Sein und Zeit

an manchen Orten:
nicht in der Nähe des Nichts
nicht im Bewusstsein der Vergänglichkeit
mit der geschenkten Erfahrung von Sinn

Dasein mit dem Geschmack von Himbeeren
Dasein mit dem Geruch der Bergkräuter
Dasein mit dem Erspüren der Wärme von Sonnenstrahlen,
des Windes in den Haaren und der Gräser auf den zugewachsenen Steigen

in manchen Stunden:
im Sein einen Sinn entdecken
im Hineingeworfensein Authentizität erfahren
in einem Du Ganzheit erleben

Sein nicht als ein „man“
Existieren in der Begegnung
Ausbrechen aus dem Geworfensein
in einem Ich das zum Du wird

Leben wird bedeutsam
Leben ist nicht mehr entweltelt
es weltelt
im Seinssinn von Liebe

alltäglich und eigentlich
Leben existiert im Erleben
Liebe vollzieht sich in Liebe
der Sinn des Seienden erfüllt sich in ihr

klaus.heidegger (Vintlalm, 14.7.2022)


(Wie mein Namenskollege Martin Heidegger philosophiere ich gerne, wenn ich unterwegs bin, und es begleiten mich seine Gedanken seit den Tagen des Philosophiestudiums und der Lektüre von „Sein und Zeit“, die ich damals noch nicht verstand, weil ich es nur mit dem Kopf zu begreifen versuchte. Martin Heidegger würde sagen: Ich erlaufe mir die Gedanken. Wie er, zieht es mich in die Berge und Höhen,  um Gedanken frei fliegen zu lassen. Wie Martin Heidegger eine beständige und unermüdliche und gefährliche Suche nach dem Sinn im Sein, die immer eine Frage des Erfahrens und Erlebens ist,  gefährlich, weil sie die Tragik menschlicher Existenz nicht verdrängt. Wie Martin Heidegger, der auch Theologie studierte und ursprünglich Priester werden wollte, suche ich beständig nach Worten, die Sinn ergeben. Die Erfahrung und die Suche nach liebenden Begegnungen – ich teile auch sie mit dem großen deutschen Philosophen. Zugleich will nie das Erschrecken weichen, mit dem sich Martin Heidegger vor dem Nationalsozialismus nicht abgrenzte.)

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