{"id":4190,"date":"2019-08-15T02:48:50","date_gmt":"2019-08-15T02:48:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4190"},"modified":"2026-02-02T15:01:48","modified_gmt":"2026-02-02T15:01:48","slug":"4190","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4190","title":{"rendered":"Body and Soul:  Zum Fest der \u00a0\u201eleiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel\u201c in Corona-Zeiten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lebenserfahrungen feiern<\/strong><\/p>\n<p>Der hohe Frauentag duftet nach der F\u00fclle des Sommers und strahlt in den Farben der Natur. Die Kr\u00e4uter haben ihre h\u00f6chste Heilkraft entfaltet. Alles steht \u201eim Saft\u201c. Das Fest von der \u201eleiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel\u201c, das wir im liturgischen Kalender am 15. August feiern, kann eine Hilfestellung sein,\u00a0 unsere existenziell-theologische Befindlichkeit zu begreifen und zu deuten. Zwei Aspekte sind es, bei denen wir bei den eigenen Lebenserfahrungen ankn\u00fcpfen und unseren Glauben sch\u00e4rfen k\u00f6nnen. Erstens: Was bedeutet die bewusste sprachliche Festlegung im Dogma auf das Adjektiv \u201eleiblich\u201c? Zweitens: Was bedeutet \u201eaufgenommen in den Himmel\u201c?<\/p>\n<p><strong>Kritische Reflexion des traditionell vermittelten Marienbildes<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist es notwendig, sich von heute oft missverst\u00e4ndlichen bildhaften Vorstellungen zu l\u00f6sen, wenn diese fundamentalistisch-buchst\u00e4blich verstanden w\u00fcrden, damit nicht der Kerninhalt des Festes in sein Gegenteil verkehrt wird. Wenn dieses Fest mit \u201eunbefleckter Empf\u00e4ngnis\u201c und \u201eJungfrauenschaft\u201c in Verbindung gebracht wird, so entstehen in den K\u00f6pfen der meisten Menschen heute Vorstellungen, als ginge es um eine biologische Jungfr\u00e4ulichkeit, was mit sexueller Enthaltsamkeit assoziiert wird. Allein der Begriff \u201eunbefleckt\u201c in Bezug zur Empf\u00e4ngnis Mariens durch ihre Mutter weckt bei vielen Menschen das Vorurteil, dass die intimsten und tiefsten k\u00f6rperlichen Erfahrungen mit \u201eBeflecktheit\u201c zu tun haben k\u00f6nnten. So manche Predigt an den Marien-Festtagen geht in die Richtung, Maria als reine Jungfrau und entr\u00fcckt in himmlische Wirklichkeit zu sehen. Maria, die Mutter Jesu und damit auch Mutter Gottes, so die legendarische Ausschm\u00fcckung des Festes \u201eder leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel\u201c, sei nicht einfach gestorben, sondern mit himmlischen Kr\u00e4ften \u201eentschlafen\u201c und damit in den Himmel aufgenommen worden. Daher kennt der liturgische Kalender auch keinen Todestag von Maria. Der Himmel wiederum wird, so der zweite Grundfehler in den Vorstellungen, woanders verortet, jedenfalls in der Imagination der Gl\u00e4ubigen eben nicht auf dieser Welt, im gegenw\u00e4rtigen Geschehen, sondern fern dieser Wirklichkeiten von Zeit und Raum. Dadurch geschieht es, dass Maria in gewisser Weise \u201eentr\u00fcckt\u201c bzw. \u201eentleiblicht\u201c wird.<\/p>\n<p>Papst Franziskus hat dagegen in seinem Buch \u00fcber Maria auch die leibliche Marienseite aufgezeigt. Es hei\u00dft dort: \u201eDas Wohnzimmer Mariens ist die Stra\u00dfe: Wir m\u00fcssen die Menschlichkeit Mariens wiederfinden, ihre starke Weiblichkeit.\u201c In diesem Sinne stimmt das Diktum einer Theologin: \u201eWir m\u00fcssen Maria von den Alt\u00e4ren holen.\u201c Mit Bezug auf das Mariendogma von der leiblichen Aufnahme Mariens k\u00f6nnen wir sagen: Wir d\u00fcrfen und m\u00fcssen auch Maria in ihrer Leiblichkeit wahrnehmen, weil damit auch unsere eigene Leiblichkeit ins Zentrum des Heilsgeschehens gebracht werden kann.<\/p>\n<p><strong>Leiblich ist auch k\u00f6rperlich<\/strong><\/p>\n<p>Der Begriff Leib weist uns auf die Einheit von K\u00f6rper \u2013 Seele \u2013 Geist hin, weil Leib immer mehr besagt als eine k\u00f6rperlich-materielle Seite. Alle drei Dimensionen des Personseins werden in ihrer Bezogenheit aufeinander angesprochen. Im Dogma von der leiblichen Aufnahme hat die katholische Kirche damit dem Leiblichen \u2013 und eben damit auch dem K\u00f6rperlichen \u2013 eine hohe Wertigkeit zugesprochen. Das ist ein so notwendiger Kontrapunkt zu den Jahrhunderten von k\u00f6rper-, leib- und lustfeindlichen Positionen, die sich durch bestimmte griechisch-r\u00f6mische Philosophien in der Lehre und Praxis der Kirchen breit gemacht hatten. Der ganze Leib \u2013 damit auch der K\u00f6rper und wesentlich damit auch die Sexualit\u00e4t \u2013 wird in ein himmlisches Heilsgeschehen mit hinein genommen.<\/p>\n<p>Seit der Corona-Pandemie hat die Aufmerksamkeit f\u00fcr den Leib noch eine besondere Bedeutung bekommen. Die vielen ganz normalen leiblich-k\u00f6rperlichen Begegnungsm\u00f6glichkeiten sind radikal eingeschr\u00e4nkt oder gar tabuisiert worden. Es hat die Herrschaft des \u201eBabyelefanten\u201c begonnen, der uns auf die Notwendigkeit eines Mindestabstandes zu Menschen festlegt, mit denen wir nicht in einem gemeinsamen Haushalt wohnen. Auch wenn wir uns schon etwas daran gew\u00f6hnt haben, uns auf asiatische Art zu begr\u00fc\u00dfen, sp\u00fcren wir, wie sehr uns der k\u00f6rperliche Kontakt zu anderen Menschen fehlt. Wir merken, schreibt auch Christoph Sch\u00f6nborn in seinem Kommentar zum Hohen Frauentag am 15.8.2020, wie sehr wir als \u201eleibliche Lebewesen\u201c leibliche Ber\u00fchrungen brauchen, wie lebenswichtig diese sind. \u201eWir alle brauchen K\u00f6rperkontakt, Streicheln, H\u00e4ndegeben, H\u00e4ndehalten, Umarmen.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Mit Bezug auf Maria von Nazareth, die am Hohen Frauentag, der in Tirol seit 1959 auch Landesfeiertag ist, im Mittelpunkt steht, hei\u00dft dies. Ich darf sie mir vorstellen als eine j\u00fcdische Frau, die geliebt hat aber auch das Leid erfahren musste, wenn der K\u00f6rper erniedrigt wird.<\/p>\n<p><strong>In den Himmel<\/strong><\/p>\n<p>In der gelingenden Erfahrung von K\u00f6rper-Seele-Geist-Harmonie k\u00f6nnen wir eine Tiefe und Zufriedenheit erleben und erfahren, die wir theologisch als \u201eHimmel\u201c bezeichnen und damit als Begegnungsraum mit dem G\u00f6ttlichen. Dort, wo im Leben solche ganhzeitlichen Erfahrungen verwehrt werden, gibt es andererseits die Erfahrung von Himmelsferne und es bleiben Hoffnung und Sehns\u00fcchte nach einer \u201eleiblichen Aufnahme\u201c in himmlische Wirklichkeiten. Diese sollen aber nie als Vertr\u00f6stung f\u00fcr eine jenseitige Wirklichkeit fehlinterpretiert werden.<\/p>\n<p>Der Aspekt des Vertr\u00f6stens oder des Verschiebens der himmlischen Wirklichkeit auf eine Zeit nach dem \u201eirdischen Tod\u201c \u00a0klingt allzu gerne in all den Auslegungen durch, in denen von \u201eHimmel\u201c die Rede ist.<\/p>\n<p><strong>Die Heiligung des Leibes<\/strong><\/p>\n<p>Die Kr\u00e4uterbuschen, die am Fest \u201eMari\u00e4 Himmelfahrt\u201c in den Kirchen gesegnet werden, erinnern uns duftend daran, dass es darum geht, dass unser ganzes Sein heil wird, und dass die ganze K\u00f6rperlichkeit und irdische Wirklichkeit in einen Erl\u00f6sungsprozess im Jetzt des Himmels zur Erf\u00fcllung kommen kann. Das wiederum ist ein politischer Auftrag: \u00dcberall dort, wo die Leiblichkeit von Menschen gef\u00e4hrdet ist, m\u00fcssen wir als Christinnen und Christen aktiv werden. Daher resultiert aus einem Nachvollzug des Festes Mari\u00e4 Himmelfahrt der Auftrag,\u00a0 sich um jene Menschen zu k\u00fcmmern, die arm, hungrig, durstig oder krank an Leib oder Seele sind. Daraus folgt auch der radikale Einsatz f\u00fcr eine andere Welt, in der durch Erderhitzung oder die Ausbeutung von Ressourcen oder durch Kriege und Kriegsvorbereitungen nicht das \u00dcberleben von Millionen Menschen bedroht wird.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Mari\u00e4 Himmelfahrt 2020<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>[1] Sch\u00f6nborn Christoph (2020): Unser Leib in Corona-Zeiten, in: KRONE BUNT, 15.8.2020, 8.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebenserfahrungen feiern Der hohe Frauentag duftet nach der F\u00fclle des Sommers und strahlt in den Farben der Natur. Die Kr\u00e4uter haben ihre h\u00f6chste Heilkraft entfaltet. Alles steht \u201eim Saft\u201c. 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