{"id":5114,"date":"2020-05-15T13:20:40","date_gmt":"2020-05-15T13:20:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5114"},"modified":"2022-08-22T07:38:17","modified_gmt":"2022-08-22T07:38:17","slug":"verordnung-und-vernunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5114","title":{"rendered":"Verordnung und Vernunft"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-5118\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Hungerburg-Kirche-klein.jpg\" alt=\"\" width=\"1224\" height=\"1632\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Hungerburg-Kirche-klein.jpg 1224w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Hungerburg-Kirche-klein-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Hungerburg-Kirche-klein-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1224px) 100vw, 1224px\" \/><strong>Vernunft und gebildetes Gewissen als Ma\u00dfstab<\/strong><\/p>\n<p>Kaum lassen Verordnungen nach \u2013 und es ist gut, dass weniger verordnet wird \u2013 schwindet auch die Vorsicht \u2013 und das ist nicht gut so. Es erscheint nun so, dass vorsichtig gehandelt wird, weil es verordnet ist, nicht weil es die Vernunft und das eigene Gewissen gebieten.\u00a0Ist Covid-19 weniger gef\u00e4hrlich geworden? Gibt es keine Infektionsgefahr mehr? Manchmal f\u00fchle ich mich wie in einem Obrigkeitsstaat und unter lauter obrigkeitsstaatlichen Menschen. Zwei Monate lang wurde uns gesagt und verordnet \u201estay at home\u201c.<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffnungen als positives Signal<\/strong><\/p>\n<p>Es ist gut, dass ein normales Leben unter den bestimmten Hygienema\u00dfnahmen und mit Abstandsregeln wieder m\u00f6glich ist. Es ist gut, dass sich die Schulen etappenm\u00e4\u00dfig und &#8222;ausged\u00fcnnt&#8220; wieder \u00f6ffnen, dass Gasth\u00e4user nicht mehr geschlossen sind und Gesch\u00e4fte wieder ge\u00f6ffnet sein d\u00fcrfen. Es ist gut, dass der Angstlevel vor Covid sinkt und die Schreckensnachrichten verschwinden. Es ist gut, dass der Lockdown beendet und viele menschliche Kontakte wieder m\u00f6glich geworden sind. Es ist gut, wenn wieder sichtbar wird, dass Glaube auch mit k\u00f6rperhafter Gemeinschaft zu tun hat und in \u00f6ffentlichen Feiern seinen Ausdruck findet.<\/p>\n<p><strong>Vorsicht muss bleiben<\/strong><\/p>\n<p>Die Gefahr von einer zweiten Infektionswelle ist allerdings geblieben. Noch wissen wir zu wenig \u00fcber das Corona-Virus, um Entwarnung zu geben. Doch sagt uns eigentlich die Vernunft: Was sich vermeiden l\u00e4sst, soll vermieden werden. Damit meine ich nicht eine einsame Bergtour \u2013 bei der ich in den letzten Wochen weder zur Gefahr f\u00fcr andere geworden bin noch mich selbst h\u00e4tte anstecken k\u00f6nnen. Damit meine ich nicht die geschlossenen Grenzen und die Milizsoldaten, die diese bewachen. Cui bonum? Damit meine ich aber so manches nun stattfindende Event. Muss es wirklich sein, solange die Ansteckungsgefahr noch so gro\u00df ist? Welches Zeichen setzen nun auch Kirchen und Religionsgemeinschaften? Mahnen sie zur vorsichtigen Geduld und sch\u00f6pfen weiterhin Kraft von einem Erleben von dem, was als Hauskirche bezeichnet werden k\u00f6nnte? Oder sollen sich m\u00f6glichst schnell die Kirchen f\u00fcllen? Nicht weil es eine Verordnung gibt, werde ich noch nicht an Kundgebungen teilnehmen, sondern aus Vorsicht, egal ob es jetzt Fridays for Future ist oder eine \u00f6ffentliche Kundgebung f\u00fcr Frauenrechte in der Kirche. Fix ist, dass die Gefahr zur Verbreitung des Virus sich durch gr\u00f6\u00dfere Versammlungen wieder erh\u00f6hen wird.<\/p>\n<p><strong>Vorsichtige Kirchen<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mir jedenfalls von den Kirchen w\u00fcnschen, sie w\u00fcrden in dieser Zeit noch vorsichtig sein \u2013 und jetzt formuliere ich zynisch: Es kann nicht darum gehen, m\u00f6glichst schnell wieder die Sch\u00e4fchen in der Kirche zu versammeln. Ansonsten k\u00f6nnte es rasch dazu kommen, dass die Schafherde angesteckt wird. Auch wenn es zun\u00e4chst vor allem symbolisch ist, k\u00f6nnten die Kirchenverantwortlichen in dieser Zeit noch sagen: Stay at your home-church! Dort, wo mit Liebe das Brot\u00a0 und das Leben geteilt werden, ist der Auferstandene real gegenw\u00e4rtig (manchmal mehr als in einer Kirche). Welches Image h\u00e4tte eine Kirche, die sagte: Selbst wenn alle M\u00f6belh\u00e4user l\u00e4ngst schon offen haben und sich in den Einkaufszentren wieder die Massen dr\u00e4ngeln, wir mahnen zur Vorsicht, solange Epidemiologen und Virologen nicht Entwarnung geben.<\/p>\n<p><strong>Drive-in-Gottesdienste?<\/strong><\/p>\n<p>Welche Bilder werden in diesen Corona-Zeiten seitens der Kirche vermittelt? Sind Drive-in-Gottesdienste ein Zeichen f\u00fcr eine Organisation, die sich f\u00fcr die Bewahrung der Sch\u00f6pfung einsetzt, oder sollte die Kirche nicht vielmehr signalisieren: Versucht m\u00f6glichst wenig mit den Autos zu fahren, weil die Erderhitzungskurve weit gef\u00e4hrlicher ist als die Covidkurve? Passt ein Film von &#8222;Otto Neururer&#8220; wirklich zu einem Autokino oder steht dieser Selige aus Tirol nicht vielmehr f\u00fcr einen Geist des Widerstands gegen das Zerst\u00f6rerische. Kann ich gleichzeitig ein &#8222;Laudato-Si-Jahr&#8220; ausrufen und der Automobilit\u00e4t unkritisch gegen\u00fcber stehen?<\/p>\n<p><strong>Kirche bei den Schw\u00e4chsten<\/strong><\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck wurde in den letzten Wochen auch eine andere Kirche erlebbar. Damit meine ich nicht nur die kleinen Kirchenerfahrungen in famili\u00e4rer Atmosph\u00e4re, die ge\u00f6ffneten Kirchengeb\u00e4ude, wo man verweilen konnte und vielleicht sogar die vorbereitete Predigt des Sonntagsevangeliums mit nach Hause nehmen konnte. Damit meine ich beispielsweise die so unverzichtbare Arbeit der Caritas gegen\u00fcber jenen Menschen, die im Schatten der Corona-Krise besonders arm dran waren. Hier wird eine Kirche sichtbar, die wohl ganz zu ihrem Gr\u00fcnder passt, der sein Herz stets bei den Schw\u00e4chsten hatte. Daher gilt es weiterhin f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen, die nun in die Schule gehen: Aufpassen &#8211; Abstand halten &#8211; Hygienema\u00dfnahmen einhalten, um jene in der Gesellschaft zu sch\u00fctzen, die schw\u00e4cher dran sind und durch das Corona-Virus gef\u00e4hrdet sind (von Risikogruppen m\u00f6chte ich dennoch nicht schreiben).<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Hungerburg-Kirche-klein.jpg' class='thumbnail' \/>Vernunft und gebildetes Gewissen als Ma\u00dfstab Kaum lassen Verordnungen nach \u2013 und es ist gut, dass weniger verordnet wird \u2013 schwindet auch die Vorsicht \u2013 und das ist nicht gut so. 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