{"id":8438,"date":"2022-12-12T15:37:09","date_gmt":"2022-12-12T15:37:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8438"},"modified":"2022-12-14T15:30:16","modified_gmt":"2022-12-14T15:30:16","slug":"budapest-und-judentum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8438","title":{"rendered":"In Budapest an j\u00fcdische Geschichte ge-denken"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8441\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die bronzenen Schuhe am Ufer der Donau. Sie erinnern an das Grauen der Shoah. Es ist ein einfaches, aber umso eindr\u00fccklicheres Mahnmal gegen den Holocaust zwischen zwei der gro\u00dfen Donaubr\u00fccken, auf der anderen Seite gegen\u00fcber die malerische Kulisse der Burganlagen von Buda mit der Matthiaskirche, auf der Seite des Mahnmals das imposante Parlament mit seiner ganz besonderen Fassade.  An der Stelle der bronzenen Schuhe wurden J\u00fcdinnen und Juden am Ende der Schreckensherrschaft 1944 von den Pfeilkreuzlern, den ungarischen Faschisten, wie Schlachtvieh erschossen und in die Donau geworfen. 300.000 J\u00fcdinnen und Juden lebten einst in Budapest, Tausende von ihnen w\u00e4hrend der letzten Kriegsmonate eingesperrt im Getto. Viele verhungerten, erfroren, starben an Epidemien oder wurden zu Abertausenden in die Vernichtungslager gebracht, ungarische Faschisten gemeinsam im Teufelswerk mit nationalsozialistischen Verbrechern. Zweimal war ich diesmal wieder bei diesem Mahnmal, einmal abends im Regen, als die bronzenen Schuhe ganz schwach die Lichter der Stadt widerspiegelten, einmal morgens in der K\u00e4lte der Dezembersonne. Die Menschen, die zu diesem Mahnmal kommen, sind meist betroffen, ruhig, still.<\/p>\n\n\n\n<p>Blickte Orban heute vom nahen Parlament zur Donau, so s\u00e4he er die bronzenen Schuhe und vielleicht k\u00f6nnten ihn die Schuhe daran erinnern: Nie wieder sollen Menschenrechte gebrochen werden. Sie gelten f\u00fcr alle:. Auch f\u00fcr jene, die \u2013 in Zusammenarbeit mit \u00f6sterreichischen Sicherheitskr\u00e4ften \u2013 als Fl\u00fcchtlinge an der serbisch-ungarischen Grenze kein Weiterkommen haben und in Elendslagern in K\u00e4lte ausharren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Stufen hinauf zum Parlament, von den bronzenen Schuhen in Richtung Parlament mit Kuppeln und Abertausenden S\u00e4ulen und Statuen, dort sitzt die bronzene Statue des ungarischen Lyrikers Attila Jozsef. Er blickt tieftraurig in die Donau und es ist, als w\u00fcrde er dem Parlament den R\u00fccken zudrehen, gerade so, als w\u00e4re er nicht einverstanden mit der Politik, die dort beschlossen wird. Orban und seine Fidesz wollten schon die Statue entfernen lassen \u2013 internationaler Protest hatte es verhindert. Ich werde wohl bald einmal in die Universit\u00e4tsbibliothek gehen, um einige seiner Gedichte zu lesen. Aus dem Internet suche ich mir spontan jenes aus, das er mit 16 schrieb, als er ein Waisenkind war und als Tagel\u00f6hner arbeitete: <br>\u201eEin wilder Apfelbaum will ich werden! \/<br>Ein weitverzweigter Apfelbaum; \/<br>Alle Hungernden \u00e4\u00dfen von meinem \/<br>Riesigen Leib, alle Kinder \/<br>S\u00e4\u00dfen unter meinen Zweigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Von j\u00fcdischer Geschichte erz\u00e4hlten mir gestern vor allem die Synagoge und das, was rundherum sich an Geb\u00e4uden und Denkm\u00e4lern befindet. Es war in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die gro\u00dfe j\u00fcdische Gemeinde sich nicht mehr verstecken wollte, sondern Freiheit sp\u00fcrte: Die wohlhabenden Mitglieder der Gemeinde wollten eine Synagoge, die gr\u00f6\u00dfer sein sollte als jene in Wien. F\u00fcnf Jahre haben sie daran gebaut, mit Kuppel und einer Architektur, die mehr an eine Kirche erinnert als an eine Synagoge. Die reichen Ornamente an den W\u00e4nden, der Decke und der Kuppel wiederum erinnern an eine Moschee. Die drittgr\u00f6\u00dfte Synagoge der Welt ist es geworden. Die Synagoge wurde in den Kriegsjahren nicht zerst\u00f6rt, weil sich Milit\u00e4rs darin versteckt hielten, doch konnte sie die Hunderttausenden J\u00fcdinnen und Juden nicht vor der Shoah retten. Vor der Synagoge wurde am Ende des Krieges Tausende Gr\u00e4ber ausgehoben. Gegen\u00fcber der Synagoge lebte einst Theodor Herzl und hier wurde die zionistische Idee geboren, die seit Jahrzehnten in ihrer extremen Form das Existenzrecht des pal\u00e4stinensischen Volkes in Frage stellt. Im j\u00fcdischen Viertel rund um die Synagoge erinnert heute nur mehr wenig an das j\u00fcdische Leben von damals. Ein, zwei koshere Restaurants vielleicht. Der Gro\u00dfteil der stattlichen H\u00e4user ist verbraucht \u2013 so wie sehr viele in der Innenstadt von Pest. <\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 12.12.2022, Budapest<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-syn-5-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-syn-5-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8453\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-syn-5-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-syn-5-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-syn-5-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-syn-5-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-syn-5-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/ung-jud-1-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Die bronzenen Schuhe am Ufer der Donau. 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