Bildungsminister Faßmann will einen alternativen Ethikunterricht und zugleich den konfessionellen Religionsunterricht. Praktisch gesehen würde dies jedoch zu einer schrittweisen Verdrängung des konfessionellen Religionsunterrichtes führen. Ein Blick in die Schulklassen zeigt die Heterogenität. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler ohne Religionsbekenntnis hat zugenommen. Auch die jüngste Statistik über Kirchenaustritte ist ein Indikator, dass die Selbstverständlichkeit einer religiösen Zugehörigkeit nicht mehr gegeben ist. Schülerinnen und Schüler ohne Religionsbekenntnis würden, auch wenn sie es nicht müssten, fast automatisch dem Ethikunterricht zugeteilt werden. Das wäre in inhaltlich-pädagogischer Sicht ein großer Verlust. Gerade Schülerinnen und Schüler, die nicht religiös aufgewachsen sind, haben oft ein großes Interesse an den Religionen und bringen – so meine eigene Erfahrung als Religionslehrer – mit ihren kritischen Fragen den Unterricht viel weiter. Es ist schön, einen Raum und Zeit in der Schule zu finden, wo Schülerinnen und Schüler voneinander und miteinander die religiös-ethischen Fragestellungen erarbeiten können und von ihren eigenen Erfahrungen ausgehen können. Das betrifft auch die zunehmende Buntheit der religiösen Zugehörigkeiten in einer Schulklasse. Sie wird durch das Konfessionalitätsprinzip vielfach segmentiert. Ein gemeinsames interreligiöses Lernen wird verhindert.
Aus administrativer Sicht ließe sich ein alternativer Ethikunterricht leichter organisieren. Dann wird dieser zweistündig optimal platziert am Vormittag sein können, während der konfessionelle Unterricht einstündig am Nachmittag eingeteilt werden würde, was nochmals die Abmeldequote verstärken würde.
Es gäbe auch die Alternative eines gemeinsamen Religionen- und Ethikunterrichtes. Er würde nicht das Image einer Konfessionskunde haben, was auch der Religionsunterricht schon längst nicht mehr ist. Er würde gemeinsames interreligiöses und ethisches Lernen in den Schulklassen ermöglichen und erfüllte damit die notwendige Funktion von Inklusion und Integration. Er würde nicht die Themen Ethik und Religionen trennen, weil beide Bereiche wesentlich zusammen gedacht werden müssen. Er würde auch von den Religionspädagoginnen und -pädagogen unterrichtet werden können, die eine mehrjährige theologisch-philosophisch-ethische universitäre Ausbildung erhalten haben, was jedenfalls wesentlich mehr ist als die Zusatzausbildungen, die für künftige Ethiklehrerinnen und -lehrer angeboten werden sollen.
Klaus Heidegger