{"id":5954,"date":"2021-01-04T18:57:44","date_gmt":"2021-01-04T18:57:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5954"},"modified":"2026-02-02T16:34:09","modified_gmt":"2026-02-02T16:34:09","slug":"der-schwarze-koenig-melchior","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=5954","title":{"rendered":"Der schwarze K\u00f6nig"},"content":{"rendered":"<p><strong>Damals ist nicht heute<\/strong><\/p>\n<p>Damals, als ich selbst noch als Sternsinger mitging und mitsang, liebte ich es, als \u201eMohr\u201c zu gehen, hatten meine Eltern doch ein Schuhgesch\u00e4ft und schwarze Schuhcreme zu besorgen, lag mir nahe. Die Haut wurde kr\u00e4ftig mit Nivea eingeschmiert, damit sich die schwarze Schmiere auch etwas leichter l\u00f6sen l\u00e4sst, was doch nie so ganz gl\u00fcckte und die Haut nicht wenig reizte. Nein, das Schwarzf\u00e4rben hatte damals nichts mit Rassismus zu tun. Es geh\u00f6rte einfach zu den \u201eheiligen drei kini\u201c dazu. Es war auch noch nicht rassistisch, als der so Schwarzgef\u00e4rbte als \u201eMohr\u201c oder \u201eNeger\u201c bezeichnet wurde. Es war auch nicht rassistisch, wenn bei der Kassa im kleinen Lebensmittelgesch\u00e4ft ein \u201enickender Mohr\u201c stand mit dem Schild darunter: \u201eF\u00fcr die Weltmission.\u201c Wenn ich 10 Groschen in die Kassa warf, dann nickte der Schwarze. Damals.<\/p>\n<p>Wir leben heute nicht im Gestern. Heute hat \u201eBlackfacing\u201c eine andere Bedeutung bekommen. Heute w\u00fcrde auch niemand mehr jemanden mit schwarzer Hautfarbe als \u201eNeger\u201c bezeichnen. Und zum Gl\u00fcck sind die \u201enickenden Neger\u201c als Spendenb\u00fcchsen l\u00e4ngst aus den Gesch\u00e4ften verschwunden. Ich darf nicht so einfach das Gestern mit dem Heute vergleichen. Was heute als rassistisch missverstanden werden k\u00f6nnte, war es damals eben noch nicht.<\/p>\n<p><strong>Der traditionelle Hintergrund des schwarzen K\u00f6nigs<\/strong><\/p>\n<p>Ich mag es, in der Weihnachtszeit Krippen zu schauen. Sie sind so voller Dynamik des Heilsgeschehens, dass ich immer wieder fasziniert davor stehe. Egal, ob es die gro\u00dfe barocke Krippe mit den Wachsfiguren in einer Seitenkapelle der Jesuitenkirche in Hall ist, oder eine der ber\u00fchmten Giner-Krippen mit den so wunderbar geschnitzten Holzfiguren, \u00fcberall wird einer der K\u00f6nige mit schwarzer Hautfarbe dargestellt, manchmal sogar \u00fcbertrieben stereotyp mit \u00fcberdimensionierten Lippen. Die ikonographische Darstellung von einem schwarzen K\u00f6nig ist jahrhundertealt. Sie entspricht dem damaligen Weltverst\u00e4ndnis: die symbolische Bedeutung von Repr\u00e4sentanten der drei bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika.<\/p>\n<p><strong>Heute: Schwarze f\u00fchlen sich diskriminiert<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es in dieser ganzen Diskussion wichtig, auf jene zu h\u00f6ren, die sich heute gegen Rassismus engagieren. Ihr Sprachrohr sind Bewegungen und Initiativen wie \u201eBlack Voices\u201c, die auf den rassistischen Hintergrund von &#8222;Blackfacing&#8220; hinweisen und dazu gerade ein Volksbegehren gestartet haben. Anti-Rassismus-Organisationen sind sich heute einig: Wenn sich Wei\u00dfe schwarz anmalen, handelt es sich um Rassismus. Sie f\u00fchren dazu einige Argumente an:<\/p>\n<p>Ein erstes Argument ist ein Blick auf eine andere Geschichte: Bereits im 18. Jahrhundert haben wei\u00dfe Menschen ihre Gesichter dunkel bemalt, um Schwarze in sogenannten &#8222;Minstrel Shows&#8220; als stets fr\u00f6hliche, aber dumme Sklaven zu degradieren.\u00a0 Diese Geschichte spielt freilich in einem anderen Land und unter den Bedingungen der Sklaverei.<\/p>\n<p>Wichtiger ist daher ein zweites Argument. Die Identit\u00e4t und Erfahrungen schwarzer Menschen w\u00fcrde wie ein Kost\u00fcm behandelt, das Wei\u00dfe beliebig an- und ablegen k\u00f6nnen. Die Identit\u00e4t eines Menschen h\u00e4ngt nicht von seiner Hautfarbe ab.<\/p>\n<p>Gesichtsschw\u00e4rzen hat heute die Unschuld verloren. Daher bitten Initiativen wie \u201eBlack Voices\u201c auf die Praxis des Gesichtsschw\u00e4rzens zu verzichten.\u00a0Der auch in unserem Land weiterhin vorhandene Alltagsrassismus, der keinem schwarzgef\u00e4rbten Jungscharkind unterstellt wird!, fordert uns jedenfalls dazu auf, achtsam mit einer mehrdeutigen Symbolik umzugehen. Ver\u00e4nderte kulturelle Bedingungen bewirken eine ver\u00e4nderte Deutung von Symbolen.<\/p>\n<p><strong>Die Position der Katholischen Jungschar<\/strong><\/p>\n<p>In der ganzen Debatte \u00fcber Blackfacing sollten jene zu Wort kommen, die Verantwortung f\u00fcr die Dreik\u00f6nigsaktion tragen und sich sehr achtsam und differenziert zu diesem Thema eingebracht haben. Die Verantwortlichen der Katholischen Jungschar \u00d6sterreichs finden es wichtig, sich dieser Diskussion zu stellen. Martin Hohl, als Hauptverantwortlicher f\u00fcr die DKA, meinte, dass die Sternsinger auf keinen Fall die Gef\u00fchle von benachteiligten Menschen verletzen wollten. So haben sie in diesem Jahr beim Besuch des Bundespr\u00e4sidenten auf Blackfacing verzichtet. Auf der Website der Katholischen Jungschar sind Kinder mit unterschiedlichen ethnischen Hintergr\u00fcnden als Sternsinger abgebildet. Die Katholische Jungschar S\u00fcdtirols schreibt zu diesem Thema mit viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen: \u201eDeshalb m\u00fcssen wir uns in n\u00e4chster Zeit mit unseren Traditionen und unserem Brauchtum auseinandersetzen. Wir wollen offen und sensibel diesem Thema gegen\u00fcber sein, denn niemand soll sich durch geschminkte K\u00f6niginnen und K\u00f6nige angegriffen f\u00fchlen oder beleidigt werden. Wir glauben, dass der urspr\u00fcngliche Sinn der Tradition besser deutlich wird, wenn Kinder als Sternsingerinnen und Sternsinger so gehen, wie sie eben sind: vielf\u00e4ltig in ihrem Aussehen.\u201c<\/p>\n<p>Die Blackfacing-Debatte sollte nicht dazu f\u00fchren, den eigentlichen Sinn der Dreik\u00f6nigsaktion in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen. Es geht um die entwicklungspolitische Arbeit der Jungschar, die einerseits in 500 Projekten nachhaltig, gezielt und mit sehr viel Expertise jenen hilft, die jetzt gerade durch die Corona-Pandemie noch zus\u00e4tzlich in eine schwere Krise geraten sind, und andererseits zugleich auch in unserem Land in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit beginnend mit den Kindern t\u00e4tig ist.<\/p>\n<p><strong>Brauchtum kann sich \u00e4ndern<\/strong><\/p>\n<p>Bis in die 1970er-Jahre hinein war es Brauch, dass M\u00e4dchen nicht als Sternsingerinnen gehen konnten. Heute w\u00e4re es undenkbar, weil gerade die K\u00f6niginnen so wichtig geworden sind. Eine neue Symbolbildung und sensible Brauchtumspflege ist m\u00f6glich. Das bedeutet beispielsweise auch, dass in unserem multikulturellen Kontext ganz bewusst auch Menschen mit anderer ethnischer Herkunft zum Sternsingen eingeladen werden.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damals ist nicht heute Damals, als ich selbst noch als Sternsinger mitging und mitsang, liebte ich es, als \u201eMohr\u201c zu gehen, hatten meine Eltern doch ein Schuhgesch\u00e4ft und schwarze Schuhcreme zu besorgen, lag mir nahe. 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