{"id":9133,"date":"2023-06-11T14:52:58","date_gmt":"2023-06-11T14:52:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9133"},"modified":"2023-06-11T14:52:58","modified_gmt":"2023-06-11T14:52:58","slug":"vom-abbau-von-feindbildern-und-einer-neuen-gemeinschaft-gedanken-zum-evangelium-mt-99-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/?p=9133","title":{"rendered":"Vom Abbau von Feindbildern und einer neuen Gemeinschaft. Gedanken zum Evangelium Mt 9,9-13"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Lieber Matth\u00e4us!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9134\" srcset=\"https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Matth\u00e4us der Z\u00f6llner und nicht der Evangelist<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am heutigen Sonntag bin ich an der Reihe, um in unserer kleinen Gemeinde den Ansto\u00df zum Bibelgespr\u00e4ch zu geben. W\u00e4hrend meiner fr\u00fchmorgendlichen Kraxelei zur Bettelwurfh\u00fctte denke ich dar\u00fcber nach, was uns der Evangelist Matth\u00e4us \u2013 er hei\u00dft also gleich wie du &#8211; mit dieser Geschichte \u00fcber dich sagen m\u00f6chte. Viel fr\u00fcher, als es noch keine historisch-kritische Exegese gab, wurdest du mit dem Evangelisten gleichgestellt. Evangelist Matth\u00e4us = Apostel = ehemaliger Z\u00f6llner. Jetzt wissen wir es besser: Der Schreiber des gleichnamigen Evangeliums verfasste seinen Text 50 Jahre nach der Hinrichtung Jesu \u2013 also zu einer Zeit, in der du sicher nicht mehr gelebt hast. Aber so genau wei\u00df niemand von deinem Tod \u2013 da gibt es viele Varianten, wie du als M\u00e4rtyrer eventuell gestorben bist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom Z\u00f6llner zum Apostel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Evangelist Matth\u00e4us erz\u00e4hlt also, wie du von Jesus zur Nachfolge berufen worden bist. Eine sehr kurze Geschichte ist es. Nur vier Verse. Du hast ja auch, so h\u00f6ren wir, nicht lange gez\u00f6gert, als Jesus dich sah und zu dir kurz und b\u00fcndig, ohne irgendwelche Erkl\u00e4rungen, Begr\u00fcndungen oder Hinweise einfach sagte: \u201eFolge mir nach!\u201c Und genauso kurz hei\u00dft es dann, dass du sofort aufgestanden bist und Jesus nachgefolgt bist. Dies war also dein Kairos, dein Augenblick, auf den du vielleicht schon so lange gewartet hast. Du gibst \u2013 so w\u00fcrde es der Philosoph Heidegger sagen \u2013 deinem Sein selbst einen ganz besonderen Sinn und findest deine Eigentlichkeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass du als frommer Jude schon l\u00e4ngst aussteigen wolltest aus diesem Gesch\u00e4ft des Eintreibens der Kopfsteuer, das dir von der r\u00f6mischen Besatzungsmacht aufgezwungen war. Wahrscheinlich lag in diesem Job deine ganze Existenz und du hattest damit zumindest einen kargen Verdienst f\u00fcr deine Familie und dich. Aber du warst daher verhasst von deinen eigenen Leuten und wurdest zum sozialen Au\u00dfenseiter \u2013 weder richtiger Jude noch R\u00f6mer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gemeinsames Mahlhalten als Nachfolge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was Nachfolgen konkret bedeutet, wird nach der Berufung sofort deutlich. Du hast Jesus und mit ihm Menschen eingeladen, die wie du Z\u00f6llner waren, und dazu auch noch solche, die als S\u00fcnder gebrandmarkt waren. In deinem Haus habt ihr dann das getan, was im Zentrum menschlichen Zusammenseins steht: Miteinander essen. Da brechen Vorurteile zusammen, da findet Vers\u00f6hnung statt \u2013 ja, und deswegen kann auch gefeiert werden. Jenen, die auf eine genaue Beachtung des Gesetzes getrimmt waren, hat dies nicht gefallen. Sie haben Jesus auf sein in ihren Augen gesetzwidriges Verhalten aufmerksam gemacht. So was tut \u201eman\u201c doch nicht. Man isst nicht mit Z\u00f6llnern und S\u00fcndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum wurdest du von den Pharis\u00e4ern ausgegrenzt? Du warst ja auch ein Jude \u2013 nicht ein r\u00f6mischer Besatzungssoldat und auch nicht ein Helene mit einer anderen Religion. In der Parallelstelle im Markusevangelium wirst du Levi genannt \u2013 typisch j\u00fcdisch also. Es war somit dein Beruf, der dich aus der Perspektive der damals geltenden Reinheitsgesetze zum Au\u00dfenseiter machte, mit dem man nicht zusammen essen geht. Ich kann mir gut vorstellen, wie dich das gekr\u00e4nkt hat. Du wolltest ganz Teil der j\u00fcdischen Gemeinschaft sein, in den Tempel gehen, mit anderen die vielen Feste feiern. Aber es ging nicht. Dann aber kam Jesus und in der ikonographisch-symbolischen Schreibweise der Evangelien wurdest du einer der Zw\u00f6lf.<\/p>\n\n\n\n<p>Was nehme ich mit von deiner Geschichte ins Heute meines und unseres Lebens?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Drei Fragen f\u00fcr mich und uns heute<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Z\u00f6llner Matth\u00e4us war verstrickt in ein System der Ausbeutung, der Gewalt und Unterdr\u00fcckung. Das von den R\u00f6mern unterjochte j\u00fcdische Volk litt vor allem unter der Kopfsteuer, die viele in den Ruin oder in die Schuldknechtschaft trieb. Heute wird die Welt bedroht durch den Klimawandel. In Kanada brennen die ausgetrockneten W\u00e4lder. Die Schere zwischen Arm und Reich wird wieder gr\u00f6\u00dfer. Die Festungsmauern der Europ\u00e4ischen Union werden noch mehr hochgezogen. Und es sind vor allem die Kriege \u2013 in der Ukraine, im Sudan oder in Indien \u2013 die so unermesslich viel Leid und Zerst\u00f6rung nach sich ziehen. Nachfolge heute w\u00fcrde bedeuten, dagegen aufzustehen und L\u00f6sungen f\u00fcr eine friedliche, nachhaltige und gerechte Welt zu finden und zu leben. Wie kann meine Nachfolge heute aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Z\u00f6llner Matth\u00e4us konnte aussteigen, weil es Menschen gab, die ihn dazu ermutigten. Zu seiner Eigentlichkeit fand er durch die Begegnung mit Jesus und seiner J\u00fcnger:innengemeinschaft. Wo sind jene Menschen, die mir dabei helfen, ein authentisches Leben zu f\u00fchren, das den Idealen des Evangeliums entspricht?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Z\u00f6llner Matth\u00e4us hat Grenzen abgebaut, die Menschen zueinander aufgebaut haben. Jesus hat dazu die Feindbilder aufgebrochen, um so Vers\u00f6hnungsschritte aufzuzeigen. Er sieht im Z\u00f6llner nicht den Feind, sondern erkennt das Gute in ihm. Daher nimmt er bewusst in einem Gleichnis den Z\u00f6llner als einen, der den g\u00f6ttlichen Willen erkennt und entsprechend handelt. Der Z\u00f6llner ist f\u00e4hig zur Barmherzigkeit. Wo erlebe ich Ausgrenzungen oder verletzende Stereotypisierungen. Heute am Vatertag muss kritisch gefragt werden: Wie oft werden auch die M\u00e4nner stereotyp auf eine bestimmte Genderrolle festgelegt, die ihnen nicht gerecht wird? M\u00e4nner sind nicht einfach so! Sie k\u00f6nnen sein wie Matth\u00e4us \u2013 Geschenk Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>Klaus Heidegger, 11. Juni 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.klaus-heidegger.at\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/20230611_055756-2-1024x768.jpg' class='thumbnail' \/>Lieber Matth\u00e4us! Matth\u00e4us der Z\u00f6llner und nicht der Evangelist Am heutigen Sonntag bin ich an der Reihe, um in unserer kleinen Gemeinde den Ansto\u00df zum Bibelgespr\u00e4ch zu geben. 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