{"id":3920,"date":"2019-03-28T05:10:17","date_gmt":"2019-03-28T05:10:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3920"},"modified":"2026-02-02T14:45:26","modified_gmt":"2026-02-02T14:45:26","slug":"den-weltenbrand-loeschen-fridays-for-future","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=3920","title":{"rendered":"Den Weltenbrand l\u00f6schen! Fridays for future"},"content":{"rendered":"<h1><\/h1>\n<h1><strong>\u00a0<\/strong>Teil 1: Analyse \u2013 Die Lage des Planeten<\/h1>\n<h2>1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Letzte Chance<\/h2>\n<p>Greta Thunberg und mit ihr die Fridays-for-Future-Bewegung haben Recht. Es ist \u201eunsere letzte Chance zu handeln, bevor die Welt, wie wir sie kennen, in einen Zustand der unumkehrbaren Krise ger\u00e4t!\u201c<\/p>\n<p>Wenn wir unseren Planeten betrachten, dann nehmen wir wahr und lesen t\u00e4glich in den Medien dar\u00fcber:<\/p>\n<p>Erderhitzung: Erw\u00e4rmung der Ozeane, Abschmelzen der Gletschermassen, Unwetterkatastrophen, Wirbelst\u00fcrme, \u00dcberschwemmungen, Ausbreiten der D\u00fcrregebiete und W\u00fcstenbildung. Klimatische Ver\u00e4nderungen sind es auch, die zu den verheerenden Folgen des Zyklons in Mosambik und den benachbarten Staaten f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Fl\u00e4chenverberbrauch und Abholzung der Regenw\u00e4lder bedeutet, dass weniger CO-2 gebunden werden kann und Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Tier- und Pflanzenarten zerst\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Artensterben: Bienensterben, Hummelschwund, Schmetterlingsverlust.<\/p>\n<p>Ressourcenfluch: Begrenzte Ressourcen werden verbraucht. Deren Abbau ist mit enormen \u00f6kologischen und sozialen Folgen verbunden, Verschmutzung der Weltmeere und K\u00fcstenstriche durch Off-Shore-Bohrungen, vermehrter Energieeinsatz, um die letzten \u00d6lvorr\u00e4te zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n<h2>1.2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2-Grad-Ziel<\/h2>\n<p>Bis zum Jahr 2030 muss der CO2-Aussto\u00df aller L\u00e4nder der Welt auf Null gebracht werden, damit bis 2100 die 2-Grad-Grenze nicht \u00fcberschritten wird. Diesen Zielwert haben die Vereinten Nationen festgelegt, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu vermeiden.<\/p>\n<p>Wissenschaftler*innen zeigen auf, dass es zwar m\u00f6glich w\u00e4re, die Emissionen bis 2030 so weit zu senken, dass das 2-Grad-Ziel erreicht wird, doch dies wird extrem schwierig. Die M\u00f6glichkeit zum Erreichen von 1,5 \u00b0C scheint ohnehin nicht mehr realistisch zu sein.<\/p>\n<p>In einer aktuellen Studie \u00fcber m\u00f6gliche Klimaszenarien hei\u00dft es: \u201eWenn alle L\u00e4nder ihre Ziele und Versprechen einhalten, die sie w\u00e4hrend des Pariser Klimaabkommens 2015 verk\u00fcndeten, werden die Emissionen trotzdem weiter zunehmen und bis 2030 einen neuen Spitzenwert erreichen. Damit bef\u00e4nde sich die Welt auf direktem Kurs in eine Zukunft, in der wir bis 2100 einen mittleren globalen Temperaturanstieg von 3,3 Grad C verzeichnen w\u00fcrden.&#8220;<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Es sei auch nicht Zeit, die Hoffnung auf einen gro\u00df angelegten Einsatz von Technologien zum Entfernen von CO2 \u2013 Direct Air Capture oder Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung \u2013 oder nat\u00fcrliche Methoden wie die Aufforstung zu setzen. Eine Studie warnt davor, dass der Verlass auf \u201eeinen gro\u00df angelegten Einsatz nicht erprobter Technologien [zur Kohlenstoffbindung] ein unverantwortliches und unangemessenes Risiko darstellt, wenn die Konsequenzen eines Fehlschlags potenziell katastrophal sein k\u00f6nnen\u201c. Negative Emissionstechnologien k\u00f6nnten sich im n\u00f6tigen Umfang als nicht machbar erweisen.<\/p>\n<h2>1.3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Politisches Handeln der Regierungen<\/h2>\n<p>Die EU-Staats- und Regierungschef haben beim EU-Gipfel in Br\u00fcssel (M\u00e4rz 2019) scheinbar den Ernst der Lage erkannt und beschlossen, dass die EU bis 2050 klimaneutral werden m\u00f6chte. Wirtschaft, Verkehr und Energieversorgung sollen so umgestellt werden, dass keine neuen Treibhausgase entstehen. Neuerlich wurde ein Bekenntnis zum Pariser Klimaabkommen 2015 abgegeben. Auch die Tiroler Landesregierung verfolgt das ambitionierte Ziel mit \u201eTirol Klima 2050\u201c, bis zu diesem Jahr \u201eenergieautonom\u201c zu werden. Doch wie glaubw\u00fcrdig sind solche Worte?<\/p>\n<p>Blicken wir auf das Handeln der \u00f6sterreichischen Bundesregierung, so scheint die Reaktion auf die bereits stattfindenden und drohenden Klimakatastrophen und deren Folgen darin zu liegen, das Leben f\u00fcr die Asylsuchenden m\u00f6glichst schwer zu machen, an einer Festung Europa kr\u00e4ftig mitzubauen und das eigene Heer massiv aufzur\u00fcsten.<\/p>\n<p>Fakt ist jedenfalls, dass \u00d6sterreich im Jahr 2018 weit hinter den Verpflichtungen und Ank\u00fcndigungen zur\u00fcck geblieben ist. Von Jahr zu Jahr steigen die Treibhausgas-Emissionen \u2013 zuletzt um 3,3 Prozent, das sind mehr als 2,1 Millionen Tonnen. Laut Klimaschutzgesetz sollte zuletzt die Grenze von 49,5 Millionen Tonnen nicht \u00fcberschritten werden. Tats\u00e4chlich waren es 2017 51,7 Millionen Tonnen CO-2-\u00c4quivalente. Die gr\u00f6\u00dften Steigerungen gab es im Mobilit\u00e4tssektor. Dort sind seit 1990 die Emissionen um 70 Prozent gestiegen.<\/p>\n<h2>1.4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Fallbeispiel Nigeria<\/h2>\n<p>Ein Blick auf bestimmte L\u00e4nder zeigt die verheerenden Folgen des Klimawandels. Nigeria als Beispiel. Es ist das bev\u00f6lkerungsreichste Land Afrikas \u2013 und zugleich jener Staat, der besonders stark vom Klimawandel betroffen ist. Im Norden w\u00e4chst die W\u00fcste der Sahara, im S\u00fcden gibt es entlang der K\u00fcste aufgrund der \u00d6lf\u00f6rderungen K\u00fcstenerosion und massive Umweltverschmutzung. Der gr\u00f6\u00dfte See im Land, der Tschadsee, ist um 95 Prozent geschrumpft. Regen bleibt aus. Es kommt zu Konflikten um das weniger werdende Wasser. Im S\u00fcden wiederum kommt es entlang der gro\u00dfen Fl\u00fcsse hin zum Nigerdelta immer wieder zu \u00dcberflutungen. K\u00fcstenerosion bedeutet, dass das Land weniger wird. Der Meeresspiegel steigt an. Solche Faktoren sind Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr Migration. Menschen ziehen ins Landesinnere. Es kommt zu sozialen Konflikten. W\u00fcrde es zu einer globalen 2-Grad-Erw\u00e4rmung kommen, so w\u00e4ren L\u00e4nder wie Nigeria besonders betroffen. Hier stiege die Temperatur weit st\u00e4rker an. Bestimmte Getreide- und Gem\u00fcsesorten k\u00f6nnten nicht mehr angebaut werden. \u00a0Das Beispiel Nigeria zeigt: Jene, die am wenigsten zur Klimaver\u00e4nderung beitragen, sind am meisten davon betroffen.<\/p>\n<h2>1.5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schulstreiks m\u00fcssen weiter gehen<\/h2>\n<p>Greta Thunberg sagt, dass nicht dar\u00fcber geredet werden soll, ob die Streiks nun erlaubt sind oder nicht. Die Schulstreiks sollen bewirken, dass \u00fcber das Klima gesprochen wird, und sie sollen so lange fortgesetzt werden, solange von der Politik nicht entsprechende Klimaschutzma\u00dfnahmen gesetzt werden. Sch\u00fcler*innen sagen zurecht, es gibt keine Zeit mehr, um dar\u00fcber zu diskutieren, ob und wie w\u00e4hrend der Schulzeit gestreikt werden darf. Sie haben genug von den leeren Versprechungen der Regierungen und ihren Beschl\u00fcssen, die den Klimazielen oft so kontr\u00e4r laufen.<\/p>\n<p>Es mutet jedenfalls merkw\u00fcrdig an, wenn von Seiten des \u00f6sterreichischen Bildungsministeriums zwar bekundet wird, die Anliegen der Sch\u00fcler*innen zu verstehen, andererseits aber quasi Sanktionen angedroht werden, wenn f\u00fcr die Teilnahme an den Freitags-Kundgebungen Stunden entfallen w\u00fcrden. Daf\u00fcr g\u00e4be es keinen Entschuldigungsgrund, so die Weisung an alle Bildungsdirektionen in den Bundesl\u00e4ndern und damit auch an alle Schulen.<\/p>\n<p>Eigentlich ist im Schulunterrichtsgesetz im neunten Abschnitt genau geregelt, wie das Fehlen eines Sch\u00fclers oder einer Sch\u00fclerin vom Unterricht entschuldigt werden kann. Das Fehlen ist nur erlaubt bei gerechtfertigter Verhinderung, also bei Krankheit, au\u00dfergew\u00f6hnlichen Ereignissen oder wenn die Gesundheit gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnte. 30 unentschuldigte Fehlstunden darf man derzeit sammeln. Doch w\u00fcrde nicht der Blick auf die Lage des Planeten zeigen, dass Entschuldigungen akzeptiert werden m\u00fcssten?<\/p>\n<p>Wenn immer wieder den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gesagt wird, sie m\u00fcssten selbst ihr Verhalten \u00fcberpr\u00fcfen, so ist dies zwar richtig, zugleich geht es den jungen Klimaaktivist*innen vor allem um eine politische Botschaft. Als Einzelne auf Flugreisen, Plastikverpackungen oder Fleisch zu verzichten reicht nicht mehr. Es braucht politisches Handeln \u2013 und zwar sofort!<\/p>\n<p>Von vielen Seiten gibt es jedenfalls Verst\u00e4ndnis und Solidarit\u00e4tsbekundungen f\u00fcr die Anliegen der Friday for Future-Bewegung. Bischof Hermann sagte in seiner Predigt bei der Diakonatsweihe im Innsbrucker Dom: \u201eJunge M\u00e4dchen sind aktuell gro\u00dfe Vorbilder entschlossenen Handelns. Ich spreche von Malala Yousafzai im Kampf f\u00fcr Bildung in Pakistan, von Emma Gonzalez im Kampf gegen die Waffenlobby in den USA und von der 16-j\u00e4hrigen Greta Thunberg in ihrem Kampf f\u00fcr ein effektives Umdenken im Klimaschutz\u201c. Schon Mitte J\u00e4nner hatte der Innsbrucker Bischof Greta Thunberg in einem Fernsehgottesdienst den jungen Menschen als Leitfigur vorgestellt, um ermutigt und herzhaft zu handeln.<\/p>\n<p>Vor allem aber sind es Wissenschafter*innen, die die Jugendlichen unterst\u00fctzen. In der Initiative Scientists 4 Future, der unter anderen die Klimawissenschafterin Helga Kromp-Kolb angeh\u00f6rt, haben sich mehr als 12.000 Wissenschafter*innen zusammengeschlossen. Einer von ihnen, der Pr\u00e4sident des Wissenschaftsfonds, meinte: \u201eWir fahren gerade unsere Erde an die Wand und geben auch noch Gas dabei.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.nationalgeographic.de\/umwelt\/2019\/03\/das-zeitfenster-fuer-eine-ertraegliche-klimazukunft-schliesst-sich?fbclid=IwAR29aNkimGaH9FFIL6aWEtn_9_80sb5Ym06prlzbYNmh11V8E_TSZgAU85g\">https:\/\/www.nationalgeographic.de\/umwelt\/2019\/03\/das-zeitfenster-fuer-eine-ertraegliche-klimazukunft-schliesst-sich?fbclid=IwAR29aNkimGaH9FFIL6aWEtn_9_80sb5Ym06prlzbYNmh11V8E_TSZgAU85g<\/a>, online 27.3.2019.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zit.in: DER STANDARD, 13.3.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Teil 1: Analyse \u2013 Die Lage des Planeten 1.1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Letzte Chance Greta Thunberg und mit ihr die Fridays-for-Future-Bewegung haben Recht. 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