
Mehr als ein halbes Jahr arbeitete die Wehrdienstkommission, um hinter verschlossenen Türen über Modelle zu reden, wie das Bundesheer und das militärische System in Österreich gestärkt werden könnten. Die Mitglieder dieser Kommission wurden vom Verteidigungsministerium bestellt. Sie hatten eine klare Vorgabe: Das österreichische System der Wehrpflicht mit Milizsystem und Wehrersatzdienst soll gestärkt werden. Mit solchen Prämissen konnte das Ergebnis der Kommission schon erahnt werden. Im favorisierten Modell „Österreich plus“ wird vorgeschlagen, die tatsächliche Wehrdienstzeit um vier Monate zu erweitern. Sie soll aus 8 Monaten Präsenzdienst und zwei Monaten Milizübungen bestehen. In diesem Zusammenhang würde auch der Wehrersatzdienst auf mindestens 12 Monate verlängert werden. Der Vorsitzende der Wehrdienstkommission, Generalmajor Hameseder, machte in der Vorstellung des Berichtes unmissverständlich die Zielsetzung klar: Es gehe erstens darum, eine schnelle Mobilmachung des Heeres in einem Bedrohungsfall zu erreichen und dabei ein „Überleben im Gefechtsfeld“ zu ermöglichen. „Wir müssen kämpfen lernen, um nicht kämpfen zu müssen“, so Hameseder. Für die vielen Neuanschaffungen im Bundesheer im Aufbauplan 2032+ bräuchte es eben mehr Personal. Der Leiter der Zivildienstagentur, Ferdinand Mayer, rechtfertigt eine längere Zivildienstdauer mit dem Hinweis, dass der Zivildienst weniger belastend als der Wehrdienst sei und etliche Vorteile hätte. Nun sind die politischen Vertreter am Zug, das Verlängerungsmodell der Wehrdienstkommission in Gesetzesmaterie zu gießen. Quer durch alle Parteien wird schon Zustimmung signalisiert. Selbst die Grünen lassen kein Nein erkennen.
Wo sind die Stimmen, die sich diesem Trend entgegenstellen? Warum wird nicht versucht, in sicherheitspolitischen Alternativen zu denken? Fakt ist, dass es viele nicht-militärische Strategien gäbe, um im Bedrohungsfall eine Nation zu verteidigen. Es wären Methoden, die wirksamer, effizienter, nachhaltiger und kostengünstiger wären. Österreich könnte seine Sicherheit nicht auf militärische Stärke und Abschreckung setzen, sondern als Staat mit einer aktiven Neutralitätspolitik auf Diplomatie einerseits und auf die Kraft nicht-militärischer Methoden andererseits. Wehrpflicht – oder genauer gesagt der Zwang zu Kriegsdiensten – macht einen Staat nicht resilienter gegen Bedrohungen von innen oder außen. In Venezuela baut das Regime weiterhin auf ein straffes Einberufungssystem; im Iran wird die Zwangsrekrutierung vom Mullah-Regime als Instrument für ihre Terrorherrschaft eingesetzt. Ohne Wehrpflicht könnten weder Russland noch die Ukraine auf den Schlachtfeldern parieren. Die Wehrpflicht trägt in beiden Ländern zur Kriegsverlängerung bei. Wehrpflicht ist nie eine Schule der Demokratie, sondern ihre Gefährdung. Wehrpflicht schenkt keine Sicherheit, sondern erhöht die Gefahr, in militärische Kämpfe verstrickt zu werden, die Tod und Zerstörungen nach sich ziehen. Wer wirklich Sicherheit will, wählt andere Methoden, als mit Waffen zu kämpfen und mit sündteurem Kriegsmaterial zu drohen. Eine Ausbildung in den Kasernen fördert nicht den Geist, Konflikte ohne Gewalt zu lösen, sondern legitimiert die Anwendung von Gewalt bis hin zum Töten. Die Welt wäre sicherer und humaner ohne militärische Zwangsdienste.