?<br \/>\nPfarrer Laichner w\u00fcrde mir vielleicht anstelle der verweigerten Kommunion ein \u201eGebet f\u00fcr Gl\u00e4ubige, die die heilige Kommunion nicht empfangen k\u00f6nnen\u201c reichen. Man kann es auf der Website seines Seelsorgeraumes nachlesen. Darin wird implizit auf die S\u00fcndhaftigkeit des Geschiedenen hingewiesen, wenn gebetet werden soll: \u201cLass mich deine Wahrheit \u00fcber mein Leben immer besser erkennen und auf deine barmherzige Liebe vertrauen.\u201c Ich m\u00fcsste mich also als reum\u00fctigen S\u00fcnder zu erkennen geben, der ein \u201eOpfer\u201c zu erbringen hat. W\u00f6rtlich hei\u00dft es: \u201eMach mich eines Tages wieder bereit, dich in der heiligen Kommunion auch leiblich zu empfangen. Den Schmerz, dich derzeit nicht im heiligsten Sakrament aufnehmen zu k\u00f6nnen, opfere ich dir auf.\u201c Was hei\u00dft es, wieder \u201ebereit\u201c zu sein? Verlangt Laichner etwa einen Ausstieg aus einer neuen Beziehung, um wieder zugelassen zu werden.<br \/>\nHinter solchen Verboten steckt jedenfalls keine Pastoral, die vom Leben der Menschen ausgeht, sondern eine, die scheinbare Gesetzlichkeiten in die ganzen menschlichen Widerspr\u00fcchlichkeiten hinein oktroyieren m\u00f6chte. Auch in den Pfarrgebieten von Laichner wird es viele Menschen geben, deren Beziehungen zerbrochen sind, oftmals unfreiwillig, manchmal, und das sei nicht in Abrede gestellt, weil Beziehungen zu wenig gepflegt wurden, weil es selbst in den Liebesbeziehungen egoistisch statt partnerschaftlich zuging. Es wird aber auch Frauen geben, die sich zum Gl\u00fcck von despotischen Ehem\u00e4nnern getrennt haben, die vielleicht danach auf den \u201eRichtigen\u201c gesto\u00dfen sind, und nun auf einen Neuanfang setzen. Es wird M\u00e4nner geben, die sich nicht leichtfertig von ihren Frauen getrennt haben, sondern mit viel Schmerz, weil es einfach nicht funktionierte, weil der Traum von einer gelingenden Partnerschaft nicht aufgegangen ist. Es wird Kinder in diesen und aus diesen neuen Beziehungen geben. Und jede dieser neuen Beziehungen ist gerade in den d\u00f6rflichen Strukturen des Inntales vielfach vernetzt mit den Menschen vor Ort. Dieses Leben sollte sich wiederum in den Gottesdiensten zeigen k\u00f6nnen. Inmitten solcher Lebenswirklichkeiten ist stets Gott zu finden \u2013 als eine Kraft der Barmherzigkeit, der Z\u00e4rtlichkeit (Lieblingswort von Papst Franziskus), des Verzeihens und des Neubeginns.<br \/>\nVon diesem Gott wiederum erz\u00e4hlt die Bibel, auf die sich Pfarrer Laichner beruft, \u00fcber die er Woche f\u00fcr Woche predigt. Was ist mit der Geschichte vom \u201everlorenen Sohn\u201c und dem \u201ebarmherzigen Vater\u201c? Was ist mit den Worten Jesu, \u201enicht zu richten\u2026\u201c und vor allem seinen vielen Warnungen vor gesetzesstarrer Gottesfr\u00f6mmigkeit? Dieser Jesus wendet sich vor allem jenen zu, die im Leben \u201egestrauchelt\u201c sind \u2013 gestrauchelt auch in Beziehungen. Dieser Jesus richtet auf und h\u00e4lt nicht mahnend den Zeigefinger hin, wenn das Gesicht voller Tr\u00e4nen ist, weil eine Beziehung trotz aller Bem\u00fchungen nicht funktionieren wollte.<br \/>\n\u00c4hnlich wie Pfarrer Laichner schrieb vor zwei Wochen Pater Volker vom Franziskaner-Gymnasium in Hall einen Leserbrief zu dieser Causa. Ich habe darauf wie folgt geantwortet:<br \/>\nWo h\u00f6rt es auf, wenn man beginnt, anderen vorzuhalten, man sei vom \u201erechten Glauben\u201c abgekommen? Die salafistischen Extremisten begr\u00fcndeten ihren Anschlag auf eine schiitische Moschee in Kuwait (26.6.2015) mit dem Argument, die Shiiten seien vom rechten Glauben abgekommen. Der Grundakkord des Glaubens an einen barmherzigen Gott wird wegen eines einseitig interpretierten, historisch bedingten Glaubenssatzes missachtet.<br \/>\nWer bestimmt die Rechtgl\u00e4ubigkeit? Fundamentalisten machen sich selbst zum Richter \u00fcber das, was wahr sein soll. Die Welt wird fein s\u00e4uberlich sortiert: Hier sind wir, die Rechtgl\u00e4ubigen, dort sind die Ketzer, die Irrgl\u00e4ubigen, die es zu bek\u00e4mpfen gilt. Das unbeugsame Diktum lautet: \u201eDie Kirche lehrt den Willen Gottes, der auch heute gilt.\u201c Das ist der Boden, aus dem sich die Glaubenskriege der Vergangenheit n\u00e4hrten. Es wird zum \u201eH\u00f6llensturz der Irrlehrer\u201c, wie er sich landauf landab in den barocken Fresken unserer Kirchen abgebildet hat. Die Kreuzz\u00fcge des Mittelalters, die brutale Verfolgung der hutterischen Gemeinden hierzulande, der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg und vor allem die Pogrome gegen Juden und J\u00fcdinnen: Jene, die zu den Schwertern griffen, die Scheiterhaufen errichteten, Guillotinen aufbauten, Gewehre munitionierten, um den eigenen Glaubenssatz zu verteidigen, gaben jede Barmherzigkeit auf.<br \/>\nDie selbsternannten Rechtgl\u00e4ubigen gr\u00fcnden ihre Ideologie auf eine fundamentalistische, meist buchst\u00e4bliche Umsetzung von willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten S\u00e4tzen von heiligen Schriften, die auch die Basis wurden f\u00fcr religi\u00f6se Doktrinen, die wiederum nicht interpretiert, sondern exekutiert werden sollen. Historisch-kritische Exegese und Bezug auf vernunftgem\u00e4\u00dfe, human- oder sozialwissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert.<br \/>\nWir kennen die selbsternannten \u201eRechtgl\u00e4ubigen\u201c auch in der katholischen Kirche. Das Scheidungsverbot aus dem Matth\u00e4usevangelium war von Jesus und der matth\u00e4ischen Gemeinde gedacht, um Frauen vor der Willk\u00fcr der M\u00e4nner in Schutz zu nehmen. Kein Mann sollte mehr seine Frau einfach in die sprichw\u00f6rtliche W\u00fcste schicken k\u00f6nnen, in die Rechtlosigkeit, in die Sexsklaverei \u2013 nur weil er sich in eine andere verschaute oder mit dem Vorwand, seine rechtm\u00e4\u00dfige Ehefrau habe ihm den Hirsebrei nicht gut genug gekocht. Barmherzigkeit war das Motiv f\u00fcr den Satz \u201ewas Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen\u201c. Mit Unbarmherzigkeit wollen die Rechtgl\u00e4ubigen heute einer Situation begegnen, in der sich Frauen von ihren M\u00e4nnern oder M\u00e4nner von ihren Frauen trennen, weil die Erwartungen an eine Beziehung nicht erf\u00fcllt werden konnten. Die urspr\u00fcngliche Intention wird von den traditionalistischen Rechtgl\u00e4ubigen ins Gegenteil verkehrt, wenn sie Geschieden-Wiederverheiratete vom Empfang der heiligen Kommunion ausschlie\u00dfen wollen oder den neuen Beziehungen den Segen der Kirche verweigern. Geschiedene sollen sich wie S\u00fcnder und Ausgesto\u00dfene f\u00fchlen.<br \/>\n\u00c4hnlich ist auch der Umgang mit Homosexuellen. Der Apostel Paulus hatte nicht die Absicht, schwule Beziehungen zu diskriminieren, wenn er vor der Homosexualit\u00e4t warnte. Ihm ging es um eine berechtigte Kritik an der Praxis von Lustknaben, die heute unter den P\u00e4dophilenparagrafen fallen w\u00fcrde.<br \/>\nDie Grundmelodie von Papst Franziskus ist der \u201eDialog des Lebens\u201c (Evangelii Gaudium). Das hat nichts mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit der Grundentscheidung, die Z\u00e4rtlichkeit und Barmherzigkeit unseres Gottes inmitten der Lebenswirklichkeiten zu entdecken und durchzuhalten. Wenn kirchliche Lehre mit dem \u201eWort Gottes\u201c identifiziert wird, dann widerspricht es wohl dem Grundgebot, sich kein fixes Bild von Gott zu machen. Daher w\u00fcrde ich jenen Satz von Pater Volker (Kirchenzeitung, \u201eSonntag\u201c, 25.6.2015) \u201e\u2026 das Wort Gottes und die kirchliche Lehre stellen sich wenn notwendig der menschlichen Sicht- und Lebensweise entgegen\u2026\u201c selbst nie schreiben k\u00f6nnen, sondern erfahre vielmehr. Gerade in den Gebrochenheiten und Unzul\u00e4nglichkeiten unseres Lebens kann Gottes Gegenwart \u2013 vermittelt durch menschliche und gemeinschaftliche N\u00e4he \u2013 erlebt werden. Gott stellt sich nie gegen unser Leben, sondern hilft uns, dass wir \u2013 wenn wir wollen \u2013 uns an ihr ausrichten k\u00f6nnen. Jedenfalls ist es ein Gott, der den Regenbogen zu seinem Zeichen erkoren hat: Ein bunter Regenbogengott, fern von allen fundamentalistischen Kleinkariertheiten, ein Gott, der leben l\u00e4sst, eine Geistkraft, die immer wieder neue Anf\u00e4nge schenkt, nicht verurteilt, sondern aufrichtet.<br \/>\nIn der offiziellen Website der Di\u00f6zese Innsbruck steht daher auch nichts von einem Kommunionverbot, sondern das Bem\u00fchen wird an die Verantwortlichen eingefordert, den Menschen nach einer Scheidung in ihrer Pfarre wieder Heimat zu geben. Es hei\u00dft dort: &#8222;Christen und Christinnen, deren Ehe zerbrochen ist, haben oft eine schmerzliche Geschichte hinter sich. Es muss unser gemeinsames Bem\u00fchen sein, ihnen und jenen, die eine zweite standesamtliche Ehe eingehen, mit Aufmerksamkeit und Wohlwollen zu begegnen und weitere Beheimatung in der Kirche zu erm\u00f6glichen.\u201c Dies sind Worte, die leben lassen und Neubeginn erm\u00f6glichen.<br \/>\nKlaus Heidegger, 17. Juli 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfarrer Johannes Laichner nennt in seinem Leserbrief in der Kirchenzeitung \u201eSonntag\u201c (16.7.2015) keine Argumente, die f\u00fcr die Nichtzulassung von Geschieden-Wiederverheirateten zur Kommunion spricht. Im Hintergrund seines Leserbriefes steht der Justament-Standpunkt, der anscheinend auf der Lehre der Kirche, den Aussagen des Papstes und der Bibel beruhen w\u00fcrde: Keine Kommunion f\u00fcr Geschieden-Wiederverheiratete. 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