{"id":2369,"date":"2016-08-21T05:02:36","date_gmt":"2016-08-21T05:02:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2369"},"modified":"2022-08-22T07:40:01","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:01","slug":"jesus-klopft-an-die-tuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2369","title":{"rendered":"Jesus klopft an die T\u00fcr \u2026"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Light-of-the-world-small.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-2371\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Light-of-the-world-small.jpg\" alt=\"Light of the world small\" width=\"589\" height=\"1386\" \/><\/a>Jesus klopft an die T\u00fcr \u2026<\/p>\n<p>Wenn ich unterwegs bin \u2013 wie zuletzt zwei Wochen in England \u2013 dann z\u00e4hlt es zu meinen Lieblingsbesch\u00e4ftigungen, Kapellen und Kirchen aufzusuchen: Kleine, unbedeutende, irgendwo fernab von den Menschenmengen, an der kornischen K\u00fcste bis hin zu den Hauptkirchen des Vereinigten K\u00f6nigreiches. Dann wiederum geschieht es, dass ich an einem Bild, einer Skulptur oder einfach einem Hinweisschild h\u00e4ngen bleibe. Nach zwei Wochen solcher kirchlichen Englanderfahrungen k\u00f6nnte ich nun von vielen Begegnungen mit Kirchen schreiben. Eine davon passt zum heutigen Sonntagsevangelium, wo auch von einer T\u00fcr die Rede ist.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe \u00d6lgem\u00e4lde h\u00e4ngt im linken Seitenschiff der St Paul\u2019s Cathedral, also dem wichtigsten Nationalheiligtum der Church of England. Es tr\u00e4gt den Titel \u201cLight of the World\u201d. Gemalt wurde es zwischen 1900 und 1904 von William Holman Hunt. Der K\u00fcnstler hatte bereits zwei gleiche Bilder gemalt. Als er die erste Fassung schuf, war er noch Agnostiker. Durch die Auseinandersetzung mit diesem Bild fand er zum Glauben. Das Bild z\u00e4hlt zu den meistverbreiteten Darstellungen in der protestantischen Welt, wo Bilder eine ganz andere Bedeutsamkeit haben als im katholischen Bereich. Dass \u00fcberhaupt ein Bild in jener Kirche h\u00e4ngt, die sich aus Abgrenzung gegen\u00fcber der katholischen Kirche in der Zeit der Trennung der Kirchen bewusst gegen Bilder aussprach, zeigt heute eine Vers\u00f6hnung im Konfessionsstreit vergangener Jahrhunderte an.<\/p>\n<p>William Hunt\u2019s \u201eThe Light of the World\u201c gilt als so kostbar, dass es w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges an einen sicheren Ort gebracht wurde, um vor den Bombenangriffen der Nazis sicher zu sein. Heute ist es in einem feuersicheren Schrank, dessen W\u00e4nde sich bei Feuer von selbst schlie\u00dfen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Es geht William Hunt bei diesem Bild um die Umsetzung eines Bibelverses aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 3,20. Dieser steht unten am Bildrahmen: &#8222;Behold, I stand at the door, and knock; if any man hear my voice, and open the door, I will come in to him, and will sup with him, and he with me.&#8220;<\/p>\n<p>Jesus steht in einem Obstgarten. Er wird in wei\u00dfem Kleid mit w\u00fcrdevollem Umhang und Dornenkrone als der auferstandene K\u00f6nig dargestellt. Seine Augen blicken voller Geduld den Betrachtenden an. Das Licht geht von einer Laterne aus, die er in seiner linken Hand tr\u00e4gt. Mit seiner rechten Hand klopft er an die T\u00fcr eines Gartenhauses, das mit Unkraut schon ganz \u00fcberwachsen ist, so als w\u00e4re sie lange nicht mehr ge\u00f6ffnet worden. Diese T\u00fcr hat von au\u00dfen allerdings keine Schnalle. Sie kann nur von innen ge\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>In diesem Symbol wird so deutlich sichtbar, wie Jesus die Seele eines Menschen erreichen m\u00f6chte. Er klopft fast z\u00e4rtlich an die T\u00fcr. Er kann sie gar nicht selbst \u00f6ffnen. Es ist die gewaltfreie Strategie Jesu, nicht einzudringen. Auch wenn durch Vernachl\u00e4ssigung oder gesellschaftliche Umst\u00e4nde die T\u00fcr schon ganz zugewachsen scheint, das Klopfen Jesu symbolisiert: Sie l\u00e4sst sich \u00f6ffnen. Dann kann der Mensch in das Paradies kommen, das in diesem Bild durch die Apfelb\u00e4ume symbolisiert wird. Dann k\u00f6nnen wir Mahl halten mit Jesus in unserer Mitte.<\/p>\n<p>Ein Aspekt k\u00f6nnte bei diesem Bild in der gegenw\u00e4rtig so bedeutsamen interreligi\u00f6sen Debatte leicht \u00fcbersehen werden. Das Licht aus der Laterne, die Jesus tr\u00e4gt, leuchtet oben durch \u00d6ffnungen, die sowohl den Davidstern des Judentums als auch den Halbmond des Islam darstellen k\u00f6nnten. So hat der Maler, vielleicht unbewusst, auch dargestellt, dass dieses Licht des Heils auch in den anderen Weltreligionen zu finden ist.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, August 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/Light-of-the-world-small.jpg' class='thumbnail' \/>Jesus klopft an die T\u00fcr \u2026 Wenn ich unterwegs bin \u2013 wie zuletzt zwei Wochen in England \u2013 dann z\u00e4hlt es zu meinen Lieblingsbesch\u00e4ftigungen, Kapellen und Kirchen aufzusuchen: Kleine, unbedeutende, irgendwo fernab von den Menschenmengen, an der kornischen K\u00fcste bis hin zu den Hauptkirchen des Vereinigten K\u00f6nigreiches. 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