{"id":5780,"date":"2020-11-22T05:48:21","date_gmt":"2020-11-22T05:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5780"},"modified":"2022-08-22T07:37:58","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:58","slug":"kein-lockdown-fuer-das-messianische-koenigreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5780","title":{"rendered":"Kein Lockdown f\u00fcr das messianische K\u00f6nigreich"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-5781\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Christk\u00f6nig-1.jpg\" alt=\"\" width=\"3120\" height=\"4160\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Christk\u00f6nig-1.jpg 3120w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Christk\u00f6nig-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Christk\u00f6nig-1-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 3120px) 100vw, 3120px\" \/>Ein anderes K\u00f6nigtum<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende eines Kirchenjahres k\u00f6nnen wir auf einen Mann blicken, der seine Herrschaft anders gestaltet hat als die K\u00f6nige und Herrscher dieser Welt: auf einen K\u00f6nig ohne Selbstdarstellung, ohne Machtall\u00fcren, ohne narzisstisches Stargehabe. Das messianische K\u00f6nigtum Jesu ist keine Herrschaft, die mit Gewalt daherkommt. Der Christk\u00f6nig steht f\u00fcr aktive Gewaltfreiheit bis zum Kreuz. Der j\u00fcdische K\u00f6nig aus Nazareth ist kein Despot, der andere unterdr\u00fcckt, um selbst gro\u00df sein zu k\u00f6nnen. Kein Regimekritiker muss in der Herrschaft Christi f\u00fcrchten, inhaftiert, gefoltert oder umgebracht zu werden. Der Christk\u00f6nig ist kein Autokrat, der r\u00fccksichtslos seine Interessen durchsetzt. Er ist kein Narzisst, der auf der Welle des Populismus daher schwimmt. Christus, der K\u00f6nig, ist so ganz anders und stellt damit die heutigen Gro\u00dfm\u00e4nner radikal infrage. Infrage gestellt werden aber auch jene, die sich nicht ihm, sondern den herrschenden K\u00f6nigen unserer Zeit verschrieben haben und diese mit Untert\u00e4nigkeit unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Ein gutes Ende<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende des Kirchenjahres, wenn wir das Christk\u00f6nigsfest feiern, werden wir getr\u00f6stet, dass das Ende der Welt nicht der pandemisch bedingte Zusammenbruch der Gesundheitssysteme, nicht die finale Klimakatastrophe, nicht der atomare Supergau, nicht der Dritte Weltkrieg und nicht ein Orwellsches 1984 sein wird. Das neue Reich ist auch nicht ein fiktives Reich, das Fundamentalisten jeder Religion in eine jenseitige Wirklichkeit projizieren. Eine solche Vorstellung w\u00e4re gef\u00e4hrliche Vertr\u00f6stung, die die bestehende Herrschaft stabilisierte. Die Gegenbotschaft an diesem Festsonntag ist so ganz anders.<\/p>\n<p>Mit Blick auf Christus l\u00e4sst sich diese Welt retten: Dann gelten die Menschenrechte f\u00fcr alle \u2013 insbesondere aber f\u00fcr jene, die in Notlagen sind. Die Waffenarsenale werden abgebaut und damit die Kriege ausgehungert. Die \u00f6konomischen Schieflagen werden begradigt und damit Gerechtigkeit hergestellt. Die Erhitzung der Erde wird eingebremst. Weil: Christus ist K\u00f6nig.<\/p>\n<p><strong>Ein gewaltfreier Weg<\/strong><\/p>\n<p>Wie freilich kommt nun dieser K\u00f6nig? Dies ist zweifellos zun\u00e4chst eine Frage mit politischem Anspruch, die auch so lauten k\u00f6nnte: Wie kommen Gerechtigkeit, Frieden und Vers\u00f6hnung mit der Sch\u00f6pfung?<\/p>\n<p>Christus, der K\u00f6nig, kommt nicht in eine heile Welt, sondern in eine Welt voller Verwundungen, Zerst\u00f6rungen und Kriege. Er kommt nicht mit Gewalt, sondern absolut gewaltfrei. Christus, der K\u00f6nig, kommt im Outfit jener, die sich in Krankenh\u00e4usern und Kliniken um die Coviderkrankten k\u00fcmmern. Christus, der K\u00f6nig, kommt heute in Gestalt von Hilfsorganisationen, die Fl\u00fcchtlinge im Mittelmeer retten. Christus als K\u00f6nig wird konkret greifbar in entwicklungspolitischen Organisationen, die sich nachhaltig gegen den Hunger einsetzen. Christus schl\u00e4ft bei den Obdachlosen und sucht sich Wege zu den Vereinsamten in den geschlossenen Altersheimen. Christusk\u00f6nig wird lebendig, konkret und hier und heute \u00fcberall dort, wo im Kleinen wie im Gro\u00dfen am Reich Gottes gebaut wird. Da z\u00e4hlt jeder kleine Handgriff und jeder kleine Schritt. Jene Menschen k\u00f6nnen sich am Christk\u00f6nigssonntag die Krone aufsetzen, die f\u00e4hig sind, die N\u00f6te ringsherum sowie in der Weite der Welt zu sehen und nach L\u00f6sungen zu suchen.<\/p>\n<p><strong>Christk\u00f6nig als k\u00f6niglicher Leithammel<\/strong><\/p>\n<p>Christus ist f\u00fcr uns Christinnen und Christen ein k\u00f6niglicher Leithammel. Damit w\u00e4re es eindeutig, was christliche Leitkultur ausmachen w\u00fcrde. Der Wertekanon ist nicht beliebig: Da wird nicht mehr gestohlen. Weltweit werden heute 50 Prozent der Fl\u00e4chen in den Entwicklungsl\u00e4ndern f\u00fcr Futtermittel und damit f\u00fcr den hohen Fleischkonsum angebaut. Ein christk\u00f6niglicher Lifestyle k\u00f6nnte daher bedeuten, weniger oder kein Fleisch zu essen. Da wird nicht mehr f\u00fcr Kriege ger\u00fcstet und produziert. Die milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung in den EU-L\u00e4ndern ist ein Widerspruch zum Christk\u00f6nigssonntag. Wer dem Leithammel Christus folgt, passt sich nicht an die herrschende Kultur an. Die messianische Lebensweise erweist sich in einem entsprechenden Konsum- und Mobilit\u00e4tsverhalten, das ressourcen- und energieschonend ist. Die Kr\u00f6nchen und Kronen werden bei den Extinction-Now- oder Fridays-for-Future-Aktivit\u00e4ten aufgesetzt, wo in der Dominanz des einen gro\u00dfen Themas die noch gr\u00f6\u00dfere Gefahr nicht vergessen wird.<\/p>\n<p><strong>Das Weltgericht<\/strong><\/p>\n<p>Das Evangelium zum Christk\u00f6nigssonntag ist die gro\u00dfe Gerichtsrede im Matth\u00e4usevangelium. \u00dcber die Jahrhunderte und gerade in Umbruchszeiten hat sie K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler inspiriert, das \u201eJ\u00fcngste Gericht\u201c in Bildern und Gem\u00e4lden darzustellen. Die gemalten Fantasien haben sich in unseren Gehirnen festgesetzt. Ich denke etwa an Michelangelos Weltgericht in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Da werden jene Menschen, die auf der linken Seite sind, von h\u00f6llischen Wesen grausam in die Tiefe gerissen, gefoltert und gequ\u00e4lt. Jene auf der rechten Seite werden aber von Engeln in eine paradiesische Welt versetzt. Der gro\u00dfe Richter ist Jesus. Es sind Szenen, wie sie in Kirchen- und Friedhofsfresken \u00fcberall in unserem Land zu finden sind. Sie k\u00f6nnten Angst ausl\u00f6sen und im Sinne einer bedrohlichen Schwarzen P\u00e4dagogik missverstanden werden.<\/p>\n<p><strong>Der Abstieg vom Thron<\/strong><\/p>\n<p>Dabei zeigt uns das Evangelium vom Christk\u00f6nigssonntag zugleich etwas ganz Neues auf \u2013 und es ist letztlich die radikalste Kehrtwendung im Denken \u00fcber K\u00f6nige, die zu einer neuen Praxis f\u00fchren kann. Wo ist n\u00e4mlich Christus, der K\u00f6nig, zu finden? Die Sinnspitze des Evangeliums lautet: \u201eWas ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.\u201c Der Menschensohn wird also in dieser Welt sicht-, h\u00f6r-, f\u00fchlbar. Die k\u00f6ngliche W\u00fcrde findet sich in jeder Person. Diese W\u00fcrde wird verletzt, wo ein Mangel an Lebenschancen gegeben ist. Wo und wie, das beschreibt das Evangelium mehrfach. Der Christk\u00f6nig ist in einer Person zu finden, die hungert, die friert, die Durst hat, die krank ist, die fremd ist, die eingesperrt ist oder unter dem Existenzminimum lebt. Damit wird auch letztlich die Antwort darauf gegeben, wann denn dieses Weltgericht, dieses \u201eJ\u00fcngste Gericht\u201c, stattfindet. Es ist nicht ein fernes Ereignis, sondern findet konkret und hier in dieser Welt statt.<\/p>\n<p><strong>Christk\u00f6nigliches politisch, daheim und allt\u00e4glich<\/strong><\/p>\n<p>Der Fokus des Christk\u00f6nigssonntag liegt sicherlich auf den politischen Fragen, die damals im Jahre 70 nach Christi Tod und unmittelbar nach der totalen Zerst\u00f6rung Jerusalems und w\u00e4hrend der Christenverfolgung besonders pr\u00e4sent waren. Daher ist im Evangelium von einem &#8222;Thron&#8220; die Rede, auf dem der Menschensohn Platz nehmen wird, der ein unmissverst\u00e4ndlicher politischer Code ist. Nicht der Thron des Kaisers wird Bestand haben. Das gilt zu allen Zeiten. F\u00fcr die Gl\u00e4ubigen in der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus war der Christk\u00f6nigssonntag ein politisches Signal. So haben die Tausenden Jugendlichen im November 1938 &#8211; noch im Erschrecken angesichts der Reichspogromnacht &#8211; bei einer Feier am Vorabend des Christk\u00f6nigssonntag laut gerufen: &#8222;Christus ist unser K\u00f6nig&#8220; und damit auch gemeint: Nicht Hitler ist unser F\u00fchrer. An diesem Sonntag braucht es dringend eine politische Sprache! 24 Millionen Menschen sind im Jemen von Hunger bedroht! F\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge in den Lagern auf griechischen Inseln wird die Lage immer dramatischer. Die klimasch\u00e4dlichen Emissionen steigen und die katastrophalen Folgen der Erderhitzung nehmen zu.<\/p>\n<p>Aber auch im Kleinen unserer eigenen vier W\u00e4nde, in die uns der Lockdown zwingt, gibt es schon viel zu tun. Wer eine weinende Person tr\u00f6stet, hat selbst ein christk\u00f6nigliches Kr\u00f6nchen auf und erkennt Jesus in den Wunden der Seele. Wer gegen die K\u00e4lte mit Umarmungen \u2013 real oder virtuell &#8211; nicht spart, der oder die tr\u00e4gt wie Christus heute das Kr\u00f6nchen auf dem Kopf. Wenn im Evangelium von Hunger die Rede ist, dann ist sicherlich zun\u00e4chst der physische Hunger gemeint. Ganz nahe liegend geht es aber oft auch um den Hunger nach Liebe oder einfach nach einer anerkennenden Geste, nach Worten und Zeichen, die aufmuntern und befreien.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Christk\u00f6nigssonntag 2020<br \/>\n(Bild: In der Emmauskirche von V\u00f6ls, Patricia Karg)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Christk\u00f6nig-1.jpg' class='thumbnail' \/>Ein anderes K\u00f6nigtum Am Ende eines Kirchenjahres k\u00f6nnen wir auf einen Mann blicken, der seine Herrschaft anders gestaltet hat als die K\u00f6nige und Herrscher dieser Welt: auf einen K\u00f6nig ohne Selbstdarstellung, ohne Machtall\u00fcren, ohne narzisstisches Stargehabe. Das messianische K\u00f6nigtum Jesu ist keine Herrschaft, die mit Gewalt daherkommt. 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