{"id":3551,"date":"2018-11-04T05:24:51","date_gmt":"2018-11-04T05:24:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3551"},"modified":"2022-08-22T07:39:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:35","slug":"denk-mal-gedanken-zu-denkmaelern-und-gedenkfeiern-am-seelensonntag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3551","title":{"rendered":"Denk Mal! Gedanken zu Denkm\u00e4lern und Gedenkfeiern am Seelensonntag"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-3552 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krieger-Absam.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"359\" \/>Im Gedenken<\/strong><\/p>\n<p>Beginnend mit dem Allerheiligentag \u00fcber Allerseelen und den Seelensonntag am 4. November 2018 finden in unserem Land die traditionellen Gedenkfeiern und Gedenkgottesdienste bei den sogenannten Kriegerdenkm\u00e4lern statt. Kr\u00e4nze werden niedergelegt, \u201eIch hatte einen Kameraden\u2026.\u201c wird gespielt, stramm stehen Abgeordnete des Bundesheeres und es ist vor allem der Tag f\u00fcr die lokalen Kameradschaftsb\u00fcnde. Auf den Inschriften der Gefallenen \u2013 so werden die M\u00e4nner bezeichnet, die zum Opfer unsinniger Schlachten geworden sind \u2013 steht vielfach das Jahr 2018. 100 Jahre sind seit dem Ende des 1. Weltkrieges vergangenen, der 20 Millionen Tote und unvorstellbares Leid mit sich gebracht hat und dann wenig sp\u00e4ter in einen noch gr\u00f6\u00dferen Krieg m\u00fcndete, weil zu viele nicht begriffen, dass mit Milit\u00e4r und R\u00fcstung nur Kriege gef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Kriegerdenkm\u00e4ler<\/strong><\/p>\n<p>Landauf landab erschrecken mich Kriegsdenkm\u00e4ler. Kein Dorf und kaum ein Kirchenvorplatz ist vor ihnen verschont geblieben. Sie geh\u00f6ren zu unserem Landschaftsbild wie die Kircht\u00fcrme. Zu viele Denkm\u00e4ler stilisieren die Gefallen als \u201eHelden\u201c oder als \u201eM\u00e4rtyrer\u201c, die ihr Leben f\u00fcr den Staat geopfert haben. Mit solcher Heldenmythologie sollten die Angeh\u00f6rigen getr\u00f6stet und dem T\u00f6ten und Get\u00f6tetwerden posthum ein Sinn verliehen werden. Ich denke an das Kriegerdenkmal vor der Kirche in Absam. Heldenhaft und in XXX-Large-Ausf\u00fchrung beherrscht der stahlbehelmte Krieger in Uniform den Kirchplatz. Er steht auf einem m\u00e4chtigen Sockel mit dem Eisernen Kreuz. Vom Kamerdaschaftsbund wurde ein frischer Kranz davor gelegt.<\/p>\n<p><strong>Feindesliebe oder Heldentod?<\/strong><\/p>\n<p>Die in Stein gehauene, in Beton gegossene oder auf W\u00e4nde gemalte Symbolik vieler Kriegsdenkm\u00e4ler ist ein Widerspruch zur Tradition des gewaltfreien Jesus von Nazareth. Er starb am Kreuz und verlieh kein \u201eEisernes Kreuz\u201c. Er rief zur universalen Feindesliebe auf und nicht zum gewaltsamen Kampf f\u00fcr das Vaterland. Vielleicht w\u00fcrde dieser Jesus von den heutigen wackeren Verteidigern des christlichen Abendlandes auch als \u201elinker Heimathasser\u201c und \u201elinker Multikulti-Fetischist\u201c beschimpft werden, weil er nicht zum Kampf aufrief, sondern zum gewaltfreien Engagement f\u00fcr den Frieden. Die Botschaft der jesuanischen Strategie ist nicht der milit\u00e4rische Kampf gegen Feinde, sondern Entfeindung.<\/p>\n<p><strong>Kriegerdenkm\u00e4ler sollten Mahnmale sein<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcnschte mir so sehr, dass die Denkm\u00e4ler die Botschaft verk\u00f6rperten: \u201eDie Gefallenen waren sinnlose Opfer des Krieges \u2013 gewiss keine Helden.\u201c Es sollten Mahnmale sein, die schreien k\u00f6nnten: \u201eNie wieder Krieg! H\u00f6rt auf mit R\u00fcstung und Aufr\u00fcstung und dem \u00dcben f\u00fcr den Krieg!\u201c Jemand, der mit der Waffe in der Hand stirbt, ist kein Held. Stark waren die Frauen, die ihre M\u00e4nner im Krieg verloren und als Witwen allein f\u00fcr Kinder und Hof verantwortlich sein mussten. Mutig waren jene M\u00e4nner, die als Deserteure den Krieg verweigerten. Ihnen wurden keine Denkm\u00e4ler gesetzt. Kriegsgr\u00e4ber und -denkm\u00e4ler sind Zeugen vergangener Kriege und Gewalttaten, sind Zeichen der Sinnlosigkeit solcher Unterfangen und weisen auf die ungeheuren Opfer der Kriege hin.<\/p>\n<p><strong>Gedenkkultur heute<\/strong><\/p>\n<p>Heute w\u00e4re es angebracht, dass Denkm\u00e4ler, die Soldaten in heldenhaften Posen zeigen, scheinbar triumphierend \u00fcber den Tod, in Hinterh\u00f6fe ger\u00e4umt w\u00fcrden, wo sie vor allem Kindern nicht mehr eine falsche und gef\u00e4hrliche Ideologie vermitteln. Es w\u00e4re h\u00f6chst an der Zeit, dass blasphemische Aufschriften, die den barmherzigen Gott Jesu Christi wie den Kriegsgott Mars sehen, verschw\u00e4nden. Heute m\u00fcsste jedes Gedenken Krieg und Aufr\u00fcstung verurteilen und der Gewaltverzicht des Jesus von Nazaret sollte verk\u00fcndet werden. Heute m\u00fcsste auch an jene gedacht werden, die als Deserteure umgebracht wurden. Auf den Tafeln hie\u00dfe es nicht mehr \u201eIn Treue f\u00fcr das Vaterland gefallen &#8230;\u201c, sondern \u201ef\u00fcr die Opfer des Krieges &#8230; nie wieder Krieg!\u201c So manches Kriegerdenkmal k\u00f6nnte so sprachlich \u201eentsch\u00e4rft\u201c werden und eine sinnvolle, antimilitaristische und friedensproduktive Funktion erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Wenn \u201eNie wieder Krieg!\u201c die Botschaft der Gedenkfeiern ist, dann w\u00fcrde es auch bedeuten: Ein Nein zur milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung, wie sie gegenw\u00e4rtig in den allen EU-Staaten aufgrund von PESCO \u2013 des Aufbaus einer gemeinsamen EU-Verteidungs- und Milit\u00e4rallianz \u2013 geschieht. Dann w\u00e4re es ein Nein zu Milit\u00e4rdienstverpflichtungen wie der Allgemeinen Wehrpflicht, die ein Relikt aus Kriegszeiten ist genauso wie die Kriegsdenkm\u00e4ler. Es w\u00e4re ein Ja zur gro\u00dfen Friedensdividende, in der die Abermilliarden, die heute f\u00fcr milit\u00e4rische Mittel ausgegeben werden, in Friedenszwecke investiert werden.<\/p>\n<p>Wenn bei den Denkm\u00e4lern am Allerseelensonntag Patriotismus zelebriert wird, dann sollte es nicht geschehen im Sinne des ewiggestrigen Nationalismus jener, die Aufr\u00fcstung propagieren, um gegen Fl\u00fcchtlinge Krieg zu f\u00fchren. Die Kirchen heute sind auf Seite jener, die den Migrationspakt der Vereinten Nationen als Chance begreifen und nicht jener, die Armeen ben\u00fctzen wollen, um sich abzuschotten vor der Not in der Welt. Wer heute Menschen, die im Sinne der gewaltfreien Botschaft des Evangeliums aktiv sind, verbal verunglimpft, wird sich bei den kirchlichen Gedenkfeiern wohl nicht mehr wohl f\u00fchlen k\u00f6nnen. Das Wort Jesu aus dem Evangelium vom Allerheiligenfest, \u201eSelig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben\u2026\u201c wird zum Vorzeichen f\u00fcr die Gedenkfeiern am Seelensonntag.<\/p>\n<p>Getrennt von den traditionellen Gedenkfeieren w\u00e4chst l\u00e4ngst schon ein anderes Gedenken heran. Ich darf es in meiner unmittelbaren Umgebung erleben. Im Kursaal der Stadt Hall wurde am Vorabend des Seelensonntags 2018 das Musical \u00fcber Pater Franz Reinisch aufgef\u00fchrt. Der Pallotinerpater, geb\u00fcrtiger Innsbrucker und ehemaliger Sch\u00fcler des Franziskanergymnasiums in Hall, hatte den Mut, gegen den Hitlerfaschismus anzureden. Als er zum Dienst in der Wehrmacht einberufen wurde, verweigerte er den Fahneneid auf Hitler. Vom Reichskriegsgericht wurde er zum Tode verurteilt und starb durch das Fallbeil. Bevor ich bei dieser denkw\u00fcrdigen Auff\u00fchrung \u00fcber Franz Reinisch war, radelte ich \u00fcber die Ganalm hoch \u00fcber der wilden Schlucht, die Vomper Loch hei\u00dft. Hier hielten sich \u00fcber viele Monate Deserteure versteckt, die sich ebenfalls dem Dienst in der Wehrmacht entzogen. Felix Mitterer setzte ihnen mit seiner Schreibkunst ein Denkmal, das seit einigen Wochen im Innsbrucker Landestheater aufgef\u00fchrt wird. Die Vorstellungen sind l\u00e4ngst alle ausverkauft. Ich w\u00fcnsche mir, dass deren rebellischer Widerstandsgeist das kollektive Denken pr\u00e4gen w\u00fcrde. Dann gibt es weniger \u201eHabt Acht!\u201c und mehr Achtung vor den Menschenrechten. Dann gibt es weniger Aufr\u00fcstung und mehr Geld f\u00fcr das, was not tut. Dann entdecken wir Kr\u00e4fte in uns, die zur Entfeindung und nicht zum Hass auf andere f\u00fchren.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Seelensonntag 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Krieger-Absam.jpg' class='thumbnail' \/>Im Gedenken Beginnend mit dem Allerheiligentag \u00fcber Allerseelen und den Seelensonntag am 4. November 2018 finden in unserem Land die traditionellen Gedenkfeiern und Gedenkgottesdienste bei den sogenannten Kriegerdenkm\u00e4lern statt. Kr\u00e4nze werden niedergelegt, \u201eIch hatte einen Kameraden\u2026.\u201c wird gespielt, stramm stehen Abgeordnete des Bundesheeres und es ist vor allem der Tag f\u00fcr die lokalen Kameradschaftsb\u00fcnde. 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