{"id":2104,"date":"2016-01-03T16:21:59","date_gmt":"2016-01-03T16:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2104"},"modified":"2026-02-02T13:19:30","modified_gmt":"2026-02-02T13:19:30","slug":"anything-goes-im-heimischen-polittalk-die-postmoderne-fluechtlingsrhetorik-zu-beginn-des-jahres-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2104","title":{"rendered":"Anything goes im heimischen Polittalk: Die postmoderne Fl\u00fcchtlingsrhetorik zu Beginn des Jahres 2016"},"content":{"rendered":"<p>Heinz Fischer sprach in seiner letzten Neujahrsrede als Bundespr\u00e4sident deutliche Worte. Er erinnerte an das &#8222;Wir schaffen das&#8220; der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und meinte dann, man k\u00f6nne nicht &#8222;den Hahn zudrehen und die Grenzen dicht machen \u2026 denn durch diesen Hahn, den man zudrehen soll, flie\u00dft kein Wasser und auch kein \u00d6l, sondern ein Strom von Menschen.&#8220; Offensichtlich haben am Tag danach die schwarzen Landeshauptleute diesen Appell nicht h\u00f6ren wollen. Anders als Heinz Fischer forderten sie, bei Fl\u00fcchtlingen die Bremse anzuziehen. Der Salzburger Landeshauptmann warnte sogar mit drastischen Worten davor, dass wir bei einer weiteren unkontrollierten Aufnahme dann \u201esehenden Auges in den Abgrund\u201c gehen w\u00fcrden. Salzburg k\u00f6nne jedenfalls keine Fl\u00fcchtlinge mehr aufnehmen. Das Recht auf Asyl k\u00f6nne im Fall einer V\u00f6lkerwanderung auch eingeschr\u00e4nkt werden und \u00fcberhaupt seien ein \u201enicht unerheblicher Teil\u201c der Fl\u00fcchtlinge, die zu uns kommen, keine Kriegs- sondern Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge. Den Fl\u00fcchtlingen m\u00fcsse bei uns das Leben schwer gemacht werden, etwa durch K\u00fcrzung von Sozialleistungen, \u201eso dass es sich nicht mehr auszahlt, zu uns zu kommen.\u201c Zudem sollten die Au\u00dfengrenzen st\u00e4rker bewacht werden. Gemeint waren wohl milit\u00e4rische Fl\u00fcchtlingsabwehr und Grenzzaun. Diese Worte erinnern an eine andere Partei, und wenn zeitgleich heute im KURIER eine Schlagzeile lautet, \u201eSchwarz-blau im Gespr\u00e4ch\u201c, dann mag dies wohl mit den Ann\u00e4herungen und \u00dcbereinstimmungen in der Fl\u00fcchtlingsdiskussion zu tun haben.<br \/>\nJohannes Voggenhuber begegnet auf seiner Facebook-Seite mit konkreten Zahlen der Angstmache von Wilfried Haslauer, wenn dieser davon spricht, dass die Zahl der Fl\u00fcchtlinge l\u00e4ngst schon das Limit \u00fcberschritte haben. Voggenhuber dazu: Die Fl\u00fcchtlingsquote \u201eliegt danach in einer der reichsten Regionen der Welt bei ganzen 1% der Bev\u00f6lkerung (bei einer touristischen Infrastruktur allein im Land Salzburg f\u00fcr 15 Millionen \u00dcbernachtungen pro Jahr). Gleichzeitig beherbergen 1\/3 der Salzburger Gemeinden nicht einen einzigen Fl\u00fcchtling. Gleichzeitig liegt Salzburg mit seiner schwarz-gr\u00fcnen Regierung in der Erf\u00fcllung der Aufnahmequoten im Schlussfeld aller Bundesl\u00e4nder. Gleichzeitig m\u00fcssen immer noch Fl\u00fcchtlinge mitten im Winter in Zelten unterkriechen. Gleichzeitig bek\u00e4mpft er die Nutzung der Kaserne Tamsweg als Erstaufnahmezentrum und sperrt ein privates Asylheim wegen des Widerstandes eines \u00d6VP-B\u00fcrgermeisters.\u201c<br \/>\nIm KURIER konnte heute (3.1.2015) tats\u00e4chlich wieder HC Strache seine unhaltbaren Behauptungen verbreiten, die wie Gift in der Fl\u00fcchtlingsdiskussion sind. Er spricht davon, dass lediglich 20 Prozent echte Fl\u00fcchtlinge seien und von denen wiederum h\u00e4tte ein betr\u00e4chtlicher Teil gef\u00e4lschte P\u00e4sse. Er warnte wieder vor der Islamisierung und einer \u201eneuen Landnahme\u201c durch die \u201eV\u00f6lkerwanderung\u201c. Als L\u00f6sung nannte er Z\u00e4une an den Au\u00dfengrenzen und als Modell verwies er auf die Z\u00e4une des Staates Israel \u2013 solche aus Stacheldraht und mit fester Betonverankerung, was auch billiger k\u00e4me als der gegenw\u00e4rtige Zaun.<br \/>\nW\u00e4hrenddessen spielen sich in der \u00c4g\u00e4is weiterhin die t\u00f6dlichen Dramen ab: Verzweifelte Menschen auf Schlauchbooten, bereit den Schleppern Unsummen zu geben und ihr Leben zu riskieren, um in Europa ein Leben frei von Verfolgung, Krieg und Terror f\u00fchren zu k\u00f6nnen. 4000 sollen es pro Tag sein, die zu Beginn des Jahres 2016 diese \u00dcberfahrt auf st\u00fcrmisch-kalter See nehmen. Die T\u00fcrkei steckt einstweilen Milliarden ein, die sie von der EU bekommt, um die Ausreise von Fl\u00fcchtlingen zu erschweren \u2013 und damit deren Leben nochmals mehr zu gef\u00e4hrden. Zugleich befindet sich die T\u00fcrkei im Krieg mit den Kurden. Die \u00d6lf\u00f6rdermengen werden erh\u00f6ht und so scheffeln sich die \u00f6lexportierenden L\u00e4nder selbst bei sinkenden \u00d6lpreisen Milliarden in die Kriegskassen. Die Massen hier schmieren mit ihrem eigenen \u00d6lkonsum f\u00fcr die Tanks ihrer Autos oder das Kerosin bei den Flugreisen die Kriegsindustrien und Waffendeals. Die versprochene Erl\u00f6sung von der Erbs\u00fcnde durch Taufe verkommt zum dogmatischen Gerede ohne materielle Substanz.<br \/>\nIn den letzten Wochen konnte ich aber auch wieder bekannte Menschen treffen und von ihnen h\u00f6ren, wie sie sich um Fl\u00fcchtlinge bei uns k\u00fcmmern, wie viel m\u00f6glich ist, wenn Herzen und H\u00e4user ge\u00f6ffnet werden. Hier wird so deutlich, was ein Satz aus dem heutigen Sonntagsevangelium konkret bedeuten k\u00f6nnte: \u201e\u2026und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gezeltet.\u201c<br \/>\nKlaus Heidegger, Sonntag 3.1.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz Fischer sprach in seiner letzten Neujahrsrede als Bundespr\u00e4sident deutliche Worte. 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