God’s Chosen People: Religionen und Glaubensgruppen in den USA

God’s Chosen People: Religionen und Glaubensgruppen in den USA

  1. Sind die USA ein „religiöses“ Land!?
  • Laut Umfragen glauben in den USA 94% der Leute an Gott, 90% bezeichnen sich als Mitglieder einer religiösen Gemeinschaft, 58% sagen, dass ihnen Religion sehr wichtig ist und die meisten glauben, dass die Religion sowohl für den privaten als auch den öffentlichen Bereich eine große Bedeutung haben soll.
  • Religiöse Worte sind omnipräsent: „In God we trust“ – auf jedem Greenback, auf jedem Regierungsgebäude und in den Ansprachen der Politiker.
  1. „God’s Chosen People“ – Amerika als das verheißene Land
  • Als die Puritaner 1630 nach „Neu-England“ kamen, hatten sie den Anspruch, Amerika zum „neuen Israel“ zu machen.
  • Dieses Bewusstsein, dass Amerika „God’s own country“ sei, tritt vor allem in den typisch amerikanischen Religionsgemeinschaften auf. Z.B. der Glaube der Mormonen, dass Jesus Christus bei seiner Wiederkehr am Ende der Tage nach Amerika kommen wird, um von dort aus sein Königreich zu errichten.
  • Politisch spiegelt sich dieses Erwählungsbewusstsein in der weltbeherrschende Rolle aus, die die USA einnehmen: Sie haben den Anspruch, die Welt zu regieren – und wer sich nicht den Befehlen der US-Supermacht unterordnet, gilt als „Schurke“. (rogue states = Schurkenstaaten) US-amerikanische Führer fühlen sich letztlich nur soweit an internationale Verträge gebunden, wie es ihren eigenen Interessen entgegenkommt. (Daher beispielsweise: Ausstieg aus dem INF-Vertrag, Ausstieg aus dem Pariser Abkommen gegen die Klimaerwärmung).
  • Ein zentraler Aspekt in diesem Glauben ist die Annahme – die auf den Calvinismus zurückgeht, dass der Reichtum und die Machtstellung der USA der Wille Gottes seien.
  1. Vielfalt an Religionen/Religionsgemeinschaften
  • Alle großen Religionsgemeinschaften sind in den USA zu finden.
  • Mehr als ein Viertel aller Amerikaner zählen zur röm.-kath. Kirche.
  • Zweitgrößte christliche Konfession: Baptisten – allerdings in zahlreiche Untergruppen aufgeteilt.
  • Relative Bedeutsamkeit: Islam (Nation of Islam, …) – vor allem unter den African-Americans.
  • Gesamt: mehr als 1500 religiöse Gemeinschaften.
  1. Offiziell eine säkulare Gesellschaft und Trennung von Staat/Kirche – Ersatz durch „civil religion“
  • Es darf laut Verfassung weder eine Benachteiligung aufgrund eines religiösen Bekenntnisses geben, noch dürfen staatliche Stellen eine Kirche bevorzugen.

The Constitution of the U.S.,.Amendment I:

„Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; …“

  • Der Hintergrund ist eine sogenannte „civil religion

„A belief in the American way of life and an acceptance of and reverence for its icons (such as the flag), symbols (such as the Constitution), rituals (such as the pledge of allegiance), and secular saints (such as George Washington and Abraham Lincoln). Civil religion, which exists in parallel harmony with traditional religious beliefs, provides a society with a common set of unifying ideals that give the overarching political culture cohesiveneness and form. While the concept was first used by Jean-Jacques Rousseau in The Social Contract (1762), it was revived by American sociologists in the late 1960s.“

„A state-sponsored secular religion designed to replace the ‚corrupting‘ aspects of traditional religious practices, such as those implemented after the French Revolution of 1789 and the Russian Revolution of 1917.“

5) „Christian Coalition“ – „religious right“

  • Zusammenschluss fundamentalistischer bzw. äußerst konservativer Christen aus bestimmten Religionsgemeinschaften (vorwiegend: Mormonen, Baptisten, Evangelikale, Fernsehprediger, …).
  • Unterstützung für die Republikaner
  • Gegen Abtreibung, gegen Homosexualität, gegen Sozialstaat, für Todesstrafe, law and order, gegen strengere Umweltgesetze (Leugnung des Klimawandels,…)
  • Evangelikale Bewegungen – mehr als 4/5 der weißen Evangelikalen haben 2016 für Donald Trump gewählt (das war wahlentscheidend)

6) Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten und ihre religiöse Zuordnung

  • Donald Trump: Presbyterianer, das ist der größte Zweig der reformierten Kirchen. Er bezeichnet sich als Protestant oder Anhänger einer „wunderbaren Religion“. Eine überzeugte Religiosität oder entsprechende Kenntnisse Trumps sind nicht bekannt. Mit dem christlichen Gedanken der Vergebung kann er nach eigenem Bekunden nichts anfangen. Er bringe die Dinge lieber selber wieder ins Lot und lasse Gott dabei aus dem Spiel. Trump hebt die USA, ihre Größe und ihre Geschichte auf eine quasi göttliche Ebene. „Ich werde einer der größten Präsidenten sein, die Gott jemals geschaffen hat.“ (D. Trump) Nach seiner Lieblingsstelle in der Bibel gefragt, sagte Trump, es gebe viele, doch „Auge um Auge“ treffe wohl zu. Aufruf zu Gegenwehr und Rache. „Auge um Auge“ sei „nicht besonders nett“, aber man sehe doch, wie andere Länder „uns verspotten und unsere Jobs wegnehmen, unser Geld und unser Wohlergeben“ (Trump) „Wir müssen sehr stark sein und wir können viel aus der Bibel lernen, das kann ich Ihnen sagen.“ Kritik von katholischer Seite: Papst Franziskus: Wenn Trump eine Mauer baut, dann ist dieser Mann kein Christ. Eine Person, die daran denkt, Mauern anstatt Brücken zu bauen, ist nicht christlich.“ Trump reagierte prompt, beschimpfte den Papst als „politisch“. Und Franziskus konterte: „Gott sei Dank hat er mich ›politisch‹ genannt!“
  • Joe Biden: bewusst katholisch, „hat immer einen Rosenkranz“ bei sich; Papst Johannes XXIII. sein Vorbild
  • Einziger katholischer Präsident der Geschichte: John F. Kennedy
  • Barack Obama – bewusst und deklariert christlich, jedoch nicht fundamentalistisch, auch Dialog mit dem Islam, Unitarian Church,

Klaus Heidegger, November 2020 www.klaus-heidegger.at

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