{"id":2427,"date":"2016-10-14T06:07:49","date_gmt":"2016-10-14T06:07:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2427"},"modified":"2026-02-02T13:37:52","modified_gmt":"2026-02-02T13:37:52","slug":"2427","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2427","title":{"rendered":"Dylan statt Trump"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In diesen Tagen tut es gut, die Aufmerksamkeit darauf zu legen, dass die USA so viel gr\u00f6\u00dfer sind als Donald Trump und Hilary Clinton. Der Fokus der internationalen Aufmerksamkeit legt sich zumindest kurzfristig auf Bob Dylan, der am 13. Oktober den Literaturnobelpreis zugesprochen bekam. Diese Aufmerksamkeit sollte auch aus religi\u00f6ser Perspektive gelten. F\u00fcr mich als Religionslehrer sind die Songs und das Leben von Dylan stets eine Quelle der Inspiration im Unterrichtsgeschehen.<\/p>\n<p>Dylan war ein religi\u00f6s Suchender, der sich zugleich nicht in religi\u00f6se oder kirchliche Schablonen pressen l\u00e4sst. Mehrmals hat er die Grenzziehungen von Religionsgemeinschaften oder Kirchen \u00fcberwunden. Bob Dylan, geboren als Robert Allen Zimmerman in Duluth, Minnesota und aufgewachsen in Hibbing, Minnesota, spiegelt in vieler Weise auch die bunte religi\u00f6se Welt der USA wider. Er wuchs in einer gl\u00e4ubigen j\u00fcdischen Familie auf und hatte mit 13 die Bar Mitzvah. Immer wieder hat Dylan zugleich seine religi\u00f6sen Ansichten und Zuordnungen ge\u00e4ndert. Das Jahr 1979 markiert seine Zuwendung zum Christentum. Manche seiner Fans aus dem agnostischen oder atheistischen Eck waren entt\u00e4uscht. Dylan dazu: \u201eI don\u2019t think I\u2019ve been an agnostic. I\u2019ve always thought there\u2019s a superior power, that this is not the real world and that there\u2019s a world to come.\u201d Musik war freilich seine Spiritualit\u00e4t und eine Beheimatung in einer bestimmten christlichen Kirche fand er nicht. \u00a0Seine S\u00f6hne wuchsen in die j\u00fcdische Gemeinschaft hinein.<\/p>\n<p>Vor allem aber wurde Bob Dylan mit seiner \u201eLiteratur-Musik\u201c ein Sprachrohr f\u00fcr jene, die sich beginnend mit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts in den sozialen Bewegung engagiert hatten: der Friedensbewegung gegen den Vietnamkrieg und gegen die atomare Aufr\u00fcstung sowie der B\u00fcrgerrechts- und Anti-Apartheidbewegung. \u00a0M\u00f6gen manche seiner religi\u00f6sen Ansichten aus theologisch-aufgekl\u00e4rter Perspektive kritikw\u00fcrdig sein, weil sie in das schillernde Spektrum neu-christlicher US-amerikanischer Bewegungen passen, so atmet doch sein politisches Engagement und Gesp\u00fcr zutiefst das Kernanliegen jeder Religion:\u00a0 ein Aufschrei gegen Gewalt und Ungerechtigkeiten, ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Gewaltfreiheit und die Option f\u00fcr jene, die am Rand der Gesellschaft stehen. M\u00f6ge sein Song \u201cThe Times They Are A Changin\u2018\u201c (1964) gerade mit Blick auf den unertr\u00e4glichen Wahlkampf in den USA in Erf\u00fcllung gehen. \u00a0M\u00f6ge eine neue Zeit kommen und die alte Welt mit ihren Zerst\u00f6rungen vergehen. M\u00f6ge in Erf\u00fcllung gehen, dass die jetzigen Verlierer die Gewinner und die Letzten die Ersten sein werden, m\u00f6ge sich die zerst\u00f6rerische Ordnung des Neokapitalismus aufl\u00f6sen. Heute, am ersten Tag nach der Nobelpreisverleihung, brauchen wir seinen Song \u201eBlowin\u2018 in the Wind\u2018\u201c noch mehr als vor einem halben Jahrhundert.\u00a0 Ich trage die Melodie und die Lyrics in meinem Herzen und werde sie den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen vorspielen:<br \/>\n\u201e How many roads must a man walk down<br \/>\nBefore you call him a man?<br \/>\nHow many seas must the white dove sail<br \/>\nBefore she sleeps in the sand?<br \/>\nYes, and how many times must the cannonballs fly<br \/>\nBefore they are forever banned?<br \/>\nThe answer, my friend, is blowin&#8216; in the wind<br \/>\nThe answer is blowin&#8216; in the wind \u2026\u201d<br \/>\nDie Schwedische Akademie hat mit ihrem Preis verstanden, was unsere Welt heute braucht.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 14.10.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 In diesen Tagen tut es gut, die Aufmerksamkeit darauf zu legen, dass die USA so viel gr\u00f6\u00dfer sind als Donald Trump und Hilary Clinton. 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