{"id":6379,"date":"2021-05-13T05:51:17","date_gmt":"2021-05-13T05:51:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6379"},"modified":"2022-08-22T07:37:55","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:55","slug":"blickrichtung-nach-unten-am-himmelfahrtstag-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6379","title":{"rendered":"Blickrichtung nach unten am Himmelfahrtstag"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6380\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/canis-bild-6.jpg\" alt=\"\" width=\"4160\" height=\"3120\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/canis-bild-6.jpg 4160w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/canis-bild-6-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/canis-bild-6-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/canis-bild-6-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4160px) 100vw, 4160px\" \/>Vertr\u00f6stungen \u00fcberwinden<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDen Himmel \u00fcberlassen wir den Engeln und den Spatzen.\u201c Es ist der bekannteste Satz aus dem \u201eWinterm\u00e4rchen\u201c von Heinrich Heine. 200 Jahre sp\u00e4ter hat dieser Aphorismus nichts an Aussagekraft eingeb\u00fc\u00dft. Auch am heutigen Himmelfahrtstag soll dieses \u201eneue\u201c, dieses \u201ebessere Lied\u201c gesungen werden. Es ist wirklichkeitszugewandt und lustorientiert; es will den Himmel auf Erden und fordert zum Handeln f\u00fcr soziale Gerechtigkeit und Gleichheit auf. Es geht vom Wissen aus, dass \u201ehienieden Brot genug f\u00fcr alle Menschenkinder\u201c w\u00e4chst \u2013 \u201eauch Rosen und Myrten, Sch\u00f6nheit und Lust und Zuckererbsen nicht minder\u201c. Heute w\u00fcrden wir sagen: Das Leben b\u00f6te gen\u00fcgend Lust, wenn sie befreit, gelebt und nicht unterdr\u00fcckt w\u00fcrde. Die Welt b\u00f6te gen\u00fcgend Lebensmittel f\u00fcr alle \u2013 wenn sie nur gerecht verteilt w\u00e4ren. Ein gutes Leben f\u00fcr alle, das mit den einlullenden \u201eEiapopeias\u201c der Konsum- und Werbeindustrie und den populistischen Heilsversprechern nichts gemein hat, das w\u00e4re m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Kirchen vertr\u00f6sten nicht mehr<\/strong><\/p>\n<p>Anders als in der Zeit, als Heine sein \u201eWinterm\u00e4rchen\u201c dichtete, haben sich die Kirchen positioniert. Sie haben den Mut, das \u201eirdische Jammertal\u201c in den Blick zu nehmen, die Fl\u00fcchtlingskatastrophen anzuklagen, die ungerechten Verteilungen zu kritisieren und vor allem auf die Folgen der Erderhitzung hinzuweisen. Einen \u201ePfaffensegen\u201c \u2013 von dem Heine kritisch schreibt \u2013 gibt es heute nicht mehr f\u00fcr postfaktische Vertr\u00f6stungen, sondern einen kirchlichen Segen f\u00fcr Fl\u00fcchtlings- und Sozialinitiativen, f\u00fcr Klimaschutzma\u00dfnahmen und Friedensbem\u00fchungen \u2013 ja, und auch f\u00fcr die Liebe, die in Beziehungen und Freundschaften gelebt wird (egal ob hetero- oder homosexuell!). Lange vor dem Dichtergenie Heinrich Heine hat der Evangelist Lukas als Autor der Apostelgeschichte mit der Himmelfahrtslegende die jesuanische Grundbotschaft als Verm\u00e4chtnis festgeschrieben. \u201eSchaut nicht hinauf \u2026\u201c, gibt Jesus seinen J\u00fcngerinnen und J\u00fcngern als letzte Worte mit auf den Weg, bevor er ihren Blicken entschwindet. Schaut euch in die Augen, ganz tief, um die Freude oder den Schmerz der anderen erfahren zu k\u00f6nnen. Schaut auf jene, von denen Bert Brecht in der \u201eDreigroschenoper\u201c schreibt \u201edie im Dunkeln sieht man nicht\u201c. Der \u00f6sterliche Blick sieht sie sehr wohl. Heute sagt uns Jesus: Schaut hinter die Betonw\u00e4nde der Fl\u00fcchtlingslager auf Lesbos und auf die verzweifelte Lage der Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen. Schaut auf jene, denen inmitten der Krise das Arbeitslosengeld gek\u00fcrzt werden soll. Heinrich Heine, Bert Brecht und Jesus von Nazaret, sie eint das Bem\u00fchen um ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. Daf\u00fcr hat dieser Jesus gek\u00e4mpft und daf\u00fcr ist er gestorben. Nicht weniger erwartet er von seinen Kirchen heute. Daher beten wir im \u201eVater unser\u201c: \u201eDein Reich komme \u2026 wie im Himmel so auf Erden!\u201c Der Himmelfahrtstag bewahrt uns vor einer Genickstarre und l\u00e4sst uns lustvoll und mit Freude, engagiert und mit Wut im Bauch auf diese Welt und unser eigenes Leben blicken. Eine andere Welt ist m\u00f6glich, eine himmlische Welt, hier unten, in meinem und deinem und unserem Leben.<\/p>\n<p>Klaus Heidegger, Christi Himmelfahrt 2021, 13.5.2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/canis-bild-6.jpg' class='thumbnail' \/>Vertr\u00f6stungen \u00fcberwinden \u201eDen Himmel \u00fcberlassen wir den Engeln und den Spatzen.\u201c Es ist der bekannteste Satz aus dem \u201eWinterm\u00e4rchen\u201c von Heinrich Heine. 200 Jahre sp\u00e4ter hat dieser Aphorismus nichts an Aussagekraft eingeb\u00fc\u00dft. Auch am heutigen Himmelfahrtstag soll dieses \u201eneue\u201c, dieses \u201ebessere Lied\u201c gesungen werden. 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