
In einem Social-Media-Post wird im Kontext des Papstbesuches in Afrika gegen den Islam polemisiert. Es wird einfach aufgezählt, in wie vielen Ländern Afrikas Christen verfolgt würden. Schuld sei „der Islam“. Sind „die Religionen“, wie kämpferische Atheisten unentwegt behaupten, verantwortlich für die Kriege in der Welt, oder ist es nicht vielmehr der blasphemische Missbrauch der Religionen? Rund um den Papstbesuch in Afrika werden andere Akzente gesetzt. Der Papst setzte viele Zeichen und sprach immer wieder von den Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam, die im Glauben an den einen Gott verbunden seien. Papst Leo besucht die Große Moschee in Algier und in einer interreligiösen Feier in der Marienbasilika beteten Muslime und Christen gemeinsam. Während christlich-fundamentalistische Kreuzzugsideologen den Krieg gegen islamisch geprägte Länder rechtfertigen, betont das katholische Oberhaupt, dass ein Frieden zwischen den Religionen zu ihrem Wesen zählt.
Nicht „das Judentum“ oder die Bibel dürfen verantwortlich gemacht werden für die genozidale Kriegspolitik gegenüber der Zivilbevölkerung in Gaza, den völkerrechtswidrigen Angriffen auf den Iran und den Libanon sowie der fortdauernden menschenrechtswidrigen Besatzungspolitik im Westjordanland. Das Judentum und die Bibel verkünden in ihrer Mitte den Shalom, einen Frieden, der mit dem Glauben an einen Gott der Barmherzigkeit zu tun hat, der seinen Söhnen das Kriegshandwerk verbietet. Der rote Faden durch die Bibel ist das Aufdecken von Gewaltstrukturen und die Überwindung von Gewaltherrschaft. In der Mitte der zehn Gebote steht das Tötungsverbot. Netanjahu und seine rechtsextrem-nationalistischen Bündnispartner in der Regierung und im Parlament missbrauchen den jüdischen Glauben als Legitimation für ihre Kriegspolitik. Die Siedlerbewegung handelt wider göttliches Gebot, wenn sie die palästinensische Bevölkerung systematisch enteignet und einschüchtert.
Nicht „der Islam“ oder der Koran sind verantwortlich dafür, dass islamistische Kräfte in Gestalt von Mörderbanden, Terroreinheiten und autoritären Regimen Christen verfolgen, Menschen hinrichten lassen, die Rechte von Frauen beschneiden. Jeder Mord und jeder Terror widerspricht dem Wesen des Islam. „Islam ist Frieden“. Der Islam als Religion bewegt Muslime dazu, „Frieden zu stiften zwischen den Menschen“ (Sure 2,224). Der Prophet Muhammad ermutigte seine frühe Gemeinde in Mekka, auf Verfolgung nicht mit Gegengewalt zu reagieren. „Wir wollen geduldig ertragen, was ihr uns an Leid zufügt.“ (Sure 14,12) Und weiters heißt es im Koran: „Wehre das Böse mit Besserem ab, und schon wird der, zwischen dem und dir Feindschaft war, dir wie ein echter Freund werden.“ (Sure 41,34) Ein Muslim ist verpflichtet, „Frieden zu stiften zwischen den Menschen“ (Sure 2,224)
Nicht „das Christentum“ oder das Neue Testament sind verantwortlich dafür, wenn die religiösen Fanatiker im Weißen Haus und im Pentagon Völkermorddrohungen aussprechen (Trump: „Eine gesamte Zivilisation wird heute sterben und niemals wiederkommen.“) und immer neue Kriege führen, wenn Putin und sein getreuer Patriarch einen grausamen Angriffskrieg gegen die Ukraine rechtfertigen.
Wer antireligiös polemisiert, gibt jenen Recht, die Religionen für ihre Gewaltpolitik missbrauchen, so als stünde tatsächlich eine Kriegs- und Gewaltpolitik in den heiligen Büchern. Die Religionen sind hingegen friedensförderlich und tragen in sich das größte Potenzial der Menschheit, dass Frieden auf Erden sein könnte. Der Theologe Hans Küng hat diesen Ansatz mit dem Projekt „Weltethos“ ausführlich in interreligiösen Dialogformen schon vor vielen Jahrzehnten wissenschaftlich erarbeitet und in dem Kernsatz zusammengefasst: Ein Frieden zwischen den Religionen wird zum Frieden in der Welt führen. Eine der vier großen ethischen Weisungen aller Religionen lautet: „Du sollst nicht töten!
Nicht verletzen, foltern, quälen, psychisch oder physisch. Hab Ehrfurcht vor dem Leben!“
Klaus Heidegger, 16.4.2026
(Bild: Logo vom Projekt Weltethos, lizenzfrei)