{"id":1974,"date":"2015-09-20T10:58:08","date_gmt":"2015-09-20T10:58:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1974"},"modified":"2026-02-02T12:58:12","modified_gmt":"2026-02-02T12:58:12","slug":"warmly-welcome-die-gastfreundliche-aufnahme-der-schwachen-kern-des-heutigen-sonntagsevangeliums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1974","title":{"rendered":"Warmly welcome. Die gastfreundliche Aufnahme der Schwachen \u2013 Kern des heutigen Sonntagsevangeliums"},"content":{"rendered":"<p>W\u00fcrde man nur ein Wort des Jesus von Nazareth kennen und m\u00fcsste es seine ganze Botschaft beinhalten, so k\u00f6nnte es jenes Logion aus dem heutigen Sonntagsevangelium (20.9.2015) sein. \u201eWer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.\u201c So unterweist Jesus seine J\u00fcnger, die sich in einem Eifersuchtsstreit verfangen haben. Im griechischen Urtext dieser Stelle aus dem Markusevangelium (9,37) wird das Verb \u201edechomai\u201c verwendet. Es bezeichnet eine gastfreundliche Aufnahme bzw. ein herzliches Willkommensein. Entsprechend hei\u00dft es genauer in der \u00dcbersetzung der \u201eBibel in gerechter Sprache\u201c. \u201eWer ein Kind gastfreundlich aufnimmt, \u2026\u201c In diesen Wochen, in denen uns die Asylkrise besch\u00e4ftigt, werden wohl viele an die Schilder mit der Aufschrift \u201eRefugees welcome\u201c denken, mit denen Tausende in Deutschland oder \u00d6sterreich demonstriert haben, dass Fl\u00fcchtlinge herzlich aufgenommen werden sollen. Willkommensschilder f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge sind die 1:1-Umsetzung der Worte Jesu.<br \/>\nMenschen, die gegenw\u00e4rtig zu Tausenden als Fl\u00fcchtlinge um Aufnahme in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ansuchen, kommen nicht freiwillig. Sie kommen in gr\u00f6\u00dfter Not, auf der Flucht vor dem B\u00fcrgerkrieg in Syrien, dem Terror der islamistischen Milizen oder der politischen Verfolgung in Eritrea. Sie sind das \u201eKind\u201c, das in dieser Szene aus dem Markusevangelium von Jesus in die Mitte gestellt wird. Jesus umarmt es. Ganzheitlich-eindr\u00fccklicher k\u00f6nnte diese Geste nicht sein. Es erinnert an viele Szenen an den Grenzorten von Nickelsdorf oder Spielfeld oder in gro\u00dfen Bahnh\u00f6fen in Deutschland und \u00d6sterreich: Fl\u00fcchtlinge, die von den Rettungsorganisationen und den Freiwilligen versorgt wurden, \u201eumarmt\u201c wurden. Niemand verlangt von einem Kind eine besondere Leistung, um es umarmen zu k\u00f6nnen. Dies geschieht zun\u00e4chst aus \u201eMenschliebe\u201c, aus Empathie, oft spontan. Das Gegenst\u00fcck zum Evangelium sind jene Stimmen und Bestimmungen, die nun beginnen zu sagen und zu fordern: Ja, aber warum kommst du \u00fcberhaupt? Ja, aber warum suchst du nicht woanders um Asyl an? Ja, aber bist du nicht ein Wirtschaftsfl\u00fcchtling?<br \/>\nDas heutige Sonntagsevangelium ist eine klare Botschaft gegen die Abschiebung oder \u201eR\u00fcckf\u00fchrung\u201c von Fl\u00fcchtlingen in sogenannte \u201esichere Drittstaaten\u201c. Darunter ist ein Staat, der die Schwachen nicht in die Mitte nimmt, sondern ihnen mit Tr\u00e4nengas und Polizeikn\u00fcppel begegnet.<br \/>\nEine indirekte Abwehr von Fl\u00fcchtlingen, indem ihnen das Leben in den Ziell\u00e4ndern erschwert wird \u2013 durch Vorenthaltung von menschenw\u00fcrdigen Lebensbedingungen oder lange Wartezeiten im Asylverfahren \u2013 ist ebenso im Widerspruch zum Menschenrecht auf Asyl. Nicht L\u00e4nder wie \u201eGermany\u201c, die bislang mehr Gro\u00dfz\u00fcgigkeit im Umgang mit den Fl\u00fcchtlingen zeigten, sind zu kritisieren, sondern jene, die mit ihrer Politik Fl\u00fcchtlinge abschrecken. Wer vor den Fl\u00fcchtlingen warnt, wer Grenzkontrollen bef\u00fcrwortet, wer neue Eiserne Vorh\u00e4nge f\u00fcr gut hei\u00dft, der grenzt jene aus, die von Jesus in die Mitte genommen werden und in denen Gottes Antlitz aufleuchtet.<br \/>\nIn vielen L\u00e4ndern Europas hat die Zivilgesellschaft eindrucksvoll dokumentiert, wie Fl\u00fcchtlinge willkommen sein k\u00f6nnen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht durch die L\u00e4nder, die zeigt: Menschen auf der Flucht verdienen es, bei uns aufgenommen zu werden. Die Herausforderungen sind schaffbar. \u00d6sterreich hat schon gr\u00f6\u00dfere Fl\u00fcchtlingsbewegungen in schwierigen Zeiten bew\u00e4ltigt. F\u00fcr Jesus liegt in der Frage des Umgangs mit den Schwachen auch der Schl\u00fcssel, um die Wirklichkeit von Auferstehung zu begreifen. Mit anderen Worten: Dort geschieht die \u00dcberwindung des Kreuzes und die begreifbare Wirklichkeit von Auferstehung, wo die richtigen Priorit\u00e4ten gesetzt werden. Caritas-Direktor Nikolaus Landau dr\u00fcckt es pr\u00e4gnant aus: Ein Land mit 80.000 Million\u00e4ren kann auch 80.000 Asylantr\u00e4ge bew\u00e4ltigen. Oder der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Reinhold Marx, der formulierte, dass in der Frage der Bereitschaft der Gastfreundschaft f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge sich letztlich unsere \u201echristliche Identit\u00e4t\u201c erweise. Seine Kritik gilt jenen, die wie Orban und seine \u00f6sterreichischen Freunde von einem christlichen Europa reden, zugleich aber die Szene vom \u201eumarmten Kind in der Mitte\u201c aus ihrem Denken und Handeln ausklammern.<br \/>\nKlaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00fcrde man nur ein Wort des Jesus von Nazareth kennen und m\u00fcsste es seine ganze Botschaft beinhalten, so k\u00f6nnte es jenes Logion aus dem heutigen Sonntagsevangelium (20.9.2015) sein. \u201eWer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.\u201c&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[180],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1974"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1974"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11922,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1974\/revisions\/11922"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}