{"id":9122,"date":"2023-06-10T15:18:16","date_gmt":"2023-06-10T15:18:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9122"},"modified":"2023-06-10T19:24:27","modified_gmt":"2023-06-10T19:24:27","slug":"rosenblick-philosophisch-gefaerbt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9122","title":{"rendered":"Rosenblick philosophisch gef\u00e4rbt"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9123\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Im kleinen Garten vor der T\u00fcr, da bl\u00fchen sie nun, am Beginn des Sommers, weit mehr als hundert Rosen, zartrosa, tiefrot und knallgelb, und manche der ganz kecken Rosen wachsen hoch dem Himmel entgegen und lassen das dicke wilde Gestr\u00fcpp darunter weit unter sich. Es sind Rosen, die von Liebe erz\u00e4hlen und wachhalten, was t\u00e4glich neu an Sehnen in dem lebt, der da blickt auf die Rosen im kleinen Garten vor der T\u00fcr, w\u00e4hrend der Schreibende sich eins f\u00fchlt mit Poesie vergangener Jahrhunderte, Gedichte liest von Heinrich Heine, Ingeborg Bachmann oder Christine Lavant, nicht um sich selbst mit ihnen zu messen, sondern durch sie sein Sein besser zu verstehen. Beim Blick auf die Rosen philosophiert er \u00fcber sein Geworfensein in den ontologischen Denkkategorien eines fr\u00fcheren Heidegger und sucht stets neu seinen Augenblicken Sinn zu geben, die doch letztlich nur in einem gnadenhaften Geschenktsein ihren Sinn finden k\u00f6nnten. Kommt der Schreibende nicht weiter im Dickicht seiner Gedanken und mit Blick auf die Rosen, befragt er noch andere der gro\u00dfen Denkerinnen und Denker, von Adorno bis zu Zarathustra und f\u00e4nde doch die Antwort auf sein Suchen letztlich nur in einem gelingenden Zusammensein. Wem k\u00f6nnte er schenken eine der Rosen, zartrosa, tiefrot oder knallgelb? Da ist niemand, die an der T\u00fcr l\u00e4utete, um sich mit ihm zu bet\u00f6ren am Duft der Rosen, um sich zu stechen an ihren Stacheln und der so schnell verg\u00e4nglichen Sch\u00f6nheit ihrer zarten Bl\u00e4tter und beim Anblick der Rosen gemeinsam zu philosophieren \u00fcber den Sinn des Seins und \u00fcber ein Leben, das zur Rettung der Welt beitr\u00fcge. Wie eine Wildnis ist sein Garten, von jetzt kr\u00e4ftigen Hecken umgeben, hinter der Autos auf der Stra\u00dfe l\u00e4rmen oder parken am Parkstreifen davor. Die Insekten lieben die Wildnis. \u00dcber dem Hochhaus gegen\u00fcber und dem Dach der Wohnanlage vor ihm und der betonernen Decke des Balkons dar\u00fcber ersp\u00e4ht er einen kleinen Fleck vom Blau eines Himmels, so als blickte er zwischen Gitterst\u00e4ben eines Gef\u00e4ngnisses in die m\u00f6gliche Freiheit.\u00a0 Er freut sich, wenn nachmittags ein wenig sich die Wohnung erhellt von einer meist von H\u00e4usern verdeckten Sonne im noch fr\u00fchen Sommer, den der von den Rosen Bet\u00f6rte schon jetzt gef\u00fcllt hat mit Sehnen nach einem Leben in F\u00fclle, von dem die Rosen im kleinen Garten vor der T\u00fcr erz\u00e4hlen. Das wilde Chaos des Gartens spiegelt sich in dem chaotischen Wirrwarr von B\u00fcchern und Schriften in seiner Wohnung und ist zugleich Spiegelbild einer Seele, die sucht nach einer Kraft, die Ruhe schenkt und mit ihr eine Heilung in einer Welt, die sich mehr und mehr von seinen Utopien entfernt und dystopischen Schreckensbildern sich  n\u00e4hert, was ihn \u00e4ngstigt. Daher ertr\u00e4umt er sich Menschen, mit denen er teilen k\u00f6nnte seine Tr\u00e4ume und Gedanken. All die positiven Aufbr\u00fcche vergangener Zeiten best\u00e4rken in ihm den romantisch verkl\u00e4rten Rosenblick, weil Brot und Rosen \u2013 Zuckererbsen f\u00fcr alle und Liebe \u2013 keine Widerspr\u00fcche sind, sondern heilswendend zusammengeh\u00f6ren. Nachrichten von Kriegen und ihren Vorbereitungen und von der ungebrochenen Zerst\u00f6rung der Sch\u00f6pfung werden von der Hecke und den Rosenstr\u00e4uchen seines kleinen Gartens nicht abgehalten. G\u00e4be es nicht jene Gruppen, in denen er politische Heimat findet, so h\u00e4tte er weniger Mut, er w\u00e4re verloren in dem Bestehenden, g\u00e4be es nicht Freundschaften, die ihm etwas vom Duft und der Sch\u00f6nheit der Rosen erz\u00e4hlen, er w\u00fcrde sie \u00fcbersehen, im kleinen Garten vor ihm, w\u00e4re er nicht beschenkt mit jenen wichtigsten Menschen in seinem Leben, so h\u00e4tte es wohl nicht jenen tiefsten Sinn, der darin liegt, nicht f\u00fcr sich selber zu leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/rosenblick-768x1024.jpg' class='thumbnail' \/>Im kleinen Garten vor der T\u00fcr, da bl\u00fchen sie nun, am Beginn des Sommers, weit mehr als hundert Rosen, zartrosa, tiefrot und knallgelb, und manche der ganz kecken Rosen wachsen hoch dem Himmel entgegen und lassen das dicke wilde Gestr\u00fcpp darunter weit unter sich. 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