{"id":3015,"date":"2017-11-13T20:11:08","date_gmt":"2017-11-13T20:11:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3015"},"modified":"2022-08-22T07:39:37","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:37","slug":"anderemaenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3015","title":{"rendered":"#AndereM\u00e4nner"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-3016 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Jesus-sinner.jpg\" alt=\"\" width=\"315\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Jesus-sinner.jpg 600w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Jesus-sinner-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><\/strong><strong>Sex sells<\/strong><\/p>\n<p>Gen\u00fcsslich delektieren sich seit Wochen Boulevardmedien \u00fcber Sexgeschichten angeblich oder tats\u00e4chlich \u00fcbergriffiger M\u00e4nner. Es ist furchtbar und verwerflich, was etwa der Hollywood-Regisseur Harvey Weinstein Frauen angetan hat. Ich will aber gar nicht genau wissen, welche \u00dcbergriffe und Anwendungen sexueller Gewalt es gegeben hat. Bei Berichten, die schon zum Pornogenre z\u00e4hlen k\u00f6nnten, h\u00f6rt meine Aufmerksamkeit auf und der Verdacht erhebt sich, dass damit eher die Auflagenst\u00e4rke eines Mediums gesteigert werden soll, als dass es um die Sache geht. Die Anschuldigungen der Opfer sollen Angelegenheiten der Gerichte sein, nicht aber Stoff f\u00fcr sensationsl\u00fcsterne Berichterstattung. Es ist gut, dass die Opfer anklagen, dass sie aufdecken und verurteilen und andere Opfer dabei ermutigen, nicht l\u00e4nger zu schweigen. #MeToo ist wichtig f\u00fcr die Opfer. #MeToo ist wichtig gegen eine sexistisch gepr\u00e4gte Kultur, in der M\u00e4nner zu T\u00e4tern und Frauen zu Opfern werden.<\/p>\n<p><strong>Differenzierungen sind n\u00f6tig<\/strong><\/p>\n<p>Ein Pograpscher ist verwerflich. Ein geiler Pfiff eines Mannes oder das Anstarren bestimmter K\u00f6rperteile oder sexistische Witze \u2013 all das soll und darf nicht sein und ist doch nicht gleichzusetzen mit sexuellen \u00dcbergriffen oder gar sexueller Gewalt. Pograpscher geh\u00f6ren angezeigt, Missbrauch geh\u00f6rt aufgedeckt und geahndet, Vergewaltiger sollen strafrechtlich verurteilt werden. In der medialen Berichterstattung freilich fehlen dann vielfach Differenzierungen. L\u00e4ngst vergangene, eingestandene und vielleicht auch zwischen den Beteiligten aufgearbeitete Geschichten von sexuellem Fehlverhalten werden auf eine Stufe mit Weinstein &amp; Co gesetzt. Damit wird die schlimmste Gewalt an Frauen verharmlost.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Gegen \u00f6ffentliche Pranger<\/strong><\/p>\n<p>Was immer ein angeklagter Mann getan oder nicht getan hat, soll Sache der Gerichte oder der Gleichbehandlungskommissionen sein und ist nicht Materie \u00f6ffentlicher Spekulationen. Die \u00d6ffentlichkeit ist nicht das Gericht. Der Pranger geh\u00f6rt einer Zeit an, die wir l\u00e4ngst \u00fcberwunden haben sollten. Es gilt auch das Recht des Angeklagten, vor Vorverurteilungen, unbewiesenen Behauptungen oder Diffamierungen gesch\u00fctzt zu werden.<\/p>\n<p><strong>Sexistische Kultur<\/strong><\/p>\n<p>Als Mann muss ich mich nun gegen ein Bild wehren, das mich als Mann automatisch gef\u00e4hrlich f\u00fcr Frauen macht. In manchen Vorstellungen des Islams wird ein solches Bild verst\u00e4rkt. Eine Frau m\u00f6ge sich bedecken, um sich vor den l\u00fcsternen Blicken der M\u00e4nner zu sch\u00fctzen. Ein M\u00e4dchen d\u00fcrfe nicht in Schwimmb\u00e4der, weil da eben auch Burschen sind. Man k\u00f6nnte meinen: Der Mann ist ein potentielles Sexmonster. Dabei ist es wohl eher der grassierende Sexismus und eine Macho-Sexkultur, auf deren Boden sexuelle Schandtaten geschehen k\u00f6nnen. Welches Bild zeichnen Boulevardmedien beispielsweise von Frauen? Die &#8222;Krone&#8220; jedenfalls preist t\u00e4glich auf Seite 5 die Ware Frau an, halb- oder ganznackt. Versehen mit einem dumm-lasziven Spruch, r\u00e4kelt sich eine Frau auf eine Art und Weise, als w\u00fcrde sie die geilen Blicke der M\u00e4nner geradezu auf sich lenken wollen. Vor allem Autowerbungen bedienen sich eines Bildes, als k\u00f6nne man die Frau gleich zum Auto dazukaufen. Frauen werden \u00fcber ihr Aussehen, nicht aber \u00fcber ihre Intelligenz F\u00e4higkeiten definiert. Machtverh\u00e4ltnisse \u2013 ob in Wirtschaft oder Politik \u2013 zementieren eine Kultur, in der M\u00e4nner Macht aus\u00fcben k\u00f6nnen. Solche eintrainierte Machtaus\u00fcbung endet dann so manches Mal eben nicht vor der Schlafzimmert\u00fcr. Die m\u00e4nnerb\u00fcndische Ideologie der Burschenschafter \u2013 so schreibt beispielsweise Hans-Henning Scharsach \u2013 bedeute eine \u201eVerf\u00fcgungsgewalt\u201c der M\u00e4nner \u00fcber die Frauen. M\u00e4nner sollen den Frauen Schutz geben, Frauen sollen den M\u00e4nnern dienen. Scharsach zitiert das M\u00e4nnerbild eines FP\u00d6-Abgeordneten, der erst k\u00fcrzlich wieder im Parlament einzog, wie folgt: Frauen seien vom \u201eNestbauinstinkt\u201c gepr\u00e4gt und \u201esuchten den L\u00f6wenmann, der dann im Nest sitzen soll\u201c. Das wolle der L\u00f6wenmann aber nicht, \u201edenn Alphatiere sind \u2013 wie im Tierreich \u2013 oft polygam und haben den Drang, den eigenen Samen weit zu verbreiten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Von der politischen Instrumentalisierung sexueller \u00dcbergriffe<\/strong><\/p>\n<p>Es ist jedenfalls seltsam, wie just zu politisch sensiblen Zeiten Dinge an die \u00d6ffentlichkeit gespielt werden. Warum wird Peter Pilz gerade wenige Tage vor seinem Einzug ins Parlament hinausgeschossen? Warum wird nun so pl\u00f6tzlich Mesut Onay aus dem Innsbrucker Gemeinderatsklub ausgeschlossen? Was hier geschieht, von wem immer diese Geschichten lanciert, breitgetreten, inszeniert, negiert, entschuldigt, aufgebauscht, verharmlost, weggewischt, herumgedeutet, erfunden, verharmlost werden, es schadet jedenfalls nicht nur einer politischen Partei massiv, sondern auch der Politik und der Republik und der Gesellschaft insgesamt. Man muss sich freilich fragen: Cui bono? Wem n\u00fctzt das Ganze? Den Opfern wohl nur sekund\u00e4r.<\/p>\n<p><strong>Inszeniertes Ablenkungsman\u00f6ver<\/strong><\/p>\n<p>In diesen Tagen steht die Republik \u00d6sterreich aufgrund der t\u00fcrkis-blauen Koalitionsverhandlungen vor einer der gr\u00f6\u00dften Ver\u00e4nderungen seit der Unabh\u00e4ngigkeit. Es geschieht eine \u201estille Machtergreifung\u201c. Die H\u00e4lfte der Ministerien soll in den n\u00e4chsten Wochen burschenschaftlich bestellt werden. \u00d6sterreich sollte dar\u00fcber diskutieren, wie dieser Umbau unserer Politik geschieht, welche K\u00fcrzungen sind im Sozialbereich vorgesehen, welche Verletzungen grundlegender Menschenrechte in der Asylfrage werden festgeschrieben, welche Pl\u00e4ne zur \u00c4nderung der Verfassung hin zu einer Plebiszit-Diktatur werden \u00fcberlegt, wie werden bew\u00e4hrte sozialpartnerschaftliche Instrumentarien ausgehebelt? All diese Fragen sind wichtig \u2013 wichtiger jedenfalls als eine Debatte dar\u00fcber, ob es weiterhin ein Rauchverbot in Gasth\u00e4usern geben soll. Die gro\u00dfen Fragen der Menschheit \u2013 egal ob Klimawandel oder das t\u00e4gliche Sterben tausender Menschen in den Hungergebieten \u2013 treten in den Hintergrund. #MeToo-Sexgeschichten d\u00fcrfen solche Fragen nicht verdr\u00e4ngen, nur weil Menschen es eben nicht gerne h\u00f6ren und lesen, dass wir nur mehr 20 Jahre Zeit haben, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu stoppen.<\/p>\n<p><strong>Burschen und M\u00e4nner sind anders<\/strong><\/p>\n<p>T\u00e4glich haben wir alle mit Burschen und M\u00e4nnern zu tun, die so weit weg sind von jenem Bild, das durch die Untaten mancher M\u00e4nner entstanden sind: V\u00e4ter, die sich liebevoll um ihre Kinder k\u00fcmmern und sich vor der Haus- und Kinderarbeit l\u00e4ngst nicht mehr dr\u00fccken. Partner, die ihre Frauen treu und f\u00fcrsorglich lieben. Burschen, die zwar flirten, nie und nimmer aber auf die Idee k\u00e4men, ein Nein eines M\u00e4dchens zu ignorieren. M\u00e4nner, die sich verlieben, ohne besitzen zu wollen. M\u00e4nner, die den Frauen mit Respekt begegnen und M\u00e4nner, die Seite an Seite mit den Frauen f\u00fcr eine Gesellschaft k\u00e4mpfen und leben, in der M\u00e4dchen und Frauen die gleichen Rechte haben wie M\u00e4nner und wo sich M\u00e4dchen und Frauen nicht mehr f\u00fcrchten m\u00fcssen, wenn sie nachts alleine auf die Stra\u00dfe gehen.<\/p>\n<p><strong>Jesus, der andere Mann<\/strong><\/p>\n<p>Als Religionslehrer und Vorsitzender der Katholischen Aktion denke ich bei all dem an einen ganz besonderen Mann und nehme ihn mir zum Vorbild: Jesus von Nazareth. Er wusste, wie gef\u00e4hrlich es ist, sich f\u00fcr die Frauen einzusetzen, die zu seiner Zeit Opfer sexueller Gewalt wurden. Er nahm die Sexsklavinnen in Schutz und viele von ihnen wurden Teil der Jesusbewegung. Er suchte religi\u00f6se und gesellschaftlich-politische Diskurse mit Frauen und str\u00e4ubte sich nicht dagegen, wenn sie kl\u00fcger als er selber waren. Er ber\u00fchrte liebevoll und absichtslos die Frauen und lie\u00df sich von ihnen liebevoll ber\u00fchren. Er deckte die Diskriminierungen auf und beendete die Ausgrenzung von Frauen aus dem gesellschaftlichen und religi\u00f6sen Leben. Jesus w\u00fcrde heute wohl Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, zu einem Hashtag-Tweet auf #MeToo ermuntern, zugleich w\u00fcrde er aber wohl auch all jene M\u00e4nner best\u00e4rken, ihre M\u00e4nnlichkeit ganzheitlich, z\u00e4rtlich und stark zu leben, weder unterw\u00fcrfig noch herrschaftlich.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 14. November 2017<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Jesus-sinner.jpg' class='thumbnail' \/>Sex sells Gen\u00fcsslich delektieren sich seit Wochen Boulevardmedien \u00fcber Sexgeschichten angeblich oder tats\u00e4chlich \u00fcbergriffiger M\u00e4nner. Es ist furchtbar und verwerflich, was etwa der Hollywood-Regisseur Harvey Weinstein Frauen angetan hat. Ich will aber gar nicht genau wissen, welche \u00dcbergriffe und Anwendungen sexueller Gewalt es gegeben hat. 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