{"id":8537,"date":"2023-01-05T16:39:15","date_gmt":"2023-01-05T16:39:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8537"},"modified":"2026-02-03T08:16:08","modified_gmt":"2026-02-03T08:16:08","slug":"joseph-ratzinger-papst-benedikt-und-mein-sein-in-der-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=8537","title":{"rendered":"Joseph Ratzinger, Papst Benedikt und mein Sein in der Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn ich meinen eigenen Lebensweg in der Kirche und mein theologisches Suchen aus der Perspektive des nun verstorbenen Kardinals Joseph Ratzinger bzw. Papstes Benedikt XVI. bzw. Papstes emeritus in den Blick nehme, der nun in einer Santo Subito-Stimmung als gro\u00dfer Papst und vor allem als \u201ebrillanter Theologe\u201c seine Ruhe findet \u2013 sie sei ihm geg\u00f6nnt, und ja, nichts Schlechtes soll \u00fcber Tote gesagt werden \u2013 dann k\u00f6nnte man meinen, ich sei die letzten Jahre immer auf der falschen Seite gestanden. Da war die Zeit meines Studiums, in dem mich viel mehr die lateinamerikanische Befreiungstheologie begeisterte und wo meine theologischen Lehrer an der Universit\u00e4t mir mehr einen Referenzrahmen von Yves Congar oder Karl Rahner vorgaben als Schriften des Regensburger Theologieprofessors. Im Priesterseminar lasen wir gemeinsam lieber \u201eKirche, Charisma und Macht\u201c von Leonardo Boff, als uns mit Ratzingers \u201eEinf\u00fchrung ins Christentum\u201c abzum\u00fchen. Als sp\u00e4ter die Glaubenskongregation \u2013 deren Chef Ratzinger war \u2013 lateinamerikanische Befreiungstheologen als unkirchlich verurteilte, war meine Entt\u00e4uschung \u00fcber den Vatikan gro\u00df, und im Rahmen der Katholischen Jugend konnte ich Seminare zur materialistischen Bibellekt\u00fcre durchf\u00fchren und Bibelkurse im Stile der Befreiungstheologie organisieren. Selbst das Katholische Bildungswerk lud mich ein, in entlegenen Orten Tirols \u00fcber Befreiungstheolgie zu referieren. Welche Frage es auch immer war, mit zentralen Negationen von Ratzinger-Benedikt kam ich einfach nicht klar, weil sie sich letztlich theologisch auch nicht schl\u00fcssig rechtfertigen lie\u00dfen. Da war der Ausschluss von Frauen aus den kirchlichen \u00c4mtern, da waren diskriminierende \u00c4u\u00dferungen zur Homosexualit\u00e4t, da war das Festhalten am Pflichtz\u00f6libat, da waren unvers\u00f6hnliche \u00c4u\u00dferungen im \u00d6kumene-Kontext \u2013 nur vier der zentralen Festlegungen seien hier genannt. Gustavo Gutierrez und Jon Sobrino, Dorothee S\u00f6lle und Hans K\u00fcng, Eugen Drewermann und Elisabeth Sch\u00fcssler-Fiorenza \u2013 es gab f\u00fcr mich die gro\u00dfen Theologinnen und Theologen, und vor allem auch meine theologischen Lehrer an der Uni wie Jozef Niewiadomski, Raymund Schwager, mein Doktorvater Herwig B\u00fcchele, George Vass, Nikolaus Kehl und dann sp\u00e4ter vor allem die Kommunikative Theologie mit Matthias Scharer u.a., auf die ich vertraute. Einer war nicht darunter. Als Religionslehrer versuchte ich gegen\u00fcber meinen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern immer eine Kirche zu vermitteln, die getragen ist von einer N\u00e4he zu den Menschen \u2013 so ganz ohne klerikalen Pomp, von einem Engagement f\u00fcr die Armen \u2013 so ganz ohne barocken Prunk, von einem Eintreten f\u00fcr Gleichberechtigung und f\u00fcr die gleiche W\u00fcrde aller Menschen \u2013 so ganz ohne patriarchale Diskriminierungen. Vielleicht konnte ich es auch nicht verstehen, warum pl\u00f6tzlich purpurne Schuhe \u2013 die Farbe der C\u00e4saren \u2013 und mit Hermelin best\u00fcckte Kleidungsst\u00fccke zu p\u00e4pstlichen Inszenierungen z\u00e4hlten. Sp\u00e4ter habe ich dann die Jesus-B\u00fccher von Benedikt gelesen \u2013 und fand mich in beschaulichen B\u00fcchern wieder, die geschrieben sind, als g\u00e4be es keine historisch-kritische Forschung. Und dann die letzten Tage: Ist das mein Bild von Kirche? ein Mann in Leichenstarre und mit goldbest\u00fcckter Mitra ohne Sarg aufgebahrt, damit Tausende an ihm vorbeigehen k\u00f6nnen? Hunderte Bisch\u00f6fe und Kardin\u00e4le und Tausende Priester \u2013 alle m\u00e4nnlich nat\u00fcrlich \u2013 die beim Begr\u00e4bnis f\u00fcr Benedikt eine Manifestation eines Kirchenbildes sind, das nicht das meine ist. Und ich wei\u00df: Zum Gl\u00fcck schauen sich \u201emeine\u201c Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler solche Bilder nicht an \u2013 sie w\u00fcrden sie in ihrer Kirchenferne nur best\u00e4tigen. Ich freue mich aber auf die Sternsinger, die an der Wohnungst\u00fcr anklopften und den Segen brachten; ich freue mich \u00fcber den Vinzibus, der abends wieder den Obdachlosen eine Suppe spendieren wird; mich best\u00e4rken die vielen Initiativen in den Pfarrgemeinden und den Gliederungen der Katholischen Aktion und anderer kirchlicher Initiativen. Da lebt Kirche \u2013 so ganz ohne mittelalterlichen Papstkult im fernen Vatikan. Da bin ich gerne katholisch ganz in der Tradition der fr\u00fchen Kirche bis zu den lebendigen kirchlichen Gemeinschaften heute. Papst Benedikt, ruhe in Frieden, bete ich heute ganz ohne Ironie.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 5. 1. 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich meinen eigenen Lebensweg in der Kirche und mein theologisches Suchen aus der Perspektive des nun verstorbenen Kardinals Joseph Ratzinger bzw. Papstes Benedikt XVI. bzw. 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