{"id":6711,"date":"2021-09-19T08:14:28","date_gmt":"2021-09-19T08:14:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6711"},"modified":"2022-08-22T07:37:54","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:54","slug":"habicht-persoenlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=6711","title":{"rendered":"Habicht pers\u00f6nlich"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6712\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/ha-5.jpg\" alt=\"\" width=\"4160\" height=\"3120\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/ha-5.jpg 4160w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/ha-5-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/ha-5-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/ha-5-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4160px) 100vw, 4160px\" \/>Er ist einer der ganz Gro\u00dfen der Stubaier Alpen. Der Habicht. Ein m\u00e4chtiger Berg, der noch m\u00e4chtiger wirkt, weil er so frei im hinteren Stubai steht und die Berge davor, Elfer, Zw\u00f6lfer und selbst Kirchdach und Illmspitze, klein aussehen l\u00e4sst. Wenn ich mit dem Rad von Absam nach Innsbruck fuhr, dann schaute ich oft hinein ins Stubai, wo hinter der Serles dieser Gipfel \u00fcber alle andere zu thronen scheint. Bereits drei Mal stand ich auf seiner Spitze. Ich verbinde ihn mit Studienzeit und Freundschaft. 13 Jahre sind seit dem letzten Mal vergangen. Meine Welt ist heute anders geworden.<\/p>\n<p>6.15. Start beim Gasthof Feuerstein. Wir w\u00e4hlen die Direttissima hinauf zur Innsbrucker H\u00fctte. Sie beginnt kurz nach der Talstation der Materialseilbahn. Die letzten Male ging ich den normalen Steig, der weiter n\u00f6rdlich beginnt und weniger steil hinaufzieht. Ein Samstag in der Mitte des Septembers. Der Wetterbericht ist verhei\u00dfend. Noch ist es dunkel. Die Stirnlampen leuchten den Serpentinensteig aus. Erde und Steine sind nass. Schnell gewinnen wir an H\u00f6he. Der Steig windet sich die steile Flanke hinauf. Noch sind wir im Nebel. Wir wecken eine Schafherde auf. Weiter oben treffen wir auf einen Hirten, der versprengte Schafe zu ihrer Herde zur\u00fcckf\u00fchrt. Kurzer Smalltalk \u00fcber die vier Schafe, die ihre Herde verlie\u00dfen. Die Schafe hier haben es jedenfalls gut: Fast unendlich viel Auslauf, ein Zusammensein in der Herde, einen besorgten J\u00e4ger, bestes Futter. Keine Lebensweise wie jene der Millionen Nutztiere in Massentierhaltung, Schweine auf engstem Raum und auf Vollspaltboden. Die L\u00e4mmer hier im Gebirge k\u00f6nnen ihrem Mamaschaf folgen, das liebevoll bl\u00f6kend den Nachwuchs im Auge hat. Auch das Tiergl\u00fcck ist hier oben und die Frage nach dem Wolf taucht dabei auf. Tats\u00e4chlich soll er hier in den Stubaier Alpen bereits gesichtet worden sein.<\/p>\n<p>Um 8.00 sind wir auf der Innsbrucker H\u00fctte. Kurze Rast ebendort. Einige H\u00fctteng\u00e4ste sind bereits zum Gipfel aufgebrochen. Bald schon sind wir \u00fcber dem Hochnebel. Es bietet sich ein grandioser Blick \u00fcber die nebelbedeckten T\u00e4ler, aus denen die schroffen Gipfel \u2013 vor allem die Felsbastionen der Tribulaune im S\u00fcden \u2013 ragen. Der Steig ist an exponierten Stellen mit Drahtseilen gut gesichert. Das Firnfeld ist inzwischen klein geworden und die Gr\u00f6del hatten wir umsonst eingepackt. Wir haben das gleiche Tempo \u2013 nur beim Klettern bremse ich etwas ab. Die kurzen Pausen abgerechnet sind es f\u00fcr etwas mehr als 8 Kilometer weniger als 4 Stunden vom Tal zum Gipfel auf 3277 m, fast genau 2000 H\u00f6henmeter. Es tut so gut, nicht alleine unterwegs zu sein, sondern im freundschaftlichen Gleichklang. Wie die Schritte \u00fcber den Abgr\u00fcnden nur gelingen, wenn das Gleichgewicht funktioniert, so sucht auch die Seele hier oben \u00fcber den Wolken das Gleichgewicht. Der Gipfel ist ger\u00e4umig \u2013 so ganz anders als der Elfer, auf dem kaum eine Person Platz findet. Ich schaue hinunter in die S\u00fcdwestflanke, \u00fcber die im Winter die extrem steile Skitourroute verl\u00e4uft, und rundum: Freiger, Zuckerh\u00fctl, Rinnenspitze, L\u00fcsener Villerspitze, L\u00fcsener Fernerkogel, Grieskogel, Winnebacher, Zischgeles, L\u00e4ngentaler Wei\u00dfkogel, \u2026 und im Norden Bettelwurf, Lamsenspitze, Elfer, Zw\u00f6lfer, Kirchdach, Kaserer \u2013 das Panorama liest sich wie ein Tagebuch vom heurigen Winter und Sommer. Der Habichtgletscher mit kr\u00e4ftigen Randspalten in der Nordwand ist stark reduziert. Die Erderhitzung wird ihn wohl bald g\u00e4nzlich verschwinden lassen. Ich schicke meine geistigen Gr\u00fc\u00dfe hinunter ins Tal zu meinen Gleichgesinnten, die zur Stunde eine Menschenkette zur Rettung der Menschenrechte bilden. Ich strecke meine Hand hinaus und unsichtbar reicht die Kette von Innsbruck bis zum Habicht hinauf.<\/p>\n<p>Der Abstieg mit den Bergschuhen ist angenehm. Damit l\u00e4sst sich \u00fcber die Granitfelsen h\u00fcpfen, ohne die B\u00e4nder zu beanspruchen, und auch der Tritt ist sicher \u2013 solange es keine unabsichtlichen Umwege gibt. W\u00e4hrend wir absteigen, steigen immer noch andere auf. Bei Kaspresskn\u00f6del und Schmarren vom freundlichen H\u00fcttenpersonal auf der Panoramaterrasse der Innsbrucker H\u00fctte werden K\u00f6rper und Seele gen\u00e4hrt. Covid macht vor der H\u00f6he nicht Halt. Auch hier oben gilt die 3-G-Regel. Da mein Nachweis am Handy verschwunden ist, mache ich noch einen Schnelltest. Mountainbiker sind vom Pinnistal mit ihren Bikes herauf gefahren. Tats\u00e4chlich sehen die Kehren hinunter ins Stubai gut befahrbar aus. Werde ich wohl auch einmal probieren. Wir springen den einsamen Steig unter der Materialseilbahn hinunter ins hintere Gschnitztal. Die T\u00e4ler haben mich wieder mit ihren Asphaltstra\u00dfen und Schluchten, wo Trittsicherheit einer anderen Art gefragt ist. Zum Gl\u00fcck gibt es aber auch dort Menschen, die einander Sicherheit schenken in den Herausforderungen des Alltags.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/ha-5.jpg' class='thumbnail' \/>Er ist einer der ganz Gro\u00dfen der Stubaier Alpen. Der Habicht. Ein m\u00e4chtiger Berg, der noch m\u00e4chtiger wirkt, weil er so frei im hinteren Stubai steht und die Berge davor, Elfer, Zw\u00f6lfer und selbst Kirchdach und Illmspitze, klein aussehen l\u00e4sst. 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