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klaus … 12.11.2020

 

Eine Geschichte über Religionen in Tirol

Eine Geschichte aus dem Leben der Religionen kann die Eyüp-Sultan-Moschee in der Ortschaft Telfs erzählen. Die Marktgemeinde hat 15.000 Einwohner. Der Bevölkerungsanteil von Muslimen ist hoch. Viele Gastarbeiterfamilien zog diese Gemeinde mit ihren Industriebetrieben in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts an. Die meisten Familien sind geblieben, sind Telferinnen und Telfer geworden, sind Tirolerinnen und Tiroler geworden. Sie prägen das Ortsbild dieser Tiroler Ortschaft. Und auch: Sie haben dem Islam in Tirol ein Heimat gegeben.

Dafür steht die Eyüp-Sultan-Moschee. Sie wurde 1998 eröffnet und 2006 nach einem landesweit bekannten Rechtsstreit mit einem 15 Meter hohen Minarett ergänzt. Es ist nach dem 1979 eröffneten Islamischen Zentrum Wien der zweite Bau einer Moschee in Österreich überhaupt.

Als ATIB (Türkisch Islamische Union für Kulturelle und Soziale Zusammenarbeit in Österreich) den Antrag auf den Bau eines Minaretts im Jahr 2005 stellte, entfachte ein Streit. Die FPÖ mit ihrem damaligen Vorsitzenden Gerald Hauser wandte sich entschieden gegen den Bau des Minaretts, das ursprünglich auf eine Höhe von 20 Meter angelegt war. Bürgermeister Stephan Opperer ließ sich aber nicht von dieser Stimmung beeinflussen und konnte sich auf die Position berufen,  dass es für eine Untersagung des Baus keine rechtliche Grundlage gäbe.  Diese Haltung brachte ihm unter anderem Morddrohungen ein. Um die emotionsgeladene Stimmung in Telfs zu beruhigen, wurde schlussendlich verhandelt, den Turm fünf Meter niedriger zu bauen. Die Baubewilligung beinhaltete des Weiteren die Auflage, dass auf am Turm angebrachte Lautsprecher zu verzichten sei. Es folgte Sprühattacke auf das Glaubenszentrum. Felix Mitterer hat den „Minarettstreit“ in einem Drehbuch für eine Tatort-Sendung verarbeitet.

Heute kann das islamische Gebetshaus mit ihrem Kulturzentrum und Minarett als ein Zeichen gewertet werden, dass der Islam auch Teil der Volkskultur geworden ist, der sich nicht in irgendwelchen Hinterhöfen verstecken muss, sondern selbstbewusst wie die Kirchtürme von Tirol den Glauben auch äußerlich verkünden darf. Trotzdem ist am wichtigsten festzuhalten, dass nicht Äußerlichkeiten sind, die den Wert einer Religion ausmachen, sondern die Art und Weise, wie Religion ihrem Wesen nach gelebt wird, damit Frieden und Gerechtigkeit in dieser Welt verwirklicht werden.

Kommentare

  1. In den 70er Jahren war ich in einem kleinen Industrieunternehmen in Telfs in einer mittleren führenden Position tätig. Es wurden viele türkischstämmige Menschen ‚importiert‘. Das Problem war damals, dass viele davon eigentlich lieber nach Deutschland (BRD) gegangen wären und diese Arbeitserlaubnis sozusagen als ‚Sprungbrett‘ für die Ausreise in die BRD sahen. Einige blieben jedoch und ich schätzte sie als sehr wertvolle MitarbeiterInnen, vor allem die Männer mit sehr guter Ausbildung, die Frauen waren oft auf Grund ihres sozialen Status ‚daheim‘ von den importierten Männern abhängig. Manche konnten sich selbständig machen und durchsetzen.
    Ohne diese Mitarbeiter (damals ‚Fremdarbeiter‘) hätte dieser Betrieb schon viel früher geschlossen werden müssen und nach der Verlegung in den Stammbetrieb in Rum konnten einige davon sich hier eine Existenz aufbauen.
    Heute sind alle diese Arbeitsplätze dank dem ‚vorausschauenden Unternehmerdenken‘ und der Politik der EU in den nahen und fernen Osten exportiert worden. Heute wären wir froh um diese Arbeitsplätze. Sie sind endgültig verloren und nicht so schnell wieder auf zu bauen. Es fehlen schon die Ausbildungs-Schulen und -Plätze. Ein Ergebnis von kurzsichtiger Arbeitsmarktpolitik und zu vordergründiger Gewinnmaximierung.
    Schade.

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