{"id":8255,"date":"2022-11-19T19:46:39","date_gmt":"2022-11-19T19:46:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8255"},"modified":"2022-11-19T19:46:39","modified_gmt":"2022-11-19T19:46:39","slug":"salzburgspaziergang-an-einem-sitzungstag-am-fest-der-hl-elisabeth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8255","title":{"rendered":"Salzburgspaziergang an einem Sitzungstag am Fest der Hl. Elisabeth"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8256\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn ich zu einer Sitzung in irgendeine Stadt fahre, nehme ich manchmal einen fr\u00fcheren Zug, um mich gedanken- und gef\u00fchlsversunken auf die Stimmungen und Schwingungen einer Stadt einzulassen, die meist wiederum harmonisch oder disharmonisch zu meinen eigenen Schwingungen sind und diese manchmal schier unertr\u00e4glich verst\u00e4rken. Diesmal ist es Salzburg am fr\u00fchen Vormittag mit typisch melancholischem, d\u00fcsterem Novemberwetter, in dem die Wolken dr\u00fcckend tief h\u00e4ngen. Als Ohrwurm ist mir noch Leonard Cohens \u201ebroken Hallelujah\u201c im Herzen, wor\u00fcber ich abends zuvor im Kino einen tiefsinnigen Film sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Bahnhof in Richtung Stadtzentrum hocken in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von 50 Metern auf beiden Seiten der Stra\u00dfe bettelnde Menschen. Ein Halleluja werden sie in der K\u00e4lte des Morgens nicht singen k\u00f6nnen, wohl eher die Zerbrochenheit des Daseins sp\u00fcren, in dem es nicht gelten d\u00fcrfte: \u201ethere is a crack in everything, that\u2019s how the light gets in\u201c. Beim Nebenblick auf die Bettler denke an die Heilige Elisabeth, deren Festtag gerade ist. Die ungarische K\u00f6nigstochter wusste, wie sie den Armen helfen konnte, und sie l\u00e4sst mich heute an meine Hilflosigkeit im Umgang mit den Armen denken und an meine Dankbarkeit, dass es eine Caritas gibt, die wei\u00df, wie professionelle Hilfe funktioniert. W\u00fcrde ich jeden Becher mit einem Euro f\u00fcllen, der sich gef\u00fchlt mir in den Weg stellt, w\u00e4re ich wohl bald 50 Euro los. Ein Dauerauftrag bei der Caritas ist wohl passender f\u00fcr mich, denke ich mir und ertappe mich dabei, dass meine unbeholfene Betroffenheit \u00fcber die sichtbare Armut nicht weichen mag, sondern dort nur gr\u00f6\u00dfer wird, wo sich in Rolex- und Designergesch\u00e4ften die Luxusseite zur Schau stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich nehme den Weg \u2013 Elisabeth-Tag ist heute \u2013 \u00fcber die Elisabethstra\u00dfe zum Mirabellgarten. Dort wachsen auf sonst schon kahlen B\u00fcschen einige rote Rosen. Sie erinnern mich nicht nur an das Rosenwunder der Heiligen aus dem Mittelalter, sondern auch an die Verwandlungswunder in pers\u00f6nlichen Lebensmomenten der Jetztzeit. Im weltber\u00fchmten barocken Schaugarten werden Pflanzen, Str\u00e4ucher, B\u00e4ume und Rasen in geometrische Formen gepresst, m\u00fcssen angepasst werden an das, was als sch\u00f6n empfunden wird. Dort sind schon zuhauf Touristen unterwegs, um sich fotografieren zu lassen oder um Selfies zu machen mit dem Garten und seinen Beeten und verst\u00fcmmelten B\u00e4umen und der m\u00e4chtigen Festung Hohensalzburg im Hintergrund. Wie wohler ist mir in der wirklichen, wilden, unber\u00fchrten Natur, in den Schluchten und W\u00e4ldern meiner Berge, zu denen ich mich hinsehne, w\u00e4hrend ich im Getriebe der Hochtourismus-Stadt nun ganz drinnen bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Oben am M\u00f6nchsberg, wo in meiner Salzburger Schulzeit das Cafe Winkler und das Casino waren, entr\u00e4tsle ich den Schriftzug an der Fassade vom Museum Moderner Kunst, der mich philosophisch ber\u00fchrt, so als erz\u00e4hlte er von meinem Erleben \u201einside of &amp; outside of itself\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Br\u00fcckengitter des Markartsteigs \u00fcber die Salzach ist schwer von den Tausenden Liebesschl\u00f6ssern und ihren Liebesversprechungen und dem Sehnen von Menschen nach Beziehungen, die wie bleibend stabile Br\u00fccken sind \u00fcber die oft rei\u00dfenden Fl\u00fcsse des Lebens. Ein paar Regentropfen fallen vom Himmel \u2013 oder war es eine Tr\u00e4ne?<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Gedanken f\u00fchren mich in die B\u00fcrgerspitalskirche St. Blasius am Nordende der Getreidegasse, direkt an der M\u00f6nchsbergwand. Mein Gebet begann l\u00e4ngst vor dem Eingang in die Kirche als \u201ebroken Hallelujah\u201c, das keine Kirchenr\u00e4ume braucht, sondern woanders mehr erfahrbar wird und in den R\u00e4umen der Kirche mir dann verstummt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_095220-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_095220-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8258\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_095220-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_095220-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_095220-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_095220-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_095220-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Mittelalter, 100 Jahre nach Elisabeth, war die Kirche verbunden mit einem Spital \u2013 ganz im Sinne der Elisabeth, die sich selbstlos um die Kranken k\u00fcmmerte. Passend, dass diese Kirche mit dem gotischen Kreuzrippengew\u00f6lbe dem Hl. Blasius geweiht ist, dem F\u00fcrsprecher und Schutzheiligen der Kranken. Da hat er viel zu tun, der Hl. Blasius, wenn er auch zust\u00e4ndig ist f\u00fcr die verletzten Seelen. Zum Gl\u00fcck gab es in der Kirche keine Weihnachtskugeln und irgendeine andere Weihnachtsdeko.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Geist will fl\u00fcchten vor den Mozarts, die aus Pappe an scheinbar jeder Stra\u00dfenecke der Innenstadt stehen. Ich f\u00fchle mich bedroht von den Mozartkugeln, die in diesem Exzess fast schon zum \u2026 sind. Aber immerhin besser als der Pseudo-Tiroler-Speck, der in den Massentierhaltungen in Osteuropa seinen Ursprung hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur\u00fcck zu Salzburg. Im Innenhof zur Universit\u00e4t Salzburg bleibt mein Blick h\u00e4ngen an einer monumentalen Skulptur. Sie stellt den Kopf eines jungen M\u00e4dchens dar, gestaltet aus wei\u00dfem Marmor. Sie strahlt eine \u00fcbernat\u00fcrliche Ruhe und Erhabenheit aus, nach der ich mich sehne. Der K\u00fcnstler hat den Kopf aus 20 Scheiben gleicher H\u00f6hen geformt. Unser Leben \u2013 gebildet aus Schichten, gebildet aus Geschichten, die sich dann doch zum Ganzen ergeben, wenn Leben in einer absurden Welt trotzdem gelingen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stra\u00dfen der Innenstadt sind bis zum Exzess weihnachtlich dekoriert und die F\u00fclle an gl\u00e4nzenden Kugeln in allen m\u00f6glichen Gr\u00f6\u00dfen und die grellen Glitzergirlanden sind be\u00e4ngstigend, so als w\u00fcrde darin der urspr\u00fcnglich weihnachtliche Sinn mehrfach erstickt. Der ganz gro\u00dfe Rummel ist dann beim Christkindlmarkt am Dom- und Residenzplatz. Er soll einer der sch\u00f6nsten Weihnachtsm\u00e4rkte der Welt sein. Mir fehlt das Sensorium, ebensolches zu empfinden. Ich sehne mich auf einen Gipfel, in dem ich weniger einsam bin als in der Masse von Menschen, die sich zwischen den Standln quetschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sitzung nun wird mir helfen, gemeinsam mit anderen Menschen von einer Welt zu tr\u00e4umen, die anders sein k\u00f6nnte, eine Welt wo Verarmten im Sinne der Heiligen Elisabeth strukturell geholfen wird, wo es gen\u00fcgend professionelle und menschliche Hilfe f\u00fcr die Kranken gibt, wo die Natur in ihrer Urspr\u00fcnglichkeit gesch\u00fctzt wird und menschliches Sehnen zur Erf\u00fcllung kommen darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 19.11.2022<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_150529-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_150529-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8257\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_150529-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_150529-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_150529-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_150529-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/20221119_150529-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/sbg-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Wenn ich zu einer Sitzung in irgendeine Stadt fahre, nehme ich manchmal einen fr\u00fcheren Zug, um mich gedanken- und gef\u00fchlsversunken auf die Stimmungen und Schwingungen einer Stadt einzulassen, die meist wiederum harmonisch oder disharmonisch zu meinen eigenen Schwingungen sind und diese manchmal schier unertr\u00e4glich verst\u00e4rken. 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