{"id":3816,"date":"2019-02-10T15:42:52","date_gmt":"2019-02-10T15:42:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3816"},"modified":"2022-08-22T07:38:37","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:37","slug":"zur-diskussion-ueber-die-kuenftige-gestaltung-von-ethik-bzw-religionsunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3816","title":{"rendered":"Zur Diskussion \u00fcber die k\u00fcnftige Gestaltung von Ethik- bzw. Religionsunterricht"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3817\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/spiss-roman.jpg\" alt=\"\" width=\"744\" height=\"675\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/spiss-roman.jpg 744w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/spiss-roman-300x272.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 744px) 100vw, 744px\" \/>Eine Antwort auf den Leserbrief von Roman Spiss in der Tiroler Tageszeitung vom 10.2.2019<\/p>\n<p><strong>1.) Gef\u00e4hrdung der Jobs von Religionslehrerinnen und Religionslehrern?<\/strong><\/p>\n<p>Der Leserbrief wird \u00fcbertitelt mit der \u00dcberschrift \u201eWas geschieht mit den zahlreichen Religionslehrern?\u201c Schon dieser Titel suggeriert, dass die Religionslehrerexistenz \u2013 unterstrichen durch das Adjektiv \u201ezahlreich\u201c \u2013 auf dem Spiel st\u00fcnde. Mit relativ abwertender Formulierung schreibt Roman Spiss, der sich mit doppeltem Doktorat und als \u201elangj\u00e4hriger Ethiklehrer und in der LehrerInnenausbildung t\u00e4tig\u201c als kompetent ausweist, mit Bezug auf meinen Beitrag f\u00fcr einen gemeinsamen Religionen- und Ethikunterricht, \u201ewas man mit den zahlreichen \u00fcberz\u00e4hlig werdenden ReligionslehrerInnen zu tun gedenkt\u201c. Ein gewisser Zynismus liegt jedenfalls in dieser Formulierung. Leider hat Roman Spiss nicht alle Konzepte dazu gelesen, sonst w\u00fcsste er, dass es dazu schon ein intensives Nachdenken gegeben hat. Ja, ich teile auch die Sorge um die Jobs der Religionslehrerinnen und Religionslehrer, deren Existenz aber eben nicht gef\u00e4hrdet w\u00e4re durch einen gemeinsamen Religionen- und Ethikunterricht, sondern durch eine Zweigleisigkeit von verpflichtendem Ethikunterricht einerseits und einem vielfach aufgesplitterten konfessionellen Unterricht andererseits. Dar\u00fcber habe ich bereits viele Beitr\u00e4ge geschrieben. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Es sei hier also nochmals festgehalten, was in meinem TT-Beitrag auch ausdr\u00fccklich formuliert wurde: Religionslehrerinnen und Religionslehrer sind erstens aufgrund ihrer Ausbildung, die freilich noch mit einer entsprechenden Fort- und Weiterbildung mit interreligi\u00f6s-ethischen Schwerpunkten verkn\u00fcpft werden m\u00fcsste, geeignete Lehrpersonen f\u00fcr dieses gemeinsame Fach Religionen- und Ethikunterricht. Dieses w\u00e4re zweist\u00fcndig \u2013 w\u00e4hrend vielerorts der konfessionelle Religionsunterricht nur mehr einst\u00fcndig stattfindet. Damit w\u00fcrde automatisch das Stundenausma\u00df erh\u00f6ht. Es ist auch widersinnig, wenn etwa die NEOS behaupten, Religionslehrer seien keine Fachkr\u00e4fte f\u00fcr einen Unterricht mit ethischen Schwerpunkten. Diese Behauptung bekommt immer dann neue Nahrung, wenn Religion und Ethik als zwei voneinander getrennte Wirklichkeiten behauptet werden. Das macht leider auch Roman Spiss in seinem Leserbrief. Zweitens w\u00fcrde auch der konfessionelle Unterricht im Sinne eines freiwilligen Gegenstandes nicht abgeschafft, sondern h\u00e4tte weiterhin einen Platz im Unterrichtsalltag. In idealer Weise w\u00fcrde der gemeinsame Religionen- und Ethikunterricht es unterst\u00fctzen, wenn Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in diesem freiwilligen Unterricht ihre konfessionsspezifische Bildung noch erhalten k\u00f6nnten. Auf zweifache Weise l\u00e4ge also in diesem Modell die L\u00f6sung f\u00fcr die oben genannte Frage, ob Religionslehrerjobs bedroht w\u00e4ren. Es ist daher nicht richtig, dass das von mir skizzierte Modell Religionslehrer infrage stellen w\u00fcrde. Als Vertreter der Berufsgemeinschaft der Religionslehrerinnen und Religionslehrer an den AHS der Di\u00f6zese Innsbruck w\u00e4re es auch unverantwortlich, ein Modell zu vertreten, das den Interessen der Religionslehrerinnen und Religionslehrer widerspricht.<\/p>\n<p><strong>2.) Das \u201estringente\u201c Konzept der NEOS?<\/strong><\/p>\n<p>Roman Spiss betitelt das Konzept der NEOS, das den verpflichtenden Ethikunterricht f\u00fcr alle einf\u00fchren m\u00f6chte bei gleichzeitiger Abschaffung des konfessionellen Unterrichts, als \u201estringent\u201c. Aus der Bildungssprache \u00fcbersetzt bedeutet es, dass f\u00fcr Roman Spiss das NEOS-Konzept \u00fcberzeugend, glaubw\u00fcrdig, in sich logisch ist. Verbunden mit dieser Wertung ist der implizite Hinweis, dass das Konzept eines gemeinsamen Religionen- und Ethikunterrichtes eben nicht stringent, eben nicht logisch und in sich schl\u00fcssig sei. Doch ist das NEOS-Konzept tats\u00e4chlich bei genauerem Hinsehen \u201estringent\u201c?<\/p>\n<p>Die NEOS haben auf ihre Fahne die strikte Trennung von Religion und Staat geschrieben und meinen dies, mit einer Trennung von Religion und Ethik umsetzen zu k\u00f6nnen. Sie kritisieren Religion, die nicht mit Aufkl\u00e4rung verbunden ist, und w\u00fcrden es mit ihrem Religion-raus-aus-der-Schule-Ruf verhindern, dass \u00fcber die Religionen in den Schulen geredet wird, was immer auch bedeuten w\u00fcrde, den Fundamentalismen vorzubeugen und an einem aufgekl\u00e4rten Verst\u00e4ndnis von Religionen zu arbeiten. Die NEOS treten f\u00fcr Integration und Inklusion ein und haben selbst mit ihrem reinen Ethikunterricht ein Modell parat, das ein interreligi\u00f6ses Lernen im Unterschied zu einem gemeinsamen Religionen- und Ethikunterricht nicht f\u00f6rdern w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>3.) Die prim\u00e4re Frage muss lauten: Was dient der religi\u00f6s-ethischen Bildung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler am besten?<\/strong><\/p>\n<p>Der wichtigste Blickwinkel in dieser ganzen Diskussion kommt im Leserbrief von Roman Spiss nicht vor. Dies ist mein Ausgangspunkt. So berechtigt es ist, die Interessen der Religionslehrerinnen und Religionslehrer sowie der Religionsgemeinschaften mitzuber\u00fccksichtigen, so d\u00fcrfen diese Interessen doch nie an erster Stelle stehen. Meine Argumente f\u00fcr einen gemeinsamen Religionen- und Ethikunterricht setzen bei den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern an. Ich erfahre t\u00e4glich neu eine Schulsituation, in der die Trennungen entlang der Konfessionslinien im Rahmen des Religionsunterrichtes oder auch in Religion und Ethik den bildungspolitischen Zielen einer grundlegenden religi\u00f6s-ethischen Bildung nicht f\u00f6rderlich sind bzw. diesen widersprechen.<\/p>\n<p><strong>4.) Sollen Ethik und Religion getrennt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich bringt Roman Spiss nochmals die Behauptung auf, dass Religion und Ethik sehr wohl trennbar seien. In gewisser Weise stimmt es. Rein theoretisch kann ich einen Ethikunterricht ohne Bezug auf Religion machen. Tats\u00e4chlich jedoch ist Religion, die sich nicht fundiert mit ethischen Fragestellungen auseinander setzt, nicht w\u00fcnschenswert und f\u00fchrt meist in Fundamentalismen; tats\u00e4chlich sind ethische Fragestellungen immer auch mit der Auseinandersetzung mit religi\u00f6sen Glaubenssystemen verbunden. P\u00e4dagogisch w\u00e4re es jedenfalls nicht sinnvoll, so habe ich immer wieder argumentiert, wenn beide Bereiche noch mehr auseinander gerissen w\u00fcrden, anstatt sie zusammen zu denken.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 10. Februar 2019<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><em>[1]<\/em><\/a><em> Vgl. dazu u.a.: Heidegger Klaus (2019): Ethik und Religion, Religion oder Ethik?, in: \u00a0<a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3793\">http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3793<\/a>; Heidegger Klaus (2017): Religionsunterricht in multireligi\u00f6ser Wirklichkeit, in: Bair Johann, Rees Wilhelm (Hg.) (2017): Religionsunterricht in der \u00f6ffentlichen Schule im \u00f6kumenischen und interreligi\u00f6sen Dialog, Innsbruck: innsbruck university press; Heidegger Klaus (2014): Interkonfessionelle und interreligi\u00f6se Grenz\u00fcberschreitungen : Ein Religionsunterricht f\u00fcr alle, in: Was der Religionsp\u00e4dagogik zu denken gibt, Jg. 22 (2014), H. 1: S. 65-73; Universit\u00e4tsbibliothek Graz; Heidegger Klaus (2009): Lebendiges interreligi\u00f6ses und \u00f6kumenisches Lernen im Religionsunterricht. Erfahrungen, Begr\u00fcundungen und Rahmenbedingungen aus der Perspektive der Kommunikativen Theologie \u2013 eine Fallstudie am Beispiel des Privaten Oberstufenrealgymnasiums St. Karl Volders, Master-Thesis und Lizenziatsarbeit, Universit\u00e4t Innsbruck.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/spiss-roman.jpg' class='thumbnail' \/>Eine Antwort auf den Leserbrief von Roman Spiss in der Tiroler Tageszeitung vom 10.2.2019 1.) Gef\u00e4hrdung der Jobs von Religionslehrerinnen und Religionslehrern? Der Leserbrief wird \u00fcbertitelt mit der \u00dcberschrift \u201eWas geschieht mit den zahlreichen Religionslehrern?\u201c Schon dieser Titel suggeriert, dass die Religionslehrerexistenz \u2013 unterstrichen durch das Adjektiv \u201ezahlreich\u201c \u2013 auf dem Spiel st\u00fcnde. 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