Kerschbaumersattel: Rennradklassiker

Ein Aufwärmen am Inntalradweg von Innsbruck bis dorthin, wo der Ziller in den Inn mündet. Ein Mann pflückt schwarz-rote Kirschen von einem hohen Baum und ich darf mir ein paar von seinem Kübel nehmen. Geschenk des Himmels. Sie schmecken süß und saftig. Herzlichkeit am Herz-Jesu-Sonntag. Bei Bruck – eine Marathonlänge wird bereits auf dem smarten Messgerät angezeigt – beginnt die kräftige Steigung, mir bekannt von vielen Fahrten aus früheren Jahren. Dankbare Erinnerung auch an den Tag, der als Vatertag gefeiert wird. Es tut heute gut, nicht allein unterwegs zu sein, auch zu spüren, wie nach einer langen Verletzungsdauer vorsichtig wieder die alte Sport-Routine zurückfindet. Mit den Höhenmetern und dem Eintauchen in die Natur gelingt es, die disruptiven Zustände in der Welt aus meinem besorgten Nachdenken zu schieben. Nicht ganz. Auf der Südauffahrt sind es sechs Kilometer bis zur Scheitelhöhe mit der besonderen Höhenangabe 1111. Das bedeutet viel Steigung von bis zu 20 Prozent verteilt auf 535 Höhenmetern. Die Straße ist schmal und wenn ein Auto vorbei will, dann fühlt sich der Radelnde schon sehr bedrängt. Zum Glück fahren kaum Autos und immer wieder mache ich kraftschonend Schlangenlinien. Das Zillertal liegt bald 500 Meter unter uns. Auf der anderen Seite wartet das Alpbachtal. Die Wiesen riechen nach Frische und Kraft. Im Zentrum von Reith treffen sich Menschen in ihren Festtagstrachten zum Frühschoppen. Kräftig ist der Wind bei der Abfahrt. Nach Kaffeerast in der mittelalterlichen Fußgängerzone von Rattenberg in der kleinsten Stadt Tirols – da sind wohl bald einmal mehr Touristen als die 400 Einwohner – lassen  wir uns vom kräftigen Wind nun auf der B171 bis Innsbruck zurückschieben. So kann bei Hall die 100-Kilometer-Marke locker überschritten werden. Die „Pasta per tutti“ im Innsbrucker Dom werden dann gut schmecken und diesem Tag noch eine besondere Note schenken.

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