{"id":4876,"date":"2020-04-04T12:02:01","date_gmt":"2020-04-04T12:02:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4876"},"modified":"2022-08-22T07:38:18","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:18","slug":"radikale-systemkritik-jesu-als-beginn-seines-leidensweges-die-geschichte-von-der-tempelreinigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=4876","title":{"rendered":"Radikale Systemkritik Jesu als Beginn seines Leidensweges. Die Geschichte von der \u201eTempelreinigung\u201c  \u00a0"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-4878\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Esel-klein.jpg\" alt=\"\" width=\"1632\" height=\"1224\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Esel-klein.jpg 1632w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Esel-klein-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Esel-klein-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Esel-klein-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1632px) 100vw, 1632px\" \/>Der Auftakt der Karwoche<\/strong><\/p>\n<p>Alle vier Evangelisten erz\u00e4hlen vor der Leidensgeschichte Jesu von der sogenannten \u201eTempelreinigung\u201c. Diese Geschichte er\u00f6ffnet also die eigentliche Karwoche und verdeutlicht letztlich auch, warum es zum messianischen Einzug Jesu in Jerusalem kam, ein Ereignis, an das wir uns am Palmsonntag erinnern. In diesem Beitrag geht es darum, die Bedeutsamkeit der Geschichte von der \u201eTempelreinigung\u201c im Licht der historisch-kritischen und materialistischen Exegese von Mk 11,15-19 par zu verdeutlichen.<\/p>\n<p><strong>Singul\u00e4re Gewaltanwendung Jesu?<\/strong><\/p>\n<p>Ob im Rahmen von Podiumsdiskussionen, bei denen ich oftmals die Rolle hatte, pazifistische Positionen zu vertreten, ob in Gespr\u00e4chen mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern oder auch in der einschl\u00e4gigen Fachliteratur begegnet mir immer wieder die Behauptung, Jesus h\u00e4tte doch Gewalt nicht prinzipiell verurteilt, sondern selbst in einer bestimmten Situation Gewalt angewandt. Ich k\u00f6nne mich also mit meinem Pazifismus nicht auf Jesus berufen. Jene, die Jesus zugestehen, einmal zur Gewalt gegriffen zu haben, beziehen sich dabei auf die Geschichte von der sogenannten &#8222;Tempelreinigung&#8220;.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p><strong>Tempelreinigung als gewaltfreie Aktion<\/strong><\/p>\n<p>Mein Anliegen wird es jedoch sein aufzuzeigen, warum Gandhi gerade mit Bezug auf diese Stelle Jesus als den &#8222;bekanntesten Widerstandsk\u00e4mpfer der Geschichte und als Gewaltfreiheit par excellence&#8220;<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> darstellte. In einem Seminar am Center for International Affairs an der Harvard University konnte ich ein Jahr lang die Konzeption des &#8222;Strategic Nonviolent Conflict&#8220; studieren. Die Tempelreinigung scheint wie eine klassische Stelle f\u00fcr diese auch akademisch haltbare Konzeption, dass die Strategie und Methodik der Gewaltfreiheit unter bestimmten Bedingungen zum Erfolg f\u00fchren kann, zu sein.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p><strong>Exegetischer Feinblick<\/strong><\/p>\n<p>Ich werde zun\u00e4chst nur auf jenen Vers eingehen, in dem Jesus gewaltsames Vorgehen unterstellt wird. Es hei\u00dft dort: Jesus ging in den Tempel und begann, die H\u00e4ndler und K\u00e4ufer aus dem Tempel <em><u>hinauszutreiben<\/u><\/em>; er <em><u>stie\u00df die Tische der Geldwechsler und die St\u00e4nde der Taubenh\u00e4ndler um<\/u><\/em> und lie\u00df nicht zu, dass jemand irgend etwas durch den Tempelbezirk trug. (Mk 11,15) Jesus ging in den Tempel und <em><u>trieb<\/u><\/em> alle H\u00e4ndler und K\u00e4ufer aus dem Tempel hinaus; er <em><u>stie\u00df die Tische der Geldwechsler und die St\u00e4nde<\/u><\/em> der Taubenh\u00e4ndler um &#8230; (Mt 21,12) Dann ging er in den Tempel und begann, die H\u00e4ndler <em><u>hinauszutreiben<\/u><\/em>. (Lk 19,14) Er machte eine <em><u>Gei\u00dfel aus Stricken und trieb<\/u><\/em> sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler sch\u00fcttete er aus, und ihre Tische stie\u00df er um. (Joh 2,15) Selbst wenn sich historisch diese Szene so zugetragen h\u00e4tte \u2013 was sp\u00e4ter noch zu er\u00f6rtern sein wird, so braucht es doch Phantasie, sich hier Jesus als gewaltt\u00e4tig vorzustellen. Gewalt in einem engeren Sinn bedeutet doch die physische Anwendung von Gewalt gegen\u00fcber einer anderen Person.<\/p>\n<p><strong>Symbolisch-prophetische Aktion gegen das Unrecht<\/strong><\/p>\n<p>Die geschilderte Aktion Jesu muss im Kontext des symbolisch-prophetischen Auftretens interpretiert werden. Sie richtet sich nicht gegen Menschen, sondern gegen ihr ungerechtes Treiben, insofern gegen einen Unrechtszustand. Im gewaltfreien Diskurs ist es wichtig, zwischen der b\u00f6sen Tat und der Person, die sie begeht, zu unterscheiden. Nicht eine Person ist b\u00f6se, wenn sie falsch handelt, sondern ihre Tat oder der Unheilszusammenhang, in den sie verstrickt ist und von dem aus sich ihr negatives Tun ableitet. So auch bei Jesus. Die <u>prophetisch-symbolische Aktion richtet sich nicht gegen die Menschen<\/u>, sondern gegen ihr verbrecherisches Tun. Zu den Hauptprinzipien der gewaltfreien Aktion z\u00e4hlt, dass das Unrecht, nicht aber den Gegner zu bek\u00e4mpfen ist, dass zwischen dem Unrecht und der Person des T\u00e4ters stets eine Unterscheidung zu machen ist. Markant ist, dass Jesus die Tische und die St\u00e4nde der Menschen attackiert, sie umwirft, nicht aber die Menschen physisch verletzen will. Jesus geht es um das Aufzeigen der Gewalt, die durch das Tempelsystem ausge\u00fcbt. Menschen werden ausgebeutet durch den Wucher jener, die mit der Tempelherrschaft kooperieren. Umgeworfene Tische k\u00f6nnen wohl nicht als Gewalt an Menschen gewertet werden. Sozial-historisch betrachtet k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass die genannten Kr\u00e4mer und Geldwechsler letztlich gar nicht gemeint waren. Sie waren blo\u00df die Handlanger, die vom Priesteradel abh\u00e4ngig waren. Die &#8222;<u>prophetische Zeichenhandlung<\/u>&#8220; (Martin Buber) bzw. die &#8222;<u>kultkritische Symbolhandlung<\/u>&#8222;<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> richtete sich gegen die Spitze des Tempelsystems, allen voran gegen den Hohen Priester und die Partei der Sadduz\u00e4er, die die Letztverantwortung f\u00fcr die schmutzigen Geldgesch\u00e4fte an heiliger St\u00e4tte hatten.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Jene, die eigentlich f\u00fcr Gottesdienst und Reich Gottes zust\u00e4ndig waren, ergaben sich der Profitgier. Sie bedienten sich der Religion, um mit Gesetzen und Vorschriften das Volk zu reglementieren und auszubeuten.<\/p>\n<p>Die betroffenen Menschengruppen d\u00fcrften mit der prophetischen Zeichenhandlung Jesu diesen Umstand sofort begriffen haben, weswegen sie so scheinbar widerstandslos das Weite, n\u00e4mlich den &#8222;Vorhof der Heiden&#8220; im Tempel, r\u00e4umten. L\u00e4ngst schon hatte das Volk gemerkt, dass das Tempelsystem ein Feigenbaum war, der keine Frucht mehr brachte, eine Institution, die ihre eigentliche Intention verraten hatte. Die Tempelreinigung bildet laut Ched Myers den Mittelpunkt der tempelkritischen Botschaft Jesu.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Nochmals sei der Charakter der ganzen Szene als Zeichenhandlung hervorgehoben: Ein Zeichen bleibt aber ein Zeichen und will als solches nicht schon die Fakten schaffen. Zeichenhandlungen waren die beliebte Methode der biblischen Propheten. Erinnert sei nur an den Propheten Jeremia (Jer 19,1.10f), der mit dem Zerschmettern von Tongeschirr aufmerksam machte, wie es dem Volk Israel ergehen wird, oder der Prophet Jesaja, der provozierend nackt vor seinen Zuh\u00f6rern auftrat (Jes 20,2-4). Mit Zeichenhandlungen werden noch keine endg\u00fcltigen Fakten geschaffen und doch wird symbolisch aufgezeigt, worum es geht. Mit der beschriebenen Vertreibung konnte Jesus die H\u00e4ndler und Geldwechsler lediglich f\u00fcr einen kurzen Augenblick entfernen und nur kurzfristig die L\u00f6sung vorwegnehmen und doch war der Same der Vision schon in der Aktion angelegt.<\/p>\n<p>Mich erinnert diese Szene heute an die bis ins Detail geplanten Aktionsformen von pazifistischen Gruppen der amerikanischen Friedensbewegung wie der Pflugscharbewegung. Erinnert sei an amerikanische Nonnen, die in das Gel\u00e4nde einer US-Air-Force-Base eindrangen und dort bei einem Kampfbomber Vorrichtungen f\u00fcr Atomwaffen demolierten.<\/p>\n<p><strong>Hinaustreiben \u2013 historisch-kritisch betrachtet<\/strong><\/p>\n<p>Wie ist es dann mit dem <u>&#8222;<em>Hinaustreiben<\/em>&#8222;, <\/u>das in den Evangelien genannt wird? Es ist schwer vorstellbar, dass der Mann Jesus mit seiner physischen Kraft Dutzende andere M\u00e4nner so einfach h\u00e4tte verscheuchen k\u00f6nnen. H\u00e4tte Jesus tats\u00e4chlich physische Gewalt ben\u00fctzt, so h\u00e4tten die Synoptiker sicherlich irgendeine Erw\u00e4hnung dar\u00fcber gemacht, weil dies doch besonders gewesen w\u00e4re.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Der Evangelist Johannes tat sich schon schwer mit Vorstellung einer rein gewaltfreien Vertreibung und erfand deswegen als einziger die &#8222;Gei\u00dfel&#8220; als eine Art &#8222;Waffe&#8220;, die Jesus ben\u00fctzt haben k\u00f6nnte. Die H\u00e4ndler, Geldwechsler und Taubenh\u00e4ndler h\u00e4tten sich zweifelsohne gewehrt, wenn sie mit Gewalt angegriffen worden w\u00e4ren. Jesus war kein chinesischer Kung-Fu-K\u00e4mpfer. Gewalt auf Seiten Jesu h\u00e4tte sofort zu einer Rauferei gef\u00fchrt und klar w\u00e4re gewesen, wer der Unterlegene einer solchen Auseinandersetzung gewesen w\u00e4re. Was also ist vorstellbar?<\/p>\n<p>Der griechische Begriff &#8222;ekballo&#8220; (hinauswerfen) bekommt eine weniger gewaltsame Konnotation, wenn er in der Bedeutung von &#8222;aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden&#8220; gesehen wird. Genauer k\u00f6nnte \u00fcbersetzt werden: &#8222;Jesus wies die Verk\u00e4ufer und H\u00e4ndler hinaus &#8230;&#8220;<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Das w\u00fcrde verdeutlichen, dass Jesus mit der Kraft der \u00dcberzeugung und nicht mit physischer Gewalt vorging.<\/p>\n<p>Selbst die von Johannes erw\u00e4hnte <u>Gei\u00dfel<\/u> kann nicht in einer Weise interpretiert werden, dass Jesus gewaltt\u00e4tig wurde. Eine genaue \u00dcbersetzung von Joh 2,15 w\u00fcrde lauten: &#8222;Jesus treibt mit einer Gei\u00dfel alle Schafe und Rinder aus dem Tempel hinaus.&#8220; Kein Wort also, dass die Gei\u00dfel gegen Menschen eingesetzt wurde. Sie ist das klassische Tiertreibinstrument.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Sind einmal die Tiere weggetrieben, so folgen ihnen auch die Tierbesitzer. Es ist daher gar nicht notwendig, um die Gewaltfreiheit Jesu zu verteidigen, wie Karl Herbst zu behaupten, wir sollten die johanneische Vorstellung von der Gei\u00dfel einfach vergessen und uns an den markinischen Text halten.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Eine andere interessante Betrachtung ergibt die Formulierung in den Evangelien, dass Jesus verbot, &#8222;irgend etwas&#8220; (skeuos) durch den Tempel zu tragen. Was k\u00f6nnte damit gemeint sein? Ein &#8222;Ger\u00e4t&#8220;? Wir k\u00f6nnten uns darunter auch Wasserkr\u00fcge und Besen vorstellen, die f\u00fcr die kultischen Reinheitsvorschriften notwendig waren. Wir k\u00f6nnten uns mit skeuos sowohl Haushaltsger\u00e4t wie Kriegsger\u00e4t vorstellen. Es ist bewusst ein ambivalentes Wort. Ein Messer, das unter dem Gewand getragen wurde, konnte zum Menschenschlachten genauso wie zum K\u00e4lberschlachten verwendet werden.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Ein Beil konnte zum Sch\u00e4delspalten wie zum Holzspalten verwendet werden. Tats\u00e4chlich \u2013 so der j\u00fcdische Historiker Flavius Josephus \u2013 d\u00fcrften Aufst\u00e4ndische immer wieder das Gedr\u00e4nge im Tempel(vorhof) ben\u00fctzt haben, um R\u00f6merfreunde zu erdolchen. Die Antwort der R\u00f6mer war jeweils ein blutiges Gemetzel.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Wir haben also wiederum einen so deutlichen gewaltfreien Impuls: Jesus duldete nicht, dass einer seiner Anh\u00e4nger, die gro\u00dfteils aus Galil\u00e4a kamen \u2013 also weitgehend mit der zelotischen Bewegung identifiziert werden konnten \u2013 mit einer Mordwaffe unter dem Arm durch den Tempel ging, um im Namen Gottes die Feinde zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Gegen die Behauptung von der Gewaltanwendung Jesu sprechen etliche praktische \u00dcberlegungen, auf die ich in folgenden Punkten noch eingehen werde: Warum haben sich die Tempelherren in ihrer sp\u00e4teren Anklage nicht auf diese Aktion bezogen? Warum haben sich die H\u00e4ndler und Geldwechsler nicht gewehrt?<\/p>\n<p><strong>Kraft der Worte<\/strong><\/p>\n<p>Jesus setzte auf die <u>Kraft der \u00dcberzeugung und die Macht seiner Worte<\/u>.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Tats\u00e4chlich ist im Vordergrund der Tempelreinigung letztlich die verbale Aktion. Bei den Synoptikern steht im Zentrum der Hinweis auf die Autorit\u00e4t der Propheten Jesaja und Jeremia. Markus schreibt, dass Jesus mit Verweisen auf die Schrift &#8222;belehrte&#8220; und dass &#8222;alle Leute von seiner Lehre sehr beeindruckt waren&#8220;; Lukas schreibt einfach: &#8222;Er sagte zu ihnen&#8230;&#8220; und &#8222;er lehrte t\u00e4glich im Tempel&#8220;. Die Tempelreinigung bei Lukas ist \u00fcberhaupt lediglich der Auftakt f\u00fcr ein t\u00e4gliches Lehren Jesu im Tempel. Bei Johannes fordert Jesus die Taubenh\u00e4ndler einfach auf hinauszugehen und ihre Verkaufssachen mitzunehmen. Es ist anzunehmen, dass die symbolische Aktion Jesu gen\u00fcgte, um die Worte des Jeremia in Erinnerung zu rufen: \u201eIst denn in euren Augen dieses Haus, \u00fcber dem mein Name ausgerufen ist, eine R\u00e4uberh\u00f6hle geworden? Gut, dann betrachte auch ich es so &#8211; Spruch des Herrn.&#8220; (Jer 7,11)<\/p>\n<p>Es ist also leichter sich vorzustellen, dass Jesus sich auf die prophetische Tradition des Judentums und die wahre Intention des Tempels berufend mit seiner Autorit\u00e4t und seinen Worten die Profiteure und Kollaborateure des Unrechtssystems hinausjagte. Sie d\u00fcrften eingesehen haben, dass Jesus auf der Seite des Rechts stand und ihr Tun Unrecht war. Nicht Gewalt hat sie vertrieben, sondern ihr schlechtes Gewissen. Jesus setzte nicht auf Zwang, sondern auf Einsicht. Vielleicht, so k\u00f6nnte die Geschichte fortgesetzt werden, haben sich die Tempelh\u00e4ndler dann sogar der J\u00fcngerbewegung angeschlossen, so wie der Z\u00f6llner Matth\u00e4us zum engsten J\u00fcngerkreis z\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Es ist bezeichnend richtig, dass diese Geschichte unter dem Titel &#8222;Tempelreinigung&#8220; gelesen, beschrieben und diskutiert wird. Diese \u00dcberschrift verdeutlicht, um was es Jesus wirklich ging: Um die Reinigung des Tempels vom G\u00f6tzendienst der Gesch\u00e4ftemacherei und um die Installierung eines wahren Gottesdienstes.<\/p>\n<p>Freilich ist auch der Einwand berechtigt, dass es letztlich nicht nur um eine &#8222;Reinigung des Tempels&#8220; geht, sondern um die Zerst\u00f6rung des Tempels schlechthin, n\u00e4mlich um die Aufhebung des Tempelkults und des Opferdienstes.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Crossan schreibt, dass der Tempel zerst\u00f6rt werden soll, indem seine Gesch\u00e4fte, das fiskalische System, angegriffen wird. Dazu passen die Worte Jesu vom &#8222;Niederrei\u00dfen des Tempels&#8220; (Mk 15,29b-30; Mt 27,40f).<\/p>\n<p><strong>Kreativer Pazifismus<\/strong><\/p>\n<p>Wer argumentiert, dass Jesus in der Tempelreinigung nicht pazifistisch vorgegangen sei, hat oftmals ein falsches Verst\u00e4ndnis von Pazifismus. <u>Pazifismus ist nicht Unterw\u00fcrfigkeit<\/u>, sondern im Gegenteil die Bereitschaft, sich in offenen Konflikt mit Gewaltstrukturen zu begeben. Pazifisten sind nicht untert\u00e4nig, sondern herrschaftskritisch, gehen keine faulen Kompromisse ein, sondern sind um des wahren Friedens willen konfliktbereit. In diesem Sinne ist das Jesuslogion zu verstehen: \u201eIch bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.&#8220; In diesem Sinne kann Jesus die Gegner des Volkes als &#8222;Schlangen&#8220; und &#8222;Ottergez\u00fccht&#8220; bezeichnen (Mt 23,33), weil es ihm um das radikale Aufdecken von deren Gewalt geht.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberlegte Aktion<\/strong><\/p>\n<p>Physische Gewalt geschieht sehr oft im Affekt, ist verbunden mit den <u>Regungen des Zorns<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a>, des Hasses oder der Wut<\/u>. Kommentare zur Tempelreinigung und noch mehr die Verfilmungen diese Szene zeichnen an dieser Stelle gerne einen wutentbrannten zornigen Jesus, der mit der Gei\u00dfel herumschl\u00e4gt. Eine gewaltfreie Aktion hingegen kann nur gelingen, wenn sie nicht im Affekt geschieht, sondern wohl\u00fcberlegt und genau geplant wird. Ich stelle mir Jesus vor, wie er im Kreis seiner Kommilitonen und Kommilitoninnen sitzt und sie gemeinsam jeden Schritt planen. Ich stelle mir Jesus und seine Bewegung vor, wie sie vor dieser Aktion meditieren und beten, um sich so frei zu machen von Zorn und Hass gegen ihre Gegner \u2013 in einer Art und Weise, wie dies dann sp\u00e4ter Mahatma Gandhi mit seinen Shanti Senas ein\u00fcbte.<\/p>\n<p>Die Sorgf\u00e4ltigkeit der Planung geschieht bereits im Vorfeld der eigentlichen Aktion. Jesus und die J\u00fcngerInnen nehmen laut Markusevanglium einen <u>Lokalaugenschein<\/u> vor. Im Markusevangelium lesen wir in 11,11, dass Jesus beim ersten Besuch im Tempel einfach &#8222;herumschaute&#8220; und wieder ging. Dann hei\u00dft es, dass Jesus wieder zur\u00fcck nach Bethanien ging. Wir k\u00f6nnen uns nun vorstellen warum: Um seine Aktion gut vorzubereiten.<\/p>\n<p>Der <u>Zeitpunkt<\/u>, das Passahfest, als besonders viele Menschen in Jerusalem waren, wurde bewusst gew\u00e4hlt. Der Tempelmarkt hatte zur Zeit der gro\u00dfen Wallfahrtsfeste, vor allem zum Passahfest, Hochkonjunktur.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Der Ort wurde bewusst gew\u00e4hlt: Der Tempel war zur Zeit Jesu die Konzentration der religi\u00f6s-politisch-\u00f6konomischen Macht. \u201eAlles dreht sich um den Tempel&#8220;<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> schreibt Kuno F\u00fcssel in seiner materialistischen Bibelauslegung von Mk 11. Der Tempel ist der Code f\u00fcr die politische, soziale, \u00f6konomische und mythologische reale Wirklichkeit von Israel zur Zeit Jesu und zugleich f\u00fcr die Vision eines neuen Israel. Im \u201eVorhof der Heiden\u201c war die Tempelwache nicht pr\u00e4sent und konnte so auch nicht einschreiten.<\/p>\n<p>Die von Jesus gew\u00e4hlten <strong>Menschengruppen<\/strong> waren bewusst gew\u00e4hlt. Jesus hatte verschiedene Zielgruppen im Auge: Da sind die Geldwechsler<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> als unterste Handlanger der Finanzhaie. Sie waren daher so etwas wie eine &#8222;Symbolgruppe&#8220;<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> f\u00fcr die finanzielle Ausbeutung des Volkes. Da sind zweitens die Taubenverk\u00e4ufer. Es waren prim\u00e4r die Armen, f\u00fcr die f\u00fcr die Reinigung der Frauen, f\u00fcr die Heilung von Lepra und f\u00fcr andere Zwecke im Tempel Taubenopfer vorgeschrieben waren. Jesus erinnert mit der Verjagung der Taubenh\u00e4ndler daran, dass die kultischen Verpflichtungen f\u00fcr die Armen besonders katastrophal waren. Beide Gruppen waren keine Tempelbeamten, hatten aber von der Tempelb\u00fcrokratie die notwendigen Konzessionen. Sie waren also nicht die Hauptschuldigen, schreibt F\u00fcssel, doch ohne sie h\u00e4tte das System nicht funktionieren k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Mit der Verjagung der Geldwechsler und Taubenverk\u00e4ufer symbolisiert Jesus somit seine Ablehnung des herrschenden Reinheits- und Schuldensystems, das zur Marginalisierung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten f\u00fchrte. Er verneint die doppelte religi\u00f6s-politische\u00a0 Ausbeutung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten durch Reinheits- und Schuldvorschriften.<\/p>\n<p>Die von Jesus in den Fokus seiner Kritik genommene Gruppe waren die Tempelherren,<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> die sich zwar \u00e4u\u00dferlich durch die Begegnung mit dem Plebs, den Unreinen, den Verarmten nicht die H\u00e4nde schmutzig machten, die daher die pers\u00f6nlichen Trag\u00f6dien gar nicht so kannten, die aber doch die F\u00e4den des ganzen Ausbeutungssystems in der Hand hielten. Sie verstanden die Aktion Jesu. F\u00fcssel spricht von einem &#8222;Denkzettel&#8220;. Die M\u00e4chtigen hatten den T\u00f6tungsbeschluss bereits in ihren H\u00e4nden, weil sie ihre Macht und ihre Privilegien gef\u00e4hrdet sahen. Der Evangelist Markus nennt ausdr\u00fccklich die &#8222;Hohenpriester und Schriftgelehrten&#8220;, die im Hintergrund die ganze Aktion mitverfolgt hatten und &#8222;nach einer M\u00f6glichkeit suchten, ihn umzubringen.&#8220; Viertens schlie\u00dflich sind alle Menschen gemeint, die mit dem Handel im Tempel besch\u00e4ftigt waren, also auch die K\u00e4ufer. Das wird deutlich mit Jesu Verbot, irgendetwas durch den Tempel zu tragen. Damit wird symbolisiert, dass das ganze herrschende Tempelsystem zu einem Stillstand gebracht werden soll. F\u00fcnftens zielte Jesu mit seiner Aktion auch an die Adresse der Zeloten bzw. Sikarier. Sie hatten zumindest drei andere Zug\u00e4nge zur Befreiung, die Jesus mit seiner Aktion konterkariert.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Die Zeloten setzten auf gewaltsame Aktionsformen, Jesus setzt auf gewaltfreie Intervention. Deren Aktionen waren prim\u00e4r gegen die r\u00f6mischen Besatzungssoldaten gerichtet; Jesu Tempelaktion richtete sich vorrangig gegen die j\u00fcdische Lokalaristokratie, die freilich mit den r\u00f6mischen Besatzungstruppen zusammenarbeiteten. Die Zeloten hatten als Vision einen j\u00fcdisch-nationalistischen theokratischen Staat. Jesus hat bewusst auch in der Szene der Tempelreinigung die Heiden in seine Vision eines neuen Israel hineingenommen.<\/p>\n<p>Die <strong><u>zentralen Aktionsformen<\/u><\/strong> wurden bewusst gew\u00e4hlt. Mit dem Hinaustreiben der H\u00e4ndler sollte klar werden, dass in dieser Frage kein Kompromiss mehr m\u00f6glich ist, kein Verhandeln, kein Entweder-Oder. Besonders aber sollte auch der prophetische Bezug hergestellt werden, so beispielsweise zur Stelle im Buch Hosea 9,15: \u201eIch werde sie aus meinem Haus treiben.&#8220;<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>Der <strong><u>Ablauf<\/u><\/strong> von Jesu Aktion folgt einer genauen logischen Reihenfolge &#8211; hier laut MkEv: 1. Hinaustreiben jener, die kaufen und verkaufen, 2. Umhauen der Tische der Geldwechsler und der St\u00e4nde der Taubenverk\u00e4ufer, 3. Verhinderung, dass irgend jemand etwas durch den Tempelberzirk trug, 4. Lehre Jesu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <strong><u>Botschaft Jesu<\/u><\/strong> sollte auf den Punkt gebracht werden. Tat und Wort, Handlung und Erkl\u00e4rung bilden eine Einheit. Wenn das Geld, das sind die r\u00f6mischen M\u00fcnzen mit dem Bildnis des Kaisers sowie auch das scheinbar koschere j\u00fcdische Geld, am Pflaster des Tempelhofs klirrt, dann sollte die Bedeutung des Geldes sichtbar werden.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Jesus verlangte eine Gesellschaft, die frei von Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung ist. Jesus verk\u00fcndete einen Gott, dem nicht mehr geopfert werden soll, womit auch der Verkauf der Opfertiere am Tempel hinf\u00e4llig werden w\u00fcrde. Im Matth\u00e4us-Evangelium kommen unmittelbar nach der Tempelreinigung die Blinden und Lahmen in den Tempel und werden von Jesus geheilt. So macht das Hinaustreiben der H\u00e4ndler Platz f\u00fcr das Wesentliche.<\/p>\n<p>Die <strong><u>Reaktion der Menschen<\/u><\/strong> wurde genau kalkuliert. Im Vorhinein war klar, dass die Legitimation der k\u00fchnen Aktion Jesu durch die Wahl des Ortes, des Zeitpunktes, der Menschengruppen und der Handlungsformen f\u00fcr alle Beteiligten offensichtlich war. Im Vorhinein war klar, dass die <u>H\u00e4ndler<\/u> keinen Widerstand leisten w\u00fcrden. Im Vorhinein war aber auch klar, was die <u>Herrschenden<\/u> laut Evangelienberichten dann auch tats\u00e4chlich taten: Jesus endg\u00fcltig zu verurteilen. Es hei\u00dft, dass sie seine Worte &#8222;h\u00f6rten&#8220; (Mk 11,18) und nach einem Weg suchten, ihn zu t\u00f6ten. Das war nicht so einfach, da sie die Reaktion der Volksmasse f\u00fcrchteten. Ein gewaltfreier Akteur ist bereit, die Konsequenzen seines Tuns zu tragen, selbst wenn dies Verfolgung und Tod bedeuten w\u00fcrden. Dennoch m\u00f6chte ich behaupten, dass Jesus nicht seinen Tod suchte, wie auch die ganze Anlegung der Tempelreinigungs-Aktion beweist.<\/p>\n<p>In der historisch-kritisch orientierten exegetischen Literatur wird immer wieder die Frage gestellt, warum die <u>Tempelwache<\/u> nicht eingeschritten sei und Jesus nicht bereits on the spot bzw. auf frischer Tat verhaftet habe. Auch in der nahen Burg Antonia w\u00e4ren gen\u00fcgend r\u00f6mische Besatzungssoldaten zur Verf\u00fcgung gestanden, die mit Oppositionellen nicht zimperlich umgingen. Die Antwort ist klar und zeigt das berechnende Vorgehen Jesu: Jesus d\u00fcrfte mit seinen Leuten und dem Volk, gemeint die unteren Klassen, in der \u00dcberzahl gewesen sein. Im gewaltfreien Jargon spricht man vom Aufbau einer breiten Sympathisanten-Basis bzw. von Critical Mass. Es hei\u00dft bei Markus ausdr\u00fccklich, dass sich die Tempelaristokratie vor der Volksmasse f\u00fcrchtete, weil sie von Jesus beeindruckt war. Das erinnert zugleich an den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem. Jesus konnte die Aktion Tempelreinigung bei helllichtem Tag durchf\u00fchren, w\u00e4hrend er es in der Nacht vorzog, au\u00dferhalb Jerusalems sein Lager aufzuschlagen, weil er n\u00e4chtens nicht mehr den Schutz des Volkes um sich hatte.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Klar kann auch in Fortf\u00fchrung der gewaltfreien Argumentation festgestellt werden, dass Jesus das Einschreiten der milit\u00e4rischen Kr\u00e4fte auch deswegen nicht provozierte, weil er keine Gewalt angewendet hatte. W\u00e4re er gei\u00dfelschwingend und tobend im Tempel herumgesaust, so h\u00e4tte ihn die Tempelwache sofort aus Angst vor einem gr\u00f6\u00dferen Aufruhr verhaftet.<\/p>\n<p>Jesu Aktion war somit keine gewaltfreie Kamikaze-Aktion, in der er sich mit der Schrift in der Hand und mit entbl\u00f6\u00dfter Brust wie ein Selbstmorderattent\u00e4ter den Gegnern entgegenwirft, um dann als M\u00e4rtyrer Verehrung zu finden. Es war keine Selbstm\u00f6rderaktion.<\/p>\n<p>Das unmittelbare Ziel der Aktion sollte nicht eine handfeste Rauferei sein, sondern die <strong><u>Einladung zum Gespr\u00e4ch und Dialog<\/u><\/strong>. F\u00fcr die Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer war der Bezug Jesu zu den Propheten Jesaja und Jeremia klar. Jesus kn\u00fcpft bewusst bei den zentralen Autorit\u00e4ten an. &#8222;Hei\u00dft es nicht &#8230;&#8220; So beginnt seine m\u00fcndliche Erkl\u00e4rung von dem, was er soeben getan hat. Und wiederum hat er bewusst eine der zentralsten Stellen aus dem Jesajabuch gew\u00e4hlt, der Er\u00f6ffnung des Tritojesaja. Mit &#8222;Verhei\u00dfung an die Fremden und Kinderlosen&#8220; wird heute dieses Er\u00f6ffnungskapitel \u00fcberschrieben, in der es darum geht, wie dieses neue Israel aussehen sollte. Ein inklusives Israel f\u00fcr alle V\u00f6lker, das offen ist f\u00fcr die Fremden. Jesus w\u00e4hlt die radikalen prophetischen Worte, die keinen Kompromiss dulden. Wenn der Tempel zum System der Ausbeutung wird, wenn er einer &#8222;R\u00e4uberh\u00f6hle&#8220; gleicht, dann bleibt nur seine Zerst\u00f6rung (Mk 13,1ff) \u00fcbrig.<\/p>\n<p>So blieb bei der Tempelreinigung nichts dem Zufall \u00fcberlassen. Es war keine Sponti-Aktion. Es war kein Jesus, dem die Nerven ausgingen. Es war ein &#8222;sorgsam geplantes messianisches Theater&#8220;<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a>. Jesus war in keinster Weise \u00fcberrascht \u00fcber das Treiben im Tempel, wie manche Kommentatoren dargestellt hatten. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Resultat dieser Aktion war nicht eine Rauferei. Es gab kein Blutvergie\u00dfen. Selbst die m\u00e4chtigen Tempelwachen konnten nicht einschreiten, sondern wurden ausgetrickst. Kein H\u00e4ndler oder Geldwechsler hatte ein blaues Auge. Der hitzk\u00f6pfige Petrus musste keinen Gedanken daran verschwenden, sein Schwert zu z\u00fccken wie wenig sp\u00e4ter bei der Verhaftung Jesu.<\/p>\n<p>Mit der gesamten Konzeption der Tempelreinigung wird der <u>gewaltfreie Charakter<\/u> mehr als deutlich. Er erinnert an die vielen gewaltfreien Aktionen &#8211; sei es der bekannte Salzmarsch Gandhis zur Befreiung Indiens, die Walk-Ins der amerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung unter Martin Luther King oder die Landbesetzungen der Landlosen in Brasilien. Sie erinnert mich an die Methode des &#8222;Versteckten Theaters&#8220;, wie sie vor allem von Augusto Boal theoretisch entwickelt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kontextuelle Hermeneutik<\/strong><\/p>\n<p>Die gesamte Perikope der Tempelaustreibung steht bei den Synoptikern in Verbindung mit zwei nicht weniger dramatischen Szenen: Dem Einzug Jesu in Jerusalem und der Verfluchung des Feigenbaums. Einzug, Verfluchung des Feigenbaums und Tempelreinigung bilden eine Komposition mit gleichen symbolisch-prophetischen Elementen. Markus verwendet die Sandwich-Technik: Feigenbaum &#8211; Tempel &#8211; Feigenbaum &#8211; Tempel.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> In diesem Kontext &#8211; dem verdorrten Feigenbaum als symbolische Gleichnisgeschichte &#8211; muss die Tempelreinigung gesehen werden.<\/p>\n<p>Die Interpretation der Stelle von der Tempelaustreibung f\u00fchrt in logischer Folge zur Einzugsperikope vom Palmsonntag. Gerade dort aber wird der gewaltfreie Charakter der messianischen Befreiung auf den Punkt gebracht. Jesus reitet auf einer Eselin, dem Symbol der Gewaltfreiheit, und nicht auf einem Pferd, dem Symbol der Gewalt, in Jerusalem ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcbereinstimmung mit Gesamtbild<\/strong><\/p>\n<p>Jede Interpretation einer Bibelstelle braucht die \u00dcberpr\u00fcfung der \u00dcbereinstimmung mit dem Gesamtbild Jesu. Der Gewaltverzicht Jesu ist in allen vier Evangelien wohl unbestritten. Die Evangelisten haben sich unisono bem\u00fcht, ein gewaltfreies Bild von Jesus Christus zu zeichnen. Das Handeln Jesu entspricht so ganz seiner Lehre von Feindesliebe und von der Kraft der Vers\u00f6hnung. Es wurzelt in einer Verbundenheit mit einer z\u00e4rtlichen-barmherzigen Gottkraft, die immer zur Verzeihung bereit ist und ihre Sonne aufgehen l\u00e4sst \u00fcber Gute und B\u00f6se. Aus diesem Gesamtbild heraus muss auch die Szene von der Tempelreinigung gelesen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ziviler Ungehorsam<\/strong><\/p>\n<p>Die Aktion Jesu k\u00f6nnte auch in der gewaltfreien Theorie als klassisches Beispiel eines &#8222;zivilen Ungehorsams&#8220; bezeichnet werden. Das bedeutet, dass eine klar begrenzte, das Unrecht betreffende Regelverletzung geschieht. Jesus hat das herrschende Gesetz an einem Punkt \u00fcbertreten. Die H\u00e4ndler und Geldwechsler handelten mit legalen Befugnissen. Jesus konnte sich jedoch auf ein h\u00f6heres Gesetz berufen, wie mit seinen Verweisen auf die Propheten sichtbar wird. G\u00fcnter Bornkamm weist nicht zu Unrecht darauf hin, dass alle Evangelien mit der Geschichte der Tempelreinigung das Kampfgespr\u00e4ch Jesu mit den Oberen des Volkes \u00fcber die &#8222;Vollmacht&#8220;, die ihn zu solcher Tat berechtigt, verkn\u00fcpfen.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Historisch wahrscheinlich<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Blickwinkel der historisch-kritischen Exegese l\u00e4sst sich relativ eindeutig feststellen, dass sich die Geschichte von der Tempelreinigung tats\u00e4chlich zugetragen haben d\u00fcrfte.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> Daf\u00fcr sprechen folgende Indizien: Die fast \u00fcbereinstimmende \u00dcberlieferung in allen Evangelien; die Entsprechung mit dem Logion aus dem Thomasevangelium: &#8222;Ich werde (dies) Haus (zerst\u00f6ren), und niemand wird es (wieder) aufbauen k\u00f6nnen.&#8220; (Thomasevangelium 71). Das auch in den Evangelien berichtete Logion von der Zerst\u00f6rung des Tempels durch Jesus gilt als authentisches Jesuswort und passt zur Symbolhandlung der Tempelreinigung; der Tempel bzw. das Tempelsystem als zentraler Ansatzpunkt der Kritik Jesu sowie die Handlung der Tempelreinigung als Verdeutlichung der Botschaft Jesu von der egalit\u00e4ren Tischgemeinschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paradigmatische Gleichniserz\u00e4hlung<\/strong><\/p>\n<p>Heute k\u00f6nnen wir die Tempelreinigung vor allem auch als paradigmatische Gleichniserz\u00e4hlung begreifen. So entr\u00fcckt der Evangelist Johannes bereits diese Geschichte aus dem Zusammenhang mit der Passionsgeschichte und stellt sie an den Anfang seines Evangeliums. Diese Sichtweise kann helfen, von einer Fixierung auf das Konkret-Historische wegzukommen und unser eigenes Leben in den Blick zu nehmen. Mit Tempel ist dann nicht mehr der Herodianische Tempel des 1. Jahrhunderts gemeint, sondern der Tempel kann auch unser Inneres darstellen. Es gilt die Kr\u00e4mer und Geldwechsler in unserem eigenen Inneren auszutreiben, eine Gei\u00dfel zu nehmen, und die Profitgier, den Geiz aus unserem Herzen zu verbannen. Der Tempel kann auch das kapitalistische System im Neoliberalismus sein und die H\u00e4ndler und Kr\u00e4mer sind heute die Handlanger der multinationalen Konzerne, die im Namen von Freiheit und Frieden agieren und doch Millionen Menschen in Elend und Verarmung halten. Freilich muss es ein Hinaustreiben sein, das mit jener sorgf\u00e4ltigen Gewaltfreiheit geschieht, die in der Szene von der Tempelreinigung so sch\u00f6n sichtbar wird.<\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerung<\/strong><\/p>\n<p>Die Tempelreinigung ist nicht im Widerspruch zum gewaltfreien und pazifistischen Charakter des Lebens und der Lehre des historischen Jesus von Nazaret, sondern deren Zuspitzung und Konkretisierung. Die prophetisch-symbolische, durch und durch geplante und provokative Aktion Jesu deckt Gewaltstrukturen auf und macht so die Gewaltverh\u00e4ltnisse sichtbar. In keinster Weise darf diese Handlung Jesu zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werden. Jesus hat durch diese Handlung keinen Menschen verletzt oder entw\u00fcrdigt, wie dies durch Gewaltanwendung geschieht. Die Tempelreinigung, wie sie in allen vier Evangelien beschrieben wird, ist der Protest eines Mannes, der zutiefst an eine gewaltfreie Revolution glaubte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klaus Heidegger, 4. April 2019, <a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\">www.klaus-heidegger.at<\/a> <\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Hartn\u00e4ckig h\u00e4lt sich die Interpretation, dass Jesus in dieser Szene Gewalt gegen Personen oder Sachen angewendet habe. Egon Spiegel meint zurecht: &#8222;Erstes und letztes Argument gegen die Behauptung eines radikalen Gewaltverzichts Jesus ist die sogenannte Tempelreinigung.&#8220; Spiegel Egon (1989): Gewaltverzicht Jesu. Grundlagen einer biblischen Friedenstheologie, 2. Auflage, Kassel, 83. Augenscheinlich wird diese Interpretation auch in Verfilmungen des Lebens Jesu, wie jene auch in den Schulen so oft gezeigte Verfilmung durch Franco Zeffirelli, wo Jesus eine Gei\u00dfel schwingend und w\u00fctend gegen die H\u00e4ndler vorgeht. So schreibt beispielsweise auch Eugen Drewermann, der einen pazifistischen Standpunkt vertritt, in seinem Kommentar zum Markus-Evangelium: &#8222;Es ist das einzige Mal im ganzen Neuen Testament, dass Jesus vor lauter Zorn handgreiflich wird &#8211; eine unglaubliche Szene, die niemand ersinnen oder vermuten w\u00fcrde, st\u00fcnde sie nicht ausdr\u00fccklich in allen vier Evangelien aufgezeichnet.&#8220; In: Drewermann Eugen (1991): Das Markusevangelium. Teil II, Olten 1991<sup>4<\/sup>, 204. Auch Kuno F\u00fcssel meint: &#8222;Manch einem idealistischen Ausleger behagt es gar nicht, dass Jesus Gewalt gegen Personen und Sachen \u00fcbt (wie man heute sagt), &#8230;&#8220;, in: F\u00fcssel Kuno, F\u00fcssel Eva (1991): Der verschwundene K\u00f6rper. Neuzug\u00e4nge zum Markusevangelium, Luzern, 187.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zit.in: Myers Ched: Binding the Strong Man. A Political Reading of Mark&#8217;s Story of Jesus, 290.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. dazu: Ackermann Peter: Strategic Nonviolenct Conflict (1994): They Dynamics of People Power in the Twentieth Century, Westport, CT.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Thei\u00dfen Gerd (1996): Der historische Jesus, G\u00f6ttingen, 380ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ein komplexes Steuer- und Abgabesystem war die Hauptursache f\u00fcr die Armut, in welcher der gr\u00f6\u00dfte Bev\u00f6lkerungsteil leben musste. Vgl. dazu: Ernst Michael: Die sozio\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse in Pal\u00e4stina zur Zeit Jesu, in: F\u00fcssel Kuno, Segbers Franz (Hg.): &#8222;&#8230; so lernen die V\u00f6lker des Erdkreises Gerechtigkeit. Ein Arbeitsbuch zu Bibel und \u00d6konomie, Luzern 1995, 60-75. Im folgenden beziehe ich mich auf seine Darstellung.<\/p>\n<p>Das System der priesterlichen Abgaben wurde durch Texte der Tora bestimmt. Dazu geh\u00f6rten:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Tempelsteuer in H\u00f6he eines tyrischen Halbschekels, die jeder m\u00e4nnliche Israelit &#8211; auch die in der Diaspora lebenden! &#8211; vom 20. Lebensjahr an zu zahlen hatte; die geforderte tyrische W\u00e4hrung erhielt man von Geldwechslern im Tempelvorhof.<\/li>\n<li>Die Erstlinge von Getreide, Fr\u00fcchten, Vieh und Wein, die den Priestern in Jerusalem zufien.<\/li>\n<li>Die sogenannte Priesterhebe, die etwa zwei Prozent der Ernte umfasste.<\/li>\n<li>Der Erste Zehnt von Ernte und Vieh, der ebenfalls den Priestern zustand.<\/li>\n<li>F\u00fcnf Schekel = 20 Denare f\u00fcr die Ausl\u00f6sung des erstgeborenen Sohnes.<\/li>\n<li>Der Armenzehnt: in jedem 3. Jahr ein Zehntel des nach Absonderung der sonstigen vorgeschriebenen abgaben \u00fcbrigbleibendenen Ernteertrag.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus diesen Tempelabgaben und zus\u00e4tzlichen Weihegeschenken bildete sich im Laufe der Zeit ein ansehnlicher Tempelschatz.. Da der Tempel wegen seiner Heiligkeit als unverletzlich galt, benutzten ihn reiche Leute auch als Depot f\u00fcr ihre Wertsachen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Myers, a.a.O., 299: &#8222;From this perspective, the episode will be viewed as the centerpiece in Mark&#8217;s unrelenting criticism of the political economy of the temple. Jesus attacks the temple institutions because of the way they exploit the poor.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> So argumentiert Egon Spiegel, a.a.O., 83.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> So auch Herbst Karl, a.a.O., 173. Ekballo in der Bedeutung von &#8222;Ausschluss aus der Gemeinschaft&#8220; komt weiters vor in Mt 8,12 par; Mk 1,43; Joh 6,37. Das w\u00fcrde bedeuten, dass Jesus jene aus seiner J\u00fcngergemeinschaft ausschloss, die sich noch mit Kultopfern befassten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> So Schnackenburg in seinem Johanneskommentar: Schnackenburg R.:<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Herbst Karl (1988): Der wirkliche Jesus. Das total andere Gottesbild, Olten, 172ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. dazu: Herbst, a.a.O., 173.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Dazu in Lk 13,1-3 der Hinweis, dass die R\u00f6mer Galil\u00e4er beim Opfern hinrichten lie\u00dfen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Wir sollten uns, wie in einem Bild von Josef Scharl, &#8222;Die Vertreibung&#8220;, Jesus nicht mit einer Gei\u00dfel vorstellen, sonden als argumentierenden, klar und deutlich redenden Mann. Bild in: Drewermann Eugen, Das Matth\u00e4usevangelium, III.Teil, Solothurn 1995, 273, Abb1.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Crossan John Dominic (1994): Der Historische Jesus, M\u00fcnchen, 473ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. dazu Fu\u00dfnote 1!<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. Gnilka, a.a.O, 278.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> F\u00fcssel Kuno, F\u00fcssel Eva (1991): Der verschwundene K\u00f6rper. Neuzug\u00e4nge zum Markusevangelium, Luzern, 187.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Sie sa\u00dfen hinter ihren &#8222;B\u00e4nken&#8220; (Bank!) um die griechischen oder r\u00f6mischen M\u00fcnzen der Pilger in j\u00fcdische M\u00fcnzen umzutauschen, weil nur damit die Tempelgeb\u00fchren get\u00e4tigt werden konnten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Myers, a.a.O., 301.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> F\u00fcssel, a.a.O. 188.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Darunter k\u00f6nnen wir die Mitglieder des Sanhedrin verstehen, Hohepriester und Schriftgelehrte (Sadduz\u00e4er).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> In narrativer Form beschreibt Gerd Theissen diesen Umstand: Theissen Gerd: Der Schatten des Galil\u00e4ers: historische Jesusforschung in erz\u00e4hlender Form, M\u00fcnchen 1987<sup>3<\/sup>, 200ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Parallelit\u00e4t im Begriff &#8222;ekballein&#8220; = hinaustreiben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> So wie heute die globalisierungskritischen Bewegungen, allen voran ATTAC, das Finanzsystem und die Rolle des Geldes als zentralen Ansatzpunkt w\u00e4hlen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> So F\u00fcssel, a.a.O., 188.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Myers Ched, a.a.O., 291ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Vgl. Merklein Helmut (1995): Die Jesusgeschichte &#8211; synoptisch gelesen, Stuttgart, 179ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Vgl.: Bornkamm G\u00fcnther (1988): Jesus von Nazareth, Stuttgart u.a., 14. Auflage, 140ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a>[29] So Crossan, a.a.O., 475.: &#8222;Ich bin also der Meinung, dass eine auf die symbolische Zerst\u00f6rung des Tempels hinauslaufende Handlung und eine diesen Sinn der Handlung erkl\u00e4rende Rede allerdings dem historischen Jesus zugeschrieben werden k\u00f6nnen; dass aber die auf die tats\u00e4chliche Zerst\u00f6rung des Tempels vorausweisenden Prophetenworte sowie Verweise auf die Auferstehung oder die Parusie Jesu sp\u00e4tere Erkl\u00e4rungen einer Handlung sind, die von Anfang an r\u00e4tselhaft schien und noch r\u00e4tselhafter scheinen musste, als dann der Tempel tats\u00e4chlich zerst\u00f6rt wurde.&#8220;<\/p>\n<p>Genauso in seinem klassischen Werk: Gnilka Joachim: Jesus von Nazaret. Botschaft und Geschichte, Freiburg 1993<sup>2<\/sup>, 277. &#8222;Dies alles spricht daf\u00fcr, dass der spektakul\u00e4re Tempelprotest eine Tat Jesu war, wir aber zun\u00e4chst noch kein auf ihn zur\u00fcckreichendes Wort der Deutung dieses Vorgangs haben.&#8220;<br \/>\nDemgegen\u00fcber vertrat Haenchen in seinem Markuskommentardie Ansicht, dass dieser Vorfall nie so stattgefunden haben kann. Haenchen E.: Der Weg Jesu. Eine Erkl\u00e4rung des Markus-Evangeliums und der kanonischen Parallelen, Berlin 1966. Auch andere deuteten die Tempelreinigung als Ausdruck der Kritik der Urgemeinde am Tempelkult.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Esel-klein.jpg' class='thumbnail' \/>Der Auftakt der Karwoche Alle vier Evangelisten erz\u00e4hlen vor der Leidensgeschichte Jesu von der sogenannten \u201eTempelreinigung\u201c. Diese Geschichte er\u00f6ffnet also die eigentliche Karwoche und verdeutlicht letztlich auch, warum es zum messianischen Einzug Jesu in Jerusalem kam, ein Ereignis, an das wir uns am Palmsonntag erinnern. In diesem Beitrag geht es darum, die Bedeutsamkeit der Geschichte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4878,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[183],"tags":[659,658],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4876"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4876"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4876\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4882,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4876\/revisions\/4882"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/4878"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}