{"id":2416,"date":"2016-09-26T09:55:07","date_gmt":"2016-09-26T09:55:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2416"},"modified":"2022-08-22T07:40:00","modified_gmt":"2022-08-22T07:40:00","slug":"polen-krakau-auschwitz-schulprojekt-der-8b-klasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2416","title":{"rendered":"Polen-Krakau-Auschwitz: Schulprojekt der 8b-Klasse"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eWer vor der Vergangenheit die Augen verschlie\u00dft, wird blind f\u00fcr die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anf\u00e4llig f\u00fcr neue Ansteckungsgefahren.\u201c (C. F. Weizs\u00e4cker)<\/em><\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 15. 9. 2016<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine lange Anfahrt<\/strong><\/p>\n<p>Um 8:30 treffen wir uns am Bahnhof. Eine kleine Gruppe. Die 15 der 8b mit mir als Religionslehrer und Richard und Marialuise Hussl. Richard Hussl leistete als Polen-Experte, Politikwissenschaftler und Bildungsreferent von Pax Christi \u00d6sterreich wesentliche Vorarbeiten der Organisation. Ich bin als Schulverantwortlicher f\u00fcr dieses Projekt dankbar f\u00fcr die weibliche Begleitperson in Marialuise Hussl. 290 Euro zahlen die Sch\u00fclerInnen. Auch vom Schulerhalter bekamen wir dankenswerterweise eine Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Railjet nach Wien. Kurze Umstiegszeit. Dann beginnt die Fahrt durch die Tschechoslowakei. Der Zug ist unterbesetzt. Zugfahren ist die angenehmste Weise der Fortbewegung. Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen eine solche Erfahrung zu vermitteln, ist mir wichtig. Im Speisewagen sind wir allein. Fahrt vorbei an vielen K\u00fcrbisfeldern, entlang der March, durch die Tschechische Republik von S\u00fcd nach Nord. Katowice ist die erste polnische Ortschaft. Dort steigen wir in einen Regionalzug um, der aus l\u00e4ngst vergangenen Zeiten stammt. Entsprechend rumpelt und rattert er. 21:30. Ankunft in Krakau. Mit Taxis zum Hostel. Alles hat funktioniert. 12 Stunden Fahrtzeit, die schnell vergangen ist.<\/p>\n<p><strong>Freitag, 16.9.2016<\/strong><\/p>\n<p><strong>Polnische Lebenswelten<\/strong><\/p>\n<p>2 &#8211; auf dem Weg zum Wawelh\u00fcgel &#8211; Wo ist der Drache?-<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die polnische W\u00e4hrung ist mir fremd. 4 Zloty wechseln sich zu 1 Euro. Dort, wo Touristen sind, sind auch \u00fcberall die Wechselstuben. Winzig kleine M\u00fcnzen klimpern bald in meiner Tasche. Groszn hei\u00dft die kleinere W\u00e4hrung und erinnert mich an die Groschen, die es bei uns einmal gegeben hat. Polen ist zwar seit 2004 bei der EU, doch nicht in der W\u00e4hrungsunion. So wird eine in sich vielf\u00e4ltige EU erfahrbar.<\/p>\n<p>Die Erneuerung von Krakau ist nach vier Jahrzehnten realem Sozialismus noch lange nicht fertig. Zwischen sanierten H\u00e4usern gibt es immer wieder zerfallende H\u00e4user und Baul\u00fccken selbst unweit der alten Stadt. Was ich aus Berichten kenne, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in eine reiche Oberschicht einerseits und Tausenden mit Existenzsorgen andererseits, bleibt uns hier verborgen. Wir sind Touristen in einer der sch\u00f6nsten St\u00e4dte Europas mit einer F\u00fclle an reichen Kunstdenkm\u00e4lern und Sch\u00e4tzen. Die Titel, Kulturhauptstadt Europas und UNESCO-Weltkulturerbe, kann Krakau zurecht tragen.<\/p>\n<p><strong>Krakauer Sehensw\u00fcrdigkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Dorothea ist die Fremdenf\u00fchrerin, die uns einen ersten Einblick gibt. Vom Tara-Hostel lassen sich die Hauptsehensw\u00fcrdigkeiten schnell erreichen.<\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt ist gleich am Anfang. Zentrum des Tourismus in S\u00fcdpolen. Der Wawel-H\u00fcgel mit seinem K\u00f6nigsschloss und der Stanislaus-Kathedrale. Postkartenidylle bei sch\u00f6nstem Herbstwetter. Wir streifen durch polnische Geschichte. Dorothea erz\u00e4hlt als Betroffene. Ein Gro\u00dfonkel war in der polnischen Armee, der f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Polens k\u00e4mpfte. Andere Verwandte mussten nach der deutschen Okkupation fliehen. Und dann kam \u2013 so Dorothea \u2013 die n\u00e4chste Okkupation durch den Sowjetkommunismus. So haben wir in unserer Fremdenf\u00fchrerin eine leidenschaftliche polnische Patriotin, die die Grunderfahrung \u2013 Polen als wiederholtes Opfer von Okkupationen \u2013 verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren die Legende vom Drachen, der vom Stammesf\u00fcrsten Kra besiegt worden ist, worauf dieser erst die Stadt gr\u00fcnden konnte. Wir sehen die Weichsel, ein gro\u00dfer ruhiger Fluss, der Polen von S\u00fcd nach Nord durchzieht. Beeindruckend ist der Blick auf das Schloss-Kathedrale-Ensemble am Wawel-H\u00fcgel. Der Streifzug durch die Kathedrale geschieht in einer Geschwindigkeit, dass wohl wenig davon in Erinnerung bleiben wird. Am meisten wohl noch das Grab des Hl. Stanislaus, dem diese Kathedrale geweiht ist. Die vielen Touristen lenken davon ab, sich mehr auf dieses Denkmal einzulassen.<\/p>\n<p>Vom Wawel-H\u00fcgel geht es zum zweiten Tourismus-Hot-Spot, dem gro\u00dfen Marktplatz Rynek. Es soll der gr\u00f6\u00dfte Marktplatz Europas sein. Barock- und Renaissance-Bauten umrahmen ihn. In der Mitte sind die Tuchhallen. Dorothea f\u00fchrt uns auch zur Universit\u00e4t, der zweit\u00e4ltesten Europas gleich nach Prag. Der wohl ber\u00fchmteste Intellektuelle dieser Uni war Nikolaus Kopernikus.<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerischer H\u00f6hepunkt ist die Marienkirche mit ihren zwei unterschiedlich hohen T\u00fcrmen am s\u00fcdwestlichen Ecke des Marktplatzes. Ein gotischer Ziegelbau. B\u00fcrgerkirche \u2013 zum Unterschied von der Stanislaus-Kathedrale, der Kr\u00f6nungskirche, die f\u00fcr den Adel bestimmt war. Bis zum gemeinsamen Mittagessen bleibt mir noch etwas allein Zeit f\u00fcr die Besichtigung einer weiteren Kirche in der N\u00e4he vom Stefansdor. 120 Kirchen sollen es in Krakau sein.<\/p>\n<p>Der Blick auf Menschen in den Stra\u00dfen hier zeigt \u2013 wenn ich Touristen und Touristinnen ausklammere \u2013 wenig ethnische Durchmischung, wie ich sie aus anderen Gro\u00dfst\u00e4dten Europas kenne. Bekannt ist die Politik der polnischen Regierung, keine Fl\u00fcchtlinge aus islamischen L\u00e4ndern aufzunehmen. Der polnische Premierminister will keine islamischen Einwanderer. Sie w\u00fcrden, so seine diffamierende Bemerkung, Krankheiten einschleusen.<\/p>\n<p><strong>Nowa Huta<\/strong><\/p>\n<p>Nachmittags fahren wir mit der Stra\u00dfenbahn nach Nowa Huta. Es ist eine Fahrt in einen anderen Lebensraum, dorthin, wo heute die Mehrheit der gut 800.000 Einwohner von Krakau sind. Plattenbauten aus kommunistischer Zeit. Mittendrin ist die Kirche von Nowa Hua mit ihrer eindrucksvollen Geschichte von Widerstand und Glaube. Ich k\u00f6nnte auch sagen: von widerst\u00e4ndischem Glauben oder gl\u00e4ubigem Widerstand.<\/p>\n<p>Nach 1945 wollte die kommunistische Regierung an diesem Ort eine sozialistische Modellstadt errichten. Nowa Huta \u2013 die neue H\u00fctte. Man lie\u00df Industrieanlagen errichten, Stahlwerke, obwohl der Standort daf\u00fcr eigentlich ungeeignet war. Die kommunistischen Herrscher wollten die Krakauer eines Besseren belehren, weil sie bei den ersten Wahlen nicht kommunistisch gew\u00e4hlt hatten. F\u00fcr die Industriearbeiter wurden Plattenbauten errichtet nach dem neuen realsozialistischen Muster. Kleine Wohnungen f\u00fcr kleine Familien. Die Kinder sollten in Kinderkrippen und Staatsschulen sein. Familienwerte wurden den Staatswerten untergeordnet. Atheismus war die vorherrschende Doktrin. Kirche und Glaube hatten keinen Platz und st\u00f6rten nur. Eine Kirche sollte es in der neuen Stadt nicht geben. Doch die Bev\u00f6lkerung dachte, glaubte und handelte anders. Zun\u00e4chst errichteten sie an einer freien Stelle ein Kreuz. Mehrmals wurde es demontiert.\u00a0 Die Weihnachtsmette im Jahr 1975 feierte auch Karol Woytila, damals Bischof in Krakau, im Freien, im Schnee, beim Kreuz. In den 60er-Jahren schlie\u00dflich erreichte es die Bev\u00f6lkerung, dass eine gro\u00dfe Kirche erbaut werden konnte. Sie hat die Form einer Arche. Das Kreuz mit der Siegeskrone ist der Segelmast. Die gesamte Fassade wurde mit Flusssteinen gestaltet. Im Inneren der Kirche leuchten die Fenster in den Regenbogenfarben. Im Tabernakel befindet sich ein Stein, den ein Astronaut von der ersten Mondfahrt mitgenommen und Papst Paul VI. geschenkt hatte. Das gro\u00dfe Kreuz im Inneren ist wie eine Galionsfigur. Es ist aus jenem Material, mit dem die Arbeiter hier besch\u00e4ftigt waren. Jesus Christus geh\u00f6rt zu ihnen. Sie sind in einer Kirche wie in einer Arche.<\/p>\n<p>Abends haben die Sch\u00fcler und wir Begleitpersonen einen freien Abend. Den n\u00fctze ich noch f\u00fcr Blicke in drei Kirchen.<\/p>\n<p>Die gotische Dominikanerkirche, die Franziskanerkirche und die Kirche St. Peter und Paul. Letztere sieht tats\u00e4chlich so aus wie Il Gesu in Rom oder die Jesuitenkirche in Innsbruck. Die Kirche erinnert an das Ende des 16. Jahrhunderts, als die Jesuiten in Polen so gro\u00dfen Einfluss hatten, dass hier die evangelische Kirche nie gro\u00df werden konnte. Die knallbunten Farben der Franziskanerkirche, mit denen das Innere der Kirche ganz ausgemalt ist, kommen jetzt am Abend nicht zur Geltung.<\/p>\n<p>Zum Abendessen w\u00e4hlen wir Salat und Piroggen, was typisch polnisch ist. Es sind Teigtaschen mit unterschiedlichen F\u00fcllungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Samstag, 17.9.2016<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchst\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Der kurze Weg vom Hostel bis ins Restaurant, wo es Fr\u00fchst\u00fcck gibt, ist uns bereits vertraut. Polnisches Fr\u00fchst\u00fcck. Heute mit Pfannkuchen. 8:00.<\/p>\n<p><strong>Gedenkst\u00e4tte Auschwitz-Birkenau<\/strong><\/p>\n<p>Ich war immer wieder mit Schulklassen in Mauthausen und in Dachau. Die Dimension des Schreckens, die in diesem polnischen Ort, 60 Kilometer von Krakau entfernt, ersp\u00fcrt wird, ist unvergleichlich. Wir fahren mit einem reservierten Kleinbus dorthin. Die F\u00fchrung beginnt um 11:00. Lukas, unserer F\u00fchrer, spricht perfekt Deutsch. Er arbeitet im Forschungszentrum von Auschwitz und er kann er uns Wesentliches von seinem Wissen vermitteln. Beim Durchgehen durch die Baracken, den Orten des Grauens im Stammlager Auschwitz I, dem Gef\u00e4ngnis, den Hinrichtungsst\u00e4tten, dem Krematorium, \u2026 ich denke oft an die Erz\u00e4hlungen von Ella Lingens, die ich auf der Hinfahrt gelesen hatte. Regnerisch-tr\u00fcbes Wetter passt zur Stimmung, die diese Orte vermitteln. Riesig sind die Dimensionen von Birkenau.<\/p>\n<p>Drei besondere Orte will ich in besonderer Erinnerung halten.<\/p>\n<p>Da ist erstens die Ruine eines Krematoriums, das gesprengt worden ist. Die SS lie\u00df alle Krematorien vor der Befreiung sprengen. Die nachkommenden Generationen sollten von ihren Verbrechen nichts erfahren. Das ist der Hauptgrund, warum ich mit einer Schulklasse hier bin. Nicht vergessen. Die Verbrechen nicht verschweigen. Das ist es, was wir den Opfern schulden.<\/p>\n<p>Da ist zweitens die Zelle, in der Pater Maximilian Kolbe eingesperrt und gefoltert worden ist. Sein Martyrium ist beispielgebend. Als Heiliger ist er mir Vorbild. Er hat bis in die letzte Konsequenz nicht an sich gedacht, sondern schenkte so einem Familienvater das Leben. Erst vor wenigen Wochen hat Papst Franziskus an diesem Ort gebetet.<\/p>\n<p>Da ist drittens der Galgen beim Ausgang vom Stammlager I, an dem nach dem Kriegsverbrecherprozess der SS-Kommandant von Auschwitz erh\u00e4ngt worden ist. Warum nur, so frage ich mich, wurde nach all dem Schrecken wieder eine Todesstrafe verh\u00e4ngt? So kann kein Ausstieg aus der Spirale von Gewalt-Gegengewalt erfolgen.<\/p>\n<p>Nichts, ja gar nichts l\u00e4sst sich mit der Brutalit\u00e4t und Gewalt der damaligen Zeit vergleichen, dem Terrorregime des Nationalsozialismus. Diese Zeit soll aber auch eine Lehre sein: Dass wir nicht mehr wegsehen, wenn irgendwo in dieser Welt schreckliches Unrecht passiert und wenn irgendwo Menschenrechte mit F\u00fc\u00dfen getreten werden. Ich denke an die Abermillionen in dieser Welt, die hungern und am Verhungern sind, an die F\u00fcchtlinge, deren Asylrecht \u2013 auch in \u00d6sterreich \u2013 massiv eingeschr\u00e4nkt wird. Das Errichten von Z\u00e4unen war ein Merkmal von Auschwitz. \u00dcberall in diesem neuen Europa werden Z\u00e4une errichtet.<\/p>\n<p><strong>Abendessen und Gespr\u00e4chsrunde<\/strong><\/p>\n<p>Wir essen gemeinsam im Restaurant in der N\u00e4he vom Hostel, wo wir danach auch noch den Tag in einer Gespr\u00e4chsrunde etwas aufarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 18.9.2016<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das j\u00fcdische Viertel Kazimierez\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Gleich auf der anderen Seite vom Tara-Hostel beginnt jenes Gebiet, das Kazimierez bezeichnet wird und heute auch j\u00fcdisches Viertel genannt wird. Vor der Shoah lebten bis zu 65.000 Juden hier. Heute gibt es in ganz Krakau verstreut noch 170 Juden und J\u00fcdinnen. Von ihnen sind die meisten aus der Ukraine. 12.000 Juden leben heute in Polen.<\/p>\n<p>Die H\u00e4user sind nicht gro\u00df. Manche wurden neu renoviert, zwischendrin verfallen auch andere. Der Tourismus bl\u00fcht hier auf. Sieben Synagogen gibt es. Nur zwei davon erf\u00fcllen noch ihre alte Funktion, Orte des Gebetes zu sein. J\u00fcdisches Leben wird kaum mehr sichtbar. Steven Spielberg hat mit seinem Film wesentlich zum Bekanntheitsgrad dieses Viertels beigetragen. An einem Platz, wo auch ein Gedenkstein f\u00fcr die vielen Ermordeten aus dem j\u00fcdischen Volk ist, reihen sich heute Restaurants und bieten polnische Speisen mit Klezmer-Musikbegleitung an. Dorothea f\u00fchrt uns mit Speed durch das Viertel, zeigt uns den Friedhof, die alten Synagogen. An einem Platz gibt es einen Flohmarkt, der f\u00fcr die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mehr Anziehungskraft besitzt als die Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Dann geht es zur Schindlerfabrik auf der anderen Seite der Weichsel. Das Geb\u00e4ude ist heute als Museum eingerichtet, in der mit Bildern und Ausstellungsst\u00fccken sehr informativ und vielf\u00e4ltig die Geschichte des j\u00fcdischen Gettos, die Schreckensherrschaft der Nazis in Krakau sowie der Widerstand dagegen dokumentiert wird.<\/p>\n<p>Um halb zwei geht es dann mit den allgegenw\u00e4rtigen Touristen-Elektrotaxis, eine Art Golfw\u00e4gen, wo 6 bis 8 Leute mitfahren k\u00f6nnen, zum Marktplatz und zu einem Nachmittag mit freier Zeit- und Raumeinteilung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kathedralen und Kirchen und Synagogen<\/strong><\/p>\n<p>Welcher Reichtum an kulturellen Sch\u00e4tzen in Krakau zu finden ist, wird mir am Nachmittag wieder bewusst.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Reichtum der katholischen Kirche ist aber wohl, und das wird an diesem Sonntagnachmittag sehr augenscheinlich erfahrbar, der Glaube und die tiefe Verbindung der Polen zu ihrer Kirche. Selbst mitten am Nachmittag sind manche Kirchen noch voll von Menschen, die and\u00e4chtig bei der Hl. Messe sind.<\/p>\n<p>Aus den Geschichtsb\u00fcchern und dem Studium ist mir die Bedeutung des besonderen polnischen Katholizismus vertraut. Die Kirche ist hier Nationalkirche. Maria ist die \u201eK\u00f6nigin von Polen\u201c. In Polen konnte sich die Reformation nie durchsetzen. Deswegen blieb Polen auch der 30-j\u00e4hrige Krieg erspart. Als Polen als einheitlicher Staat verschwand und auf drei andere Staaten aufgeteilt worden war, war die Kirche jene Kraft, die an der Vision eines polnischen Staats festhielt. Als die Nazis Polen besetzten und ihre Schreckensherrschaft errichteten, war die Kirche im Widerstand. Als schlie\u00dflich die Kommunisten einen atheistischen Staat in Polen umsetzen wollten, war der polnische Katholizismus nicht auszurotten. Und heute? Wo sind die polnischen Bisch\u00f6fe, die gegen die nationalistische Politik der PiS auftreten? Wo sind die Repr\u00e4sentanten der Kirche, die gegen die Aufr\u00fcstung im NATO-Land ihre Stimme erheben? Mit Zuversicht denke ich an den Besuch von Papst Franziskus beim Weltjugendtreffen in Krakau, wo er unmissverst\u00e4ndlich gegen die Politik der polnischen Regierung f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge eintrat.<\/p>\n<p>Polen eignet sich als ideales Beispiel um darzustellen, wie das Verh\u00e4ltnis von Kirche und Staat sein kann.<\/p>\n<p>Eine Kirche, die im Widerstand zum Staat ist. Daf\u00fcr steht beispielsweise der junge Priester Popieluzsko, dessen Bild mir auch in Krakau begegnete. Er wird als M\u00e4rtyrer verehrt. Er wurde zur Zeit der kommunistischen Herrschaft vom polnischen Geheimdienst ermordet. Zu dieser Geschichte geh\u00f6rt auch die Solidarnosc-Bewegung und vor allem die Geschichte des bedeutsamsten Menschen von Krakau, Johannes Paul II. F\u00fcr die Polen gilt er unwidersprochen als jener Mann, der Polen vom Kommunismus befreit hat. Eine Kirche, die auch im Widerspruch zum nationalsozialistischen Terroregime war. Daf\u00fcr steht als gro\u00dfer Zeuge der Franziskanerpater Maximilian Kolbe.<\/p>\n<p>Oder eine Kirche, die sich doch anpasst an das, was vom Staat vorgegeben ist.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen den Nachmittag zum Bummeln n\u00fctzen, besichtige ich Kirchen, Kathedralen und Synagogen. Sie liegen aufgef\u00e4delt wie Perlen an einem Rosenkranz.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst nehme ich mir nochmals viel Zeit f\u00fcr die Marienkirche, sitze lange vor dem gotischen Hochaltar aus dem Jahr 1497, lasse mich auch auf die Details der Kunstwerke ein, die H\u00f6he des Raumes mit dem blauen Deckenfresko, die Seitenkapellen.<\/p>\n<p>Zweite Kirche ist das Zisterzienserkloster, das einer riesigen goldenen Schatzkammer gleicht.<\/p>\n<p>Die dritte Kirche ist das Gegenst\u00fcck dazu. Klein, fast unscheinbar, aus romanischer Zeit. Die Andreaskirche wird von Clarissinnen betreut. Sie ist bleibendes bauliches Zeugnis daf\u00fcr, dass die Kirche auf Seiten der Armen steht.<\/p>\n<p>In der vierten Kirche, deren Namen ich nicht mehr kenne, findet ewige Anbetung statt.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnfte Kirche ist heute evangelisch. Davor steht eine Friedenss\u00e4ule, die an das Gebet der Weltreligionen im Jahr 1992 erinnert. \u201eMay peace prevail on earth.\u201c<\/p>\n<p>Die sechste Kirche ist die Fronleichnamskirche. Es ist eine gewaltige gotische Kathedrale und im Inneren mit barocker Wucht aus schwarzem Holz und sehr viel Gold.<\/p>\n<p>Die siebte Kirche ist die Katharinenkirche, ein gro\u00dfe gotische Kathedrale. Ich sitze hinten und lasse mich auf den Sonntagsgottesdienst ein.<\/p>\n<p>Zwischendrin streife ich nochmals durch das j\u00fcdische Viertel. Am Vormittag war keine Zeit, um eine der Synagogen auch im Inneren zu sehen. Drei davon schaue ich mir daher am Nachmittag an. Die Hohe Synagoge vom Ende des 19. Jahrhunderts, die mit gr\u00f6\u00dftem Aufwand gebaut worden ist, wirkt fast etwas schmuddelig. Die zweite Synagoge ist heute ein Museum mit einer Ausstellung von Bildern \u00fcber j\u00fcdische Familien aus Krakau. Die Kupa-Synagoge ist ein kleiner Raum, der heute wohl auch nicht mehr f\u00fcr das Gebet verwendet wird.<\/p>\n<p><strong>Polnische politische Wirklichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Der Aufenthalt ist zu kurz, um auch nur ann\u00e4hernd zu verstehen, was in diesem EU-Land vor sich geht. Die Informationen, die wir in \u00d6sterreich bekommen, sind aus dem Blickwinkel des Friedens und der Gerechtigkeit nicht verhei\u00dfungsvoll. Polen als f\u00fchrendes Land der NATO-Aufr\u00fcstung, das bereitwillig zur Beteiligung an den Kriegen in j\u00fcngster Zeit war und die Aufr\u00fcstung an der russisch-polnischen Grenze mit gr\u00f6\u00dftem Engagement betreibt. Polen als Zugpferd der Visgegr\u00e1d-Gruppe, die eine radikale Abschottungspolitik gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen betreiben. Kein Wunder, dass Strache-Hofer auch \u00d6sterreich in diese Gruppe f\u00fchren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Bei meinen Streifz\u00fcgen durch die Stadt komme ich zuf\u00e4llig auch an dem Kreuz vorbei, das an das Massaker von Katyn erinnert. Blumen, Kerzen und Schleifen in den rot-wei\u00dfen Nationalfarben Polens sind davor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klezmer-Musik und polnisches Essen<\/strong><\/p>\n<p>In einem der bekannten Restaurants im J\u00fcdischen Viertel ist f\u00fcr uns reserviert. Polnisches Essen mit Klezmer-Musik. Knapp an der Grenze zum Tourismus-Event. Die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen nehmen es mit Humor und bringen Stimmung hinein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Montag, 19.9.2016<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWer seine Geschichte vergisst, ist dazu verurteilt, sie nochmals zu erleben.\u201c (P. Grosz, ehemaliger Pr\u00e4sident der Israelitischen Kultusgemeinde)<\/em><\/p>\n<p><strong>Die lange Heimfahrt<\/strong><\/p>\n<p>Ein grau-regnerischer Tag und f\u00fcr die Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen eine Zeit, in der sie wohl lieber nicht angesprochen werden m\u00f6chten. Ab 5:15 wird geweckt. Um 6:00 warten 5 Taxis vor dem Tara-Hostel. Alle sind p\u00fcnktlich. Die Stra\u00dfenbahn rumpelt vorbei \u2013 wie die ganze Nacht. Stra\u00dfen, Beton, Asphalt, H\u00e4userreihen auf dem Weg zum Bahnhof. Jetzt Mitte September beginnt es gerade hell zu werden. Die Taxis bringen uns direkt zu den Bahnsteigen und bringen uns so um das Gef\u00fchl, von einem Bahnhof abzufahren. 6:38. Die Abst\u00e4nde zwischen Bahnsteig und Zug passen nicht. Der Zug ist fast leer. Fahrt durch polnische Provinz. Kleine H\u00e4user in Streusiedlungen. Im Grenzgebiet m\u00e4chtige Kraftwerke. Zwischen Polen und der Tschechischen Republik braucht es keine starken Grenzkontrollen. Beide L\u00e4nder sind als Visegrad-Staaten in einer Abschottungspolitik konform. Den eigentliche Grenzzaun gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen besorgt ohnehin \u00d6sterreich \u2013 am Brenner, in Nickelsdorf. Grenzmanagement hei\u00dft dort der Bau von Mauern und Z\u00e4unen. Fahrt durch die Tschechische Republik. Die Oder ist hier erst im Entstehen. Die Fahrt vergeht sehr schnell. Zugfahren ist angenehm. Kein Transportmittel ist f\u00fcr lange Fahrten besser geeignet. Grenzbahnh\u00f6fe im bleibenden Flair von K&amp;K-Bahnh\u00f6fen. Entlang der March und pl\u00f6tzlich sind die Aufschriften drau\u00dfen auf Deutsch. Wieder in \u00d6sterreich. Lesen, reden, im Speisewagen sitzen, arbeiten und die Landschaften drau\u00dfen vorbei ziehen lassen. Erlebnisse und Erfahrungen ausklingen lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 20.9.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWer vor der Vergangenheit die Augen verschlie\u00dft, wird blind f\u00fcr die Gegenwart. 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