{"id":5048,"date":"2020-05-05T06:25:27","date_gmt":"2020-05-05T06:25:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5048"},"modified":"2022-08-22T07:38:17","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:17","slug":"ein-gebet-zu-maria-im-marienmonat-mai","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5048","title":{"rendered":"Ein Gebet zu Maria im Marienmonat Mai"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-5049\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Maria-Mundschutz.jpg\" alt=\"\" width=\"583\" height=\"860\" \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Du Schutzgebende!<\/strong><\/p>\n<p>Als besch\u00fctzende Kraft beten wir seit Jahrhunderten zu dir in Gebeten und Liedern und erinnern uns deiner in Bildern und Statuen und in Wallfahrtsorten. Seit Jahrhunderten flehen wir besonders in Notsituationen zu dir und V\u00f6lker und Nationen haben sich in Zeiten der Bedr\u00e4ngnis unter deinen Schutz gestellt. So beten wir auch heute: Besch\u00fctze unsere Liebsten vor gef\u00e4hrlichen Krankheiten. Heute wird deine Schutzkraft sp\u00fcrbar und sichtbar in all jenen Menschen, die mit ihrer Vorsicht andere nicht gef\u00e4hrden, die Hygienema\u00dfnahmen einhalten, Abstandhalten praktizieren und Mund-Nasen-Schutzmasken in bestimmten Situationen tragen. Wir erkennen dein f\u00fcrsorgliches Gesicht hinter den Masken des Pflegepersonals und der \u00c4rzteschaft, dem Personal in den Superm\u00e4rkten und an so vielen anderen Orten des Alltags. Lass uns selbst marianisch werden!<\/p>\n<p><strong>Du Knotenl\u00f6serin!<\/strong><\/p>\n<p>Als \u201eMaria vom Knoten\u201c wirst du in der Volksfr\u00f6mmigkeit auch verehrt. Wir m\u00fcssen vor dir unsere Sorgenknoten nicht verstecken. In so manche Lebenssituation sind schier unl\u00f6sbare Knoten geraten, die sich allein nicht mehr l\u00f6sen lassen. Du kannst Verworrenes entwirren und Verknotetes l\u00f6sen. Gib uns den Mut, vorwurfsfrei und achtsam und mit Fingerspitzengef\u00fchl so manchen Knoten zu l\u00f6sen, wo Entt\u00e4uschungen und Verletzungen uns gefangen halten. Schenke uns Menschen, die eine knotenl\u00f6sende Kraft haben und uns wieder Mut zum Leben geben.<\/p>\n<p><strong>Du Widerspenstige!<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMirjam\u201c, dein j\u00fcdischer Name, l\u00e4sst sich \u00fcbersetzen mit \u201eWiderspenstige\u201c oder \u201eUngez\u00e4hmte\u201c. So bist du gewesen. Widerspenstig gegen das, was Frauen und M\u00e4nner und Kinder unterdr\u00fcckte. Dein Name \u201eMirjam\u201c erinnert an die Befreiung des Volkes Israel aus \u00c4gypten. Die hebr\u00e4ische Sklavin, nach der du benannt bist, hat gemeinsam ihrer Mutter, mit den beiden Hebammen Schiphra und Pua sowie der \u00e4gyptischen Pharaonentochter den Grundstein zu Befreiung des Volkes Israel aus dem Sklavenhaus \u00c4gyptens gelegt. So passt der Name der Schwester des Mose auch zu dir, Mirjam von Nazareth, Befreierin. So wirst du gesehen als Patronin jener, die sich nach Befreiung sehnen.<\/p>\n<p><strong>Du Rollensprengende!<\/strong><\/p>\n<p>In der patriarchalen Kultur des ersten Jahrhunderts hast du dich nicht an die Genderrolle gehalten. Gemeinsam mit Mirjam von Magdala und anderen Frauen warst du Teil der Fraugengruppe, die in der Mitte der Jesusbewegung stand. So wirst du auch nach dem Tod und der Auferstehung Jesu beim Pfingstereignis als Frau gesehen, die die Mitte des neuen Gottesvolkes bildet. So gibst du heute Hoffnung jenen Menschen, die sich f\u00fcr Gleichberechtigung in der Kirche engagieren. So bist du Namensgeberin der Bewegung Maria 2.0 geworden.<\/p>\n<p><strong>Du Religionen\u00fcbergreifende!<\/strong><\/p>\n<p>Maryam wirst du im Koran genannt. Dein Name kommt dort \u00f6fters vor als in der Bibel. Du bist eine Br\u00fccke zwischen den Religionen. Als Mirjam stehst du f\u00fcr den j\u00fcdischen Glauben, als Maryam f\u00fcr die Welt des Islam und mit dem griechischen Namen f\u00fcr die christliche Welt.<\/p>\n<p><strong>Du Tr\u00e4umende!<\/strong><\/p>\n<p>Wenn du als \u201eunbefleckt Empfangene\u201c verehrt wirst, denke ich daran, dass du uns mit deinem Engagement und deiner Liebe gezeigt hast , dass eine andere Welt m\u00f6glich ist, dass wir ausbrechen k\u00f6nnen aus den teuflischen Spiralen, dass wir uns befreien k\u00f6nnen von den Zw\u00e4ngen, dass Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten ist und dass Feindschaft mit Vergebung und Vers\u00f6hnung aufgel\u00f6st werden kann.<\/p>\n<p><strong>Du Himmlische!<\/strong><\/p>\n<p>Als in den Himmel Aufgenommene \u00f6ffnest du mir den Blick in die Himmel, ohne diese Welt zu vergessen. Das Aufgenommen-in-den-Himmel lenkt mich nicht ab vom Irdischen, sondern l\u00e4sst die Himmel im Hier und Heute erkennen, l\u00e4sst mich danach sehnen, dass ein St\u00fcck des Himmels lebendig wird, wo ich lebe. Mit Haut und Haaren \u2013 so hei\u00dft es im Dogma \u2013 bist du aufgenommen im Himmel, mit deiner ganzen Leiblichkeit. Das passt zu dir und meiner Sehnsucht: Kein manich\u00e4isches Trennen von Geist und Leib, kein gnostisches Verachten all dessen, was mit K\u00f6rper verbunden ist. Das taugt als politisches Programm gegen all die Vertr\u00f6stungen und Weltfl\u00fcchte.<\/p>\n<p><strong>Du Gottgeb\u00e4rende!<\/strong><\/p>\n<p>Du bist die Mutter Jesu, Mutter des Heilands, und doch sehe ich dich f\u00fcr mich bewusst nicht in der M\u00fctterlichkeit, weil ich nicht dein Kind bin, weil ich auf Augenh\u00f6he mit dir sein m\u00f6chte, dich von den \u00fcberh\u00f6hten Alt\u00e4ren herunter in diese Welt holen m\u00f6chte, dich befreien vom Gold und Silber und den schweren Gew\u00e4ndern, von Sternenkr\u00e4nzen und Kronen und vor allem vor der Vereinnahmung durch kriegerische Machthaber, von M\u00e4nnern, die bis zum heutigen Tage in Soldatenuniformen und mit Waffen in den H\u00e4nden ihre Gel\u00f6bnisse vor dir sprechen.<\/p>\n<p><strong>Du j\u00fcdisch Glaubende!<\/strong><\/p>\n<p>Ich sehe dich als j\u00fcdische Frau voller Tr\u00e4ume nach einem erf\u00fcllten Leben und jener Hoffnung auf das messianischen Friedensreich, die von Prophetinnen und Propheten formuliert worden ist. Zu dieser Hoffnung hast du dein \u201ees m\u00f6ge geschehen\u201c gesprochen. Wie jede fromme J\u00fcdin hast du an den Schalom geglaubt. Je mehr Unfrieden und Ungerechtigkeit zu deiner Zeit erfahrbar waren, desto st\u00e4rker wurde zugleich dieser Traum umgem\u00fcnzt in politischen Widerstandsgeist. Diesen Traum hast du in deinem Sohn gro\u00df werden lassen. \u201eJehoschua\u201c hast du ihn selbst genannt, \u201eGott rettet\u201c.<\/p>\n<p><strong>Du Liebende!<\/strong><\/p>\n<p>Als M\u00e4dchen schon wirst du damals mit einem Mann verlobt worden sein. So sahen es Br\u00e4uche, Gesetze und Kultur vor. Du hattest Gl\u00fcck mit deinem Verlobten. Josef ist zu dir gestanden als du, die Erniedrigte, viel zu jung schwanger geworden bist. Der Bauhandwerker aus Nazareth hat dich nicht versto\u00dfen, weil er verliebt war in dich, weil er dich liebte, weil er wie du an die Botschaften der Engel glaubte. Solidarit\u00e4t als Wurzel der Befreiung wurde in eurer Liebesbeziehung sichtbar. Auch in Elisabeth, die dir Deckung gab, hattest du frauensolidarische St\u00fctze. So konnte dann in deinem Leib jenes Kind gro\u00df werden, das als Retter der Welt, als Heiland, als Menschensohn, als Messias, ja sogar als Sohn Gottes gilt.<\/p>\n<p><strong>Du Rebellin!<\/strong><\/p>\n<p>Du warst in den Augen der M\u00e4chtigen, der r\u00f6mischen Besatzer und ihrer Kollaborateure eine Rebellin. So hast du gesungen: \u201eDie M\u00e4chtigen st\u00fcrzt er vom Thron und erh\u00f6ht die Erniedrigten \u2026 die Verarmten wird er beschenken und die Reichen werden leer ausgehen\u2026 \u201c Es war das revolution\u00e4re Wiegenlied f\u00fcr deinen Sohn.<\/p>\n<p><strong>Du Missverstandene!<\/strong><\/p>\n<p>Die M\u00e4chtigen haben im Laufe der Jahrhunderte etwas anderes aus dir gemacht. Man behauptete, du h\u00e4ttest K\u00f6nige zu grausamen Schlachten ermutigt. So wurdest du instrumentalisiert f\u00fcr einen Aufruf zum kriegerischen Gemetzel. In der Gegenreformation wurdest du hierzulande als Magna Mater Austriae zur \u201eGeneralissima\u201c umfunktioniert und unter deinem Schutz geschah die Zwangskatholisierung. Du wurdest mit dem Epitheton \u201eSiegerin in allen Schlachten\u201c versehen. Du Maryam, die von den Muslimen verehrte Mutter des Propheten und Gesandten Isa, wurdest zur Galionsfigur im Kampf gegen Muslime. Du wurdest mit dem Titel \u201eJungfrau\u201c versehen. So hat man einen alten Mythos, der keine biologische Aussage sein sollte, f\u00fcr Sexual- und Leibfeindlichkeit \u00a0verwendet. Mit dir verbunden wurde das Wort \u201eunbefleckte Empf\u00e4ngnis\u201c und wieder wurden damit sexualfeindliche Konnotationen geweckt. Man hat dich in wei\u00df-blass-bl\u00e4uliche Statuen gedr\u00fcckt und damit jegliches ganzheitliches Leben aus dir gepresst.<\/p>\n<p><strong>Du Botin der Z\u00e4rtlichkeit Gottes!<\/strong><\/p>\n<p>Heute sage ich: Du bist, wie es Martin Luther formulierte, keine Generalissima, die zu Schlachten ermutigt, sondern die \u201ezarte Mutter Christi\u201c und Botin jener Z\u00e4rtlichkeit Gottes, von der Papst Franziskus in seinen Worten immer wieder spricht. Du trittst aus den Bildern und von den Alt\u00e4ren und bist mir Schwester im Glauben mit deinem subversiven Gesang, wie es einst Kurt Marti formulierte. Du ermutigst auch mich zu tr\u00e4umen von einem Leben in F\u00fclle und Ganzheit.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Mai 2020<\/p>\n<p>(das Bild wurde zur Verf\u00fcgung gestellt von Helmut Loder!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Maria-Mundschutz.jpg' class='thumbnail' \/>Du Schutzgebende! 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