Segensverweigerung für homosexuelle Paare?

Ernüchterung und Enttäuschung aus dem Vatikan

Vor einer Woche noch schrieb ich in meinem Blog voll Hoffnung und Zustimmung, wie sehr sich Papst Leo XIV. mit klaren Worten gegen die aktuellen Kriege in der Welt aussprach, mit einer Klarheit, die den US-amerikanischen Präsidenten, seinen Vize und seinen Kriegsminister zur Gegenrede herausforderten. Die Worte von Leo für den Frieden und die friedensethischen Positionierungen des Vatikans in den vergangenen Jahrzehnten binden mich noch am stärksten an die weltweite katholische Kirche. Und dann wieder wird meine Identifikation so abrupt infrage gestellt, wenn es um die Frage der kirchlichen Positionierung zur Homosexualität geht.  Dann denke ich mir: Das ist nicht meine Kirche, für die ich ein Leben lang in unterschiedlichsten Funktionen gearbeitet habe.

Zaghafte Schritte gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen

Zuletzt hatte ich gehofft, dass es der Kirche gelingt, die jahrhundertealte Diskriminierung homosexueller Menschen und die Verurteilung der Homosexualität schrittweise zu überwinden. Die Aussagen des Weltkatechismus mit den dumm-dreisten Argumenten gegen Homosexualität, so hoffte ich, sollten auch im Sprechen der Kirchenleitungen keine Rolle mehr spielen. Papst Franziskus hatte es mit seinem Schreiben „fiducia supplicans“ ein wenig gewagt, die Tür für eine andere Richtung zu öffnen. Auch homosexuelle Paare, so schrieb Papst Franziskus, könnten unter bestimmten Voraussetzungen kirchlichen Segen bekommen. Absurd zwar sind diese Bedingungen, denn es müsste sichergestellt sein, dass es nicht eine Parallele zu kirchlichen Eheschließungen sein könnte, sie dürften also nicht formell sein und keinen liturgischen Charakter haben.  Warum denn nicht, so muss gefragt werden. In diesen Bedingungen manifestiert sich bereits der Fortbestand der Jahrhunderte alten Diskriminierungen. Doch selbst die Äußerungen des früheren Papstes waren den erzkonservativen katholischen Kreisen zu weitgehend. Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren würde eine Legitimierung von unzüchtigen Beziehungen bedeuten, so hieß es aus verklemmt erzkonservativen Kreisen. Zuletzt hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx dennoch die Segnungen homosexueller Paare in seiner Diözese offiziell erlaubt.

Papst Leo XIV. gegen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare?

Der Vatikan sei mit einer weitgehenderen Liberalisierung „nicht einverstanden“, meinte der Papst auf seiner Rückreise aus Afrika. Unpassender hätten die Worte von Leo XIV. nicht sein können. Er kam gerade aus jenem Kontinent, in dem in einigen Ländern Homosexualität weiterhin kriminalisiert wird – ja selbst bis zu Gefängnisstrafen und Todesstrafe. Der Papst nahm damit jenen Standpunkt der afrikanischen Kirche ein, die jede Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ablehnt. Die Worte seines Vorgängers nannte Leo wenig schmeichelnd als „berühmt-berüchtigt“.

Katholische Kirche in Österreich

Bischof Hermann von meiner Diözese ist aktuell in Rom und traf den Papst. Wird er dort auch gemäß der synodalen Beschlüsse seiner Diözese als Ortsbischof  Worte für eine andere Haltung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren finden? Wird er dann vielleicht auch in meiner Diözese den vielen gleichgeschlechtlichen Paaren schützend zur Seite stehen und – ähnlich wie Kardinal Marx in München-Freising – die Priester seiner Diözese ermutigen, Segnungen nicht länger vorzuenthalten? Werden die Kirchenglocken in meinem Land läuten für kirchliche Eheschließungen von gleichgeschlechtlichen Paaren?    

Noch kann der Direktor der Päpstlichen Missionswerke Österreichs und Professor der Hochschule Heiligkreuz, Pater Karl Wallner, sein auswendig gelerntes Katechismus-Wissen in katholisch-konservativen Medien verbreiten und als Lehrmeinung der katholischen Kirche ausgeben. Demnach sei eben ausgelebte gleichgeschlechtliche Sexualität sündhaft und „gegen die Natur“. Homosexuellen Menschen rät der Pater aus dem Stift Heiligkreuz zur Keuschheit. Noch schweigt der neue Erzbischof von Wien zu solchen herabwürdigenden und zutiefst unchristlichen Äußerungen, die mit dem Anspruch von katholischer Wahrheit ausgegeben werden.

Weil ich weiß, dass auf den theologischen Fakultäten längst eine andere Theologie vermittelt wird, die von einer christlichen Beziehungsethik ausgeht, die sowohl die anthropologischen Grundgegebenheiten ernst nimmt wie auch die bibelwissenschaftlichen Erkenntnisse, beispielsweise von Professor Martin Lintner an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Brixen, weil ich weiß, dass es auch in meiner Diözese Priester gibt, die offen sind für gleichgeschlechtliche Segnungen in ihren Gemeinden, will ich die Hoffnung nicht aufgeben, in der römisch-katholischen Kirche eine Heimat zu haben.

Klaus Heidegger

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