{"id":9085,"date":"2023-06-05T06:48:19","date_gmt":"2023-06-05T06:48:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9085"},"modified":"2023-06-05T06:54:50","modified_gmt":"2023-06-05T06:54:50","slug":"fruehsommerwandern-zwischen-inntal-und-pitztal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9085","title":{"rendered":"Fr\u00fchsommerwandern am Venetmassiv"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9087\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Alpenverein Hall setzt ein bewusstes Zeichen in der Tourenplanung mancher Routen. An- und Abreise werden mit \u00d6ffentlichen Verkehrsmitteln organisiert. Klimaticket-Besitzende sind da im Vorteil. Diesmal ging es direkt vom Bahnhof Imst weg. Die Tourenf\u00fchrerin hat sich die Route umsichtig \u00fcberlegt. Ich kenne das Gebiet, obwohl Ursprungsheimat, eigentlich nur von meinen Rennradrouten \u00fcber den Piller und rundherum und &#8222;der Venet&#8220; war stets der Blickfang, wenn ich von meinem Ursprungsort Richtung Nordosten schaute. Heute wird einmal mehr erfahrbar, dass der Venet nicht einfach ein Berg ist, sondern ein eigenartiges Massiv aus Phyllitgestein mit einigen Gipfeln, die aber alle nicht jene zackig-steile Felsstruktur des Kaunergrats haben. Daf\u00fcr sind unterhalb der von l\u00e4ngst vergangenen Eiszeitgletschern abgeschliffenen Gipfel zwischen dem gekr\u00fcmmten Inntal und dem Pillertal jede Menge Almen. Unsere Route f\u00fchrt vom Bahnhof Imst weg entlang von kleinen Steigen und  auf Wald- und Wiesenwegen, vorbei an einigen Bergh\u00f6fen und einer alten Kapelle Richtung Plattenrain oberhalb von Arzl am Fu\u00dfe des Venets. Plattenrain tr\u00e4gt den Titel &#8222;Kanzel des Tiroler Oberlandes&#8220;. Eine moderne Kapelle steht \u00fcber dem luxuri\u00f6sen Apart-Hotel. Der Grundriss der Kapelle hat eine Ellipsenform, in dessen Mitte eine kleine Quelle entspringt und ihr Wasser in einem mit Steinen gebildeten Lauf in den unteren Teil des Sakralraumes entl\u00e4sst. Die Spitze des Daches, der als Kegel gestaltet ist, bildet ein Glask\u00f6rper, der das Licht von oben einf\u00e4ngt und nach unten hinein schenkt. Besonders aber gibt ein Kunstwerk am Eingang Gelegenheit, \u00fcber menschliches Sein nachzudenken. Ein Torso eines Mannes h\u00e4ngt an der Betonwand. Der Blick wird besonders auf die Art und Weise gelenkt, wie der K\u00fcnstler den Schambereich mit einer aufklappbaren Metallkonstruktion bedeckt hat. Das Kunstwerk k\u00f6nnte auf Jesus verweisen, der in seiner tiefsten Verwundung &#8222;seiner Kleider beraubt wurde&#8220;. Der Torso versinnbildlicht mir heute, wie verletzbar menschliches Sein ist &#8211; vor allem auch in seiner Intimit\u00e4t, wie immer unvollkommen menschliches Sein bleibt, das seine Vollkommenheit aber in Begegnungen mit dem G\u00f6ttlichen erreichen kann. Daher passt es, dass dieses Kunstwerk am Eingang und zugleich am Ausgang eines Sakralraumes angebracht ist. Auf dem weiteren Wandern am Kamm zwischen Inntal und Pitztal entlang zur Hochasteralm und zum Gipfeljoch mit dem gro\u00dfen Kreuz bleibe ich noch in meinem existenzphilosophischen Meditieren. In der Feuchtigkeit riechen die frischen Triebe der F\u00f6hren und die Bergwiesen mit den kr\u00e4ftig-bunten Fr\u00fchlingsblumen ganz besonders. M\u00e4chtig ragt der Tschirgant als Dreieckspyramide zwischen Inntal und Gurgltal oberhalb von Imst empor. Der Blick vom Imsterbergerj\u00f6chl geht in die T\u00e4ler hinunter &#8211; ins Inntal, ins Gurgltal und hinein ins Pitztal, wo Wolkenmassen den Blick auf die Wildspitze verdecken, hin\u00fcber zu den schroffen Lechtaler Alpen mit dem Starkenberger Tal und der wilden Larsennschlucht bei Mils. Am Horizontalbalken des Gipfelkreuzes sind Buchstaben wie Fahnen angebracht mit der Botschaft: &#8222;ICH BIN MIT DIR UND BEH\u00dcTE DICH WOHIN DU AUCH GEHEN WIRST.&#8220; Es ist, als wehte diese Botschaft im Wind zwischen Himmel und Erde &#8211; und wie sehr w\u00fcnsche ich mir, dass solche Botschaft in menschlichen Beziehungen stets begreifbar w\u00e4re und nicht auf einen jenseitigen-fernen transzendenten Gott projiziert w\u00fcrde. Vom Imsterbergj\u00f6chl k\u00f6nnte man nun weitergehen \u00fcber das Kreuzjoch zur Glanderspitze  bis zum Krahberg. Der Plan ist in mir entstanden f\u00fcr eine k\u00fcnftige Bergtour. Im S\u00fcden t\u00fcrmen sich inzwischen wie in einem Van-Gogh-Gem\u00e4lde Regenwolken auf. Unser Weg f\u00fchrt zur\u00fcck \u00fcber die Larcheralm &#8211; mit Einkehrpause &#8211; nach Wenns \u00fcber Almwege und Wiesensteige, vorbei an K\u00fchen und vor allem vielen K\u00e4lbern, einer Herde von Haflingern, die sich \u00fcber die menschliche Abwechslung freuen. Die Wahl \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel tr\u00e4gt zur Entschleunigung bei. In Wenns beim Warten auf den Linienbus ist noch Zeit, um das ber\u00fchmte Platzhaus zu sehen, dessen Renaissancemauern mit Fresken bemalt sind, und f\u00fcr einen Besuch in der Kirche an einem Sonntag, an dem Gott als Beziehungsg\u00f6ttlichkeit gefeiert wird. Was ich in der heutigen Tiroler Tageszeitung schreiben konnte, wird bei solchen gemeinsamen Unternehmungen jedenfalls evident. In achtsamen Gemeinschaftserfahrungen k\u00f6nnen g\u00f6ttliche Seinsweisen erfahrbar werden.  <\/p>\n\n\n\n<p>k.heidegger, Dreifaltigkeitssonntag, 4. Juni 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/pi-10-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Der Alpenverein Hall setzt ein bewusstes Zeichen in der Tourenplanung mancher Routen. An- und Abreise werden mit \u00d6ffentlichen Verkehrsmitteln organisiert. Klimaticket-Besitzende sind da im Vorteil. Diesmal ging es direkt vom Bahnhof Imst weg. Die Tourenf\u00fchrerin hat sich die Route umsichtig \u00fcberlegt. 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