
Würde ich all die Tausenden Möglichkeiten für Skitouren in Tirol ergreifen wollen, bräuchte ich Hunderte von Leben. Die Rofanspitze wird mir in diesem Leben schon geschenkt. Wieder macht es der Alpenverein Hall (Danke!) möglich.
Unsere Tour beginnt an einem Sonntag, der sich wie ein lauer Sommertag anfühlt. Wir Menschen sind wie Versuchskaninchen von ständig steigenden Temperaturen. Klimaforschende sprechen von einem durchschnittlichen Anstieg von mehr als 4 Grad in den Alpenregionen. Mit der ersten Gondel der Rofanseilbahn geht es von Maurach hinauf zur Erfurter Hütte. Ein Anstieg vom Tal aus macht aufgrund der Schneelage wenig Sinn. Zuletzt war ich vor einigen Jahren hier, um den 5-Gipfel-Klettersteig zu erspüren. Damals fügten wir auch noch die Rofanspitze zu der Gipfelsammlung hinzu. Heute ist sie unser Tourenziel. Von der Hütte bzw. Bergstation weg führt unser Weg über das breite Plateau. Imposant ist der Gipfel vom Roßkopf, dessen senkrechte rötliche Südwand in der Morgensonne noch rötlicher erscheint. Kurze Steilstufen, Mulden und Kuppen wechseln sich ab, zwischen die sich die Aufstiegsspur schlängelt. Umgeben von stolzen Gipfeln kann sich die Seele lösen von all dem Streit in den Tälern und Ebenen unserer Welt. Nach der Grubascharte öffnet sich der Blick hinüber zum Gipfel. Die Sonne hat die Spur längst weich gemacht und erleichtert so das Gleiten über den steilen Südwesthang. Der Gipfel ist mit 2259 bei weitem nicht so hoch wie die mächtigen Berge der Zillertaler, die sich etwas im Dunst des Saharastaubs im Süden emporheben, dennoch ist die Aussicht großartig. Feinfirnig wird dann die Abfahrt über die steilen Hänge und pittoresk wird die Berglandschaft nach der Grubascharte. Als Gruppe teilen wir die Freude an diesem wunderbaren Ort – und geteilte Freude ist bekanntlich noch größer.
Beim Hinuntergleiten mit der Bahn zum türkisgrünen Achensee kehren meine Gedanken zu den Nachrichten in der Welt zurück und in die Freude über das Bergerleben mischt sich die Sorge um den Planeten und der Wut über Menschen und Mächte, die ihn zerstören.
klaus.heidegger, 8.3.2026