{"id":3434,"date":"2018-09-26T03:13:18","date_gmt":"2018-09-26T03:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3434"},"modified":"2026-02-02T14:29:07","modified_gmt":"2026-02-02T14:29:07","slug":"nachruf-fuer-meinen-papa-ernst-heidegger-beim-begraebnisgottesdienst-am-festtag-des-hl-nikolaus-von-der-fluee-prutz-25-9-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3434","title":{"rendered":"Nachruf f\u00fcr meinen Papa, Ernst Heidegger, beim Begr\u00e4bnisgottesdienst am Festtag des Hl. Nikolaus von der Fl\u00fce, Prutz, 25. 9.2018"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Trauergemeinschaft!<\/p>\n<p>Selig sind die Sanftm\u00fctigen, so haben wir es im Evangelium geh\u00f6rt. Selig sind die Sanftm\u00fctigen, spricht Jesus in einer der Schl\u00fcsselstellen des Evangeliums. Selig sind die Sanftm\u00fctigen: Ich habe an diese Worte oft gedacht, als wir in den letzten beiden Wochen immer wieder mit unserem Papa auf der Klinik zusammen sein konnten. Wir haben gemerkt und gesp\u00fcrt: Unser Papa ist selig, ist gl\u00fccklich \u2013 und diese Seligkeit h\u00e4ngt mit seiner Sanftmut zusammen. Als einige von euch den Spruch auf der Parte oder der Andenkkarte sahen, haben sie spontan gesagt: Ja, so war der Ernst, man k\u00f6nnte keine passenderen Worte finden. Liebe Trauergemeinde, wer meinen Papa kannte, hat Sanftmut und damit auch Seligkeit kennengelernt. Deswegen m\u00f6chte ich mit euch auf dieses selige Leben blicken. Es sind f\u00fcnf Dimensionen, in denen die Sanftmut in seinem Leben so deutlich hervortreten. F\u00fcr jede dieser f\u00fcnf Dimensionen habe ich Symbole aus seinem Leben mitgenommen.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die erste Dimension: Das arbeitsame Leben als Schuhmacher und Gesch\u00e4ftsmann in Prutz<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Symbol f\u00fcr die Lebensdimension Beruf und Arbeit habe ich einen dreibeinigen Schusterstuhl mitgenommen, der in der Schuhwerkstatt stand und auf dem mein Papa wohl schon als Lehrbub gesessen ist. In der Werkstatt hing ein Bild: Es zeigt die Patrone der Schuhmacher, die Heiligen Crispin und Crispinianus..<\/p>\n<p>Karl Heidegger war der Vater von Ernst, ein S\u00fcdtiroler, der mit nichts an Besitz aber viel handwerklichem Geschick \u00fcber den Reschenpass gekommen ist, hierher in dieses Oberinntaler Dorf am Ausgang des Kaunertales in der Zwischenkriegszeit. Aus Steinen und fast von Hand wurde das gemeinsame Haus und die Schuhwerkstatt gebaut. Seine Frau Berta stammte aus einer Bergbauernfamilie vom Zammer Berg. Ihr j\u00fcngstes Kind, Ernst, wurde am 31. Juli 1930 in Prutz geboren. Mein Papa hatte noch eine \u00e4ltere Schwester, Berta, und einen \u00e4lteren Bruder, Karl, der mit ihm und seinem Vater in der Schuhwerkstatt arbeitete.<\/p>\n<p>Zu diesem Leben in Prutz in der Zwischenkriegszeit, den Kriegsjahren und der Nachkriegszeit passt wohl auch die erste der Seligpreisungen: Selig die Armen, selig die Einfachen, die sich durch Armut und Entbehrungen nicht entmutigen lassen, sondern im Gegenteil: f\u00fcr die ihr bescheidenes Leben ein Ansporn ist, Visionen zu haben und etwas aufzubauen.<\/p>\n<p>Hier in dieser Kirche wurde Ernst getauft. Sein Taufpate Joachim war ein mutiger Mann, der aus der Wehrmacht desertiert ist und sich \u00fcber ein Jahr in der N\u00e4he der Asterh\u00f6fe versteckt hielt. Auf ihn und die Deserteure aus Prutz w\u00fcrde wohl die Seligpreisung passen: Selig, die wegen ihrem Streben nach Frieden verfolgt werden.<\/p>\n<p>Einige wenige von euch unter der \u00e4lteren Generationen haben diese Zeit noch miterlebt. F\u00fcr mich sind es vergilbte Fotos. Sie zeigen H\u00e4user, deren W\u00e4nde keinen Verputz haben. Dazwischen spielen Kinder auf noch unasphaltierten Stra\u00dfen Speckerlix. Mein Papa war in den 40er Jahren nicht bei der HJ, sondern zog es vor, hier in der Kirche Ministrant zu sein.<\/p>\n<p>Die Gesellen- und Lehrjahre hatten ihn gepr\u00e4gt. 1952 legte er die Meisterpr\u00fcfung ab, \u00fcbernahm dann bald das Gesch\u00e4ft und arbeitete zugleich als Vertreter f\u00fcr Schuhfirmen in Halb\u00f6sterreich. Das Gesch\u00e4ft wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Es wurde dazu gebaut, aufgebaut und es kamen Angestellte dazu. Um Schuhe zu kaufen, fuhren Einheimische wie Touristen nicht in ein Einkaufszentrum, sondern gingen zum Heidegger. 1994 \u00fcbergibt Ernst endg\u00fcltig das Gesch\u00e4ft und tritt die wohlverdiente Pension an.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die zweite Dimension: Sein Leben als Partner und Ehemann<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ernst und Isolde lernten sich kennen und lieben. Damals waren die Innauen noch gut geeignet zum Schwimmen. Schon bald, 1956, wurde geheiratet. Ich habe als Symbol einen goldenen Ballschuh mitgenommen, den Ernst f\u00fcr Isolde f\u00fcr einen der ersten gemeinsamen B\u00e4lle selbst gefertigt hatte. Den Hochzeitsanzug hatte er sich ausgeliehen und um Geld f\u00fcr die Hochzeitsreise zu haben, verkaufte er sein Motorrad. Mein Papa und meine Mama haben erst vor zwei Jahren die Diamantene Hochzeit gefeiert. Es waren 62 Jahre, in denen sie sich gegenseitig unterst\u00fctzt haben \u2013 bis zum letzten Tag.<\/p>\n<p>Ein alter Hobel ist ein anderes Symbol f\u00fcr diese Partnerschaft, die gepr\u00e4gt war von gemeinsamer Arbeit. 1963 beginnt der Hausbau. Alles wird mit eigenen H\u00e4nden vom Keller bis zum Giebel gefertigt und stets hie\u00df es auch \u2013 gemeinsam mit Mama \u2013 im liebevoll gepflegten Garten anzupacken. Zus\u00e4tzliches Geld verdienten sie mit der Fremdenpension, wie es damals so hie\u00df.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Dritte Dimension: Sein Leben als Familienmensch<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ernst Heidegger war ein Familienmensch wie aus einem Bilderbuch. So war seine Ehe gesegnet mit f\u00fcnf Kindern, zu denen dann 11 Enkelkinder und 3 Urenkelkinder kamen. 1995 markiert den wohl schwersten Schickssalsschlag, als seine Tochter Angelika im Alter von 21 Jahren gestorben ist. In der Ewigkeit sind nun beide wieder vereint.<\/p>\n<p>Als Symbol habe ich eine alte Filmkamera mitgenommen. In fast un\u00fcberschaubarer Weise hat sich Papa auf Dias, sp\u00e4ter mit 8-mm-Kameras und zuletzt auch digital das Leben mit der Familie festgehalten. Gerne h\u00e4tte er wohl noch mehr Zeit gefunden, um Ordnung in diese Datenf\u00fclle zu bringen.<\/p>\n<p>Papa liebte das Reisen, auch wenn daf\u00fcr wenig Zeit blieb. Ich denke an die j\u00e4hrlichen Familienurlaube am Gardasee oder am Mittelmeer, an eine abenteuerliche Interrailreise, wo er selbst noch wie ein Jugendlicher mit Rucksack und Schlafsack unterwegs war. Stets hat sich Ernst als Familienvater f\u00fcrsorglich um seine Kinder gek\u00fcmmert, ob es die Unterst\u00fctzung beim Hausbauen war oder beim Kindsen von Enkelkindern. Dabei hatte er auch Zeit, mit seinen Enkelkindern zu spielen. Sein Enkel Luis hat sich daher als Symbol eine Schachfigur ausgesucht.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die vierte Dimension: Sein Leben in der Dorfgemeinschaft<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Sanftm\u00fctiger hat sich Ernst nie in den Vordergrund gedr\u00e4ngt. Er werkelte vielmehr im Hintergrund, meist still und bescheiden. Viele Jahre war er Obmann des Fremdenverkehrsverbandes Prutz-Faggen-Fendels, nahm in dieser Funktion die Ehrungen f\u00fcr die G\u00e4ste durch und \u00fcberlegte, wie der Tourismus in der Region gest\u00e4rkt werden k\u00f6nnte. Als Gesch\u00e4ftsmann war er Aufsichtsratsvorsitzender vom Raiffeisenverband Prutz. Er war im Wirtschaftsbund t\u00e4tig. Kirchlich bedeutsam waren f\u00fcr ihn die Familienrunde, der Stefanuskreis und die Katholische M\u00e4nnerbewegung. Im Dorfleben war er im Theaterverein und im Schachklub aktiv. So ist es heute auch sch\u00f6n, dass beim Begr\u00e4bnisgottesdienst Mitglieder von Papas Familienrunde dabei sind sowie als Repr\u00e4sentant der Dorfgemeinschaft der B\u00fcrgermeister von Prutz.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Die f\u00fcnfte Dimension: Seine Hobbys und Leidenschaften<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Seligkeit bedeutete f\u00fcr Ernst Heidegger auch, den eigenen Leidenschaften und Hobbys nachzuh\u00e4ngen. Papa war ein Bewegungsmensch. Legend\u00e4r wurde seine Romreise mit dem Rad im Heiligen Jahr. Symbol daf\u00fcr ist eine Fahrradpumpe. Markus und Manuel haben erst im letzten Jahr diese Reise nachgemacht. Mein Papa hat mit Interesse und Freude die 1000 Kilometer zwischen Prutz und Rom verfolgt. In den letzten Jahren haben ihn einige von euch mit einem elektrobetriebenen Fahrrad rund um Prutz fahrend sehen k\u00f6nnen. Ernst war in der Pension vielen bekannt, als er fast t\u00e4glich Spazierg\u00e4nge mit der Collih\u00fcndin Slash machte. Ich k\u00f6nnte hier noch vieles aufz\u00e4hlen, was f\u00fcr Papa Seligkeit bedeutet: Vom Mostpressen bis zu seiner Hollywoodschaukel, vom Schwammerlsuchen bis zu seinen morgendlichen Runden im Swimmingpool. Zuletzt war er ganz selig, als er daheim in den letzten Stunden noch Sauerbrunn trinken konnte.<\/p>\n<p>Ich habe noch ein abschlie\u00dfendes Symbol mit: sein Handy. Es steht f\u00fcr sein Interesse an Technik, das er stets verkn\u00fcpfte, um bis zu seinem Tod mit seinen Lieben \u00fcber WhatsApp in Verbindung zu sein. Jetzt haben wir eine andere Verbindung mit ihm in die Ewigkeit.<\/p>\n<p>In all den f\u00fcnf Dimensionen des Lebens von Ernst Heidegger, von meinem Papa, strahlt die Seligkeit durch: Seligkeit in seinem Arbeiten und Schaffen, Seligkeit in seiner Ehe und Partnerschaft, Seligkeit, weil er sein Leben nicht nur f\u00fcr sich gelebt hat, sondern immer auch f\u00fcr seine Familie, Seligkeit in seinem Engagement f\u00fcr Dorfgemeinschaft und Kirche, Seligkeit, weil er Zeiten und R\u00e4ume f\u00fcr sich selber gefunden hat.<\/p>\n<p>Hier und heute k\u00f6nnen wir es im Leben von meinem Papa, von Ernst Heidegger, nachsp\u00fcren, was Jesus sagte: Selig die Sanftm\u00fctigen \u2013 ihnen geh\u00f6rt das Himmelreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Trauergemeinschaft! Selig sind die Sanftm\u00fctigen, so haben wir es im Evangelium geh\u00f6rt. Selig sind die Sanftm\u00fctigen, spricht Jesus in einer der Schl\u00fcsselstellen des Evangeliums. 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