{"id":2121,"date":"2016-01-15T20:23:37","date_gmt":"2016-01-15T20:23:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2121"},"modified":"2026-02-02T13:17:10","modified_gmt":"2026-02-02T13:17:10","slug":"obergrenze-fuer-naechstenliebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2121","title":{"rendered":"Obergrenze f\u00fcr N\u00e4chstenliebe (Version 2)"},"content":{"rendered":"<p>Der frisch gek\u00fcrte \u00d6VP-Pr\u00e4sidentschaftskandidat Andreas Khol beginnt seinen Wahlkampf mit einem politischen Copy and Paste: \u201eIch bin ein Freund der N\u00e4chstenliebe. Sie beginnt aber im eigenen Haus. Sie darf keine Fernstenliebe werden\u201c, meinte Khol. (14.1.2016)<br \/>\nDazu eine Erinnerung. Im Sommer 2013 f\u00fchrte die FP\u00d6 einen gewohnt ausl\u00e4nderfeindlichen Wahlkampf und bediente sich dabei wieder aus dem Wortschatz der christlichen Religion. Da wurde auf Plakaten das religi\u00f6se Grundgebot \u201eLIEBE deine N\u00c4CHSTEN\u201c mit dem belehrenden Zusatz versehen \u201eF\u00fcr mich sind das unsere \u00d6STERREICHER\u201c. Unschwer war in diesem Zweizeiler von den Werbestrategen der \u201esozialen Heimatpartei\u201c die Gro\u00dfschreibung von drei emotional aufgeladenen Begriffen zu erkennen: LIEBE \u2013 N\u00c4CHSTEN \u2013 \u00d6STERREICHER. Wer der scheinbar Liebende ist, lie\u00df das Plakat nicht offen. Der freiheitliche Parteichef blickte in einem der Werbeplakate strahlend in das Gesicht einer \u00e4lteren Frau, die ihm liebevoll \u00fcber die Wange streichelt, in einem anderen ist sein Gegen\u00fcber ein \u2013 sicherlich nicht zuf\u00e4llig \u2013 blondes M\u00e4dchen. HC Strache ben\u00fctzte nicht wie ein Kreuzritter das Kreuz, um gegen Ausl\u00e4nder oder Andersgl\u00e4ubige zu hetzen und die \u201echristlichen Werte des Abendlandes\u201c zu verteidigen, sondern das biblisch-religi\u00f6se Grundgebot. Khol spricht nun ganz in diesem Sinne und sagt: \u201eCharity begins at home \u2013 wir m\u00fcssen zuerst auf unsere Leut&#8216; schauen.\u201c (Bei der \u00d6VP-Klubklausur, 14.1.2016)<br \/>\nWenn N\u00e4chstenliebe zum Kampfbegriff gegen Fl\u00fcchtlinge und f\u00fcr eine Obergrenze wird, wenn mit N\u00e4chstenliebe-Rhetorik Polemik gegen eine \u201eWillkommenskultur\u201c betrieben wird, dann hat dies jedoch mit biblisch-christlichem Verst\u00e4ndnis nichts zu tun. Im Gegenteil. In den Evangelien ist Jesus von Nazareth eindeutig. Auf die Frage, wer denn mein N\u00e4chster sei, stellt er in der bekannten Gleichniserz\u00e4hlung vom \u201ebarmherzigen Samariter\u201c (Lukas 10,25-37) fest: Der N\u00e4chste ist vor allem jener, der in Not geraten ist und der Hilfe bedarf. In dieser jesuanischen Lehrerz\u00e4hlung wird zus\u00e4tzlich gezeigt, dass nicht die \u201eEinheimischen\u201c, nicht die Vertreter der \u201eeigenen Religion\u201c, sondern ein \u201eFremder\u201c, ein \u201eAndersgl\u00e4ubiger\u201c begreift, wer der N\u00e4chste ist und was N\u00e4chstenliebe wirklich bedeutet.<br \/>\nDie christliche Sozialethik und katholische Soziallehre bauen nicht auf Gruppenegoismus, sondern auf eine grenzenlose solidarische Ethik. In der jesuanischen Logik sind die N\u00e4chsten daher gegenw\u00e4rtig vor allem die Fl\u00fcchtlinge, die unter Lebensgefahr zu uns nach Europa kommen. Wenn sich also \u00d6VP wie FP\u00d6 eines religi\u00f6sen Vokabulars bedienen, t\u00e4ten sie gut daran, dieses auch wirklich zu beherzigen und nicht nach ihrem Gutd\u00fcnken umzudeuten. Die Kirchen in \u00d6sterreich, aufbauend auf ihrer praktischen Arbeit mit den \u201eN\u00e4chsten\u201c, haben klar gemacht, dass sie mit einer Politik auf Kosten von Fl\u00fcchtlingen oder Migranten und Migrantinnen und mit antiislamischen oder antisemitischen Untert\u00f6nen keine gemeinsame Basis finden. Eine missbr\u00e4uchliche Verwendung religi\u00f6ser Symbole und religi\u00f6ser Sprache f\u00fcr eine inhumane Politik wird abgelehnt.<br \/>\nDas Gebot \u201echristlicher N\u00e4chstenliebe\u201c l\u00e4sst sich nicht beliebig auslegen. Es passt einfach nicht zusammen, wenn damit eine Obergrenze f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge gerechtfertigt werden soll, wie dies gegenw\u00e4rtig in der \u00d6VP geschieht. Es ist falsch, wenn N\u00e4chstenliebe als \u201eInl\u00e4nderliebe\u201c (\u201eunsere \u00d6sterreicher\u201c) uminterpretiert wird, weil sich dieses allen Religionen gemeinsame Grundgebot an der W\u00fcrde und dem Wert jeder Person orientiert, nicht aber an Herkunft oder ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit. Wer sich implizit oder explizit auf das Christentum bezieht, und gerade das tun auch immer wieder \u00d6VP-Politiker, kann N\u00e4chstenliebe nicht eingrenzen. Jesus und die Evangelien greifen damit den Faden auf, der sich schon in den j\u00fcdischen Schriften des Alten Bundes findet. Dort wird N\u00e4chstenliebe stets im Kontext mit den Schutzrechten f\u00fcr die Armen und Fremden gesehen. Papst Benedikt schrieb in seiner ersten Enzyklika (Deus caritas, 2005) \u00fcber die N\u00e4chstenliebe folgende Deutung: &#8222;N\u00e4chstenliebe besteht ja darin, dass ich auch einen Mitmenschen, den ich zun\u00e4chst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe.&#8220; Notabene: Selektive N\u00e4chstenliebe ist im Widerspruch zur Botschaft des Evangeliums. Insofern ist der Khol\u2019sche Begriff \u201eFernstenliebe\u201c dem biblischen Denken v\u00f6llig fremd.<br \/>\nKlaus Heidegger, J\u00e4nner 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der frisch gek\u00fcrte \u00d6VP-Pr\u00e4sidentschaftskandidat Andreas Khol beginnt seinen Wahlkampf mit einem politischen Copy and Paste: \u201eIch bin ein Freund der N\u00e4chstenliebe. Sie beginnt aber im eigenen Haus. Sie darf keine Fernstenliebe werden\u201c, meinte Khol. (14.1.2016) Dazu eine Erinnerung. 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