Graz und Gedenkorte des Widerstands gegen den Faschismus

Im Mittelpunkt des steirischen Katholizismus steht der Dom St. Ägidius. Im Mittelpunkt des Doms ist die Mensa. Ich spreche lieber von Mensa als von Altar, weil ersterer Begriff einfach Tisch heißt, zu dem man sich wie zu einem gemeinsamen Essen trifft. Der Begriff Altar bekommt seine Konnotation mit „Opfer“ nicht so leicht weg. Am Boden unter dieser Mensa im Grazer Dom ist eine kleine runde Platte mit einem einfachen Kreuz im Kreis. Inmitten der barocken Pracht der Domkirche stellt dieses Gedenkzeichen eine radikale Reduktion dar, die wohl meist übersehen wird. Als die Kirche renoviert wurde, wurde ein Teil vom Talar des Seligen Pater Jakob Gapp darin verborgen. Mir ist dieser Mann während meiner Zeit als Lehrperson sehr wichtig geworden. Er ist ein Zeuge für den Widerstand, den ein Teil des Klerus der katholischen Kirche gegen den Nationalsozialismus leistete. Der Marianistenpater Jakob Gapp hat gleich nach dem Anschluss schon im März 1938 in seiner Funktion als Lehrer in einem Grazer Gymnasium den Hitlergruß verweigert und kein Nazizeichen getragen. Im Gegenteil. In seiner Tätigkeit als Lehrer und Priester hat er in einer Stadt, in der die Masse dem Hitler huldigte oder sich mit dem neuen Regime arrangierte, auf die Gefahren des Nationalsozialismus aufmerksam gemacht. Selbst seine Ordensoberen haben ihren Mitbruder dabei nicht unterstützt. Im Gegenteil. Sie schickten ihn zurück nach Tirol. In seiner Tätigkeit als Lehrperson in Breitenwang im Außerfern bezeichnete er sich gerne als „Judenfreund“. Bekannt geworden ist seine Predigt in der Laurentiuskirche in Wattens. Gapp rief dazu auf, Hitler keinen Gehorsam zu leisten. Für Jakob Gapp bedeutete dies Flucht, Verhaftung und dann das Todesurteil und die Enthauptung. Heute lege ich meine Büroklammer, Zeichen des Antifaschismus, in den kleinen Kreis unter die Mensa inmitten des steirischen Katholizismus inmitten der Stadt Graz und denke mir: Nie wieder ist jetzt.

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