{"id":7656,"date":"2022-07-05T16:38:23","date_gmt":"2022-07-05T16:38:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7656"},"modified":"2022-08-22T07:37:33","modified_gmt":"2022-08-22T07:37:33","slug":"tag-4-capri-meeresfelsenschoenheit-als-treibstoff-fuer-den-massentourismus-wie-fuer-reich-maechtig-society","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=7656","title":{"rendered":"Tag 4 &#8211; Capri: Meeresfelsensch\u00f6nheit als Treibstoff f\u00fcr den Massentourismus wie f\u00fcr Reich-M\u00e4chtig-Society"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-7657\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-52.jpg\" alt=\"\" width=\"4608\" height=\"3456\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-52.jpg 4608w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-52-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-52-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-52-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 4608px) 100vw, 4608px\" \/>Die Schiffe mit ihren Dieselmotoren spucken t\u00e4glich 7000 Touristen und Touristinnen am Hafen von Capri aus. Bis zu 30.000 sollen es an einem Wochenende sein. F\u00fcr meine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ist der heutige Tag in mehreren Dimensionen ein lebendiger Anschauungsunterricht.<\/p>\n<p>Wir erleben, wie Tourismus funktioniert. Dies ist ideal f\u00fcr das Fach Geographie und Wirtschaftskunde. Und so geht&#8217;s: Man braucht vor allem ein paar herausragend sch\u00f6ne und m\u00f6glichst sensationelle und historisch aufgeladene Sights. F\u00fcr Capri ist es die blaue Grotte und sind es ein paar besondere Felsbl\u00f6cke an der K\u00fcste. Capri geht ein besonderer Ruf voraus, der ein eigenes Marketing nicht mehr n\u00f6tig hat. Diese Insel im Golf von Neapel ist die Insel der Reichen und M\u00e4chtigen, \u00fcber die geschrieben und berichtet wird. So wurde Capri zum Sehnsuchtsort stilisiert.<\/p>\n<p>Nach einer Bootsfahrt im traumhaft tiefblau-t\u00fcrkisen Wasser hin\u00fcber zu der Insel mit den steilen Klippen und Felsw\u00e4nden beginnt zun\u00e4chst das Tourismustreiben in Capri Marina. Wir teilen uns in Gruppen auf, die eigenst\u00e4ndig die Insel in 5 Stunden erkunden k\u00f6nnen. Ins Zentrum zu den Nobelboutiquen von Capri fahre ich nicht hinauf. Die Stra\u00dfen w\u00fcrden nach den Textilien der exquisiten Nobelmarken riechen. Auch den Ansturm auf die blaue Gotte lasse ich aus. Es hie\u00dfe f\u00fcr mich unter den Tausenden zu sein: Rein ins Boot, rein in die Grotte, blaues Licht bewundern, raus aus der Grotte. Es w\u00e4ren 35-50 Euro ins Tourismusbudget geflossen. Weiters braucht es f\u00fcr jeden Tourismusort einige wenige Konsumg\u00fcter, die mit der Lokalit\u00e4t verkn\u00fcpft sind. F\u00fcr Capri sind es handgefertigte Ledersandalen, die sich bestenfalls eignen, um sich auf den Teppichb\u00f6den der Luxushotels zu bewegen. Hauptprodukt sind aber Zitronen, die vor allem als Limoncello in den Bars angeboten oder als Flaschen verkauft werden \u2013 um so den Zuckergehalt der Touristinnen und Touristen wieder in die H\u00f6he zu bringen. Zitronenstrukturen gibt es auch auf den angepriesenen Tontellern, Sch\u00fcrzen, Servietten, Flaschenst\u00f6pseln, Socken \u2013 eigentlich auf allem, was vermarktbar ist, \u00e4hnlich wie in den Souvenirshops von Venedig der Markusdom oder in Paris der Eifelturm zu finden ist. \u201eI was here\u201c, kann der Besitzer damit stolz signalisieren. \u201eI was on Capri.\u201c<\/p>\n<p>Einige Meter hinter dem Hafen wird es ruhig. Von dort aus ist ein treppenf\u00f6rmiger Weg steil hinauf nach Anacapri angelegt, die zweite Ortschaft dieser Insel. Bevor Ende des 19. Jahrhunderts eine Stra\u00dfe in die fast senkrechte Felswand gebaut wurde, war dieser Pfad, der auf die griechische Besiedelung zur\u00fcck geht, die einzige Verbindung zwischen Capri unten und Anacapri oben. Hinaufgehend ist es mir m\u00f6glich, mich auf die Fauna der Mittelmeerinsel einzulassen, den Zitronenbaum \u2013 jetzt sind die Zitronen wirklich echt und deren Geschmack ist nicht zu Alkohol oder Parfum transformiert worden. An einem anderen Baum wachsen Physalis. Die Bl\u00fcten einer tropischen Kletterpflanze mit kr\u00e4ftig violetten Bl\u00fctenbl\u00e4ttern und dreistiligen Fruchtbl\u00e4ttern sind wundersch\u00f6n. In einer Touristenstra\u00dfe in Anacrapi schalte ich wieder meine Sinne aus und fl\u00fcchte den Bergpfad hinauf zum Monte Solaro. Gef\u00fchlt Millionen von Zikaden zirpen in der Mittagshitze. Hunderte von Eidechsen flitzen erschrocken \u00fcber den unerwarteten Wanderer \u00fcber den Pfad. Eine d\u00fcnne schwarze Schlange hat ebendiesen erschreckt. Auf den Gipfel Monte Solaro f\u00fchrte auch eine altert\u00fcmliche Sesselbahn und der Rundumblick auf Capri und das Meer zu allen Seiten ist wirklich beeindruckend. Statt Gipfelrestaurant gehe ich durch Macchie noch auf einen benachbarten Gipfel im Osten und weiter zu einem Aussichtspunkt hoch \u00fcber der Stadt Capri. Hier bin ich wirklich ganz alleine, w\u00e4hrend unten sich auf engstem Raum die Touristenmassen stauen.\u00a0Die Felsformationen der K\u00fcste sind wirklich etwas Besonderes. Tiefblau ist das Meer \u2013 geht es doch mehr als 3000 Meter in die Tiefe. Steil sind die Klippen. Zu viele Motorboote oder Jachten nehmen aber etwas vom nat\u00fcrlichen Reiz der Landschaft. Bei der R\u00fcckfahrt ans Festland umkreist unser Boot die Insel und f\u00e4hrt als besonderen Leckerbissen auch durch die Felsh\u00f6hle von einem der drei vorgelagerten imposanten Klippenfelsen, die auf keinem Touristenbild von Capri fehlen d\u00fcrfen. Der Vesuv hinter dem Golf von Neapel und das Festland der sorrentinischen Halbinsel sind als Orientierungspunkte im Osten. Im Nordwesten tauchen die Umrisse von Ischia auf.<\/p>\n<p>Capri eignete sich auch, um in die Geschichte zu blicken und daraus zu lernen: Von bekannten reichen M\u00e4nnern, die diskriminierenden Schwulenparagraphen in ihren Heimatl\u00e4ndern entflohen und hier ein Refugium fanden. Von einem der reichsten M\u00e4nner Deutschlands, Alfred Krupp, dessen Reichtum auf Krieg beruhte und der zum Ehrenb\u00fcrger von Capri wurde. Dass es eine kleine, superreiche Schicht gibt, sehen wir an den Luxus-Jachten, die um Capri kreisen. In meinen Gedanken sehe ich die Verarmten von Neapel, die gestrandeten Existenzen, die Arbeit und Job und oft auch den Halt in einer Familie verloren haben, die zu Habenichtsen geworden sind und die Sch\u00f6nheit dieser Insel wohl nie erleben werden, obwohl sie nur einen Steinwurf von ihr entfernt wohnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/amalfi-52.jpg' class='thumbnail' \/>Die Schiffe mit ihren Dieselmotoren spucken t\u00e4glich 7000 Touristen und Touristinnen am Hafen von Capri aus. Bis zu 30.000 sollen es an einem Wochenende sein. F\u00fcr meine Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ist der heutige Tag in mehreren Dimensionen ein lebendiger Anschauungsunterricht. Wir erleben, wie Tourismus funktioniert. Dies ist ideal f\u00fcr das Fach Geographie und Wirtschaftskunde. 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