
Am Tag, an dem in den orthodoxen Kirchen Ostern gefeiert wird und in den katholischen Gottesdiensten die Auferstehungserzählung von Thomas gelesen wird, an diesem Tag gibt es in Ungarn eine politische Auferstehung. Freilich ist es nicht ratsam in Zeiten des grassierenden christlichen Fundamentalismus, in denen sich ein US-amerikanischer Präsident selbst mit Jesus Christus vergleicht und sein Kriegsminister eine Auferstehungsmetaphorik benützt, um den militärischen Einsatz zur Rettung eines US-Kampfpiloten im Iran zu beschreiben, selbst christliche Assoziationen zu wagen.
Dennoch: Was am 2. Ostersonntag in Ungarn geschah, war ein Aufstand für die Demokratie. Das autokratische und antiliberale System Orban kommt auf demokratischem Wege eindrucksvoll an sein Ende. All die Propaganda, die Behinderung der Justiz, die Korruptionen und Einschüchterungen – all dies hat Orban und seiner Fidesz-Partei nichts mehr genützt. Die Welt kann wieder lernen: Demokratie trägt in sich die zivile Kraft, autoritäre Machtstrukturen zu verändern. Die Herrschaft geht vom Volk aus.
Es ist ein Aufstand, in der die Wissenschaft und Kultur wieder ihre Freiheit zurückerlangen werden. Das Orban-System von Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Gleichschaltung der Medien wird auf friedlichem Weg überwunden. Der Weg der Befreiung geht nicht über eine gewalttätig-blutige Erhebung von innen oder eine militärische Intervention von außen.
Viele Fragen stellen sich nun: Wird die katholische Hierarchie, die sich zuvor meist opportunistisch hinter das Orban-System gestellt hatte, nun auch bereit sein, einen andere Weg einzuschlagen, in dem nicht mehr ultrakonservative Werthaltungen vertreten und LGTBIQ-Rechte missachtet werden?
Wird Peter Magyar mit seiner Tisza-Partei einen Kurs fahren können, der zwar pro-europäisch ist, dennoch nicht die Kriegsoptionen der EU-Eliten unterstützt? Wird der neue Premierminister es wagen, die menschenrechtswidrige Flüchtlingspolitik in seinem Land zu beenden?
Die Hoffnung ist da: Dass die rechtspopulistischen Kräfte in Europa sich nicht länger im Aufwind befinden. Die betroffenen Gesichter der FPÖ-Granden nach dem Wahltag sind ein gutes Signal.
Bild, aufgenommen bei meinem letzten Budapest-Besuch im Dezember 2022, Freiheitsdenkmal