{"id":3849,"date":"2019-02-28T07:02:50","date_gmt":"2019-02-28T07:02:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3849"},"modified":"2022-08-22T07:38:37","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:37","slug":"teach-your-teachers-well-fridays-for-future","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3849","title":{"rendered":"Teach your teachers well &#8211; Fridays for Future"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3850 alignright\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/13-Handeln-f\u00fcr-den-Klimaschutz.png\" alt=\"\" width=\"191\" height=\"194\" \/>Eine neue Bewegung<\/strong><\/p>\n<p>Ausgehend von Greta Thunberg und ihren Freitag-Schulstreiks vor dem schwedischen Parlament bis hin zu den Tausenden Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die sich bei Schulstreiks f\u00fcr den Klimaschutz rund um den Globus von Austria \u00fcber Australia engagieren, ist eine neue Bewegung entstanden. Sie ist l\u00e4ngst schon auch an meiner Schule, dem PORG Volders, angekommen. Es sind Streiks der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die nicht von oben angeordnet werden und als eine Art befristete \u201eArbeitsniederlegung\u201c gegen die Schulregel der Anwesenheitspflicht gesetzt werden. Anders als bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gibt es keine Gesetze, die f\u00fcr den Schulbereich Streikregelungen vorsehen w\u00fcrden. Schuloffiziell f\u00e4llt ein Streik in die Kategorie des \u201eunentschuldbaren Fehlens\u201c, das freilich mit Entschuldigungsschreiben von Erziehungsberechtigten in gewisser Weise sanktioniert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Als Lehrperson und damit auch als Vertreter der Schulordnung stehe ich auf der anderen Seite \u2013 eben der Schule, die symbolisch bestreikt wird. Dennoch schl\u00e4gt mein Herz f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die den Ernst der Lage erkannt haben, oder, wie es Greta Thunberg bei einer Pressekonferenz in Davos im Rahmen des Weltwirtschaftstreffens apokalyptisch formulierte, die erkannt haben, dass \u201eunser Haus brennt\u201c. Vielleicht m\u00fcssten wir auch als Lehrpersonen mutiger werden und hin und wieder im Sinne von unseren Kindern und Enkelkindern in den Streik treten.<\/p>\n<p><strong>Junge Menschen fordern Erwachsene heraus<\/strong><\/p>\n<p>Greta Thunberg betont immer wieder, das sie die Aussagen der Wissenschaft \u00fcber die Klimaver\u00e4nderung ernst nimmt und daher Konsequenzen der M\u00e4chtigen \u2013 insbesondere der Parlamente \u2013 einfordert. Warum, so ihre Grundhaltung, soll ich als 15-J\u00e4hrige in der Schule etwas f\u00fcr das Leben lernen, wenn in ihrer Lebenszeit durch die Klimaver\u00e4nderung die \u00dcberlebensbedingungen aller Menschen massiv bedroht und infrage gestellt werden. Es gibt eine letzte Chance, die Klimaerw\u00e4rmung noch auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, jene Grenze, die auf den Weltklimagipfeln und dem IPPC wie zuletzt in Katowice festgelegt worden ist. Schreitet die Erderhitzung allerdings mit dem gegenw\u00e4rtigen Tempo weiter, auf 2 bis 6 Grad, dann ger\u00e4t diese Welt ins Chaos. Umkehr muss jetzt radikal erfolgen durch entscheidende Schritte, die von Politikern und Staatenlenkern gesetzt werden. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler fordern von den politischen Instanzen mehr als Lippenbekenntnisse und halbherzige L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>In meiner Jugendzeit h\u00f6rte ich gerne den Song von Crosby, Stills, Nash &amp; Young mit dem Titel \u201eTeach Your Children well\u201c. Heute sind es wohl auch Greta Thunberg und mit ihr viele Tausende von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die uns Lehrpersonen lehren, weil sie\u00a0 mit ihren Freitagsstreiks mehr wollen als halbherzige L\u00f6sungen. Sie verdr\u00e4ngen nicht \u2013 wie viele ihrer erwachsenen Bezugspersonen oder Lehrpersonen \u2013 die Tatsache, dass der eigene Konsum und das eigene Verhalten diese Welt unwiederbringlich zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der freche und so notwendige Protest betrifft zun\u00e4chst die Ignoranz der politischen Entscheidungstr\u00e4gerinnen und -tr\u00e4ger. Blicken wir auf die Bilanz der Treibhausgas-Emissionen in \u00d6sterreich, so steht mein Land in Bezug auf den Verlauf noch schlechter da als das Land, von dem die Sch\u00fclerstreiks ihren Ausgangspunkt nahmen. Laut Bericht vom Umweltbundesamt vom J\u00e4nner 2019 stiegen die THG-Emissionen im Jahr 2017 auf 51,7 Mio. Tonnen, liegen also weit hinter dem 2020-Ziel von 47,80 Mio Tonnen, das auf der Grundlage des Pariser Abkommens erreicht werden sollte. Die \u00c4nderung der Emissionswerte h\u00e4ngt vor allem mit dem Verkehr zusammen, wo es zwischen 1990 und 2017 eine Steigerung von 9,7 Prozent gegeben hat. Was aber macht die t\u00fcrkis-blaue Regierung hierzulande? Flugh\u00e4fen werden ausgebaut, Tempo-140-Zonen auf Autobahnen errichtet, Stra\u00dfen werden ausgebaut und es gibt keine \u00f6kologisch-orientierte Steuerreform.<\/p>\n<p>Wenn eine Schule bestreikt wird, fordert das aber auch alle heraus, die mit der Schule zu tun haben. Es betrifft nicht nur die Politikerinnen und Politiker. In M\u00fcnchen protestierten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gegen Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. T\u00e4glich stehen vor der Rudolf-Steiner-Schule in M\u00fcnchen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit einem Transparent \u201eIhre Kinder sind gro\u00df genug, um S-Bahn zu fahren\u201c. Diese Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler stehen fr\u00fcher auf, um auf dem Schulgel\u00e4nde zu sein, wenn die Elterntaxis ankommen. Dann blockieren sie die Einfahrt zum Parkplatz der Schule. Herausgefordert sind aber auch die Lehrpersonen, die sich die Frage gefallen lassen m\u00fcssen, warum sie nicht auch \u2013 wie die meisten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u2013 \u00f6ffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad ben\u00fctzen, um an die Schule zu kommen. Solche Fragen sind freilich unbequem und Antworten wie \u201eich muss ja rechtzeitig in der Schule sein\u201c, \u201emein Weg ist zu weit\u201c, \u201emeine Schultasche zu schwer\u201c \u2026 taugen da nicht mehr. Die lateinkundigen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben l\u00e4ngst schon erkannt, dass Spr\u00fcche wie \u201equod licet iovi, non licet bovi\u201c nicht tauglich sind f\u00fcr eine Schule, wo Lehrpersonen nicht G\u00f6tter f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sein d\u00fcrfen, die wiederum keine Ochsen sind.<\/p>\n<p><strong>Ein neuer Lebensstil<\/strong><\/p>\n<p>Greta Thunberg ist authentisch, weil sie selbst vorlebt, was sie sagt: Nicht mehr ein Flugzeug ben\u00fctzen. Nur im Ausnahmefall in ein Auto steigen \u2013 und selbst da f\u00e4hrt sie mit einem E-Auto mit. Sie lebt vegan und verfolgt eine No-Shop-Strategie, was ihre Kleidung betrifft. Der Konsum wird auf das Notwendige eingeschr\u00e4nkt. F\u00fcr das Klima streikende Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler essen und trinken bewusst. Man sieht bei den Demos keine Red-Bull-Dosen. Die Schilder ihrer Botschaften sind bewusst auf alten Kartons geschrieben. Upcyling statt Ressourcenverschwendung. F\u00fcr das Klima streikende Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind energiesensibel. Sie nehmen Ger\u00e4te vom Stand-by-Modus, weil diese auch au\u00dfer Betrieb Strom verbrauchen. Das Internet-Modul hat einen Kipp-Schalter und ist nicht im Dauermodus, wenn es nicht gebraucht wird. Auch die Akkuladeger\u00e4te f\u00fcr Laptop oder Handy werden nach dem Aufladen abgesteckt. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler interessieren sich f\u00fcr den Haushalt daheim und helfen, ihre Eltern entsprechend zu erziehen: Waschmaschinen oder Geschirrsp\u00fclmaschinen werden mit den Energiesparprogrammen (Eco, \u00d6ko) bedient. Beim L\u00fcften werden gekippte Fenster vermieden, weil somit nur die W\u00e4nde abgek\u00fchlt werden. Es wird mehrmals kr\u00e4ftig sto\u00dfgel\u00fcftet, was auch gegen Schimmelpilzbefall hilfreich ist. Wo immer es geht, werden LED-Lampen gegen\u00fcber Energiesparlampen bevorzugt, weil sie eine l\u00e4ngere Lebensdauer haben, weniger Strom brauchen und kein Quecksilber enthalten.<\/p>\n<p>In den Schulen werden die Folgen der Schulstreiks sichtbar. Beim Jausenbuffet werden ungesunde, minderwertige und \u00f6kologisch bedenkliche Produkte zu Ladenh\u00fctern, solange sie von den Schulgremien nicht ohnehin schon ersetzt worden sind. Man sieht kaum mehr einen Sch\u00fcler oder eine Sch\u00fclerin mit einem Papercup und die Fastenzeit wird zu einem Plastik-Verzichten-Versuch. In der Fr\u00fchlingszeit sprie\u00dfen nicht mehr die Mopeds vor den Schulen, sondern der Fahrradplatz wird schon fast zu klein. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind stolz darauf, wenn ihre Schulen das Label \u201e\u00d6KOLOG-Schule\u201c, \u201eKlimab\u00fcndnis-Schule\u201c, \u201eUmweltzeichen-Schule\u201c oder \u201eGesunde Schule\u201c tragen. Das von den Vereinten Nationen beschlossene 13. Ziel unter den Sustainable Devolpment Goals, Klimaschutz, wird im Schulalltag verwirklicht.<\/p>\n<p><strong>Die Reaktion der Schulverantwortlichen<\/strong><\/p>\n<p>Wir werden die Schulleitungen und die politisch Verantwortlichen hierzulande auf die Freitagsstreiks reagieren? Als positives Beispiel kann wohl die Reaktion der politisch Verantwortlichen in S\u00fcdtirol gesehen werden. Beim ersten Schulstreik in Bozen am 15. Februar, bei dem 3000 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler teilnahmen, reagierten auch die politisch Verantwortlichen positiv. Landeshauptmann Arno Kompatscher begegnete den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern vor dem Landhaus: \u201eWir sind auf der Seite der Jugendlichen und sp\u00fcren unsere Verantwortung f\u00fcr den Klimaschutz. Dies spiegelt auch unser Regierungsprogramm wider, in dem Nachhaltigkeit und Klimaschutz eine tragende Rolle spielen.\u201c Der S\u00fcdtiroler Landeshauptmann k\u00fcndigte auch an, einen Klimaschutzbeauftragten ernennen zu wollen. Bildungsrat Philipp Achammer meinte: \u201eEs stimmt mich hoffnungsvoll, wenn Sch\u00fcler sich mit der Umwelt und dem Klima auseinandersetzen und sich f\u00fcr mehr Umweltbewusstsein und f\u00fcr Nachhaltigkeit einsetzen und daf\u00fcr \u2013 friedlich und begeistert \u2013 auf die Stra\u00dfe gehen.\u201c Und auch der Landesrat f\u00fcr die italienische Schule und Umwelt, Giuliano Vettorato, der ebenfalls auf dem Magnago-Platz anwesend war, erkl\u00e4rte, er teile die Sorgen der jungen Menschen und finde es lobenswert, wenn Jugendliche pers\u00f6nlich f\u00fcr ihre Anliegen eintreten.<\/p>\n<p>Solche Stimmen geben jedenfalls Hoffnung, dass auch die k\u00fcnftigen Schulstreiks in Nordtirol unterst\u00fctzt, nicht aber bek\u00e4mpft oder schlechtgeredet werden. D\u00fcrfen auch die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler n\u00f6rdlich des Brenners auf zustimmende Worte von Landeshauptmann G\u00fcnther Platter oder Bildungslandesr\u00e4tin Beate Palfrader hoffen? Wie immer aber die Verantwortlichen reden und handeln: Der Protest der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ist nicht davon abh\u00e4ngig. Das ist die Qualit\u00e4t der Bewegung von unten, die nicht mehr auf lobende Worte\u00a0von oben angewiesen ist.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 28.2.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/13-Handeln-f\u00fcr-den-Klimaschutz.png' class='thumbnail' \/>&nbsp; Eine neue Bewegung Ausgehend von Greta Thunberg und ihren Freitag-Schulstreiks vor dem schwedischen Parlament bis hin zu den Tausenden Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, die sich bei Schulstreiks f\u00fcr den Klimaschutz rund um den Globus von Austria \u00fcber Australia engagieren, ist eine neue Bewegung entstanden. 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