Nachdenken am Vatertag: Vaterbilder und mein nicht unpolitisches Papasein

Morgens an Wochentagen sehe ich Papas am nahen Radweg, wie sie liebevoll mit ihrem Nachwuchs am Kindersitz oder noch bequemer mit Lastenrad zu einem Kindergarten oder zur Volksschule fahren. Es ist ein guter Start in einen Tag. Den Kindern gefällt es. Freilich sind noch immer viel mehr Mamas unterwegs. In mir lebt ein wunderbarer Schatz von vielen Tagen, in denen ich meine Kinder bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit mit Fahrradanhänger zu einem alternativen Kindergarten im nächsten Ort brachte. Ich brauchte keinen Radio, weil zumeist der Kleine im Radanhänger sang, wenn er nicht gerade an einer Laugenbreze aß. Keinen dieser Tagesanfänge möchte ich missen.

Aus den Medien erfahre ich von einem Parteichef, der sich eine „gute alte Zeit“ herbeiwünscht, in der Kindern „nachgeholfen“ werden konnte, wenn sie nicht gehorchten. Es habe „niemandem geschadet“, meinte er und deutete dabei mit seiner Rechten eine Watschn an. Wollen die rechtspopulistischen Burschenschafter-Papas wirklich, dass Gewalt an ihren eigenen Kindern geschieht? Die Wehrdienstzeit soll verlängert werden und Söhne sollen kriegstauglich werden. „Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht“, diese Melodie von Reinhard Mey begleitet mich seit vielen Jahrzehnten im friedenspolitischen Engagement.

Untertags sitzen im nahen Spielplatz nur selten Papas mit ihren Kleinen. Eine aktuelle Studie bestätigt das Spielplatzbild: Mütter nehmen nach der ersten Geburt durchschnittlich 416 Tage bezahlte Elternkarenz in Anspruch. Väter bleiben dagegen nur neun Tage zu Hause. Ich bin dankbar, dass es mir mein Beruf und meine Lebenssituation ermöglichten, intensiv auch die Elternkarenz in Anspruch zu nehmen und Zeit für meine Kleinen hatte. Dass es nicht karriereförderlich war, betrachte ich mit dem mir geschenkten Glück nicht als negativ.

In einem großen Geschäft werden typische Vatertags-Geschenke angeboten. Ganz oben sind Utensilien zum Grillen. Grillbuch, Grillbesteck, Grillthermometer … aber auch alles Mögliche rund um Bier oder Whiskey – selbst ein Bierglas in Form eines Frauenkörpers – scheinen geeignet für Papas zu sein. Vegane Kochbücher oder Putzlappen würden besser zu meinem Papasein passen.

An den Wochenenden fahren manche Papas mit ihren schon größeren Kindern entlang des Radweges oder wagen sich mit ihren Söhnen und Töchtern in Klettersteige. Andere begleiten sie auf die Fußballplätze, in die Schwimmbäder oder zu Turnvereinen. Die vielen Tagen mit meinen Kindern unterwegs auf den Bergen oder mit den Rädern über die Berge. Sie sind mir großes Geschenk in meiner Papa-Vergangenheit. Wenn ich heute auf irgendeine Alm gehe, weiß ich noch die Geschichten von damals, die ich erfand und erzählte, wenn einer meinen Lieben müde wurde und die Botschaft „nur noch eine Kurve“ schon unglaubwürdig erschien, oder ich kenne den Unterstand im Gebirge, wo wir ein Hagelgewitter abwarteten oder eine Kurve auf einem Pass, wo mein Sohn zu schnell in die Kurve fuhr. Die Krönungen waren stets die tagelangen Touren oder die hohen Gipfel – und diese Geschichte wird dankenswerterweise in neuer Qualität manchmal nun fortgesetzt.

Zu oft erschrecken mich Bilder aus den Kriegsgebieten dieser Welt: Väter, die eines ihrer blutüberströmten Kinder aus einem Haus tragen, das von einem Raketeneinschlag getroffen wurde, Väter, die am Grab eines ihrer Kinder stehen und sich vor Weinen und Klagen kaum halten können. Es sind Väter anderer Nationen, die den Tod von Kindern in anderen Nationen zu verantworten haben. Vor hundert Tagen begann die zweite Angriffswelle mit der Bombardierung einer Mädchenschule. 160 Töchter wurden dabei ermordet. UNICEF berichtet, dass seit Beginn des Gaza-Krieges fast 18.000 Kinder getötet und über 64.000 weitere schwer verletzt wurden. Ich bin so wütend auf die Kriegsherren und ihre Handlanger, die unermessliches Leid verursachen, um ihre Interessen durchzusetzen. Daher setze ich mich ein für eine Welt, in der es weniger Militär und mehr an gewaltfreien Konfliktlösungsmöglichkeiten gibt, in der die Erderhitzung abgebremst wird und möchte selbst möglichst nachhaltig zu leben versuchen. Papas sollen Vorbilder für ihre Kinder sein. Wir Eltern sind für den Zustand der Welt heute verantwortlich und müssen alles tun, damit es eine bessere Zukunft für unsere Kinder gibt.

In einer Kirche sehe ich ein Bild von Josef mit seinem Sohn Jesus. Liebevoll zärtlich hält der starke Mann, der einmal nicht als alter Greis dargestellt wird, Jesus an seine Wange. Von seinem Vater Josef hat Jesus wohl auch erfahren, Gott selbst mit Abba anzureden. Die göttliche Kraft ist eine zärtlich-fürsorgliche Kraft ist – wie ein Vater zu seinen Kindern sein kann, tief aus dem Herzen, barmherzig-warmherzig, nicht abwesender Patriarch – sondern Papagott und deswegen wohl auch Opagott. Wie passend wohl auch, dass der Vatertag 2026 zugleich mit dem traditionellen Herz-Jesu-Sonntag gefeiert wird.

Und heute erfahre ich wieder ganz neu, was es bedeutet, nicht nur Vater, sondern auch Großvater zu sein – und vielleicht werden auch meine Enkel einmal singen können wie S.T.S. in dem herzberührenden Song „Großvater“:
„Du warst ka Übermensch, hast a nie so tan
Grad deswegn war da irgendwie a Kraft
Und durch die Art wie du dei Lebn glebt hast
Hab i a Ahnung kriagt wie mas vielleicht schafft“

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