{"id":3643,"date":"2018-12-07T19:14:26","date_gmt":"2018-12-07T19:14:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3643"},"modified":"2022-08-22T07:39:34","modified_gmt":"2022-08-22T07:39:34","slug":"gebet-zu-maria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3643","title":{"rendered":"Gebet zu Maria"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3648 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/mariazell_gnadenstatue.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/mariazell_gnadenstatue.jpg 200w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/mariazell_gnadenstatue-170x300.jpg 170w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/>Dein Name,<br \/>\n<\/strong>Mirjam, erinnert an das \u201eWiderspenstige\u201c und \u201eUngez\u00e4hmte\u201c und an jene Befreiungsgeschichte mit Mose und seiner Schwester, ich bete zu dir. Maryam, wie du im Koran genannt wirst, ich verehre dich. Maria, dein griechischer und zugleich r\u00f6mischer Name und damit ein Name f\u00fcr die Weite des damaligen Reiches wie f\u00fcr die Weite der heutigen Welt, mit all den Namen, mit denen du angebetet, angerufen und verehrt wirst, ich rufe dich an, du Mutter und Gef\u00e4hrtin des Jesus von Nazareth, ich m\u00f6chte, dass du meine Compa\u00f1era bist, meine Begleiterin, mit dir durch diese Welt gehen, deine Kraft im Leben und in dieser Welt sp\u00fcren.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Du unbefleckt Empfangene,<br \/>\n<\/strong>du hast uns gezeigt hast, mit deinem Engagement und deiner Liebe, dass eine andere Welt m\u00f6glich ist, dass wir ausbrechen k\u00f6nnen aus den teuflischen Spiralen, dass wir uns befreien k\u00f6nnen von den Zw\u00e4ngen, dass Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten ist, dass Feindschaft mit Vergebung und Vers\u00f6hnung aufgel\u00f6st werden kann.<\/p>\n<p><strong>Du, in den Himmel Aufgenommene,<br \/>\n<\/strong>Du \u00f6ffnest mir den Blick in die Himmel, ohne diese Welt zu vergessen. Das Aufgenommen-in-den-Himmel lenkt mich nicht ab vom Irdischen, sondern l\u00e4sst die Himmel im Hier und Heute erkennen, l\u00e4sst mich danach sehnen, dass ein St\u00fcck des Himmels auch lebendig wird, wo ich lebe. Mit Haut und Haaren \u2013 so hei\u00dft es im Dogma \u2013 bist du aufgenommen im Himmel, mit deiner ganzen Leiblichkeit. Das passt zu dir und meiner Sehnsucht: Kein manich\u00e4isches Trennen von Geist und Leib, kein gnostisches Verachten all dessen, was mit K\u00f6rper verbunden ist. Das taugt als politisches Programm gegen all die Vertr\u00f6stungen und Weltfl\u00fcchte.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Du Mutter Jesu, <\/strong><br \/>\nMutter des Heilands, und doch sehe ich dich nicht in der M\u00fctterlichkeit, weil ich nicht dein Kind bin, weil ich auf Augenh\u00f6he mit dir sein m\u00f6chte, dich von den \u00fcberh\u00f6hten Alt\u00e4ren herunter in diese Welt holen m\u00f6chte, dich befreien vom Gold und Silber und den schweren Gew\u00e4ndern, von Sternenkr\u00e4nzen und Kronen und vor allem vor der Vereinnahmung durch kriegerische Machthaber, von M\u00e4nnern, die bis zum heutigen Tage in Soldatenuniformen und mit Waffen in den H\u00e4nden ihre Gel\u00f6bnisse vor dir sprechen.<\/p>\n<p><strong>Du j\u00fcdische Frau,<br \/>\n<\/strong>erf\u00fcllt mit Tr\u00e4umen nach einem guten Leben und nach dem messianischen Friedensreich, der von Prophetinnen und Propheten formuliert worden ist. Dazu hast du dein \u201ees m\u00f6ge geschehen\u201c gesprochen. Wie jede fromme J\u00fcdin hast du an den Schalom geglaubt. Je mehr Unfrieden und Ungerechtigkeit zu deiner Zeit erfahrbar waren, desto st\u00e4rker wurde zugleich dieser Traum umgem\u00fcnzt in deinen politischen Widerstandsgeist. Diesen Traum hast du in deinem Sohn gro\u00df werden lassen. Jehoschua hast du ihn genannt, \u201eGott rettet\u201c. Als M\u00e4dchen schon wirst du damals mit einem Mann verlobt worden sein. So sahen es Br\u00e4uche, Gesetze und Kultur vor. Du hattest Gl\u00fcck mit deinem Verlobten. Josef ist zu dir gestanden, als du, die Erniedrigte, viel zu jung schwanger geworden bist. Der Bauhandwerker aus Nazaret hat dich nicht versto\u00dfen, weil er verliebt war in dich, weil er dich liebte, weil er wie du an die Botschaften der Engel glaubte. Solidarit\u00e4t als Wurzel der Befreiung. Auch in Elisabeth, die dir Deckung gab, hattest du frauensolidarische St\u00fctze. So konnte dann in deinem Leib jenes Kind gro\u00df werden, das als Retter der Welt, als Heiland, als Menschensohn, als Messias und als Sohn Gottes gilt.<\/p>\n<p><strong>Du Rebellin,<br \/>\n<\/strong>so warst du f\u00fcr die M\u00e4chtigen, die r\u00f6mischen Besatzer und ihrer Kollaborateure gef\u00e4hrlich. \u201eDie M\u00e4chtigen st\u00fcrzt er vom Thron und erh\u00f6ht die Erniedrigten \u2026 die Verarmten wird er beschenken und die Reichen werden leer ausgehen\u2026 \u201c So hast du gesungen. Es war das revolution\u00e4re Wiegenlied f\u00fcr deinen Sohn.<\/p>\n<p><strong>Du vielfach Missbrauchte,<br \/>\n<\/strong>die M\u00e4chtigen haben im Laufe der Jahrhunderte etwas anderes aus dir gemacht. Du wurdest zur Magna Mater Austriae. Ich habe deine Statue im Silberschrein zu Mariazell gesehen. Dort verdichtet sich die Ambivalenz deiner Verehrung. Schade, dass jener \u00fcberlange Zeigefinger deiner linken Hand durch das Prunkgewand verdeckt ist. Mit ihm weist du auf Jesus hin, der einen Apfel in der Hand h\u00e4lt. Mit Jesus kann die Erbs\u00fcnde \u00fcberwunden werden. Jesus, der neue Adam. Erbs\u00fcnde bedeutet damals wie heute: Die Versuchung, Gewalt mit Gewalt bek\u00e4mpfen zu wollen, Feindschaft mit Feindschaft zu beantworten, auf ein b\u00f6ses Wort mit einem b\u00f6sen Wort zu reagieren. Dein ausgestreckter Zeigefinger in der gotischen Figur will uns sagen: Lebt und handelt so, wie es Jesus gelebt und gelehrt hat. Dazu z\u00e4hlt Gewaltverzicht und der t\u00e4glich neue Auftrag, einander zu verzeihen und sich zu vers\u00f6hnen mit all dem Unvers\u00f6hnten. Es gilt auch f\u00fcr mein Leben. Wie kontr\u00e4r ist allerdings dann das, was sie aus dir gemacht haben. Man behauptete, du h\u00e4ttest K\u00f6nige zu grausamen Schlachten ermutigt. So wurdest du instrumentalisiert als Aufruf zum kriegerischen Gemetzel. In der Gegenreformation wurdest du als Maria von Mariazell zur \u201eGeneralissima\u201c und die Steiermark, die damals zu Zweidrittel evangelisch war, wurde zwangskatholisiert. Unter deinem Schutz? Du wurdest mit dem Epitheton \u201eSiegerin in allen Schlachten\u201c versehen. Du, Maryam, die von den Muslimen verehrte Mutter des Propheten und Gesandten Isa, wurdest zur Galionsfigur im Kampf gegen Muslime.<\/p>\n<p><strong>Du Jungfrau,<br \/>\n<\/strong>ein Titel, den ich nur schwer annehmen kann, weil er im Lauf der Jahrhunderte stets einseitig eine sexuelle Konnotation hatte. Damit wurdest du von erotischer Leiblichkeit getrennt \u2013 und der Eros, diese so starke und wunderbare Lebenskraft, wurde vergiftet. Wei\u00df-blass-bl\u00e4ulich-entr\u00fcckt und mit unterw\u00fcrfigem Hundeblick \u2013 so sehe ich dich nicht. Als mit dem Leib in den Himmel Aufgenommene bist du die befreiungstheologische Kraftquelle gegen jegliche Repression.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Du zarte Mutter Christi,<br \/>\n<\/strong>du bist, wie es Martin Luther formulierte, die \u201ezarte Mutter Christi\u201c und Botin jener Z\u00e4rtlichkeit Gottes, von der Papst Franziskus in seinen Worten immer wieder spricht. Du trittst aus den Bildern und von den Alt\u00e4ren und bist mir Schwester im Glauben mit deinem subversiven Gesang, wie es einst Kurt Marti formulierte.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><em>Klaus Heidegger, zum Fest Mari\u00e4 Empf\u00e4ngnis 2018<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/mariazell_gnadenstatue.jpg' class='thumbnail' \/>Dein Name, Mirjam, erinnert an das \u201eWiderspenstige\u201c und \u201eUngez\u00e4hmte\u201c und an jene Befreiungsgeschichte mit Mose und seiner Schwester, ich bete zu dir. Maryam, wie du im Koran genannt wirst, ich verehre dich. 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