
Meine Skitourenziele sind meist in der Nähe meines Lebensbereiches und am liebsten ist es meinem Ökosinn, wenn sie mit Öffis und Rad erreichbar sind. Mit dem Alpenverein Hall erweitere ich manchmal den Radius über die Tuxerberge oder die Stubaier-Alpen hinaus. Der AV-Bus schafft die Möglichkeit dazu, dies umweltfreundlicher zu gestalten. Die diesmalige Destination liegt zwei Stunden entfernt inmitten der Fanesgruppe in Südtirol. Die beiden Tourenführenden haben das Wochenende im UNESCO Weltnaturerbe der Dolomiten perfekt vorbereitet und geplant. Ein großes Geschenk. Rund zwei Stunden dauert der Hüttenzustieg von Pederü weg. Es sind knapp 500 Höhenmeter und sechs Kilometer. Die steilen glatten Felswände zu beiden Seiten schaffen ein Dolomitenfeeling. Zwei Tage bzw. Nächte werden wir auf der Faneshütte (2060 m) professionell und achtsam verwöhnt. Das eher stürmische Frühlings-Winterwetter mit viel Nebel und Schneefall setzt dann die Grenzen für unsere nächsten Ziele. Wieder denke ich mir: Wir müssen uns an Berge und Wetter anpassen und nicht umgekehrt. Das schafft Gelassenheit und Zufriedenheit mit dem, was die Bergwelt uns schenkt. Geplant war am zweiten Tag die Lavarella-Überschreitung. Knapp unterhalb des Gipfels wählen wir aber den Rückzug. Es wird zu ungemütlich. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – kann ich die Landschaft genießen. Die eindrucksvollen Dolomitenpyramiden – wie der Piz Taibun – und die steilen Rinnen, die Mulden und Jöcher – und der Schnee lässt sich super befahren und vor allem sind wir eine Gruppe, die gut aufeinander schaut. Am dritten Tag liegt dann reichlich frischer Pulverschnee vor der Hütte. Unser Tourenführer zieht gekonnt eine Spur Richtung Pareispitze. Den Gipfelaufbau lassen wir allerdings dann aus. Dort liegt erstens nur wenig Schnee über den Felsen und zweitens ist das Wetter mit Wind und Nebel nicht zu einladend. Im frischen Pulver können wir dann aber zur Hütte zurück kurven. Sie liegt wie im Brennpunkt einer weiten Arena. Stufenförmig bilden Felsbänder eine halbkreisförmige Landschaft, auf denen kleine Föhren wachsen. „Parlament der Murmeltiere“ wird es auch genannt. Ich las dazu die Sage, die davon erzählt, wie sich hier Murmeltiere zu einer Konferenz versammelten, um die Menschen im Königreich Fanes zu retten. Es braucht kein Gipfelerlebnis, um beschenkt mit der Erfahrung einer besonderen Bergwelt und einer achtsamen Gemeinschaft wieder dankbar hinaus ins Tal nach Pederü zu fahren.