{"id":5615,"date":"2020-10-17T08:09:48","date_gmt":"2020-10-17T08:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5615"},"modified":"2026-03-03T19:33:09","modified_gmt":"2026-03-03T19:33:09","slug":"islam-ist-frieden-und-nicht-gewalt-von-der-gewaltfreien-und-sanftmuetigen-mitte-des-islam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5615","title":{"rendered":"Islam ist Frieden und nicht Gewalt: Von der gewaltfreien und sanftm\u00fctigen Mitte des Islam"},"content":{"rendered":"<p><strong>Islam ist Frieden und nicht Gewalt: Von der gewaltfreien und sanftm\u00fctigen Mitte des Islam<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eJ\u2019enseigne \u2013 donc je suis\u201c \u2013 \u201eich unterrichte, also bin ich\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In der N\u00e4he von Paris wurde am 16. Oktober 2020 ein 47-j\u00e4hriger Geschichtelehrer auf offener Stra\u00dfe enthauptet. Das Opfer hatte im Unterricht Mohammed-Karikaturen verwendet, um \u00fcber Meinungsfreiheit zu arbeiten. Der von der Polizei in Notwehr get\u00f6tete Attent\u00e4ter hat einen islamistischen Hintergrund. Hinter ihm stehen weitere islamistische Personen. Gegen den Geschichtelehrer ist im Vorfeld eine Fatwa, das ist eine Art islamistisches Todesurteil, ausgesprochen worden.<\/p>\n<p>Nachdem die franz\u00f6sische Staatsspitze deutlich formuliert hatte, die Meinungsfreiheit \u2013 und damit auch das Recht zu kritischen Darstellungen gegen\u00fcber dem Islam \u2013 als hohes Gut zu verteidigen, gingen die Wogen in der islamisch-fundamentalistischen Welt hoch.<\/p>\n<p><strong>Islam und Gewaltfreiheit: Herbst 2020<\/strong><\/p>\n<p>Nach der brutalen Ermordung des Geschichtelehrers in Paris folgte wenig sp\u00e4ter ein Anschlag auf eine der Hauptkirchen in Nizza, bei dem drei Menschen get\u00f6tet wurden. Anfang November 2020 erfolgte ein Anschlag mitten im Herzen von Wien.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren sind in Frankreich bereits mehr als 250 Menschen bei einem islamistischen Anschlag get\u00f6tet worden. Islamistische Gewalt gibt es auch anderswo. Ersch\u00fctternde Bilder aus Mozambique gingen einmal mehr um die Welt. Eine Frau wurde splitternackt von bewaffneten K\u00e4mpfern auf der Stra\u00dfe wie ein St\u00fcck Wild gejagt und dann erschossen. Aufgrund solcher Gewalttaten erscheint der Islam als Religion, die ein N\u00e4hrboden f\u00fcr Gewalt, Terror und Missachtung von Menschenrechten sei.<\/p>\n<p>In seiner am 4. Oktober 2020 ver\u00f6ffentlichten Enzyklika \u201eFratelli Tutti\u201c geht Papst Franziskus gleich zu Beginn auf die Notwendigkeit ein, im Geist des Franz von Assisi den interreligi\u00f6sen Dialog zu f\u00fchren. W\u00f6rtlich schreibt er mit Blick auf die Begegnung des Heiligen aus Assisi beim \u00e4gyptischen Sultan inmitten der brutalen Kreuzz\u00fcge: \u201eEs ber\u00fchrt mich, wie Franziskus vor achthundert Jahren alle dazu einlud, jede Form von Aggression und Streit zu vermeiden und auch eine dem\u00fctige und geschwisterliche \u201aUnterwerfung\u2018 zu \u00fcben, sogar denen gegen\u00fcber, die ihren Glauben nicht teilten.\u201c<\/p>\n<p><strong>Terror im Namen des Islam ist Blasphemie<\/strong><\/p>\n<p>Viele Jahre sind nun schon seit dem Anschlag auf Charlie Hebdo vergangen. Die Wunden sind noch nicht geheilt. Im Herbst 2020 fanden die Prozesse in Paris statt. \u201eDie Attent\u00e4ter von Paris sind Kriminelle \u2026 keine Muslime\u201c, \u201e\u2026die Wesenseigenschaft des Islam ist die Sanftmut\u201c \u2013 so hatte der f\u00fchrende Imam aus Paris, Chabbar Taieb, damals formuliert. Jeder Terroranschlag ist tiefste Gottlosigkeit, ist tiefste Unkenntnis vom Wesen des Islam und seinem Glauben an die Allbarmherzigkeit Gottes. Nicht der Glaube an Gott ist bei den abscheuungsw\u00fcrdigen Verbrechen des Daesh, der Shabab-Milizen in Somalia, der Al-Kaida oder von Boko Haram Ursache f\u00fcr die unermesslichen Grausamkeiten, sondern der Unglaube an die Kraft des G\u00f6ttlichen in den Menschen und in der Welt, die eine Kraft der Liebe, der Vergebung, der Barmherzigkeit und der Sanftmut ist. Dort, wo mit Berufung auf den Namen Gottes gemordet wird, dort wird der Name Gottes missbraucht. Das j\u00fcdisch-christlich-muslimische Grundgebot, \u201edu wirst nicht morden!\u201c, h\u00e4ngt vom Wesen dieser drei Religionen mit dem Grundgebot der Gottesliebe und der Heiligung seines Namens zusammen.<\/p>\n<p>Der in Innsbruck lehrende Islamwissenschaftler Zekirija Sejdini hatte bereits 2015 deutlich formuliert: &#8222;Terroristen, die Unschuldige im Namen Gottes t\u00f6ten, sprechen sich bewusst oder unbewusst g\u00f6ttliche Kompetenzen zu und begehen dadurch die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche S\u00fcnde, indem sie sich an die Stelle Gottes setzen, sich im Besitz der g\u00f6ttlichen Wahrheit f\u00fchlen und sich so Gerichtsbarkeit anma\u00dfen. Sie tun das zur Verbr\u00e4mung der eigenen Interessen und zur Legitimierung ihrer Ideologie. Dadurch dienen sie &#8211; sich auf Gott berufend &#8211; dem Teufel, der sich der Niederwerfung vor dem Menschen als Zeichen der Anerkennung der menschlichen W\u00fcrde verweigert hat und somit nicht nur den Befehl Gottes missachtet, sondern auch das Interesse Gottes an den Menschen verkannt hat, \u00e4hnlich wie es die Terroristen tun.\u00a0So kommt es, dass diese M\u00f6rder in der Annahme, Gott zu dienen und seinen Namen zu besch\u00fctzen, in Wahrheit dem B\u00f6sen dienen und sich selbst und ihrer Religion mehr Schaden zuf\u00fcgen, als es je eine Karikatur bewirken k\u00f6nnte.&#8220; (Zit.in: DER STANDARD, 13.1.2020)<\/p>\n<p><strong>Einhellige Verurteilung des Terrors im Namen des Islam<\/strong><\/p>\n<p>Mit Ausnahme der terroristischen Organisationen, die sich auf den Islam berufen, haben weltweit alle f\u00fchrenden islamischen Repr\u00e4sentanten und Organisationen einhellig und unmissverst\u00e4ndlich immer wieder die Terroraktionen verurteilt.<\/p>\n<div dir=\"auto\">Unmittelbar nach dem Anschlag in Wien formulierte der in Innsbruck an der Universit\u00e4t t\u00e4tige Islamwissenschftler Zekirija Sejdini: &#8222;Es f\u00e4llt mir schwer zu schreiben, ich bin fassungslos und best\u00fcrzt angesichts des Terrors, der diesmal unsere Stadt und unser Land ins Visier genommen hat. Ich verurteile diesen abscheulichen und feigen Angriff gegen unschuldige Menschen aufs Sch\u00e4rfste. Meine Gedanken und mein Mitgef\u00fchl gelten den Hinterbliebenen der Opfer. Den Verletzten w\u00fcnsche ich rasche Heilung. Besonderer Dank gilt den Einsatzkr\u00e4ften von Polizei und Rettung vor Ort, die ihre Leben aufs Spiel setzen, um Menschen zu helfen und Schlimmeres zu verhindern.\u00a0Wenn der Terror im eigenen Land ankommt, im Herzen Wiens, ist es besonders schwierig, Worte zu finden. Man mag versucht sein, in resignierendes Schweigen zu verfallen. Doch genau diesen Gefallen d\u00fcrfen und werden wir jenen nicht tun, die wieder einmal versuchen, Angst und Schrecken zu verbreiten und unsere Gesellschaft zu spalten.\u00a0Wir werden nicht m\u00fcde werden in unserem Einsatz f\u00fcr Menschenw\u00fcrde und Menschenrechte, f\u00fcr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit und f\u00fcr weltanschauliche Pluralit\u00e4t. Wir werden unerm\u00fcdlich die Stimme erheben gegen Hass und Hetze und Gewalt, gleich welchen kranken, unmenschlichen Gehirnen diese entspringen. Mit jedem Versuch, den Frieden und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu zerst\u00f6ren, werden wir uns noch mehr auf unsere Werte besinnen und uns noch mehr daf\u00fcr einsetzen, diese Werte zu sch\u00fctzen und zu erhalten.<\/div>\n<div dir=\"auto\">Bleiben wir gemeinsam standhaft in Solidarit\u00e4t und Menschlichkeit gegen\u00fcber jenen, die sich au\u00dferhalb der Menschlichkeit stellen!&#8220;<\/div>\n<p>Das erinnert an die Worte, die nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo formuliert worden sind. Nichts rechtfertige die Ermordung eines Menschen, hie\u00df es vom islamischen Dachverband Franz\u00f6sischer Rat des muslimischen Kultes. Der gemeinsame Nenner in der islamischen Welt gegen\u00fcber dem islamistischen Terror lautet: \u201eNicht in unserem Namen!\u201c \u201eNicht im Namen Gottes!\u201c Selbst Vertreter von radikalen islamischen Organisationen, wie der Hisbollah, formulierten: \u201eDie Extremisten schaden dem Islam mehr als die Karikaturen.\u201c Attentate wie jene in Paris sch\u00fcren die islamophoben Kr\u00e4fte und Bewegungen.<\/p>\n<p><strong>Meinungsfreiheit und Gewalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Hintergrund des Anschlags von Paris steht wieder die Frage der Meinungsfreiheit und auch dem Recht, Religionen kritisieren zu d\u00fcrfen. Die Antwort auf Gewalt ist nicht ein Noch-mehr-Gewalt. Franz\u00f6sische Karikaturisten haben dies pr\u00e4gnant in ihren Darstellungen auf den Punkt gebracht. So die Karikatur \u201eMarianne 2015\u201c. Das Gem\u00e4lde von Eug\u00e8ne Delacroix f\u00fcr die Julirevolution 1830 wurde ver\u00e4ndert. Die barbusige Frau, die zu einem Nationalsymbol Frankreichs wurde, h\u00e4lt in der linken Hand nicht mehr ein Schie\u00dfgewehr mit aufgesetztem Bajonett. In den Karikaturen der \u201eJe-suis-Charlie\u201c-Bewegung h\u00e4lt sie in ihrer Linken einen Karikaturstift. Damit soll nicht ausgedr\u00fcckt werden, dass Worte, Karikaturen oder Satiren Waffen sind, mit denen andere verletzt werden k\u00f6nnten \u2013 im Gegenteil: Worte k\u00f6nnen zur Kommunikation beitragen und die herk\u00f6mmlichen Waffen \u00fcberfl\u00fcssig machen. Worte z\u00e4hlen zur \u201eWaffenr\u00fcstung\u201c Gottes, von denen der Apostel Paulus im Epheserbrief spricht.<\/p>\n<p><strong>Die bleibende Frage: Der Islam und der Frieden<\/strong><\/p>\n<p>Es bleibt die Frage, ob Anschl\u00e4ge wie jene von Paris oder der Terror in Mozambique nicht doch mit DEM ISLAM in Verbindung gebracht werden sollten. Ich w\u00fcrde zu \u201epositivistisch\u201c denken, so eine Reaktion auf ein Posting von mir, in dem ich Islam mit Sanftmut in Verbindung brachte. In Diskussionsrunden und bei Vortr\u00e4gen h\u00f6rte ich in den vergangenen Jahren immer wieder Bemerkungen wie jene: Wir Christen glauben an Jesus Christus und seinen Gewaltverzicht, was vor allem durch Sterben Jesu am Kreuz zum Ausdruck gekommen sei, etwas, was von den Muslimen abgelehnt w\u00fcrde \u2013 oder, um es explizit zu formulieren, etwas, das die Muslime nicht verstehen w\u00fcrden. Hier aber l\u00e4ge letztlich der Schl\u00fcssel zum Gewaltverzicht. In einer der f\u00fchrenden katholischen Wochenzeitschriften, \u201eChrist in der Gegenwart\u201c, wurde in dem Leitkommentar Jesus mit dem Propheten Muhammad wie folgt verglichen: \u201eJesus Christus war ein gewaltfreier, herrschaftskritischer Religionsstifter. Er war kein Kriegsherr und kein Kriegstreiber wie Mohammed. Der Geburtsfehler des Islam liegt in seiner Gr\u00fcndungsfigur, seinem \u201aPropheten\u2018. Das Christentum als von der Wurzel her selbstkritische und herrschaftskritische Religion ist \u2013 wie seine (Befreiungs-)Theologie beweist \u2013 geistig im Jahr 2014 angekommen, der Islam in breitesten Teilen nicht. F\u00fcr Letzteres gibt es keine historische Entschuldigung mehr.\u201c Immer wieder versuche ich \u2013 vor allem in der Schule \u2013 die friedliche Seite des Islam hervor zu heben, die doch die Mitte dieser Religion ist.<\/p>\n<p><strong>Islam ist Frieden<\/strong><\/p>\n<p>Jeder Mord und jeder Terror widersprichen dem Wesen des Islam. Angesichts extremistischen Terrors gilt: \u201eIslam ist Frieden\u201c. Der Islam als Religion bewegt Muslime dazu, \u201eFrieden zu stiften zwischen den Menschen\u201c. (Sure 2,224) Der Prophet Muhammad ermutigte seine fr\u00fche Gemeinde in Mekka, auf Verfolgung nicht mit Gegengewalt zu reagieren. \u201eWir wollen geduldig ertragen, was ihr uns an Leid zuf\u00fcgt.\u201c (Sure 14,12) Und weiters hei\u00dft es im Koran: \u201eWehre das B\u00f6se mit Besserem ab, und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war, dir wie ein echter Freund werden.\u201c (Sure 41,34) dazu, \u201eFrieden zu stiften zwischen den Menschen\u201c (Sure 2,224) Der Prophet Muhammad ermutigte in seine fr\u00fche Gemeinde in Mekka, auf Verfolgung nicht mit Gegengewalt zu reagieren. \u201eWir wollen geduldig ertragen, was ihr uns an Leid zuf\u00fcgt.\u201c (Sure 14,12) Und weiters hei\u00dft es im Koran: \u201eWehe das B\u00f6se mit Besserem ab, und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war, dir wie ein echter Freund werden.\u201c (Sure 41,34) Wer mordet und Terror begeht, ist kein Muslim!<\/p>\n<p><strong>Islam ist Unterwerfung unter den Willen eines barmherzigen Gottes<\/strong><\/p>\n<p>Ein Muslim bzw. eine Muslima \u2013 die sich an Allah richtet \u2013 wendet sich in ihrem Glauben an jenen Gott, zu dem auch ein Christ eine Beziehung hat. Daraus folgt: Wenn mein Gott auch Allah ist, dann kann aus meiner christlichen \u201eUnterwerfung\u201c unter Gott \u2013 wenn sie von Gott geleitet ist \u2013 doch nichts anderes herauskommen, wie wenn sich Muslime ihrem Gott unterwerfen. Beide sind gleich! Das ist mein Grundansatz, aus dem dann konsequent logisch gefolgert werden kann: Wenn der barmherzige Abba-Gott Jesu Christi Feindesliebe und Gewaltverzicht fordert, so kann der Allah-Gott Mohammeds doch letztlich nicht etwas anderes fordern, es sei denn, dieser Gott leidet an ausgepr\u00e4gter Schizophrenie. Das gilt in gleicher Weise zumindest auch f\u00fcr das Judentum \u2013 meines Erachtens aber f\u00fcr jede Religion. Es gilt also die Formel: Islam = Unterwerfung unter Gott = Unterwerfung unter den Gott der Liebe und Gewaltfreiheit.<\/p>\n<p><strong>Jesus als Prophet und damit Vorbild im Islam<\/strong><\/p>\n<p>Zuwenig wird meist bedacht, dass f\u00fcr die Muslime auch Jesus als Prophet und damit als Vorbild im Glauben gilt. Damit freilich, so der einfache logische Schluss, ist auch Jesus mit seiner klaren Gewaltverzichtsstrategie und seiner Feindesliebe Vorbild im Glauben f\u00fcr die Muslime.<\/p>\n<p><strong>Gewaltfreie Aspekte im Leben des Propheten Muhammad<\/strong><\/p>\n<p>Ein Muslim oder eine Muslima orientiert sich am Leben des Propheten Muhammad. Wenn er wirklich ein \u201eGesandter Gottes\u201c ist, dann m\u00fcsste er \u2013 in Fortsetzung des zuvor genannten Arguments vom gewaltfreien Gott \u2013 auch ein Gesandter der Gewaltfreiheit sein. Damit ergibt sich freilich das Problem der Interpretation des Lebens des Propheten Mohammed. Hier ergeben sich zwei unterschiedliche Interpretationsmuster. Wer dem Islam eine inh\u00e4rente aggressive und kriegerische Eigenschaft zuschreibt, beschreibt das Leben des Propheten als Feldherr, seine Niederlagen und Siege in den bewaffneten Auseinandersetzungen, oder erw\u00e4hnt beispielsweise, dass der Prophet einmal den Befehl gegeben h\u00e4tte, 600 Gegner zu t\u00f6ten. Dem k\u00f6nnte nun das pazifistische Auftreten des Jesus von Nazaret entgegengehalten werden, und schwupps: schon wird wieder die Fahne der \u00dcberlegenheit des Christlichen empor gehalten.<\/p>\n<p>Ist aber nicht auch eine vorsichtigere Interpretation des historischen Muhammad m\u00f6glich, in der die friedensliebende Seite des \u201eGesandten Gottes\u201c entdeckt werden k\u00f6nnte? Das Anliegen des Propheten war nicht der Kampf, sondern die Hinf\u00fchrung der Menschen zu Gott und einem gottesf\u00fcrchtigen Leben. Hier schlie\u00dft sich der Kreis zum erstgenannten Argument. Bekannt aus der Fr\u00fchgeschichte des Propheten ist seine F\u00e4higkeit, bei Streitigkeiten zu schlichten. Zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es erst aufgrund der Verfolgungssituation des Propheten und seiner Gemeinde. Immer wieder versuchte der Prophet Frieden zu stiften und sich mit den Mekkanern zu vers\u00f6hnen. Als Muhammed mit einem gro\u00dfen Heer um 630 nach Mekka zog, fiel die Stadt letztlich ohne Schwertstreich. Der Prophet Muhammed bot den Mekkanern sofort Vers\u00f6hnung an und verzichtete sogar auf die Besitzt\u00fcmer, die sie zuvor weggenommen hatten. In den 10 Kriegsjahren \u2013 so wird gesch\u00e4tzt \u2013 hatten die Nicht-Muslime nicht mehr als 250 Tote zu beklagen.<\/p>\n<p><strong>Friedensbotschaften im Koran<\/strong><\/p>\n<p>Um die aggressiven Absichten des Koran aufzudecken, wird zumeist mit dem so genannten \u201eSchwertvers\u201c, der Sure 9, argumentiert, die den Kampf gegen die Feinde vorschreibt. Solche und \u00e4hnliche Stellen werden zum \u201eTotschlagargument\u201c, wenn sie: einseitig aus dem Zusammenhang gerissen und f\u00fcr allgemeing\u00fcltig betrachtet werden, ohne sie einer Korrektur durch die friedlichen Stellen zu unterziehen und ohne die geschichtlichen Umst\u00e4nde sowie die dahinter stehenden Anliegen ins Kalk\u00fcl zu nehmen. Tats\u00e4chlich muss der der Koran als Chronik der Ereignisse in Arabien w\u00e4hrend der islamischen Religionsstiftung gelesen werden. Wegen dieser wechselvollen Zeit kann man vom Koran kein konsistentes Konzept zur Bestimmung von Frieden und Krieg erhalten. Historisch gesehen ist es kein Widerspruch, dass es im Koran Verse gibt, die zum Frieden aufrufen, wie auch solche, die nach Krieg rufen. Der Koran ist in gewisser Hinsicht ein arabisches Geschichtsbuch der Jahre 610-632. Alle Koranpassagen, die aus der Zeit vor der Hidjra (622) stammen \u2013 also aus der Mekka-Epoche \u2013 enthalten keine Aufrufe oder Bestimmungen zum Krieg.<\/p>\n<p>Der Koran enth\u00e4lt viele Stellen, die heute als friedliche Gespr\u00e4chsstrategie tituliert werden k\u00f6nnten. Es hei\u00dft beispielsweise: \u201eRuf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und sch\u00f6ner Ermahnung, und streite mit ihnen auf die beste Art.\u201c (16,125) \u201eEs ist nicht deine Aufgabe, sie rechtzuleiten, sondern Gott leitet recht, wen Er will.\u201c (2,272) \u201eUnd wenn du diejenigen siehst, die auf unsere Zeichen (spottend) eingehen, dann wende dich von ihnen ab, bis sie auf ein anderes Gespr\u00e4ch eingehen.\u201c (6,68) \u201e\u2026 Gott wei\u00df besser, was ihr tut. Gott wird am Tag der Auferstehung zwischen euch \u00fcber das urteilen, wor\u00fcber ihr uneins wart.\u201c (22,67-69) F\u00fcr das Verhalten der muslimischen Gemeinschaft bedeutet dies, dass sie den so genannten \u201eUngl\u00e4ubigen\u201c mit Milde entgegenkommen sollten und nicht als gnadenlose Richter. Der Gewaltaus\u00fcbung werden im Koran klare Vorschriften und enge Grenzen gesetzt. Sie haben das Ziel, nicht Gewalt zu legitimieren, sondern Gerechtigkeit und Frieden durch eine Eind\u00e4mmung von Gewalt zu erreichen. Zwei Beispiele m\u00f6gen an dieser Stelle gen\u00fcgen: \u201eWenn jemand einen t\u00f6tet, \u2026 so ist es, als h\u00e4tte er alle Menschen get\u00f6tet. Und wenn ihn jemand am Leben erh\u00e4lt, so ist es, als h\u00e4tte er alle Menschen am Leben erhalten.\u201c (5,31) \u201e\u2026wenn die Gegner sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und vertrau auf Gott. Er ist der, der alles h\u00f6rt und wei\u00df: Und wenn sie dich betr\u00fcgen wollen, dann gen\u00fcgt dir Gott.\u201c (8,61.62)<\/p>\n<p><strong>Islamische Friedenstheorie<\/strong><\/p>\n<p>Eine islamische Friedenstheorie beginnt schon mit der Achtsamkeit in der Sprache. Djihad bedeutet demnach nicht \u201eKrieg\u201c, sondern \u201eAnstrengung\u201c. Nicht von ungef\u00e4hr gibt es im Arabischen ein anderes Wort f\u00fcr Krieg (Harb) und bewaffnete Auseinandersetzung (Qital). Djihad muss deswegen als die \u201eHeilige Anstrengung\u201c bezeichnet werden \u2013 und kann als Eintreten f\u00fcr die Sache Gottes gewertet werden, sprich: f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit. Als Friedensliebende k\u00f6nnen wir heute zuversichtlich den Blick auf jene Bewegungen und Personen richten, die eine pazifistische und gewaltfreie Interpretation des Islam leben. In diese Richtung lenkt uns auch der Blickwinkel von Papst Franziskus in Fratelli Tutti.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, 29.10.2020 (revidierte Fassung: 4.2.2022)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Islam ist Frieden und nicht Gewalt: Von der gewaltfreien und sanftm\u00fctigen Mitte des Islam \u201eJ\u2019enseigne \u2013 donc je suis\u201c \u2013 \u201eich unterrichte, also bin ich\u201c In der N\u00e4he von Paris wurde am 16. Oktober 2020 ein 47-j\u00e4hriger Geschichtelehrer auf offener Stra\u00dfe enthauptet. Das Opfer hatte im Unterricht Mohammed-Karikaturen verwendet, um \u00fcber Meinungsfreiheit zu arbeiten. 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