{"id":2366,"date":"2016-08-20T16:17:44","date_gmt":"2016-08-20T16:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2366"},"modified":"2022-08-22T07:40:01","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:01","slug":"back-home-a-castle-full-of-diesel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2366","title":{"rendered":"Back home &#8211; a castle full of diesel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Back home \u2026 my home is a castle smelling of diesel exhausts<\/strong><\/p>\n<p>Nach zwei Wochen Englandreise komme ich zur\u00fcck. In einem Fernbus sitzend vergegenw\u00e4rtige ich mir, was da in meinem Heimatland geschieht. Seit meiner Abwesenheit scheint sich keine Wende zu einer \u00f6kologischen, sozialen und von Menschenrechten getragenen Politik und kollektiven Lebensweise der Menschen hierzulande eingestellt zu haben.<\/p>\n<p><strong>Back home im Dieselparadies \u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 grenzenloser Verkehr ins Dieselparadies \u00d6sterreich. Der Weltersch\u00f6pfungstag ist schon eineinhalb Wochen her. Denkt jemand, der in seinem oder ihrem Auto sitzt, an diesen Tag? So mancher Ort entlang der Strecke, durch die wir fahren \u2013 wie Scharnitz \u2013 erstickt im Durchzugsverkehr. Im \u00f6sterreichischen Grenzgebiet die ersten Tankstellen. Knapp \u00fcber einem Euro liegt hierzulande der Dieselpreis, gef\u00f6rdert durch eine un\u00f6kologische Verkehrs- und Finanzpolitik. Zumindest gibt es gegenw\u00e4rtig eine Diskussion dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Obwohl Dieseltreibstoff mit wesentlich gef\u00e4hrlicheren Emissionen verkn\u00fcpft ist, ist er weniger mit Steuern belastet. Die Stickoxid- und Feinstaubemissionen sind gegen\u00fcber Diesel um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer. Das f\u00fchrt zu Krankheiten, deren Kosten von der Allgemeinheit bezahlt werden, nicht aber von den dieseltankenden Verursachern. \u00a0Der \u00f6sterreichische Fiskus kassiert bei Diesel um 8,5 Cent weniger Mineral\u00f6lsteuer je Liter als bei Benzin. Dies f\u00fchrt zum Transit-Tourismus ins Dieselbilligland und verschlechtert die heimische Klimabilanz. Jeder Liter Diesel, der hierzulande getankt wird, wird auf die Klimabilanz aufgerechnet. W\u00fcrde Diesel zumindest gleich wie Benzin besteuert werden, so h\u00e4tte der Staat Mehreinnahmen von 640 Millionen Euro. Ein Anreiz, sich ein Dieselauto zuzulegen, w\u00fcrde fallen, wenngleich sich viele Autok\u00e4ufer ohnehin mehr an der PS-Zahl oder dem Design der Karosse orientieren als an \u00f6kologischen Aspekten. Die vorherrschende Politik in \u00d6sterreich traut sich nicht, den Dieselpreis zumindest an die Nachbarl\u00e4nder anzupassen. Von Seiten der EU wurde dies als wirksame Transitbremse verlangt. Das massenhafte Konsumverhalten in \u00d6sterreich ist ebenfalls im Widerspruch zu den \u00f6kologischen Notwendigkeiten. Immer noch steigt der Kauf von Autos mit Dieselmotoren. Mehr als Dreiviertel aller Neuwagen fahren mit Diesel. \u00d6kologische Einsicht ist nicht in Sicht. Das normale Individuum ist nicht von schlechtem Gewissen geplagt, wenn es Diesel tankt.<\/p>\n<p><strong>Back home im Land mit Burgmentalit\u00e4t und Notstandsgerede<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich als \u00f6sterreichischer Tourist ist das Grenzen\u00fcberschreiten kein Problem. Doch sah ich zweimal die modernen Befestigungsanlagen in Calais, doch las ich noch kurz vor der Abfahrt aus London in der britischen Tabloid-Presse die Meinungsmache gegen eine Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen.<\/p>\n<p>Die heimische Politik in \u00d6sterreich bereitet sich darauf vor, mit einem legistischen Trick die auf den Menschenrechten basierenden Rechte f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge auszuhebeln. Es soll m\u00f6glich werden, Fl\u00fcchtlinge bereits ohne Verfahren an der Grenze abzuweisen und ab einer bestimmten Zahl \u2013 37.500 im Jahr 2016 \u2013 keine Fl\u00fcchtlinge mehr aufzunehmen. Das Menschenrecht und das internationale Asylrecht sehen hingegen vor, dass Verfolgte jedenfalls ein Recht auf Schutz haben, dass also sowohl eine Abweisung an der Grenze als auch eine Begrenzung auf eine bestimmte Zahl nicht menschenrechskonform sind.<\/p>\n<p>Ich bin dankbar f\u00fcr die weiterhin kirchlichen Positionierungen, die gegen diese Politik Stellung nehmen. Unter den vielen Meldungen, die Stimmung gegen die weitere Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen machen, sticht eine heraus, die Zeichen einer anderen Wirklichkeit ist. Ein Pfarrer aus dem Lechtal setzt sich gegen das geplante Abschieben von afghanischen Fl\u00fcchtlingen ein, die seit einiger Zeit bei ihm im Widum wohnen.<\/p>\n<p>Der rechtspopulistische Geist bestimmt in diesen Sommertagen den \u00f6ffentlichen Diskurs. Er vergiftet jede Willkommenskultur. Die Verschleierung wird bis hinauf zum Integrationsminister zum Problem gemacht und damit indirekt Islamophobie gesch\u00fcrt. Der heimische Innenminister mokiert sich dar\u00fcber, dass Fl\u00fcchtlinge zwar ein Smartphone, aber keinen Pass h\u00e4tten. Dabei m\u00fcsste er es besser wissen: Ein Handy ist f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge oft \u00fcberlebensnotwendig und gibt ihnen zumindest Kontakt zu Verwandten oder Menschen, die ihnen helfen k\u00f6nnen. Minister Sebastian Kurz spricht von den 1-Euro-Jobs f\u00fcr anerkannte Fl\u00fcchtlinge. Das w\u00e4re eine Art Zwangsarbeit und w\u00fcrde mancherorts zu einem Lohndumping f\u00fchren. Die sozialen Zuwendungen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge sollen eingeschr\u00e4nkt werden. Die \u00d6VP-Spitze suggeriert, dass asylberechtigte Fl\u00fcchtlinge generell mit ihren 837 Euro Mindestsicherung arbeitsunwillig w\u00e4ren, ein Betrag, der attraktiver sei, als selbst das Geld durch einen Job zu verdienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Back home \u2026 my home is a castle smelling of diesel exhausts Nach zwei Wochen Englandreise komme ich zur\u00fcck. In einem Fernbus sitzend vergegenw\u00e4rtige ich mir, was da in meinem Heimatland geschieht. 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