{"id":4330,"date":"2019-11-02T06:42:02","date_gmt":"2019-11-02T06:42:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4330"},"modified":"2022-08-22T07:38:35","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:35","slug":"denk-mal-gedanken-zu-denkmaelern-und-gedenkfeiern-am-allerseelentag-im-gedenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4330","title":{"rendered":"Denk mal! Gedanken zu Denkm\u00e4lern und Gedenkfeiern am Allerseelentag"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-4331\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Krieger-Absam-2.jpg\" alt=\"\" width=\"336\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Krieger-Absam-2.jpg 336w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Krieger-Absam-2-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 336px) 100vw, 336px\" \/>Beginnend mit dem Allerheiligentag \u00fcber Allerseelen und den Seelensonntag am 3. November 2019 finden in unserem Land die traditionellen Gedenkfeiern und Gedenkgottesdienste bei den sogenannten Kriegerdenkm\u00e4lern statt. Kr\u00e4nze werden niedergelegt, \u201eIch hatte einen Kameraden\u2026.\u201c wird gespielt, stramm stehen Abgeordnete des Bundesheeres und es ist vor allem der Tag f\u00fcr die lokalen Kameradschaftsb\u00fcnde.<\/p>\n<p>Auf den Inschriften der Denkm\u00e4ler f\u00fcr die \u201eGefallenen\u201c \u2013 so werden M\u00e4nner bezeichnet, die zum Opfer unsinniger Schlachten geworden sind \u2013 stehen vor allem die Jahreszahlen aus den beiden Weltkriegen. Vor 80 Jahren war Kriegsbeginn in Europa. Die Zahl der durch den Krieg get\u00f6teten und ermordeten Menschen geht auf die 80 Millionen. An die zivilen Opfer wird beim \u201eHeldengedenken\u201c nicht erinnert. 130.000 zivile Opfer gab es allein in \u00d6sterreich \u2013 100.000 Soldaten starben im Krieg. Wo gibt es in unseren Friedh\u00f6fen Erinnerungsst\u00e4tten f\u00fcr die zivilen Opfer des Krieges, f\u00fcr die Wehrdienstverweigerer, die erschossen wurden, f\u00fcr die Behinderten, die vergast wurden, f\u00fcr die politisch Verfolgten, die in den KZs umgekommen sind? Auf den \u201eEhrengr\u00e4bern\u201c der Gefallenen stehen auch die Jahreszahlen aus dem Ersten Weltkrieg. Etwas mehr als 100 Jahre sind seit dem Ende des 1. Weltkrieges vergangenen, der 20 Millionen Tote und unvorstellbares Leid mit sich gebracht hat<\/p>\n<p><strong>Kriegerdenkm\u00e4ler<\/strong><\/p>\n<p>Landauf landab erschrecken mich Kriegerdenkm\u00e4ler. Kein Dorf und kaum ein Kirchenvorplatz ist vor ihnen verschont geblieben. Sie geh\u00f6ren zu unserem Landschaftsbild wie die Kircht\u00fcrme. Zu viele Denkm\u00e4ler stilisieren die Gefallen als \u201eHelden\u201c oder als \u201eM\u00e4rtyrer\u201c, die ihr Leben f\u00fcr den Staat geopfert haben. Mit solcher Heldenmythologie sollten am Ende der Kriege die Angeh\u00f6rigen getr\u00f6stet und dem T\u00f6ten und Get\u00f6tetwerden posthum ein Sinn verliehen werden. Ich denke an das Kriegerdenkmal vor der Kirche in Absam. Heldenhaft und in XXX-Large-Ausf\u00fchrung beherrscht der stahlbehelmte Krieger in Uniform den Kirchplatz. Er steht auf einem m\u00e4chtigen Sockel mit dem Eisernen Kreuz. Am Allerseelentag wird vom Kameradschaftsbund wird ein frischer Kranz davor gelegt.<\/p>\n<p><strong>Feindesliebe oder Heldentod?<\/strong><\/p>\n<p>Die in Stein gehauene, in Beton gegossene oder auf W\u00e4nde gemalte Symbolik vieler Kriegsdenkm\u00e4ler ist ein Widerspruch zur Tradition des gewaltfreien Jesus von Nazareth. Er starb am Kreuz und verlieh kein \u201eEisernes Kreuz\u201c. Er rief zur universalen Feindesliebe auf und nicht zum gewaltsamen Kampf f\u00fcr das Vaterland. Vielleicht w\u00fcrde dieser Jesus von den heutigen wackeren Verteidigern des christlichen Abendlandes auch als \u201elinker Heimathasser\u201c und \u201elinker Multikulti-Fetischist\u201c beschimpft werden, weil er nicht zum Kampf aufrief, sondern zum gewaltfreien Engagement f\u00fcr den Frieden. Die Botschaft der jesuanischen Strategie ist nicht der milit\u00e4rische Kampf gegen Feinde, sondern Entfeindung.<\/p>\n<p><strong>Kriegerdenkm\u00e4ler sollten Mahnmale sein<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcnschte mir so sehr, dass die Denkm\u00e4ler die Botschaft verk\u00f6rperten: \u201eDie Gefallenen waren sinnlose Opfer des Krieges \u2013 gewiss keine Helden.\u201c Es sollten Mahnmale sein, die schreien k\u00f6nnten: \u201eNie wieder Krieg! H\u00f6rt auf mit R\u00fcstung und Aufr\u00fcstung und dem \u00dcben f\u00fcr den Krieg!\u201c Jemand, der mit der Waffe in der Hand stirbt, ist kein Held. Stark waren die Frauen, die ihre M\u00e4nner im Krieg verloren und als Witwen allein f\u00fcr Kinder und Hof verantwortlich sein mussten. Mutig waren jene M\u00e4nner, die als Deserteure den Krieg verweigerten. Ihnen wurden keine Denkm\u00e4ler gesetzt. Kriegsgr\u00e4ber und -denkm\u00e4ler sind Zeugen vergangener Kriege und Gewalttaten, sind Zeichen der Sinnlosigkeit solcher Unterfangen und weisen auf die ungeheuren Opfer der Kriege hin.<\/p>\n<p><strong>Ambivalente Gedenkkultur heute<\/strong><\/p>\n<p>Heute w\u00e4re es angebracht, dass Denkm\u00e4ler, die Soldaten in heldenhaften Posen zeigen, scheinbar triumphierend \u00fcber den Tod, in Hinterh\u00f6fe ger\u00e4umt w\u00fcrden, wo sie vor allem Kindern nicht mehr eine falsche und gef\u00e4hrliche Ideologie vermittelten. Es w\u00e4re h\u00f6chst an der Zeit, dass blasphemische Aufschriften, die kriegsverherrlichend sind, verschw\u00e4nden. Heute m\u00fcsste jedes Gedenken Krieg und Aufr\u00fcstung verurteilen und der Gewaltverzicht des Jesus von Nazaret sollte verk\u00fcndet werden. Heute m\u00fcsste auch an jene gedacht werden, die als Deserteure umgebracht wurden. Auf den Tafeln hie\u00dfe es nicht mehr \u201eIn Treue f\u00fcr das Vaterland gefallen \u2026\u201c, sondern \u201ef\u00fcr die Opfer des Krieges \u2026 nie wieder Krieg!\u201c So manches Kriegerdenkmal k\u00f6nnte so sprachlich \u201eentsch\u00e4rft\u201c werden und eine sinnvolle, antimilitaristische und friedensproduktive Funktion erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Wenn \u201eNie wieder Krieg!\u201c die Botschaft der Gedenkfeiern ist, dann w\u00fcrde es auch bedeuten: Ein Nein zur milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung, wie sie gegenw\u00e4rtig in den EU-Staaten aufgrund von PESCO \u2013 des Aufbaus einer gemeinsamen EU-Verteidigungs- und Milit\u00e4rallianz \u2013 geschieht. Dann w\u00e4re es ein Nein zu Milit\u00e4rdienstverpflichtungen wie der Allgemeinen Wehrpflicht, die ein Relikt aus Kriegszeiten ist. Heute jedoch wird daran gedacht, die Verpflichtungen zum Milit\u00e4rdienst durch l\u00e4ngere Dienstdauer und Einf\u00fchrung von Teiltauglichkeitsmodellen zu erweitern. Es w\u00e4re ein Ja zur gro\u00dfen Friedensdividende, in der die Abermilliarden, die heute f\u00fcr milit\u00e4rische Mittel ausgegeben werden, in Friedenszwecke investiert werden. Heute jedoch wird auf politisch-milit\u00e4rischer Ebene ein 16-Milliarden-Aufr\u00fcstungsprogramm in \u00d6sterreich angedacht.<\/p>\n<p>Wenn bei den Denkm\u00e4lern am Allerseelensonntag Patriotismus zelebriert wird, dann sollte es nicht geschehen im Sinne des ewiggestrigen Nationalismus jener, die Aufr\u00fcstung propagieren, um gegen Fl\u00fcchtlinge Krieg zu f\u00fchren. Die Kirchen heute sind auf Seite jener, die den Migrationspakt der Vereinten Nationen als Chance begreifen und nicht jener, die Armeen ben\u00fctzen wollen, um sich abzuschotten vor der Not in der Welt. Wer heute Menschen, die im Sinne der gewaltfreien Botschaft des Evangeliums aktiv sind, verbal verunglimpft, wird sich bei den kirchlichen Gedenkfeiern wohl nicht mehr wohl f\u00fchlen k\u00f6nnen. Das Wort Jesu aus dem Evangelium vom Allerheiligenfest, \u201eSelig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben\u2026\u201c wird zum Vorzeichen f\u00fcr die Gedenkfeiern am Seelensonntag.<\/p>\n<p>Ein anderes Gedenken hat l\u00e4ngst in unserer Kultur auch Platz gefunden. Es zeigt sich \u00fcberall dort wo, an die widerst\u00e4ndischen Kr\u00e4fte und an die Opfer in unserem Land erinnert wird. In manchen Kinos l\u00e4uft noch der Film \u00fcber Otto Neururer. Der Seligsprechungsprozess f\u00fcr Schwester Angela Autsch aus M\u00f6tz ist in seiner Endphase. Im Gel\u00e4nde des Psychiatrischen Krankenhauses in Hall gibt es eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Euthanasieopfer. Mehr und mehr Orte in Tirol beginnen nun mit Erinnerungstafeln oder auch Stra\u00dfenbezeichnungen an solche Opfer zu erinnern. In einer U-Bahnstation in Serfaus wird in einer Tafel an einen Deserteur und an Euthanasieopfer aus diesem Dorf erinnert. An verschiedenen Orten und Pl\u00e4tzen in Innsbruck werden in den Novembertagen Gedenkveranstaltungen zum Novemberpogrom stattfinden.<\/p>\n<p>&#8222;Nie wieder&#8220; ist die Botschaft des Allerseelentages und Allerseelensonntages. Und: \u201eSelig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben.\u201c<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Allerseelen 2019 <a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\">www.klaus-heidegger.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Krieger-Absam-2.jpg' class='thumbnail' \/>Beginnend mit dem Allerheiligentag \u00fcber Allerseelen und den Seelensonntag am 3. November 2019 finden in unserem Land die traditionellen Gedenkfeiern und Gedenkgottesdienste bei den sogenannten Kriegerdenkm\u00e4lern statt. Kr\u00e4nze werden niedergelegt, \u201eIch hatte einen Kameraden\u2026.\u201c wird gespielt, stramm stehen Abgeordnete des Bundesheeres und es ist vor allem der Tag f\u00fcr die lokalen Kameradschaftsb\u00fcnde. 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