{"id":2545,"date":"2016-12-11T13:45:21","date_gmt":"2016-12-11T13:45:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2545"},"modified":"2022-08-22T07:39:40","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:40","slug":"hl-koenig-stephan-i-oder-hl-elisabeth-impressionen-aus-budapest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=2545","title":{"rendered":"Hl. K\u00f6nig Stephan I. oder Hl. Elisabeth \u2013 Impressionen aus Budapest"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die grausame Hand des Hl. Stephan<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Kirche Budapests ist nach ihm benannt. Seine Krone ziert seit der Macht\u00fcbernahme durch Fidesz das ungarische Staatswappen und befindet sich im Parlamentsgeb\u00e4ude. Keine andere Person wird im ungarischen Nationalismus mehr instrumentalisiert. K\u00f6nig Stephan I., der Herrscher aus dem Jahr 1000, der Zwangstaufen verordnete, der mit Brutalit\u00e4t und Gewalt das erste ungarische K\u00f6nigreich schuf, der aus Machtinteresse nicht davor zur\u00fcckschreckte, seinen Vetter blenden zu lassen und in dessen Ohren Blei gie\u00dfen lie\u00df. Ungeachtet dessen wurde der erste ungarische K\u00f6nig vom Papst bald nach seinem Tod heiliggesprochen. Das ungarische K\u00f6nigshaus war n\u00fctzlich f\u00fcr die Machtinteressen des Papstes. Heute ist er n\u00fctzlich f\u00fcr das Narrativ eines christlichen Abendlandes und damit f\u00fcr eine Abwehr von all dem, was als \u201enicht-christlich\u201c definiert wird. Heiden, Juden oder Muslime. Ein Gem\u00e4lde in der Matthias-Kirche auf dem Budapester Schlossberg zeigt ihn, wie er mit Ritterr\u00fcstung im Kampfget\u00fcmmel Menschen aufspie\u00dft. K\u00f6nig Stephan steht f\u00fcr die schlimmste unheilige Allianz: der Verbindung von Kreuz und Schwert. Mir graut, als ich seine rechte Hand als Reliquie in einem kostbaren Schrein in einer Seitenkapelle der Stephanskirche sehe. Stephans Hand, die gemordet hat und morden lie\u00df, soll seit 1000 Jahren nicht verrottet sein. Wie wahr: Heute gibt es viele H\u00e4nde, die wie Stephans Hand sind.<\/p>\n<p><strong> J\u00fcdische Geschichte in Budapest<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Streifz\u00fcgen durch Budapest begegnet uns die j\u00fcdische Geschichte. \u00dcber Jahrhunderte haben Juden und J\u00fcdinnen das Magyaren-Land gepr\u00e4gt und wurden immer wieder verfolgt. Die faschistische Regierung Ungarns war zur Zeit des Zweiten Weltkriegs auf Seiten der Nationalsozialisten. W\u00e4hrend der Nazizeit sollen 400.000 ungarische Juden und J\u00fcdinnen in die Vernichtungslager deportiert worden sein. Heute erinnern Gedenkst\u00e4tten daran: Eine Trauerweide vor der gro\u00dfen Synagoge in Budapest und die Messingschuhe am Ufer der Donau. Sie befinden sich dort, wo Juden und J\u00fcdinnen 1944 von den faschistischen Pfeilkreuzlern erschossen worden sind. Ein Denkmal in der N\u00e4he unserer Unterkunft im ehemaligen Judenviertel erinnert auch an die andere Seite von Budapest. Raoul Wallenberg, ein schwedischer Diplomat, und K\u00e1roly Szab\u00f3, konnten mit ihrem Mut und Tricks 154 Juden retten. Heute gibt es in Budapest mit 100.000 bis 150.000 Juden und J\u00fcdinnen eine der gr\u00f6\u00dften j\u00fcdischen Gemeinschaften. Im j\u00fcdischen Viertel, in dem wir wohnen, gibt es noch drei Synagogen, unter ihnen die gr\u00f6\u00dfte von Europa. Antisemitismus ist in Polen wieder aktuell.<\/p>\n<p><strong>Islamisches Ungarn<\/strong><\/p>\n<p>Dass Europa nicht nur ein christliches Europa ist, zeigt die Geschichte Ungarns. Muslime haben um die Jahrtausendwende\u00a0 die Stadt Pest wirtschaftlich bestimmt. Bereits Ludwig der Gro\u00dfe begann aber in kriegerischen Aktionen die T\u00fcrken abzuwehren. Mit Berufung auf Maria, die er auf einer Fahne darstellte und in Zell zum Opfer brachte \u2013 hier liegt die Gr\u00fcndungsstunde von Mariazell \u2013 gelang es ihm, siegreich gegen die T\u00fcrken zu sein. Mitte des Jahrtausends waren Muslime \u00fcber 150 Jahre die Herrscher \u00fcber die heutigen ungarischen Gebiete. Einige der Hauptkirchen wurden Moscheen. Die Matthias-Kirche war von 1541-1686 Eski-Moschee. Ende des 17. Jahrhunderts begannen dann die sogenannten \u201echristlichen\u201c Herrscher mit der Re-Christianisierung. Und wieder soll die Heilige Jungfrau beim blutigen Treiben ihre Finger im Spiel gehabt haben. Die Herrschaft der Muslime wurde beendet. Re-Christianisierung in Zeiten des Hochmittelalters. Solcher Geist ist lebendig geblieben, wenn ich heute Berichte \u00fcber Jobbik- oder Fidesz-Politiker h\u00f6re, die ihrerseits mit den \u00f6sterreichischen Rechtspopulisten gut verb\u00fcndet sind und zur Verteidigung des \u201echristlichen Abendlandes\u201c antreten. Ungarn zeigt aber: Dieses Europa ist christlich und j\u00fcdisch und islamisch gepr\u00e4gt. Es ist ein multireligi\u00f6ses und multikulturelles Europa. Heterogenit\u00e4t macht die Buntheit dieses Kontinents aus.<\/p>\n<p><strong>Heilige Elisabeth<\/strong><\/p>\n<p>Das weibliche Gegenst\u00fcck zu K\u00f6nig Stephan ist die Heilige Elisabeth. Ihre Geschichte ist anders als jene von K\u00f6nig Stephan. Obwohl aus hohem ungarischen Adel, sieht Elisabeth die Not der Menschen und teilt grenzenlos. Die Glasfenster in der Matthias-Kirche erinnern an ihre Legenden. Beispielsweise jene von der Begegnung mit der Bettlerin. Als Elisabeth von der Bettlerin in den Dreck gesto\u00dfen wurde, sei sie nicht w\u00fctend geworden, sondern habe sich einfach den Schmutz von ihren Kleidern gewischt und der Bettlerin zu verstehen gegeben, dass sie sie trotzdem liebe. Elisabeth steht wohl f\u00fcr jenes christliche Europa, das auf Gewaltfreiheit und einer Option f\u00fcr die Armen baut und damit wirklich den jesuanischen Grundhaltungen entspricht.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 11. Dezember 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die grausame Hand des Hl. Stephan Die gr\u00f6\u00dfte Kirche Budapests ist nach ihm benannt. Seine Krone ziert seit der Macht\u00fcbernahme durch Fidesz das ungarische Staatswappen und befindet sich im Parlamentsgeb\u00e4ude. Keine andere Person wird im ungarischen Nationalismus mehr instrumentalisiert. 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