{"id":4045,"date":"2019-05-06T04:30:17","date_gmt":"2019-05-06T04:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4045"},"modified":"2022-08-22T07:38:36","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:36","slug":"kein-johanneisches-anglerlatein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4045","title":{"rendered":"Kein johanneisches Anglerlatein!"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-4046\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fischzug.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fischzug.jpg 540w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fischzug-300x133.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/p>\n<p><strong>Literarische Kraftquellen im leidvollen Erleben<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin dem Evangelisten Johannes dankbar, dass er in seinem Evangelium die Erlebnisse und Erfahrungen der ersten christlichen Gemeinden in mehreren Auferstehungsgeschichten weiter gedichtet hat. Sie geben mir Kraft. Sie haben auch mit meinem und unserem Leben zu tun. Am dritten Ostersonntag h\u00f6rten wir die Stelle aus dem Kapitel 21, Verse 1-14. Sie steht unter dem Titel \u201evom reichen Fischfang\u201c. Eigentlich hat Johannes sein Evangelium schon abgeschlossen. Doch es ist wie bei verliebten Menschen, die nicht aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, sich noch etwas zu sagen, auch wenn sie sich schon verabschiedet haben. So m\u00f6chte auch Johannes noch etwas hinzuf\u00fcgen. Und wir wissen schon: In diesem Text ist alles voller archetypischer Bilder, die unsere Existenz erhellen, wenn es gelingt, die Tiefe der Bilder zu begreifen.<\/p>\n<p>Nach den schrecklichen und traumatischen Ereignissen der Hinrichtung Jesu versuchen sich die J\u00fcngerinnen und J\u00fcnger in ihrer alten Situation und in ihrer angestammten Heimat Galil\u00e4a zurecht zu finden. Sie sind wieder am See Tiberias, dort, wo die Jesusgeschichte begann.Sie sind in ihre alten Berufe zur\u00fcckgekehrt. Simon Petrus versucht neu durchzustarten und sagt ganz praktisch: \u201eIch gehe fischen.\u201c Auch seine Freunde gehen mit. Doch es will zun\u00e4chst nichts mehr gelingen. Sie k\u00f6nnen nicht mehr wie fr\u00fcher. Ihre Netze bleiben leer. Ohne das fr\u00fchere Leben scheint nichts mehr zu gelingen, selbst das nicht, was sie so gut kannten. Es ist Nacht am See Tiberias. Dunkelheit. Und zus\u00e4tzlich noch: Ein Ausgesetztsein am See, auf dem Wasser, unbekannte Tiefe unter sich, kein tragender Grund.<\/p>\n<p>Mich erinnert es an Lebenssituationen, die wir selbst, in Bekanntenkreisen oder in unseren Lebensbereichen durchlitten. Nach einer Krise in einer Freundschaft, dem Bruch einer Beziehung oder gar nach dem Verlust eines Menschen, in einer k\u00f6rperlichen oder seelischen Krankheit, nach der Erkenntnis, dass ein bestimmter Weg nicht einfach weiter gehen kann oder nach dem Scheitern in einem Aufgabenbereich folgt ein seelisches Loch. Dann k\u00f6nnen nicht einfach mehr auf gewohnte Weise \u201eFische gefangen\u201c werden.<\/p>\n<p><strong>Der Netzwurf auf der rechten Seite<\/strong><\/p>\n<p>In eine solche Situation hinein spricht Jesus zu den J\u00fcngern: \u201eWerft die Netze auf der rechten Seite aus!\u201c Warum rechts? Aus der Sicht eines Fischfangs macht es nat\u00fcrlich keinen Sinn. Das w\u00e4re unlogisch, wie so viele Aspekte in dieser Geschichte, wenn sie wortw\u00f6rtlich genommen w\u00fcrde. Wieder gilt es, den metaphorischen Sinn zu erfassen. Das Bild kann bedeuten: Probiert es nun einmal anders! Werft die Netze dort aus, wo ihr es vorher noch nicht getan habt! Aber gebt nicht auf! Habt den Mut, nun anders durchzustarten! Ihr k\u00f6nnt es! Psychologisch-biologisch gesehen ist die rechte Seite von besonderer Bedeutung. Neurowissenschaftlich ist zwar das Hemisph\u00e4remodell von linker und rechter Gehirnh\u00e4lfte \u00fcberholt. Bildhaft trifft es jedoch weiterhin zu: Die rechte Seite bedeutet den Sitz von Emotionalit\u00e4t, Kreativit\u00e4t und K\u00f6rperlichkeit.<\/p>\n<p><strong>Wer liebt, erkennt<\/strong><\/p>\n<p>Auch in diesem letzten Kapitel des Johannesevangeliums spielt der so genannte \u201eLieblingsj\u00fcnger\u201c Jesu eine entscheidende Rolle. Von ihm hei\u00dft es schlicht und doch so gewichtig: \u201eDa sagt jener J\u00fcnger, den Jesus liebte \u2026\u201c In dieser Liebesbeziehungsqualit\u00e4t wird deutlich, wo und wie Erkenntnis m\u00f6glich ist. Jeder kann dieser Lieblingsj\u00fcnger sein. Wie die Befreiung geschehen kann, wie eine Jesusbeziehung gelingen kann, das ist im tiefsten stets eine Frage der Liebe und nicht des analytisch-abstrakt-logischen Begreifens, so sehr diese Dimension auch wichtig ist.<\/p>\n<p><strong>Die Nacktheit des Petrus<\/strong><\/p>\n<p>Was mag nun der Hinweis in der johanneischen Erscheinungslegende bedeuten, dass Simon Petrus \u201enackt\u201c war? Er musste wohl zuerst ganz seine Nacktheit begreifen und seine k\u00f6rperliche Schutzlosigkeit annehmen, um sich dann auf eine neue Lebenssituation einzulassen. Nur so macht es Sinn, wenn der Evangelist Johannes den Simon zuerst sein Obergewand anziehen l\u00e4sst, bevor er eilig ins Wasser springt. Simon Petrus g\u00fcrtet sich f\u00fcr ein neues Leben, weil er zuvor das paradiesische Adam-Eva-Erlebnis gehabt hat, sich nicht mehr verh\u00fcllen und verbergen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Bereit zu neuen Wagnissen<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201eWagt es anders!\u201c hat gerade heute angesichts von Klimaver\u00e4nderung, Artensterben und milit\u00e4rischer Aufr\u00fcstung eine gro\u00dfe politische Dimension. Auf vielen Pappkartons der Friday for Future-Kundgebungen haben Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler geschrieben \u201eSYSTEM CHANGE, NOT CLIMATE CHANGE\u201c. Die Antiglobalisierungsbewegung brachte es schon vor vielen Jahren mit dem Slogan \u201eEINE ANDERE WELT IST M\u00d6GLICH\u201c auf den Punkt. Weiterzumachen wie bisher ist nicht die Antwort!<\/p>\n<p>Damit sowohl im privaten wie im politischen Bereich jedoch solche Auferstehungserfahrungen m\u00f6glich werden, brauchen wir einander, brauche ich Menschen, die mir wie Jesus zurufen: \u201eWage es!\u201c In solchen Menschen begegnet mir heute der Auferstandene! Dann werden auch unsere Netze voll sein, mit 153 Fischen, soll hei\u00dfen: Mehr als genug und doch f\u00fcr jeden und jede so viel, wie wir zum Leben brauchen. Das ist die Erfahrung von F\u00fclle, wie sie in liebevollen Beziehungen lebendig wird.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 7.5.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Fischzug.jpg' class='thumbnail' \/>Literarische Kraftquellen im leidvollen Erleben Ich bin dem Evangelisten Johannes dankbar, dass er in seinem Evangelium die Erlebnisse und Erfahrungen der ersten christlichen Gemeinden in mehreren Auferstehungsgeschichten weiter gedichtet hat. Sie geben mir Kraft. Sie haben auch mit meinem und unserem Leben zu tun. Am dritten Ostersonntag h\u00f6rten wir die Stelle aus dem Kapitel 21,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4046,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[183],"tags":[211,502],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4045"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4045"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4052,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4045\/revisions\/4052"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4046"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}