{"id":1989,"date":"2015-10-04T07:15:41","date_gmt":"2015-10-04T07:15:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1989"},"modified":"2026-02-02T13:08:55","modified_gmt":"2026-02-02T13:08:55","slug":"barmherzigkeit-statt-hartherzigkeit-und-rechte-glaeubigkeit-statt-fundamentalistischer-rechtglaeubigkeit-am-beispiel-von-ehescheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=1989","title":{"rendered":"Barmherzigkeit statt Hartherzigkeit und rechte Gl\u00e4ubigkeit statt fundamentalistischer Rechtgl\u00e4ubigkeit am Beispiel von Ehescheidung"},"content":{"rendered":"<p>Meine Hoffnungen in die Weltbischofssynode sind gro\u00df. Mein Hoffnung, dass dieses Treffen der Bisch\u00f6fe in Rom sich am heutigen Sonntagsevangelium (Mk 10,2-16) orientiert. Eines gleich vorweg: Nein, die katholische Kirche muss und darf nichts von ihrer Glaubenssubstanz aufgeben, sehr wohl aber von einer fundamentalistisch gesinnten Interpretation biblischer Texte, die von der urspr\u00fcnglichen und tieferliegenden Wahrheit des Evangeliums \u2013 der frohen Botschaft eines allbarmherzigen Abba-Gottes \u2013 abweicht. Meine Hoffnung gr\u00fcndet auch in der Art und Weise, wie Papst Franziskus sein Pontifikat gestaltet. Er baut als Pontifex gerade zu jenen Br\u00fccken, deren Lebenswege manchmal nicht so geradlinig verlaufen. Seine Grundmelodie ist der \u201eDialog des Lebens\u201c (Evangelii Gaudium). Das hat nichts mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit der Grundentscheidung, die Z\u00e4rtlichkeit und Barmherzigkeit unseres Gottes inmitten der Lebenswirklichkeiten zu entdecken und durchzuhalten. Wenn Paragraphen des Kirchenrechtes mit dem \u201eWort Gottes\u201c identifiziert werden, dann widerspricht es wohl dem Grundgebot, sich kein fixes Bild von Gott zu machen. Vom wirklichen Leben auszugehen k\u00f6nnte bedeuten, gerade in den Gebrochenheiten und Unzul\u00e4nglichkeiten unseres Lebens Gottes Gegenwart \u2013 vermittelt durch menschliche und gemeinschaftliche N\u00e4he \u2013 erlebbar werden zu lassen. Gott stellt sich nie gegen unser Leben, sondern hilft uns, dass wir \u2013 wenn wir wollen \u2013 uns an ihr ausrichten k\u00f6nnen. Jedenfalls ist es ein Gott, der den Regenbogen zu seinem Zeichen erkoren hat: Ein bunter Regenbogengott, fern von allen fundamentalistischen Kleinkariertheiten, ein Gott, der leben l\u00e4sst, eine Geistkraft, die immer wieder neue Anf\u00e4nge schenkt, nicht verurteilt, sondern aufrichtet.<br \/>\nDie selbsternannten Rechtgl\u00e4ubigen gr\u00fcnden ihre Ideologie auf eine fundamentalistische, meist buchst\u00e4bliche Umsetzung von willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten S\u00e4tzen von heiligen Schriften, die auch die Basis wurden f\u00fcr religi\u00f6se Doktrinen, die wiederum nicht interpretiert, sondern exekutiert werden sollen. Historisch-kritische Exegese und Bezug auf vernunftgem\u00e4\u00dfe, human- oder sozialwissenschaftliche Erkenntnisse werden ignoriert.<br \/>\nDas Scheidungsverbot war von Jesus und den ersten christlichen Gemeinden gedacht, um Frauen vor der Willk\u00fcr der M\u00e4nner in Schutz zu nehmen. Kein Mann sollte mehr seine Frau einfach in die sprichw\u00f6rtliche W\u00fcste schicken k\u00f6nnen, in die Rechtlosigkeit, in die Sexsklaverei \u2013 nur weil er sich in eine andere verschaute oder mit dem Vorwand, seine rechtm\u00e4\u00dfige Ehefrau habe ihm den Hirsebrei nicht gut genug gekocht. Barmherzigkeit war das Motiv f\u00fcr den Satz \u201ewas Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen\u201c. Was geschieht mit den vielen M\u00e4nnern und Frauen, deren Ehegemeinschaften heute oft unverschuldet zerbrechen, mit den Frauen, die sich vielleicht zurecht von ihren M\u00e4nnern trennten, weil sie sich als eheunf\u00e4hig erwiesen, mit den M\u00e4nnern, die sich von ihren Frauen trennen, weil die Erwartungen an eine Beziehung nicht erf\u00fcllt werden konnten? Gerade im Kontext des Evangeliums lenkt Jesus den Blick auf die Hartherzigkeit der Gesetzesh\u00fcter und stellt sie der Barmherzigkeit Gottes gegen\u00fcber. Die urspr\u00fcngliche Intention des biblischen Scheidungsverbotes wird von den traditionalistischen Rechtgl\u00e4ubigen ins Gegenteil verkehrt, wenn sie Geschieden-Wiederverheiratete vom Empfang der Sakramente, der heiligen Kommunion oder der Bu\u00dfe, ausschlie\u00dfen wollen oder den neuen Beziehungen den Segen der Kirche verweigern. Die evangelischen Kirchen zeigen hier seit langem auf, dass auf der Basis des Evangeliums auch eine andere kirchliche Praxis m\u00f6glich ist, die Trennung und Neubeginn zulassen, ohne aber die Bedeutsamkeit von ehelicher Treue gering zu sch\u00e4tzen.<br \/>\nKlaus Heidegger, 4. Oktober 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Hoffnungen in die Weltbischofssynode sind gro\u00df. Mein Hoffnung, dass dieses Treffen der Bisch\u00f6fe in Rom sich am heutigen Sonntagsevangelium (Mk 10,2-16) orientiert. 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